Kurz & bündig

- Das chemische Abbrennmittel Reglonehat eine Aufbrauchfrist bis 1. Juli 2022.
- Restbestände sollten effizient zur Öffnung des Blätterdachs eingesetzt werden.
- Der Krautschlegel dürfte an Bedeutung gewinnen.
- Chemische Alternativen führen über Kombi-Behandlungen zum Erfolg.
- Der Fungizid-Schutz muss länger aufrecht erhalten werden.
- Staudenstarke Sorten sollten nicht am Hang angebaut werden.
 

Reglone ist im konventionellen Kartoffelanbau heute das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, die Kartoffelstauden vor der Ernte zu beseitigen. Das Mittel mit dem Wirkstoff Diquat wirkt schnell, zuverlässig und ist preiswert.

«Aktuell kommt Reglone praktisch auf der gesamten Kartoffelfläche, welche nicht unter einem Label läuft, zum Einsatz», vermutet Hansjörg Meier von der Agroline. Es wartet für das Jahr 2022 also eine grössere Umstellung auf die meisten Kartoffelproduzenten.

Pflanzenbauberater Hansjörg Meier hat in den vergangenen Jahren genauso wie 2021 Versuche durchgeführt, wie die Krautvernichtung ohne Reglone gelingen kann. Man will gewappnet sein, um die Produzenten im nächsten Jahr fachlich fundiert zu beraten.

Sein Fazit: «Es muss auch ohne Reglone gehen. Damit es gut kommt, müssen sich die Produzenten aber bereits vor dem Anbau einige Gedanken zur Krautvernichtung machen», sagt Meier.

Landwirt und Pflanzenbauberater

Hansjörg Meier ist seit dem Jahr 2005 Pflanzenbauberater und arbeitet heute für Agroline. Er bewirtschaftet zu Hause einen gemischten Betrieb mit Milchvieh und Ackerbau. Auf 27 Hektaren Fläche baut Meier Zuckerrüben, Silomais, Wintergerste, Winterweizen und natürlich Kartoffeln an. Auf fünf bis sechs Hektaren wachsen bei ihm die Sorten Fontane und Ballerina, welche er an die Landi Weinland verkauft. Die Krautvernichtung hat Hansjörg Meier bisher immer chemisch durchgeführt.

Die richtige Kartoffelsorte am richtigen Standort

Da wäre einmal die Frage, welche Sorte an welchem Standort gepflanzt wird. «Krautstarke Sorten wie etwa Markies, Jelly oder Agria gehören vorzugsweise auf ebene Parzellen ohne Hangneigung», sagt Meier.

Der Grund: «Diese Sorten haben so kräftige Stauden, dass ihnen rein chemisch in einem durchschnittlichen Jahr ohne Reglone nicht beizukommen ist. Hier müssen die Kartoffelproduzenten mechanisch mit einem Krautschlegel arbeiten können. Das geht am Hang nicht gleich gut wie auf ebenen Feldern.»

Meier räumt ein, dass aber auch für kupiertes Gelände technische Lösungen wie hydraulisch schiebbare oder über Stützräder gelenkte Krautschlegel eine Option wären.

Ebenfalls müssen sich die Produzenten vor dem Anpflanzen gut überlegen, ob Querreihen oder in Fahrgassen auslaufende Dämme noch sinnvoll sind, wenn sie bereits wissen, dass sie im Herbst mit dem Krautschlegel in die Felder fahren müssen.

Alternativen zum Krautschlegel drängen sich nicht auf

Der Krautschlegel dürfte also an Bedeutung zunehmen, besonders bei Saatkartoffeln und Sorten mit sehr starken Stauden. Es gibt auch weitere nicht-chemische Alternativen für die Krautvernichtung. Hansjörg Meier: «In Versuchen testen wir, ob sich die Stauden auch mit Strom vernichten lassen.»

«Interessierte Produzenten können sich gerne bei der Landi Weinland melden», sagt Meier. Ebenfalls getestet wurde eine Krautzupfmaschine. «Diese Maschine kann zwar funktionieren, ist aber bezüglich Kosten und Flächenleistung dem Krautschlegel unterlegen», sagt Meier.

Weitere Alternativen wären der Wurzelschnitt oder das thermische Abflammen der Stauden. Dazu Meier: «Der Wurzelschnitt funktioniert nur in sehr sandigen Böden ohne Steine, beispielsweise in den Niederlanden. Zudem ist man bei diesem Verfahren auf trockene Bedingungen angewiesen und hat einen sehr hohen Zugkraftbedarf.»

Auch sei bekannt, dass die Kartoffelstauden mit Abflammen vernichtet werden können. Jedoch biete auch dieses Verfahren aus Sicht von Meier keinen Vorteil gegenüber dem Krautschlegel.

Sein Fazit aus den bisherigen Versuchen zur Krautvernichtung lautet folglich: «In Pflanzkartoffeln und Beständen mit starkem Laub werden wir kaum um den Krautschlegel herumkommen.» Der Krautschlegel sei in der Wirkung eigentlich ähnlicher wie Reglone und besser, als es die neuen chemischen Alternativen sind.

Schwache Kartoffelstauden rein chemisch vernichten

Je nach Jahr und Sorte ist aber das Laub zum Zeitpunkt der Krautvernichtung bereits stark geschwächt und die Kartoffeln reifen natürlich ab. In diesem Fall können die Produzenten weiterhin auch mit rein chemischen Mitteln agieren. Welcher Einsatz der chemischen Mittel in welcher Situation empfohlen ist, kann dem Kasten entnommen werden.

