Kurz & bündig
- Die Zuckerrüben-Ernte(Kampagne) ist in vollem Gange.
- Die Landwirte können einen wichtigen Beitrag für eine reibungslose Ernte leisten.
- Die Erntemaschine erfordert höchste Konzentration und viel Erfahrung.
- Die Arbeit erfolgt in der Hochsaison im Schichtbetrieb.
Hans-Peter Burri blickt von seinem Arbeitsplatz aus gut zwei Metern Höhe konzentriert Richtung Boden. Er sieht, wie ein gleichmässiger Strom sauber geköpfter Rüben im Bauch seiner Erntemaschine verschwindet. Eine Hand ist am Joystick, die andere ist frei – der Holmer findet seinen Weg durch die Parzelle von Landwirt Olivier Roethlisberger in Wavre NE dank Tastern automatisch. Das heisst aber nicht, dass der Fahrer nicht jederzeit gefordert wäre.
«Wenn ich mit dem Holmer fahre, bin ich immer voll konzentriert und kontrolliere, ob die Maschine sauber arbeitet oder ob ich kleine Justierungen vornehmen muss», sagt Hans-Peter Burri. Wichtig sei vor allem, dass die Rüben sauber geköpft sind und die Rodetiefe ideal passt. Je nach Bodenbeschaffenheit muss zudem beachtet werden, dass die Rüben sauber sind und nicht zu viel Erdbesatz aufweisen.
Eine besondere Herausforderung mit der rund 15 Meter langen Maschine ist das Wenden am Feldrand. «Hier kann man viel Zeit verlieren oder gewinnen», weiss Burri. Wichtig ist aber nicht nur der Faktor Zeit: «Wir sind mit grossem Gewicht unterwegs, da müssen wir es vermeiden, unnötig vor- und wieder zurückzufahren. Ideal ist, wenn wir in einem Mal wenden können», sagt Burri.
Technische Daten Holmer Terra Dos T4-40
Nennleistung: 626 PS
Hubraum: 15,6 l
Inhalt Kraftstofftank: 1150 Liter (plus 95 Liter AdBlue)
Masse: 15 m Gesamtlänge, 4 m Höhe
Bunkervolumen: 45 m3
Ob das gelingt, liegt aber nicht allein in der Hand des Fahrers der Erntemaschine. Genügend angelegte Querreihen sind wichtig, um genug Platz am Feldrand für das Wendemanöver und das Anlegen des Rübenhaufens zu schaffen.
«Ideal für die Arbeit mit dem Holmer ist es, wenn mindestens 18 Meter breit Querreihen angelegt worden sind», sagt Burri. Und ergänzt: «Beim Säen ist es wichtig, bereits an die Ernte zu denken. Das geht am besten, wenn zuerst die Querreihen angelegt werden und nicht einfach rund um das Feld herum mit Säen begonnen wird. Sonst ist es schwieriger, sauber mit der Ernte zu beginnen.»
Landwirte leisten wichtige Vorarbeit für die Ernte
Das Roden der Rüben ist meistens Arbeit für Lohnunternehmer. Die Landwirte können aber wesentlich dazu beitragen, damit die Ernte reibungslos und effizient abläuft. Das beginnt mit der Saat, wobei nebst ausreichend vorhandenen Querreihen auch auf präzise Distanz geachtet werden muss.
«Wird zu nahe zusammen gesät, touchiere ich beim Ernten immer bereits die Reihe neben dem Roder», weiss Burri. Dieses Problem sei allerdings deutlich seltener geworden, seit viele Rübenfelder von GPS bestückten Traktoren bestellt werden.
Ebenfalls wichtig für die Ernte ist ein Feld, das möglich frei von Unkraut ist. Besonders Winden, Hirsen und Quecken machen dem Roder zu schaffen und können die Ernteaggregate blockieren. Und wenn eine Parzelle Erdmandelgrasbefall hat, muss das unbedingt vorgängig dem Lohnunternehmer gemeldet werden.
Auch ist es wichtig für den Fahrer, dass Hindernisse wie etwa Schächte im Land gut markiert und bereits beim Säen grosszügig ausgespart werden, um Schäden an der Infrastruktur oder der Erntemaschine vorzubeugen.
