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Pflanzenschutzmittel-Initiativen zu Corona-Zeiten - StandPunkt von Beat Schmid

Die Coronakrise führte dazu, dass sich die Gesellschaft mehr Gedanken zur Lebensmittelversorgung macht und die Initiativen gegen Pflanzenschutzmittel hinterfragen.


100 000 Schweizer unterstützen die beiden Initiativen für sauberes Trinkwasser und für das Verbot von Pflanzenschutzmitteln.

Sie wurden von den Initianten während der Unterschriften-Sammlung gefragt, ob sie lieber sauberes oder verschmutztes Wasser trinken …
Die Frage ist so zu einfach gestellt: Sie berücksichtigt weder die komplexen Zusammenhänge im Pflanzenbau, noch die Konsequenzen, würde die Initiative angenommen. Die Konsequenzen sind für Laien kaum abzuschätzen.

So geht das gegnerische Komitee um den SBV davon aus, dass der heute schon relativ tiefe Selbstversorgungsgrad in der Schweiz von 56 Prozent auf unter 30 Prozent sinken würde. Die Initiative würde also Importe fördern – deren Produktionsform im Ausland nicht kontrolliert werden.

Ein Teil der Bevölkerung hat sich gegen den Pflanzenschutzmittel-Einsatz aufhetzen lassen und teilt das Landwirten und Lohnunternehmern auf Feld und Strasse auch mit dem entsprechenden Handzeichen mit. Begonnen hat das Misstrauen mit der Glyphosat-Diskussion vor einigen Jahren, nun schlägt es sich in den Initiativen nieder. Aktuell besteht die Gefahr, dass die Initiativen vom Volk angenommen werden. Der Stimmbürger kann sich auf dem Stimmzettel ein ökologisches Verhalten attestieren. Im Gegen-
zug belohnt er seine «gute Tat» gedankenlos, indem er die nächste Flugreise bucht ...

Der Coronavirus hat nun in kürzester Zeit vieles verändert. Nicht, weil keine Flugzeuge mehr fliegen oder weil der Abstimmungstermin vom Herbst 2020 auf den 6./7. März 2021 verschoben wird. Vielmehr, weil die gleiche Bevölkerung jetzt das Pflegepersonal lobt, die Reinigungskräfte, die Chauffeure – und sogar die Landwirte.

Die landwirtschaftliche Produktion wird wieder geschätzt. Man stellt sich plötzlich vor, bei einem Importbedarf von 70 Prozent blieben nicht nur Schutzmasken, sondern auch unsere Nahrungsmittel an der Grenze blockiert, weil man in anderen Ländern auch essen möchte. Hier hat es in einigen Köpfen offenbar «Klick» gemacht.

Ein Landwirt, dem vorher auf seiner Feldspritze regelmässig der Stinkefinger gezeigt wurde, erhielt im März 2020 vom angrenzenden Spazierweg aus ein «Daumen hoch». Der Mensch reagiert rasch auf einen Hype. Was heute top ist, floppt morgen – und umgekehrt. Das macht aus den Menschen unberechenbare Stimmbürger. Das erwähnte «Like» am Feldrand war ernst gemeint, wie mir der Kollege versicherte. Er ist froh, kann er Pflanzenschutzmittel einsetzen und so für eine gute Ernte sorgen.

Ob mit oder ohne Pflanzenschutzmittel: Zum Glück kann jeder Landwirt in der Schweiz das passende Produktionsverfahren einsetzen. Jeder Pflanzenschutzmittel-Einsatz kostet Geld. Stimmt jedoch der Kosten-/Nutzen-Vergleich bei einer sachkundigen und umweltgerechten Anwendung, gibt es keinen Grund darauf zu verzichten. Natürlich dürfen nur Fachleute damit betraut werden, die alle Zusammenhänge von der Pflanze bis zur Ausbringtechnik kennen und beherrschen. Und sollte es immer noch schwarze Schafe geben, welche die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben und die Düsen bereits auf der Strasse öffnen oder punktuelle Eintragsquellen missachten, sollte man ein Berufsverbot aussprechen.

Wenn sich die Landwirtschaft jetzt für Pflanzenschutzmittel einsetzt, ist das eigentlich nicht ihre Aufgabe. Eher jene der Hersteller, welche diese auch in Zukunft verkaufen möchten. Würde man Traktoren, Melkmaschinen oder andere Geräte verbieten, die auf jedem Landwirtschaftsbetrieb genutzt werden, würden sich Landwirte auch dagegen wehren. Denn sie sind mit heutigen Produktionsformen darauf angewiesen, um die Produktivität der eingesetzten Ressourcen zu schützen.

Die Schweizer Landwirtschaft setzt schon lange auf ökologische Anbauverfahren und wählt passende Fruchtfolgen und Anbautechniken, um beispielsweise Pilz-Erkrankungen vorzubeugen und den Fungizid-Einsatz zu reduzieren. Wer, wie Lohnunternehmer Thomas Müller (siehe Reportage) der Bevölkerung einfache Zusammenhänge direkt im Feld kompetent und verständlich aufzeigt, überzeugt die allermeisten Konsumenten.
Bei der Unkrautbekämpfung ist sogar ein regelrechter Boom bei der mechanischen Unkrautbekämpfung (siehe Reportage) ausgebrochen. Dank GPS und Sensorik kann Unkraut immer besser von
der Kultur unterschieden werden.

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