Kurz & bündig
- In der Stichprobe wiesen die Zuckerrüben aus dem Mulchsaatteil höhere Erträge auf, trotz geringerer Pflanzendichte.
- Beim Endertrag hingegen brachten die gepflügten Rüben höhere Erträge.
- Beim Zuckergehalt hatten die Sorten einen grösseren Einfluss als die Bodenbearbeitung.
Die Zuckerrüben aus dem Sortenvergleich in Münsingen liegen wahrscheinlich bereits fertig verarbeitet in einem Aarberger Kristallzucker-Päckli und die Rübenschnitzel bei einem Milchproduzenten im Futtertenn.
Denn die Zuckerrüben konnten am 14. Oktober 2025 unter besten Bedingungen geerntet werden. Eine Woche später wurden sie bereits per Bahnverlad nach Aarberg transportiert. Die Resultate zeigen einige Unterschiede zwischen den Sorten und den Bodenbearbeitungsverfahren Pflug und Mulchsaat.
Mulchsaat bringt mal mehr, mal weniger Ertrag
Zwischen den Bodenbearbeitungsverfahren gab es spannende Unterschiede. Bei der Mulchsaat liefen zwar weniger Pflanzen pro Fläche auf als beim gepflügten Teil, dafür waren die einzelnen Rüben grösser und schwerer (siehe Bild Mulchsaat versus Pflug). Über alle Sorten hinweg lag der Ertrag der Stichproben im Schnitt bei der Mulchsaat bei 94 t/ha und beim Pflug bei 85,6 t/ha (siehe Tabelle «Resultate»).
Beim Zuckergehalt und der Ausbeute hingegen gab es im Schnitt über die Stichproben hinweg keinen Unterschied zwischen den Bodenbearbeitungsverfahren. Die Ernteergebnisse der gesamten Ernte zeigen aber gegenteilige Zahlen gegenüber den Stichproben. Nach der Ernte war der Rübenhaufen des Teils mit Mulchsaat mit einem Volumen von 175 m3 doch etwas kleiner als der Rübenhaufen des gepflügten Teils mit 187 m3. Bei der Mulchsaat wurde ein effektiver Hektarertrag von etwa 74 Tonnen erzielt und beim Pflug rund 82 Tonnen pro Hektare.
Bei der Gesamternte wies auch der Zuckerertrag leichte Unterschiede zwischen den Bodenbearbeitungsverfahren auf. Im Schnitt über mehrere Bahnwagen wiesen die gepflügten Rüben einen Zuckergehalt von 15,9 Prozent auf und die Mulchsaatrüben 16,3 Prozent.
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Beim Pflug liefen die Rüben gleichmässiger auf
Die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen und müssen etwas in Relation gesetzt werden. Die Erträge aus den Stichproben würden für die Mulchsaat sprechen, die Gesamterträge hingegen eher für den Pflug. Vorweg muss hier nochmals erwähnt werden, dass die Parzelle aufgrund der Kiesadern von der Bodenqualität her sehr ungleichmässig ist. Daher ist es schwer einzuschätzen, wie stark die Bodenbeschaffenheit den Gesamtertrag vom gepflügten Teil und dem Teil mit Mulchsaat beeinflusste. Die Stichproben wurden aus einem eher tiefgründigeren Teil der Parzelle genommen.
Was aber klar ersichtlich war: Die Saat beim gepflügten Teil lief gleichmässiger und dichter auf, weshalb mehr Pflanzen pro Hektare wuchsen. Die Mulchsaat wies viele Lücken auf wegen der nicht so guten Saatbeetvorbereitung und zu wenig präziser Saatgutablage. Im Frühjahr wurde im Mulchsaatteil nach der Glyphosatbehandlung die Gründüngung direkt mit dem Zinkenrotor eingearbeitet, ohne vorgängigen Grubberdurchgang. Daher waren ziemlich viele Erntereste und Mist im Saathorizont, was dazu führte, dass einige Saatkörner zu tief und einige zu wenig tief gesät wurden.
Das könnte der Hauptgrund für die Ertragsunterschiede zwischen den Bodenbearbeitungsverfahren sein. Denn im trockenen Juni 2025 blieben die Rüben in der Mulchsaat ein wenig grüner als die gepflügten Rüben, was darauf hinweist, dass beim Pflügen mehr Wasser verloren geht als bei minimaler Bodenbearbeitung.
«Für mich ist die Zuckerrübe eine Kultur, die für Mulchsaaten gut geeignet ist», sagt Beat Wyss, Lohnunternehmer und Berater bei KWS. Er hat bereits viele gute Erfahrungen gemacht beim Anbau von Zuckerrüben in Mulchsaat. Die Zahlen aus den Stichproben sprechen ebenfalls dafür. «Wenn das Saatbeet besser vorbereitet wird, zum Beispiel mit einem vorgängigen Grubberdurchgang, damit die Rüben von Anfang an gut und nicht lückenhaft auflaufen, hat die Mulchsaat durchaus ein höheres Ertragspotenzial als der Pflug», meint Beat Wyss.
