Kurz & bündig

  • Agroline Bioprotect produziert in Aesch BL jährlich mehrere Millionen Kartonrähmchen und Kugeln mit Schlupfwespen.
  • Diese Nützlinge bekämpfen den Maiszünsler, den wirtschaftlich bedeutendsten Schädling an Mais.
  • Ausgebracht werden die Nützlinge auf Kartonrähmchen geklebt oder in Kugeln, die von Drohnen abgeworfen werden.

Agroline Bioprotect hat über 30 Jahre Erfahrung im nachhaltigen Pflanzenschutz. In den 1970er Jahren startete die Landi Reba in Aesch BL zusammen mit Forschungsanstalten die erste Nützlingszucht gegen den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis).

Die Trichogramma brassicae erwies sich erfolgversprechend: Mit der nur 0,5 Millimeter kleinen Schlupfwespe, dem natürlichen Gegenspieler des Maiszünslers, kann der Zünsler-Befall um rund 70 Prozent reduziert werden.

Bis 2010 gab es nur eine Methode, den Schädling erfolgreich zu reduzieren: Pro Hektare werden 100 Kartonrähmchen mit Eiern des Nützlings an die Pflanze angebracht.

Die Trichogramma schlüpfen und krabbeln aus den Rähmchen auf der Suche nach ihrem Wirt, dem Maiszünsler. Das Aufhängen der sogenannten Optibox ist mit sehr viel Arbeit und Zeit verbunden, es braucht 30 Minuten pro Hektare.

Agroline Bioprotect suchte und fand eine weniger aufwändige Methode zum Ausbringen der Schlupfwespen: Eine biologisch abbaubare Kugel aus Maisstärke, in die Eier der Schlupfwespe eingeklebt werden. Die Optikugeln können entweder per Hand geworfen oder mit der Optidrone ausgebracht werden.

Mit der Drohne, die in drei Minuten 100 Kugeln pro Hektare abwirft ist Agroline Bioprotect ein Pionier in der Schweiz und liegt damit europaweit an der Spitze der Innovationen.

Das Fenaco-Tochterunternehmen bildet dafür eigens Drohnenpiloten aus. Anhand der vom Landwirt übermittelten Feld-Koordinaten wirft die Drohne automatisch alle sieben Meter eine Kugel auf das Maisfeld ab. Das braucht nur wenige Minuten pro Hektare und die Anwesenheit des Landwirts ist bei der Ausbringung nicht nötig.

Durch die Drohnen-Ausbringung ist die Nachfrage stark angestiegen. Heute werden 15 Prozent des Schweizer Mais mit den Schlupfwespen geschützt. 40 Prozent davon werden mit den Drohnen ausgebracht. Kartonrähmchen und Kugeln sind im Bio- und ÖLN-Anbau zugelassen.

So werden Trichogramma-Schlupfwespen gezüchtet

In Kühlkammern werden Mehlmotten-Eier zusammen mit den Trichogramma-Schlupfwespen auf Platten gestreut und in «Brutkästen» geschoben. Mehlmotten sind ein Wirt der Trichogramma, ihre Eier werden so unter idealen Entwicklungsbedingungen durch die Schlupfwespe parasitiert.

Pro Jahr können so mehrere 100 Liter Trichogramma-Eier hergestellt werden, die in mehreren Millionen Kartonrähmchen oder Kugeln gekühlt abgepackt und versandt werden.

  • Eine Kugel enthält 1200 Mehlmotten-Eier mit den darin enthaltenen Maiszünsler-Nützlingen. Pro Ausbringung und Hektare braucht es 100 Optikugeln.
  • In einem Kartonrähmchen sind 2200 Mehlmotten-Eier aufgeklebt. Pro Ausbringung und Hektare braucht es 50 Optibox-Rähmchen.

So wirkt die Trichogramma-Schlupfwespe im Maisfeld

Wird der Maiszünsler nicht bekämpft, können sich seine Larven ungestört entwickeln. Sie fressen sich durch die Maisstängel und stören dabei die Nährstoff- und Wasserversorgung. Die geschwächte Pflanze knickt um, wodurch sie nicht mehr geerntet werden kann.