Eine Umgewöhnung für die Produzenten wird sein, dass es länger braucht, bis das Ergebnis der Sikkation sichtbar ist. «Bei Reglone sah man bereits am Abend nach der Spritzung einen ersten Effekt. Mit den neuen Mitteln muss man sich länger gedulden. Es dauert rund sieben bis acht Tage, bis die Stängel sichtbar werden», sagt Hansjörg Meier.

Das bringt zwei Herausforderungen mit sich. Einerseits verschiebt sich somit auch der Zeitpunkt der Schalenfestigkeit der Kartoffeln nach hinten. Die Knollen wachsen auch nach der Sikkation noch einige Tage weiter, weshalb die Kaliber im Auge behalten werden müssen, damit man nachher keinen grossen Anteil übergrosser Knollen hat.

Andererseits müssen die Kartoffelproduzenten auch länger darauf achten, dass die Pflanzen gesund bleiben. Hansjörg Meier sagt, dass der Wegfall von Reglone mindestens eine zusätzliche Fungizidbehandlung gegen die Krautfäule erfordern dürfte. So soll mittels sporenabtötender Mittel verhindert werden, das die Knollen befallen werden und faulen.

Damit sich die Ernte nicht zu weit nach hinten verschiebt, müssen die Stauden – je nach Jahr und Entwicklung der Knollen natürlich – tendenziell früher vernichtet werden. Um dies zu erleichtern, könnte es helfen, bei der Düngung die Stickstoffmengen leicht zu reduzieren, damit die Kartoffeln zum Zeitpunkt der Krautvernichtung nicht mehr voll im Saft sind, sagt Hansjörg Meier.

Weissöl würde chemische Abbrennwirkung verstärken

In den Versuchen hat Meier festgestellt, dass eine Zugabe von Weissöl den Effekt der chemischen Abbrennmittel deutlich verstärkt. Er hofft nun, dass der Einsatz Weissöl auf das neue Jahr hin auch in Speise- und Industriekartoffeln bewilligt wird.

Bisher ist Weissöl einzig in Saatkartoffeln zur Bekämpfung der Blattläuse als Virus-Überträger erlaubt. Bei Speise- und Industriekartoffeln kann – Stand heute – nur Genol Plant auf Basis von Rapsöl beigemischt werden.

Abgesehen von diesem Zusatz rechnet Hansjörg Meier von der Agroline nicht mit neuen chemischen Wirkstoffen, welche Reglone direkt ersetzen könnten. Das zeige nicht zuletzt auch ein Blick ins Ausland.

Noch vorhandenes Reglone optimal nutzen

Im Jahr 2021 ist Reglone noch erlaubt und dürfte wie üblich eingesetzt werden. Jedoch sagt Hansjörg Meier, dass bereits seit einiger Zeit kein Reglone mehr im Handel erhältlich ist.

«Wir haben im Verkauf darauf geachtet, dass möglichst alle Produzenten berücksichtigt werden. Jetzt wäre es wichtig, dass sich die Produzenten untereinander absprechen und sich gegenseitig aushelfen können, falls jemand zu viel Reglone hat und ein anderer Produzent zu wenig.»

Wichtig sei es vor allem, dass die erste Behandlung mit Reglone durchgeführt werden könne, damit das Blätterdach effektiv geöffnet wird. Sollte Ende Saison jemand noch Reglone an Lager haben, rät Meier, dies dem Pflanzenschutzberater zu melden.

Für das Jahr 2021 können noch einige Saatgut- oder Frühkartoffel-Produzenten, welche ihre Bestände vor dem 1. Juli abspritzen, das noch vorhandene Mittel gebrauchen», so Meier.

 

Empfehlungen für die Krautvernichtung ohne Reglone

Starke Stauden

- Kraut schlegeln
- Möglichst rasch danach: 1 l Spotlight plus + 0,4 l Ibiza oder 0,5 l Ranman Top
- Evt. Nachbehandlung mit Spotlight plus

Wenn die Stauden nicht allzu stark sind, kann das Blätterdach anstatt mit dem Krautschlegel auch mit 2 l Firebird Plus geöffnet werden.

Abreifende Stauden

- 2 l Firebird Plus + 0,4 l Ibiza oder 0,5 l Ranman Top
- 1 l Spotlight Plus

Bei sehr stark abgereiften Stauden kann auch ein Mal mit Spotlight Plus gefahren werden.

Hinweise

- Firebird Plus (Omya) enthält den Wirkstoff Pyraflufen-Ethyl und ist auch unter dem Handelsnamen Mizuki (Stähler) oder Sunrise (Leu + Gygax AG) erhältlich.
- Spotlight Plus (Syngenta) enthält den Wirkstoff Carfentrazone-Ethyl.

Um das Staudendach zu öffnen, zeigte Firebird Plus eine bessere Wirkung.
Spotlight Plus hat eine bessere Wirkung auf den Wiederaustrieb.

Ideale Anwendungsbedingungen: Möglichst rasch nach dem Krautschlegeln (auch wegen Fungizid-Schutz) und bei hoher erwarteter Lichtintensität in den folgenden Tagen.

Eine Beigabe von Mineralöl ist in Saatkartoffeln erlaubt und verstärkt die Wirkung der chemischen Abbrennmittel. In Speise- und Industriekartoffeln ist Weissöl (noch) nicht zugelassen.