Beim Rübenroden waren die Unterschiede der beiden Bodenbearbeitungsverfahren ebenfalls gut bemerkbar. Martin Schafroth vom Lohn-unternehmen Paul Häberli aus Hettiswil BE ist mit dem Ropa-Rübenvollernter gefahren. Er hat beobachtet, dass die Rüben im gemulchten Teil weniger tief im Boden verankert waren.
Bei der Ernte passierte es teilweise, dass es geerntete Rüben vorweggestossen hat. Deshalb konnte er im Teil mit Mulchsaat weniger schnell fahren als im gepflügten Teil. «Für die Ernte geht es besser, wenn der Boden im Frühjahr bereits bearbeitet wurde», folgert Martin Schafroth.
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Deutliche Sortenunterschiede zu sehen im Aaretal
Nebst der Saatbeetvorbereitung hat auch die Sorte einen grossen Einfluss auf den Ertrag und den Zuckergehalt.
Der Vergleich zeigt eindrücklich, welchen Einfluss sowohl die Sorte als auch die Bodenbearbeitung auf den Ertrag haben. Nicht jede Sorte ist für jeden Standort und jedes Verfahren geeignet. Im Gespräch mit anderen ProduzentInnen hat sich zum Beispiel gezeigt, dass die Sorte Smart Beppina bei einigen durchaus gute Erträge liefern konnte. Aber am Standort Münsingen mit den kiesigen Böden hat die Sorte nicht überzeugt.
Überrascht hat hingegen die Sorte Smart Edytka. Diese hat im Feld vom Blattwerk her ähnlich ausgesehen wie Smart Beppina. Beide Sorten hatten zwei Wochen später als die anderen Sorten Reihenschluss und waren im gepflügten Teil über die ganze Saison hinweg von Spätverunkrautung geplagt. Trotzdem erreichte Smart Edytka deutlich höhere Erträge und Zuckergehalte.
«Eine alte Züchterweisheit besagt, dass man die Rüben nicht mit den Augen einer Kuh sehen darf. Gemäss den Ergebnissen stimmt das immer noch», fügt Beat Wyss mit einem Schmunzeln an. Die anderen drei Sorten Smart Manja, Smart Rossada und BTS 4825 wiesen im Mulchsaatteil zwar mehr Lücken auf, zeigten aber trotzdem hohe Rübengewichte und Zuckergehalte. Diese überzeugten zudem mit schöner Blattentwicklung und guter Bodenbedeckung.
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Die Königin der Feldfrüchte braucht gute Saatbedingungen
Die Antwort ist nicht schwarz-weiss, jeder Rübenproduzent muss für seinen Betrieb, seine Anbaustrategie und den jeweiligen Parzellenstandort herausfinden und entscheiden, welches Bodenbearbeitungsverfahren und welche Sorte am besten passen. Trotzdem gibt es aus dem Feldversuch einige generelle Erkenntnisse:
Die Zuckerrübe ist wegen der kleinen Samen sehr anspruchsvoll in Bezug auf die Saatbedingungen. Das Saatbeet muss exakt vorbereitet werden. Wird gepflügt, dann sollte dieser Arbeitsschritt genug früh durchgeführt werden, damit sich das Saatbeet bis zur Saat absetzen kann. So ist gewährleistet, dass die Rübenpille mit der entsprechenden Saattechnik präzise in die gewünschte Saattiefe abgelegt wird und rasch auflaufen kann.
Für einen schnellen Start und eine gute Jugendentwicklung brauchen die Rübenkeimlinge rasch verfügbaren Stickstoff zur Saat. Nur eine ausreichend mit Nährstoffen versorgte Pflanze ist auch konkurrenzfähig gegenüber Schädlingen und Trockenheit. Besonders bei der Mulchsaat muss ein Augenmerk auf die Starterdüngung gelegt werden, da die Verrottung von Mist und Gründüngung zusätzlich Stickstoff braucht.
Die Zuckerrübe heisst nicht umsonst «die Königin der Feldfrüchte». Sie braucht viel Pflege, von der Saat bis zum Zuckerwürfel.
Was bisher geschah
- Redaktorin Geraldine Zutter vergleicht auf ihrem Betrieb in Münsingen BE fünf Zuckerrübensorten und kombiniert diesen Vergleich mit zwei Bodenbearbeitungsverfahren. «die grüne» berichtet in jeder Ausgabe, wie sich die Zuckerrüben entwickeln.
- Ein Teil der Parzelle wurde im Mulchsaatverfahren angebaut, der andere Teil wurde gepflügt.
- Es wurden je fünf Conviso-Smart-Sorten gesät: Smart Beppina, Smart Edytka, Smart Manja, Smart Rossada, BTS 4825.
- Seit Mitte September befindet sich ein neuer Schädling im Feld: Die Gammaeule, eine Raupe, frass grosse Löcher in die Blätter.