Zusätzlich bieten die Bohrlöcher der Larven Eintritts-Pforten für Fusariumpilze, deren giftige Stoffwechselprodukte die Futterqualität des Mais erheblich mindern.

Die Trichogramma brassicae ist der natürliche Gegenspieler des Maiszünslers. Die Ausbringung erfolgt, sobald eine gewisse Temperatur-Summe erreicht ist und der Falter zu fliegen beginnt, ungefähr ab Ende Juni.

Wissenschaftler von Agroscope sowie die kantonalen Pflanzenschutz-Fachstellen überwachen den Schädling mit Pheromon- und Licht-Fallen. Agroscope legt den Ausbringungstermin fest und Agroline Bioprotect verschickt die bestellten Trichogramma-Produkte an die Landwirte.

Die Ausbringung sollte unmittelbar nach Erhalt erfolgen, da die Schlupfwespen im ungekühlten Zustand sofort mit dem Schlupf beginnen und sich gezielt auf die Suche nach den Ei-Gelegen des Zünslers machen. Diese werden vom Nützling parasitiert und abgetötet, so dass sich die Maiszünsler nicht weiterentwickeln können. Aus dem parasitierten Eiern schlüpft eine neue Nützlings-Generation, die sich wiederum auf die Suche nach weiteren Maiszünsler-Eiern begibt.

Eine zweite Ausbringung der Trichogramma erfolgt je nach Witterung sieben bis zehn Tage nach der ersten Ausbringung. Durch die zweimalige Anwendung ist ein Schutz von etwa 70 Prozent gewährleistet. Daneben ist das Unterpflügen der Maisstoppeln nach der Ernte ein unbedingtes Muss, um restliche, überwinternde Maiszünsler-Larven zu zerstören.

In Befallsgebieten wird empfohlen, die Trichogramma-Ausbringung von allen Landwirten konsequent über Jahre durchzuführen.

 

Stallfliegen dezimieren

Agroline Bioprotect produziert neben Trichogramma brassicae auch Schlupfwespen und Güllefliegen zur Dezimierung der Stallfliegen-Population.

FlyVep (Schlupfwespen)

FlyVep vereint drei Schlupfwespen-Arten und wird im Trockenmist-Bereich (Tiefstreu oder Stroh-Liegeboxen) bei der Kälberaufzucht und Kälbermast sowie Schweine-, Schaf-, Geflügel- und Pferde-Haltung ausgebracht. Die Schlupfwespen legen ihre Eier in die Puppen der Stallfliegen ab. Dadurch kann sich keine Stallfliege mehr entwickeln, sondern eine neue Generation der Schlupfwespen wächst heran sucht nach weiteren Puppen der Stallfliegen. Das Sägespäne-Schlupfwespen-Gemisch wird in den Randbereichen ausgebracht, um ein Zerquetschen durch die Nutztiere zu vermeiden.

Flyliq (Güllefliegen)

Flyliq wird im Flüssigmist-Bereich in Schweine- oder Rinder-Ställen eingesetzt. Die Güllefliegen sind etwas kleiner als Stubenfliegen. Im Vergleich zu den Stallfliegen sind sie lichtscheu, träge und ortstreu. Die Güllefliegen bleiben ein Leben lang unterhalb des Güllekanals, wo sie auf die Schwimmschicht ausgebracht werden, und deshalb nicht zur Plage werden.

Ihr drittes, räuberisches Larvenstadium ernährt sich von den Larven der Stallfliegen, wodurch der Entwicklungszyklus des Schädlings an dieser Stelle unterbrochen wird und sich keine neuen Fliegen mehr entwickeln.

Güllefliegen werden nie zusammen mit Schlupfwespen eingesetzt, da letztere den Nützling vom Schädling nicht unterscheiden können und auch ihn parasitieren würden.

Beide Nützlinge sollten frühzeitig eingesetzt werden, am besten beim Erscheinen der ersten Fliegen und bei einer Stall-Innentemperatur von mindestens 18 Grad.

Agroline Bioprotect bietet ein Abo für die regelmässige Anwendung alle zwei Wochen und während der gesamten Fliegensaison an (in der Regel zwölf Lieferungen). Eine Einheit Schlupfwespen reicht für 100 Quadratmeter, eine Einheit Güllefliegen für 20 Meter Kanallänge.