Kurz & bündig

  • Grundsätzlich besitzen Schweizer Böden genügend Spurenelemente.
  • Die Verfügbarkeit ist allerdings abhängig von den Standortfaktoren.
  • Ein Mangel kann leicht mit Herbizidschäden verwechselt werden.
  • Besonders häufig leiden Zuckerrüben an einem Mangel mit Bor.
  • Die Blattdüngung ist in der Regel einer Bodendüngung vorzuziehen.

Wir Menschen müssen für gewöhnlich nicht darauf achten, genug Spurenelemente (Mikro-Nährstoffe) einzunehmen. Ähnlich verhält es sich bei den Pflanzen. Sie benötigen zwar Spurenelemente, ihr Bedarf ist in der Regel aber nur gering.

Wenn der Boden aber unzureichend mit Spurenelementen versorgt oder die Aufnahme unter Stressbedingungen durch die Pflanzen gehemmt ist, hat das Folgen:

  • Erhebliche Wachstumsdepressionen
  • Verminderter Trocken- und Frostresistenz
  • Erhöhter Schädlingsbefall der Pflanzen

Als essenzielle Spurenelemente haben Bor, Kupfer, Mangan, Molybdän und Zink in der Pflanzenernährung eine besondere Bedeutung (siehe Galerie). Optimal mit Spurenelementen versorgte Pflanzen sind grundsätzlich widerstandsfähiger gegenüber allen Umwelteinflüssen und Stressfaktoren.

Daniel Widmer ist Pflanzenbauberater im Fachbereich Boden, Düngung und Biodiversität am Strickhof in Lindau ZH. Er weiss, wann eine Gabe dieser Spurenelemente besonders notwendig ist.

Daniel Widmer, wann wird eine Gabe von Spurenelementen notwendig?

Daniel Widmer: Die Gabe von Spurenelementen ist notwendig, wenn die Spurenelemente für die Kulturpflanze nicht verfügbar sind. Grundsätzlich sind in unseren Böden aber für die nächsten 100 bis 1000 Jahre genügend grosse Mengen Spurenelemente vorhanden. Auch, weil durch Hofdünger-Beigaben schon eine Grundabdeckung besteht.

Probleme gibt es oft bei der Verfügbarkeit der Spurenelemente, die grösstenteils von Standortfaktoren wie Witterung, Bodenverhältnisse und Düngung abhängig ist. So ist bei trockenen Verhältnissen vor allem Bor im Boden gebunden und nicht für die Kulturpflanze verfügbar. Bei Nässe sind dagegen Eisen und Zink betroffen.

Ein Mangel an Spurenelementen ist in der Schweiz nicht besonders häufig. Am ehesten anzutreffen sind Bor- oder Mangan-Mangel. Eher selten dagegen sind Mangelerscheinungen von Eisen, Zink oder Molybdän. Für die Schweiz praktisch unbekannt sind Fälle von Kupfer-Mangel.

Welche Rolle spielt der Boden bezüglich der Verfügbarkeit?

Im schweizerischen Mittelland können besonders alkalische Böden wegen dem hohen Kalkgehalt negative Auswirkungen haben. Dort ist die Verfügbarkeit aller Spurenelemente mit Ausnahme von Molybdän stark vermindert.

Die Bodenart gibt das natürliche Speichervermögen des Bodens vor. So speichert ein toniger, schwerer Boden, wie er bei uns in der Schweiz in der Regel vorkommt, mehr Nährstoffe als ein sandiger, leichter Boden. Neben dem Speichervermögen hat auch die Austauschkapazität der Ionen einen Einfluss auf die Verfügbarkeit der Nährstoffe. Auch hohe Humusgehalte im Boden hemmen aufgrund ihrer starken Bindung die Verfügbarkeit von Spurenelementen. Dies kommt beispielsweise in ehemaligen Moor- oder Riedgebieten vor.

Wie lässt sich eine Mangelerscheinung erkennen?

