Es ist an der Zeit, über Geld zu schreiben. Nicht bloss, weil der Buchhaltungsabschluss gemacht wird (ok, ganz so weit sind wir noch nicht). Und nicht nur, weil ich mich frage, wo wir im Vergleich zum Vorjahr oder und den Berufskolleginnen und Kollegen stehen. Das natürlich auch. Aber es geht mal grundsätzlich um Geld.

«Kann es sein, dass dir Geld in letzter Zeit wichtiger geworden ist?» Das wurde ich unlängst gefragt. Auch hier wollte ich intuitiv und verteidigend mit «Nein» antworten (wie seinerzeit auf die Frage, ob ich gestresst sei). Doch das wäre wohl gelogen gewesen. Geld spielt eine nicht unerhebliche Rolle für einen teilselbstständigen Landwirt.

Erinnere ich mich an meine Zeit als Student, so war Geld kein grosses Thema. Niemand hatte viel Geld. Für die Miete, Essen, Bier und etwas Ferien hat es aber dennoch meistens gereicht. Und das war zu dieser Zeit auch der eindeutige Sinn und Zweck von Geld.

Heute ist das anders. Ich habe mehr Geld zur Verfügung (was nicht schwer ist), gleichzeitig aber viel weniger Zeit, es für Essen, Bier und Ferien auszugeben. Eine paradoxe Situation. Dafür habe ich ja etwas Neues, was verhindert, dass sich zu viel Geld ansammelt: Den Betrieb.

Ein bisschen kommt mir so ein Betrieb wie ein kleines Kind vor: Je grösser er wird, desto mehr Hunger hat er. Nur isst der Betrieb keinen Brei, sondern Geld. Eine Investition löst meistens FolgeInvestitionen (oder Reparaturen) aus. Der Stall wird erweitert, es braucht mehr Tiere. Ein neues Fahrsilo, die Gülletechnik muss schlagkräftiger werden. Allenfalls ist man sogar auf Personal angewiesen … Dies nur als Beispiel.

Als Landwirt ohne fixen Monatslohn ist die Beziehung zu Geld – verglichen mit einem Angestellten – naturgemäss anders. Es ist, als hätte man fast täglich kleine Lohnverhandlungen. Jede Entscheidung beeinflusst in irgendeiner Form unser Einkommen.

Interessant ist, dass die meisten Landwirte ihren Lohn vor allem auf der Kostenseite beeinflussen können. Wir können klug investieren, sparsam sein, viele Eigenleistungen erbringen, Offerten einholen, zusammenarbeiten, reparieren statt ersetzen oder mieten statt kaufen. Das alles hilft uns, die Produktionskosten im Griff zu haben.

Was wir aber in den meisten Fällen nicht können, ist beim Preis für unsere Produkte mitreden. Oder haben Sie schon einmal mehr für Ihren Weizen bekommen, weil sie gut verhandelt haben?

Eine Ausnahme ist hier die Pensionspferdehaltung. Hinsichtlich des Geldes birgt diese einige Vorteile. Nicht, dass man damit reich würde, aber: Das Geld kommt monatlich, und zwar auch bei Dauerregen, Hagel oder Hitze. Das
Geld geht von der Pferdehalterin an den Betrieb. Dazwischen ist kein Händler, Transporteur oder Disponent, der ja auch von etwas leben muss. Und: Die Preise kann ich selber festlegen.

Klingt alles sehr reizvoll. Ist es teilweise auch, obwohl die Sache mit den Preisen natürlich kein Selbstläufer ist. Ein schlüssiges und transparentes System zu haben, das für alle im Stall einigermassen stimmt, ist gar nicht so einfach. Und stimmt es dann endlich einmal, folgt sicher bald die nächste Änderung. Jemand verlässt den Stall, neue Einstreu wird gewünscht …

Ja, Geld hat in meinem Leben an Bedeutung gewonnen. Weil es eine gewisse Sicherheit gibt. Weil es ermöglicht, zu investieren. Weil es eine Währung ist, mit der unternehmerischer Erfolg gemessen wird. Eine gewisse Bedeutung muss Geld vermutlich haben, damit man genug davon hat zum Leben. Denn nur wer genug Geld hat, kann es sich leisten, dass es nicht zum Wichtigsten im Leben wird.

«Plötzlich Bauer»

Sebastian Hagenbuch ist Landwirt und Agronom. Er bewirtschaftet mit seinen Eltern einen Betrieb mit zwei Standorten im Freiamt AG. Er arbeitet in einem Teilzeitpensum als Redaktor Pflanzenbau für «die grüne».

Hagenbuch begann sich erst spät für die Landwirtschaft zu interessieren. In seiner Kolumne erzählt er von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem, wechselt ab zwischen Innen- und Aussensicht, immer mit kritischen Blick und einem Augenzwinkern.