Wildtiere flüchten, Passanten schauen zu
Wildtiere können dem Holmer ebenfalls in die Quere kommen. «Füchse fliehen manchmal nicht, sondern verstecken sich geduckt in den Rüben. Wenn ich sehe, dass sich das Rübenlaub bewegt, muss ich auf der Maschine besonders vorsichtig sein», sagt Hans-Peter Burri. Eine Hochfrequenz-Hupe auf dem Rübenvollernter hilft dabei, die Füchse zu verscheuchen. Die anderen Wildtiere ergreifen in der Regel flugs die Flucht, wenn sich der Holmer nähert.
Ganz im Gegenteil zu von der Maschine faszinierten Passanten. «Es kann gefährlich sein, wenn Spaziergänger auf der Strasse direkt vor dem Holmer stehen und zuschauen. Vom Krautschlegel können auch Steine nach vorne springen», mahnt Burri.
Jahrzehntelange Erfahrung bei der Rübenernte
Für Hans-Peter Burri (53) ist die Zuckerrüben-Ernte seit vielen Jahren eine Passion. Der Bauernsohn und gelernte Landwirt erinnert sich: «Mit13 Jahren bin ich zu Hause auf dem elterlichen Betrieb mit dem Einreiher zum Ernten in die Rüben gefahren. Die Maschinen wurden mit der Zeit grösser und moderner, und eine Zeit lang habe ich noch selbstständig im Lohn Rüben für die Landwirte gerodet.»
Weil Burri als Ein-Mann-Betrieb unterwegs war, bedeutete das für ihn sehr lange Schichten und viel Stress. Heute fährt er nicht mehr selbstständig, sondern für die Rüben GmbH mit Sitz in Suberg BE. Für diese Zeit nimmt Hans-Peter Burri jeweils Ferien, üblicherweise arbeitet er als Lastwagenkranführer.
Das Rübenernten ist nach wie vor eine grosse Passion für ihn. «Es ist ein Privileg, mit einer so starken und komplexen Maschine auf die Felder der Produzenten fahren zu dürfen», sagt Hans-Peter Burri.
In der Nacht ist die Leistung noch grösser als am Tag
In der Hauptsaison laufen die Rübenvollernter der Rüben GmbH Tag und Nacht. «In der Regel teilen wir uns dann zu zweit eine Erntemaschine. Eine Schicht dauert zwölf Stunden, gewechselt wird idealerweise etwa um vier Uhr nachmittags und um vier Uhr morgens.
Ist die Müdigkeit nie ein Problem? «Nein», sagt Hans-Peter Burri und lacht. «Ich fahre sehr gerne mit dem Rübenvollernter, und weil es immer etwas zu tun gibt, bleibt auch die Konzentration hoch. Ich fahre auch sehr gerne nachts. Dank der modernen Beleuchtungsanlage des Vollernters ist die Sicht und daher die Leistung nachts noch grösser als tagsüber», so der passionierte Maschinist.
Hat man als Erntefahrer überhaupt noch Kontakt zu den Rübenproduzenten? «Die meisten Landwirte kommen vorbei, wenn ich am Ernten bin. Sie schauen, wie die Rüben aus dem Boden kommen und prüfen, ob die Arbeit sauber gemacht wird. Einige geben auch Wünsche an, wie ich mit der Maschine wenden soll, und manche bringen sogar einen Kaffee vorbei», sagt Burri und grinst.
«Alleine kann ich mich besser konzentrieren»
Pausen macht er aber grundsätzlich nicht, seine Verpflegung hat er dabei und nimmt er auf dem Holmer zu sich. «Pausen sind Zeitfresser», meint er trocken. Bei der Arbeit ist Burri meistens alleine unterwegs, und das sei auch gut so. «Ich nehme gerne Landwirte oder natürlich auch Kinder für ein Paar Runden auf der Maschine mit. Alleine kann ich mich aber besser konzentrieren.»
Auf die Frage, was am nächsten Tag auf dem Programm stehe, sagt Hans-Peter Burri: «Morgen muss ich wieder arbeiten.» Er meint damit seine reguläre Arbeit als Lastwagenkranführer und nicht sein passioniertes Hobby, das Rübenroden.