Mangelerscheinungen bei der Kulturpflanze werden in der Regel während dem Wachstum erkannt. Dazu gehören zum Beispiel Blattverfärbungen. Ist eine Mangelerscheinung vorhanden, kann diese zum Qualitäts- und Ertragsrückgang führen. Dies ist aber bei jedem Spurenelement und jeder Kultur anders, wie das Beispiel Bor-Mangel zeigt:

  • Bei Zuckerrüben: Herz- und Trockenfäule
  • Bei Raps: Hohlraum-Bildungen in Wurzeln und Stängeln sowie Stängelrisse oder Knospenwelke. Das Wurzelwachstum zeigt sich struppig und stark reduziert.
  • Bei Obstbäumen: «Blütenwelke» mit abnehmenden Erträgen.
  • Bei Reben: «Weidenköpfe» oder «Hexenbesen» mit Durchrieseln der Gescheine.
  • Bei Raps, Mais, Getreide und anderen Pflanzen: Mehltau-Befall sowie verstärkter Befall mit saugenden ­Insekten. Die Körnerbildung an den Spitzen der Maiskolben und Getreideähren ist ebenso verhindert, nicht selten nach Trockenperioden.

Wie sollten Landwirte dann auf einen Mangel reagieren?

Im Zweifelsfall sollte ein Experte zur Beratung beigezogen werden, bevor Spurenelemente gedüngt werden. Denn Mangelerscheinungen sind leicht mit Herbizidschäden oder Pilzkrankheiten zu verwechseln.

Sollen Spurenelemente besser als Blattdünger oder über den Boden appliziert werden?

Es ist beides möglich. Bei der Düngung besteht die Möglichkeit, die Nährstoffe entweder über den Boden oder über das Blatt zu verabreichen.

Boden-Düngungen sind jedoch gerade bei Mangelsymptomen nicht empfehlenswert. Um überhaupt eine positive Wirkung erzielen zu können, ist meist ein Vielfaches dessen nötig, was die Pflanzen effektiv brauchen. Bei akutem Mangel müssen die Nährstoffe flüssig appliziert werden. Denn meist sind Mangelerscheinungen auf ungünstige Bodenverhältnisse zurückzuführen, weswegen die Nährstoffe blockiert sind.

Bedeutend besser als die Boden-Applikation und deshalb vorzuziehen, ist die Blatt-Applikation. Bei dieser Technik genügen schon geringe Mengen an Spurenelementen, um eine grosse Wirkung zu erzielen, da die Nährstoffe ohne Umweg direkt den Bedarfszentren zugeführt werden können. Diese Technik hat allerdings auch Nachteile.

Was wären die Nachteile einer Blattdüngung?

Im Extremfall – zum Beispiel bei starkem Mangel – müssen Blatt-Applikationen mehrmals wiederholt werden, um die Versorgung über die gesamte Kulturdauer sicherzustellen. Zudem können bei unsachgemässer Anwendung leicht Verbrennungen entstehen. Um diese Gefahr möglichst auszuschliessen, sind unbedingt die entsprechenden Anwendungsvorschriften der Hersteller zu beachten.

Die Blatt-Applikation kann für eine kurzfristige Düngung gewählt werden. Um längerfristige Mangelerscheinung vorzubeugen, sollte die Bewirtschaftung angepasst werden. Zum Beispiel regelmässig organische Düngung einplanen, weniger sauerwirkende Dünger einsetzen oder auf übermässige Aufkalkungen verzichten. Es gilt den Boden fit und fruchtbar zu halten.

Kann es zu einer Überdüngung mit Spurenelementen kommen?

Grundsätzlich ja. Wie bei allem ist es eine Frage der Dossierung. Zudem hat nicht jede Pflanze denselben Bedarf an Nährstoffen. Eine Überdüngung ist in jedem Fall zu vermeiden.

