Ein klassischer Lehrling ist Jan Burkhard nicht: Der 28-Jährige wohnt weder auf dem Betrieb noch verbringt er die ganze Woche entweder auf dem Hof oder im Schulzimmer.

Der gelernte Landmaschinenmechaniker wohnt in Mettmenstetten und arbeitet 50 Prozent in der dortigen Landi Albis als «Allrounder Agrar». Dazu gehören neben der Getreideannahme auch der Verkauf und die Bestellung von Samen, Dünger und Pflanzenschutzmittel.

Den Rest der Zeit ist er Lehrling: Auf der Stöckweid ist er meistens am Mittwochnachmittag und den ganzen Donnerstag. Dazu kommen die Unterrichtstage am Strickhof in Lindau.

Lehrling und Lehrmeister - und Kollegen

Serge Duperrex ist sein Lehrmeister – und ein guter Kollege. Die Idee, dass Jan Burkhard seine Ausbildung auf der Stöckweid machen könnte, sei spontan im Ausgang entstanden. «Mein Kollege ist nun mein Chef, das ist aber problemlos», sagt er.

AboFamilie Duperrex sitzt mit Kati Fábián und Jan Burkhard beim Frühstück.«Schulterblicke»Immer viel zu tun auf der Stöckweid - diese Menschen unterstützen bei der ArbeitDonnerstag, 22. September 2022 Die Kombination stimmt auch für Serge Duperrex. «Jan ist mein erster Lehrling, wir probieren nun mal aus, ob das passt.» Eine klassische Lehrstelle mit Familienanschluss können und wollen Duperrex’ im Moment nur schon wegen der Wohnsituation nicht bieten.

So ist es ideal, dass Jan Burkhard in der Nähe wohnt und einspringen kann, wenn es auf der Stöckweid viel zu tun gibt. Seine Aufgaben sind nicht fix eingeteilt: «Ich siliere, arbeite im Feld und im Stall – überall dort, wo es mich gerade braucht.»

Serge Duperrex schätzt es, dass sein Lehrling schon Erfahrung mitbringt und sehr selbständig ist: «Das braucht es auf unserem vielseitigen Betrieb.»

Jan Burkhard macht seine Ausbildung in drei statt zwei Jahren: Das ermöglicht ihm, bei der Landi weiterhin 50 Prozent zu arbeiten und sich so zum Beispiel eine eigene Wohnung leisten zu können. «Es braucht Flexibilität von allen Beteiligten, aber ich empfehle das Modell sehr.»

Jan Burkhard kann auf dem Betrieb des Cousins einsteigen

Jan Burkhard scheut sich nicht vor Aus- und Weiterbildungen: Auch die Handelsschule hat er abgeschlossen. Die Vielfalt der Landwirtschaft begeistert ihn. Sein Cousin hat einen Milchwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau, den die beiden gemeinsam bewirtschaften möchten.

«Es ist angedacht, aber noch nicht fix, dass ich den Betrieb später übernehme», sagt er. Dafür will er gut ausgebildet sein: Auf der Stöckweid hat er etwa bei den Spezialkulturen viel gelernt.

Am meisten profitiert er aber von Jean-Jacques Duperrex' Wissen rund um die Tierhaltung: «Da habe ich am meisten Lernpotenzial.»

Die Schule hält Jan Burkhard ziemlich auf Trab

Sehr gerne erledigt er Feldarbeiten und arbeitet mit Maschinen. Diese Leidenschaft lebt er auch in der Freizeit aus: Auf dem Betrieb seines Cousins bringt er einen Traktor und einen Bagger auf Vordermann. Wenn Zeit bleibt, schwimmt er oder fährt Ski.

Die Ausbildungszeit ist anspruchsvoll: «Ich muss mir bewusst Zeit nehmen, hinsetzen, lesen und Arbeiten schreiben.» Das erledigt er am Abend oder an der Wochenenden. Jan Burkhard schätzt das Detailwissen, das er sich nun aneignet: «Ich lerne zum Beispiel bei Tieren die Anzeichen zu deuten, wenn sie krank werden.»

Die Zweitausbildung ist gefragt: «Wir sind 26 Lernende in unserer Klasse und es gibt mehrere Klasse.» Mit 28 Jahren gehört er zum «Mittelfeld», seine Kollegen sind zwischen 23 und 35 Jahre alt.

Da ihm die Landi mit dem Teilzeitmodell entgegen gekommen ist, wird er nach dem Abschluss im Frühling 2024 sein Pensum wieder erhöhen. Ob er weiterhin auf der Stöckweid arbeitet, wird er mit Serge diskutieren: «Vorstellen könnte ich es mir schon», sagt Jan Burkhard.