Kurz & bündig
- Die Einstreu beeinflusst die körperliche und mentale Gesundheit des Pferdes und ist ein grosser Posten bei den Direktkosten.
- Alternative Einstreuprodukte ersetzen zunehmend Getreidestroh. Sie kosten mehr, können dank Arbeitsentlastung trotzdem rentabler sein.
- Noch wichtiger als das Material ist das Management, besonders bei der Staub- und Ammoniakbelastung.
Dieses Resultat überrascht wohl manche Pferdehalterin, die schon anderes gehört hat: Eine Tiefstroh-Matratze schneidet in einer Studie bei der Staubbelastung gut ab. Das zeigt den Stellenwert des Managements bei der Einstreu. Die verlangt Aufmerksamkeit, nicht nur als grosser Posten bei den Direktkosten: Das Einstreuregime kann ein Pferd krank machen oder für Wohlbefinden sorgen.
Die Werbung weckt Hoffnung: Mit der richtigen Einstreu sei das Glück von Pferd und Stallteam gemacht. Luisa Achermann, Agronomin und Fachfrau für Pferdehaltung am LZ Liebegg, rät von Illusionen ab: «Die perfekte Lösung gibt es nicht, es braucht Kompromisse.» Die beste Einstreu sei jene, die zum Pferd und zum Stall passe. Und: «Jede Einstreu ist so gut wie der Umgang damit.»
«Zu wenig, zu nass, zu schmutzig, mangelnde Wärmedämmung», diese Einstreu-Fehler könnten in der Praxis zu gesundheitlichen Problemen führen, sagt Dr. vet. Isabelle Piotrowski, Oberärztin für Pferdemedizin am Uni-Tierspital Zürich. Ihr Team empfiehlt bei Huf-, Lungen- und Hautproblemen entstaubte Holzspäne als Einstreu: Sie sind von stabiler Qualität, staub- und keimarm, saugfähiger als Stroh und binden gut Ammoniak. Bei Waldboden und Komposteinstreu steige bei schlechter Pflege das Risiko von Toxinen und Pilzsporen, ebenso bei qualitativ schlechtem Stroh. Unabhängig vom Einstreumaterial brauche es eine gute Hygiene: «Das Management ist wichtig», betont die Tierärztin.
Ein gutes Management heisst: qualitativ einwandfreie Einstreu verwenden – das gilt nicht nur für Stroh, selbst hygienisierte Ware kann bei falscher Lagerung in Plastikverpackung schimmeln –, ausreichende Einstreumenge, gute Lüftung im Stall und das Entfernen des Materials spätestens dann, wenn die maximale Saugkraft erreicht ist. Nasse Stellen an der Oberfläche des Liegebetts bedeuten die Freisetzung von Schadgas.
Während und einige Zeit nach der Stallarbeit befinden sich die Pferde am besten woanders: Die Ammoniakkonzentration ist am höchsten, wenn das Einstreumaterial bewegt wird. Und Staub liegt noch 20 bis 30 Minuten nach dem Einstreuen und Wischen in der Luft.
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«Getreidestroh verschwindet sicher nicht aus den Pferdeställen, wird aber seltener verwendet», beobachtet Willi Lüscher, der mit der Firma Sugra Einstreumaterialien vertreibt. Häufige Gründe sind das grosse Volumen des Mists, der zudem als Dünger wegen der variablen Zusammensetzung nicht erste Wahl ist, und Übergewicht bei den Pferden, die Getreidestroh gerne fressen.
Einstreu-Alternativen in Form von Spänen, Häckseln, Pellets und Granulat reduzieren das Mistvolumen, sind saugfähig und erleichtern die Stallarbeit. Zudem sind diese Produkte entstaubt und keimarm erhältlich, also sicherer bei Pferden mit Allergien. Das hat seinen Preis mit 40 bis über 80 Franken pro 100 Kilogramm. Zu beachten sind die markanten Unterschiede innerhalb einer Produktkategorie bei den Eigenschaften und Kosten. «Ausprobieren», rät Einstreu-Fachmann Lüscher angesichts der grossen Vielfalt, «aber nicht gleich einen Lastenzug mit neuem Material bestellen.»