Neben den hohen Kosten, die eine Überdüngung verursacht, kann es zu Schäden an den Folgekulturen kommen. Deshalb ist es wichtig, Spurenelemente nur einzusetzen, wenn ­aufgrund der Kultur und den Standortfaktoren ein gewisses Mangelrisiko besteht.

Das Risiko einer Überdüngung kann durch eine Blattdüngung reduziert werden. Die Nährstoffe werden dabei gezielter appliziert und es kann mit deutlich kleineren Aufwandmengen gearbeitet werden.

Wenn die Kosten so hoch sind, lohnt sich die Applikation von Spurenelementen dann überhaupt?

Kosten verursachen die Durchfahrt mit Traktor und Spritze oder Düngerstreuer, das Produkt, welches ausgebracht wird und die Arbeitszeit für die Anwendung. Diese müssen durch einen Mehrertrag gedeckt werden.

Es gibt aber nur wenige Untersuchungen dazu, die einen effektiven Mehrertrag durch die Gabe von Spurenelementen nachweisen. Die Wirkung der Produkte hängt von den Standortfaktoren ab. Diese können sich von Jahr zu Jahr ändern, da die Witterung ein gewichtiger Faktor ist.

Kann aber effektiv ein Mangel bekämpft werden, kann ein Einsatz von Spurenelementen durchaus wirtschaftlich sein. Spuren-Nährstoffmängel kommen häufig zum Tragen bei einer intensiven und auf hohen Feldertrag ausgerichteten Produktion.

Ein Mangel an Spurenelementen kann neben einer Ertragsreduktion auch einen Einfluss auf die Qualität haben. Dies besonders im Obst- und Gemüsebau. Wenn durch die Qualitätseinbusse ein Produkt nicht mehr vermarktet werden kann, ist der wirtschaftliche Schaden immens.

Sind Spurenelemente mit allen herkömmlichen Fungiziden und Insektiziden mischfähig?

Die Mischbarkeit muss natürlich immer beachtet werden. Ist ein Produkt nicht mit einem Fungizid mischbar, kann es zu Spritzschäden (Phytotoxizität) an der Hauptkultur kommen.

Neben dem Pflanzenschutzmittel an sich spielt die Formulierung eines Mittels eine grosse Rolle. Zudem müssen Einsatzzeitpunkt und Entwicklungsstadium der Kulturpflanze auf dessen Verträglichkeit geprüft werden. So sollte Mangan im Getreide nicht mit Wuchsstoffen kombiniert werden, da es die Wirkung der Herbizide stark einschränken kann.

Es gibt Produkte, die mit Fungiziden und Insektiziden mischbar sind. Dabei ist es wichtig, die Anweisungen des jeweiligen Herstellers zu beachten. Als Hilfe gibt es verschiedene Websites und Apps für Smartphones, die zur Überprüfung der Mischbarkeit dienen. Beispielsweise die App von Yara.

Die Pflanzenschutzberater verfügen zudem über viel Praxiserfahrung und können daher kompetent Auskunft geben.

Sind Spurenelemente im Extenso-Anbau erlaubt?

Die Nährstoffe müssen eine Zulassung als Düngemittel vorweisen und entsprechend eingesetzt werden, dann sind sie auch im Extenso erlaubt.

Welche sind im Bio-Landbau erlaubt?

Für den Bio-Landbau müssen die Produkte in der «Betriebsmittelliste für den biologischen Landbau in der Schweiz» gelistet sein. Zudem müssen die jeweiligen Auflagen beachtet werden, ob ein Nährstoff ausgebracht werden darf oder nicht.

Welche Produkte werden in der Schweiz am häufigsten eingesetzt?

Es gibt von den Düngemittel-Herstellern fertige Mischungen, welche die wichtigsten Spurenelemente enthalten. Die Produkte sind in der Anschaffung aber teurer. Ich empfehle, Einzelprodukte zu verwenden. Diese können gezielter eingesetzt werden. Entweder einzeln – oder sie lassen sich mit einer Fungizid-Behandlung kombinieren.