Der Wolf kommt in den Alpen immer häufiger vor. Auf der einen Seite begrüssen dies die Umweltverbände. Der Wolf erweitere die Biodiversität und könne dabei helfen, andere Wildtier-Populationen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite erzählen ÄlplerInnen und Hirten von ihren Tierverlusten, die emotional und auch finanziell belasten.

An der internationalen Alpwirtschaftstagung im Juni 2022 in Visp VS war der Wolf deshalb ein «heisses Eisen».

Strukturwandel: Bewirtschaftung wird aufgegeben

Ein Wolf ist in die Fotofalle getappt: Im Maul hat er eine Wildkeule.GrossraubtiereDie Wölfe am Piz Beverin geben keine Ruhe - Abschuss wird gefordertDienstag, 26. Juli 2022 Thomas Egger, Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete SAB und Tagungsmoderator, umriss das Problem so: «Wir sind im Wallis mit dem Strukturwandel schon so weit, dass freiwillig auf Land verzichtet und dessen Bewirtschaftung aufgegeben wird.» In diesem Zusammenhang sei der Wolf ein Übeltäter, der die Alpwirtschaft zusätzlich unattraktiv mache.

Tatsächlich war an der Tagung von mehreren Seiten zu hören, dass nach qualifiziertem Alppersonal gesucht werde. Die Bewachung einer Herde zum Schutz vor dem Wolf könnte unter dem Personalmangel leiden. Dem wird «die grüne» weiter nachgehen.

Klimawandel stellt Alpwirtschaft vor grosse Herausforderungen

Die internationale Alpwirtschaftstagung fand heuer zum 30. Mal statt. 350 ÄlplerInnen, VerbandsvertreterInnen, Forschende und PolitikerInnen diskutierten während drei Tagen die aktuellen Herausforderungen in der Alpwirtschaft.

Nebst der Grossraubtier-Problematik standen Vorträge zur Wasserversorgung auf dem Programm. Der Klimawandel bringe grosse Herausforderungen mit sich. Schmelzen die Gletscher weiter so dramatisch, könnte Wasser in Zukunft (noch) knapper werden – wobei in den letzten Jahren Trockenheit auf den Alpen bereits Realität war.

Am Ende der Tagung wurde eine Resolution verabschiedet, in der die Teilnehmer eine verstärkte Berücksichtigung der Alpwirtschaft in der Politik fordern. Das betreffe nicht nur die lokalen Politiker, sondern auch die grenzübergreifende Zusammenarbeit. Ausserdem in der Resolution aufgenommen wurden:

  • Bessere Vermarktung von alpwirtschaftlichen Produkten
  • Unterstützung der Kandidatur der Alpwirtschaft für das UNESCO-Weltkulturerbe
  • Allgemeine Bewältigung des Klimawandels unterstützen
  • Schutzstatus des Wolfs herabsetzen