Die Hersteller würden die Einstreumenge in der Regel knapp angeben, beobachtet er, und er rechnet durchschnittlich mit 30 bis 40 Kilogramm pro Tier und Woche. «Wer zu wenig einstreut, spart unter dem Strich kein Material.» Effizienter sei es zudem, alle paar Tage nachzustreuen statt täglich. Denn bei jedem Misten wird ein Anteil an Einstreu entfernt, der noch saugfähig wäre.
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«Stroh verschwindet sicher nicht ganz, wird aber seltener verwendet.»
Willi Lüscher, Sugra
Kriterien für die Auswahl von Einstreu
Die folgenden Kriterien helfen bei der Wahl einer passenden Einstreu:
Staubbelastung: Gemäss einer HAFL-Studie ist Waldbodeneinstreu besonders staubarm. Gute Werte erreichen auch Papiereinstreu und Getreidestroh (hier hat die Qualität einen grossen Einfluss auf die Staubfreisetzung), im Mittelfeld sind Strohpellets und Miscanthus (Chinaschilf). Die grösste Belastung gibt es bei Hanf-Eukalyptus-Einstreu, Lein-Hanf-Mix und Holzgranulat.
Saugfähigkeit: Strohkrümel, Strohpellets und Sägemehl nehmen gemäss HAFL-Studie am meisten Flüssigkeit auf. Miscanthus, Hanf-, Lein- und Rapsstroh sind im Mittelfeld, saugen aber immer noch besser als Holzpellets, Weichholzgranulat und Holzspäne. Getreidestroh saugt am schlechtesten.
Fressverhalten: Getreide- und Hanfstroh wird von den Pferden gerne gefressen, Raps, Lein und Miscanthus verschmähen sie meistens, Holzprodukte werden kaum je geknabbert. Gegen unerwünschtes Fressen helfen Zusatzstoffe.
Liegekomfort: Zwischen Langstroh, Strohpellets und Hobelspänen zeigen sich kaum Unterschiede im Liegeverhalten der Pferde; HAFL-Forschende haben auf Stroh eine etwas längere Liegedauer als auf Waldboden festgestellt. Langstroh punktet mit hoher Wärmedämmung, was bei Fohlen, älteren und kranken Tieren wichtig ist. Holzgranulat isoliert eher schwach.
Einkaufspreis: Rund 200 bis weit über 1000 Franken kostet die Einstreu jährlich pro Pferdeplatz. Getreidestroh ist am günstigsten, gefolgt von Strohpellets, Sägemehl, Kompost- und Waldbodenstreu. Im Mittelfeld befinden sich Holzgranulat, Holzpellets und Miscanthus; Hanfeinstreu und Holzspäne liegen im oberen Preissegment. Je nach Hersteller, Produkt und Bezugsmenge variieren die Kosten stark.
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Die Auswahl der Einstreu im Praxisbeispiel
Worauf der Praktiker bei der Einstreu achtet, erzählt Ueli Suter, der in Oftringen AG einen Pensionsstall mit Aktivstall, Auslauf- und Innenboxen führt. Anfallenden Mist verwertet er auf seinem Landwirtschaftsbetrieb, wo nebst der Pferdepension Acker- und Futterbau betrieben werden. So wird im Stall Suter eingestreut:
7 Boxen mit Komfortmatte und Strohpellets überstreut
5 Boxen mit Komfortmatte und Holzpellets überstreut
5 Boxen mit Langstroh aus eigener Produktion
1 Boxe mit Weichholzgranulat
Im Aktivstall für 18 Pferde eine Liegefläche mit Langstroh-Tiefstreue und zwei Liegeflächen mit Kunststoffmatten, überstreut mit einer Mischung aus Strohpellets und Hobelspänen.
Die Einsteller haben die Wahl zwischen Boxen mit Langstroh oder Strohpellets zum gleichen Preis. Das Langstroh aus eigener Produktion sei am günstigsten, aber auch am arbeitsintensivsten, begründet Ueli Suter. Die etwas teureren Holzpellets werden nur bei Pferden eingesetzt, die Strohpellets fressen. Die teuerste Variante, Weichholzgranulat, bietet maximalen Liegekomfort; es wird auf Kundenwunsch gestreut und der Mehrpreis verrechnet. Das Misten dieser Einstreu ist aufwendiger, da es sich mit der Bollengabel etwas schwieriger aussieben lässt.
