Der foeg-Abstimmungsmonitor des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (foeg) der Universität Zürich zeigt, wie die Schweizer Medien vor der Abstimmung über die Massentierhaltungs-Initiative am 25. September 2022 berichtet haben.

Der foeg-Abstimmungsmonitor untersucht seit 2013 systematisch die Berichterstattung im Vorfeld von eidgenössischen Abstimmungen. Er zeigt die Tonalität zu den einzelnen Vorlagen in den Medien und welche Akteure in der Medienberichterstattung am meisten präsent sind.

Die Massentierhaltungs-Initiative MTI ist die letzte von sieben nationalen Abstimmungen in den vergangenen fünf Jahren, bei denen die Landwirtschaft im Zentrum steht. Im Vergleich mit anderen agrarpolitischen Vorlagen ist die Medienresonanz der MTI aber nur durchschnittlich. Sie erfährt zwar mehr Beachtung als die Hornkuh-Initiative 2018 und etwa gleich viel wie das Jagdgesetz 2020, aber deutlich weniger als die beiden Trinkwasser-Initiativen (2021).

Der foeg-Abstimmungsmonitor zur Massentierhaltungs-Initiative MTI kurz zusammengefasst

DossierZwei Muttersauen mit ihren Ferkeln in einem Gruppensäugestall.Volksinitiative 2022Massentierhaltungs-Initiative MTIDonnerstag, 28. Oktober 2021 Die Massentierhaltungs-Initiative bestätigt gemäss dem foeg-Abstimmungsmonitor das Muster, dass Umweltschutz- und Tierwohl-Themen in den Medien auf Zustimmung stossen.

Die Berichterstattung zur MTI zeigt aber, dass solche Themen für die Medien erst greifbar werden, wenn zum Beispiel Videos von Missständen in der Nutztierhaltung von den Akteuren gezielt eingesetzt werden. Dazu kommen die teuren Inserate, welche von Initianten und Gegnern in den Zeitungen geschaltet wurden.

Der foeg-Abstimmungsmonitor zur Massentierhaltungs-Initiative MTI kurz zusammengefasst:

  • Die MTI wird in den meisten Medien weniger intensiv thematisiert als die AHV-Reform, aber intensiver als das Verrechnungssteuergesetz.
  • Das Interesse an der Massentierhaltungs-Initiative (im Vergleich zu AHV-Reform und Verrechnungssteuergesetz) ist in den Medien der Suisse romande etwas stärker.
  • Die Sonntagszeitungen polarisieren im Abstimmungskampf mit Enthüllungen unter anderem über den Kuhhandel des SBV mit den Wirtschaftsverbänden («NZZ am Sonntag») und die verstörenden Bilder aus einer Geflügelzucht («SonntagsZeitung»).
  • In 50 Prozent der Medien ist die Tonalität gegenüber der Massentierhaltungs-Initiative positiv, vor allem bei den Tamedia-Zeitungen («SonntagsZeitung», «Tagesanzeiger», «20 Minutes», «Berner Zeitung», «Basler Zeitung», «20 Minuten»).
  • In 32 Prozent der Medien ist die Tonalität gegenüber der Massentierhaltungs-Initiative ambivalent, vor allem in der Suisse romande sowie in der «Neuen Zürcher Zeitung» und der «Aargauerzeitung».
  • In 18 Prozent der Medien ist die Tonalität gegenüber der Massentierhaltungs-Initiative negativ, darunter in der «NZZ am Sonntag», in der «Luzerner Zeitung» (wohl wegen der vielen Geflügel- und Schweinemast-Betrieben in der Region) und in der «Schweiz am Wochenende».

Die Argumente der Schweizer Medien gegen die Massentierhaltungs-Initiative

Wenn die Schweizer Medien die Massentierhaltungs-Initiative überhaupt kritisierten, dann weil sie am falschen Ort ansetze. Statt den LndwirtInnen Vorschriften zu machen, müsse man bei den KonsumentInnen ansetzen.

Zudem werde die Schweizer Landwirtschaft bereits mit sehr strengen Gesetzen geregelt und die LandwirtInnen tragen dem Tierwohl sehr wohl Sorge. Eine «Massentierhaltung» mit sehr vielen Tieren in einem Stall gebe es in der Schweiz nicht, ganz anders als im Ausland.

Die Argumente der Schweizer Medien für die Massentierhaltungs-Initiative

Umgekehrt übernahmen die Schweizer Medien von den Akteuren der Massentierhaltungs-Initiative das anschauliche Argument, dass zum Beispiel ein Huhn nicht mehr als eine A4-Seite Platz zur Verfügung habe.

Und die gezielt den Medien zugespielten Videos mit verstörenden Bilder aus einer Geflügelzucht führten dazu, dass die Medien solche Bilder gegen die Inserate und die Fernsehwerbung der Schweizer Detailhändler ausspielten.

Ein strategischer Schuss in den eigenen Fuss war zudem, dass der Schweizer Bauernverband SBV als resonanzstärkster Gegner einen fragwürdigen Kuhhandel mit den grossen Wirtschaftsverbänden einging und den Abstimmungskampf damit unnötigerweise eskalierte.

Welche Akteure sind in der Medienberichterstattung über die MTI präsent?

Interessant ist auch jener Teil des foeg-Abstimmungsmonitors, welcher die Medienpräsenz der Akteure pro und contra Massentierhaltungs-Initiative auswertet:

30%Verbände wie Schweizer Tierschutz, Greenpeace und Pro Natura (pro MTI)
– aber auch LandwirtInnen (contra MTI)
11%Schweizer Bauernverband SBV
10%Grüne Partei
6%Initiativ-Komitee der MTI
6%Wirtschaft/Unternehmen
4%SP
4%SVP
4%Grünliberale
3%Wirtschaftsverbände
3%Die Mitte
2%Bundesrat

Im Unterschied zu den beiden Trinkwasser-Initiativen vom Juni 2021– welche teilweise auch die LandwirtInnen spalteten – zeigt sich bei der Massentierhaltungs-Initiative ein Konflikt zwischen Tierschutz-Verbänden auf der einen und LandwirtInnen auf der anderen Seite.

«Und insgesamt ist die Medienresonanz der MTI deutlich geringer, was unter anderem für eine geringere Mobilisierung der Kampagnen spricht», stellt der foeg-Abstimmungsmonitor abschliessend fest.

Übrigens glänzte ein Akteur einmal mehr durch Abwesenheit: Nur 2 Prozent der Medienresonanz entfallen auf den Bundesrat. Wirtschafts- und Landwirtschafts-Minister Guy Parmelin kommt in den Medien kaum vor.