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Kolumne «Plötzlich Bauer» von Sebastian Hagenbuch: zuerst denken, dann poltern

In seiner Kolumne «Plötzlich Bauer» erzählt Sebastian Hagenbuch monatlich von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem aus seinem Leben als Junglandwirt. Diesmal macht er sich Gedanken zum Wunsch nach einfachen Antworten.


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Sind sie für oder gegen die Bio-Landwirtschaft? Pro oder kontra Klimaerwärmung? Klar, blöde Fragen. Beide Themen sind natürlich viel zu komplex, als dass eine einfache Pro-oder-Kontra-Frage genügen würde. Entsprechend gibt es auch keine einfachen Antworten zu diesen Fragen, auch wenn viele das gerne hätten (oder gleich selber einfache Antworten liefern). Und jetzt kommt in diesem 
Heft noch ein Artikel daher, der diese beiden Themenfelder zusammenführt: Die Auswirkungen des Bio-Landbaus 
auf das Klima. Eine Herkulesaufgabe.


Haben Sie den Artikel gelesen? Ich habe ihn gelesen. Er ist interessant, dicht an Information und intelligent geschrieben. Ironischerweise fühle ich mich nach der Lektüre aber nicht wirklich schlauer als zuvor: Der Text lässt mich zunächst einigermassen ratlos zurück. Was wäre denn jetzt das Beste für das Klima? Was könnte ich selber auf unserem Betrieb umsetzen? Auch ich will scheinbar einfache Antworten, die es nicht gibt.


Was ich dennoch mitnehme: Wenn die grossflächige Umstellung auf biologische Landwirtschaft positiv für das Klima sein soll, muss sie mit einer Änderung unserer Ernährungs-Gewohnheiten einhergehen, schreibt Ralf Nestler. Was ich in diese Aussage hinein interpretiere: Primär müssten wir unsere Ernährungs-Gewohnheiten umstellen, dann wäre es auch OK, wenn wir in einem zweiten Schritt auf Bio umstellen würden. Das ist natürlich ganz getreu dem in diesen Fragen beliebten Motto: Sollen die anderen doch zuerst.


Ernährungs-Gewohnheiten verändern 
sich nicht so rasch. Das zeigt sich nicht zuletzt in der aktuellen Marktsituation für Bio-Produkte in der Schweiz: Kaum ein Bereich, der nicht gesättigt ist. Umstellungswillige Bauern zaudern, 
weil sie Angst haben, Bio-Milch in den konventionellen Kanal liefern zu müssen und keine Abnehmer für ihre Produkte zu finden. Verständlich, denn für potenzielles Bio-Biogas aus unverkäuflichen Bio-Produkten gibt es meines Wissens bislang noch keinen Markt.


Zurück zum Artikel und der Frage: Was tun damit? Wenn ich ehrlich sein soll: Wenn wir zu Hause strategische Entscheide auf unserem Betrieb fällen, ist das oberste Kriterium jeweils nicht: «Hey, wie wirkt sich dieser Entscheid auf das Klima aus?» Klar, wir haben eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Scheunendach erstellt, eine zweite wird diesen Sommer folgen. Um das Klima zu retten? Mitnichten. Natürlich gefällt uns die Tatsache, dass wir grünen Strom erzeugen. Wenn die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Fotovoltaik-Anlage aber desaströs aussehen würde, könnten wir uns diese Investition schlicht und einfach nicht leisten und würden sie folglich auch nicht tätigen. Was nicht heisst, dass man für Geld alles tut: Wir würden ziemlich sicher kein Braunkohle-Kraftwerk bauen, auch wenn es noch so rentabel wäre.


Als Landwirt ist der wirtschaftliche Druck aber zu gross, als dass man es sich leisten kann, defizitäre Investitionen allein zugunsten des Klimas zu tätigen. Aber im besagten Artikel geht es ja auch gar nicht um die Ebene Einzelbetrieb. Vielleicht war meine Herangehensweise an den Artikel auch falsch: Nicht jeder Text muss mir Eins-zu-eins einen Nutzen 
auf meinem Betrieb bringen.


Ein guter Artikel kann mehr als nur konkrete Ideen für den eigenen Betrieb liefern. Er kann auch unterhalten, weil das Thema interessant ist. Oder helfen, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Eine höhere Flugebene ein-
zunehmen als jene des Einzelbetriebes. Er kann uns auch berühren, zum Lachen oder Nachdenken bringen.


Manchmal kann ein Text aber auch nur schon gut sein, weil er schlüssig aufzeigt, dass etwas nicht so einfach ist, wie wir das gerne hätten. Wenn wir bei nächster Gelegenheit dann am liebsten laut drauf los poltern wollen, denken wir vielleicht vorher noch einmal darüber nach. So retten wir zwar nicht das Klima, tun aber dennoch etwas für die (Gesprächs-)Atmosphäre. Und das ist wichtig, für jeden einzelnen Betrieb in der Schweiz, im «Schicksalsjahr» für die Schweizer Landwirte.

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