In den Boxen entfernt der Landwirt täglich Mist und nasse Stellen. Die Pellets streut er nach Bedarf zwei- bis dreimal wöchentlich nach, das Langstroh täglich, ergänzt mit etwa einem halben Liter Kalk zur Bindung von Ammoniak. Während der Stallarbeit befinden sich die Pferde mehrheitlich auf der Weide und den Paddocks.
«Die Einstreu ist ein grosser Posten bei den Direktkosten», sagt Ueli Suter, aber er rechne nicht nur den Einkaufspreis. «Teureres Material lohnt sich bald einmal, wenn ich dafür Zeit spare.» Beim Materialverbrauch kommentiert er die Unterschiede zwischen den einzelnen Pferden: «Eigentlich sollten die Einstreukosten individuell verrechnet werden. Aber die Kategorisierung wäre schwierig und aufwendig.»
Derzeit bezieht Ueli Suter seine Einstreu palettiert in Säcken: «Die sind zwar einfach im Handling, da jeweils ein Sack direkt in die Box geschüttet werden kann, dafür teurer als lose Ware.» Die Technik des Ausmistens sieht er als weiteren wichtigen Faktor für einen effizienten Einsatz von Material und Arbeitszeit.
Im Aktivstall würden die Pferde die unterschiedlich eingestreuten Liegeflächen gleichwertig besuchen, beobachtet Ueli Suter.
Mehrere Aussentoiletten entlasten die Einstreu in der Liegefläche. Nicht alle, aber doch einige Pferde nutzen diese Holzschnitzelhaufen von rund 6 m2, um Kot und Urin abzusetzen.
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Betriebsspiegel von Ueli Suter
Ueli Suter, Oftringen AG
LN: 29,6 ha
Kulturen: Natur- und Kunstwiesen, Mais, Weizen, Raps
Weitere Betriebszweige: 35 Pensionspferde im Aktiv- und Boxenstall mit Reithalle
Arbeitskräfte: 2,5 Vollzeitstellen und Aushilfe im Stundenlohn
www.pferdebox.ch
Zu wenig Einstreu ist ein häufiger Mangel
Ungenügende Einstreumenge sei ein häufiger Mangel bei Kontrollen in Pferdeställen, sagt Anne-Kathrin Witschi, Leiterin der Abteilung Tierschutz Nutztiere im Aargau. Manchmal würden auch Boxen oder Liegebereiche zeitweise abgetrennt – das Pferd muss jedoch jederzeit liegen können. Das Tierschutzgesetz bestimmt die Einstreudicke nicht in Zentimetern, es besagt nur, dass Liegeplätze «ausreichend mit geeigneter, sauberer und trockener Einstreu versehen» sein müssen.
Die Einstreumenge hängt von der Saug- und Isolierfähigkeit des Materials und vom Boden ab. Auf Gummimatten oder Holzböden braucht es weniger Material, weil es ausser der Verformbarkeit nur die Nässebindung sicherstellen muss, während es auf Stein-, Beton- oder Naturböden zur Wärmedämmung eine dickere Auflage braucht. Auch die sogenannten «Kuschelmatten» müssen in der Schweiz nicht nur am Rand, sondern bodendeckend überstreut werden.
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Richtiger Umgang mit Einstreu
Praxistipps zum Umgang mit Einstreu von Luisa Achermann, Willi Lüscher und Ueli Suter:
- Eine einheitliche Einstreulösung im Betrieb ermöglicht effiziente Stallarbeit und Rabatt dank grösserer Bezugsmenge. Lose Ware ist am günstigsten, dafür braucht es Hilfsmittel im Handling.
- Abgrenzungen bei den Liegeflächen vermindern das Verschleppen der Einstreu.
- Materialien kombinieren: Zum Beispiel kompensiert eine Unterschicht aus Pellets die geringe Saugkraft von Langstroh.
- Sägemehl und -späne nur aus spezialisierter Produktion verwenden, damit sie entstaubt, frei von chemischen Zusatzstoffen und scharfkantigen Holzteilen sind.
- Knapp einstreuen spart kein Material und erhöht die Ammoniakbelastung.
- In Gruppenhaltungen Einstreu verwenden, die nicht gefressen wird, um Fress- und Ruhebereich zu trennen.
- Unter einer Matratze keine Gummimatte verwenden, weil sich darunter ungebundener Urin sammelt.
- «Aussentoiletten» entlasten die Einstreu in der Liegefläche.
- In Abwesenheit der Pferde misten, einstreuen und wischen.