Kurz & bündig

  • Betriebe mit Klauengesundheitsproblemen erhalten im Rahmen des Ressourcenprojekts «Gesunde Klauen» bei Interesse einen Beratungsbesuch.
  • Das Ziel dabei ist, die Klauengesundheit mittelfristig und langfristig auf dem Betrieb zu verbessern.
  • Wichtig ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Klauenpflegern und Bestandestierärzten.

Im Rahmen der Betriebsbesuche durch das Projektteam werden Risikofaktoren für die auf dem Betrieb vorkommenden Klauenerkrankungen untersucht. Der Landwirt bekommt eine Beratung. Gemeinsam werden Massnahmen zur Verbesserung der Klauengesundheit erarbeitet.

Ein Bericht über die Erhebungen während des Betriebsbesuches und die empfohlenen Massnahmen wird danach an den Tierhalter, Klauenpfleger und den Bestandestierarzt übermittelt. In weiterer Folge werden diese Massnahmen zur Verbesserung der Klauengesundheit zusammen umgesetzt.

Nach dieser Vorgehensweise wurde auch ein Milchviehbetrieb mit Laufstallhaltung im Schweizer Mittelland besucht. Die Auswertung der Befunde der letzten routinemässigen Klauenpflege zeigte, dass vor allem mechanisch und stoffwechselbedingte Klauenerkrankungen vorherrschten.

Bei einer Herdengrösse von 37 Milchkühen wies die Hälfte der Tiere Weisse-Linie-Defekte auf. Zwei Tiere hatten zum Zeitpunkt der Klauenpflege einen Weisse-Linie-Abszess. Bei zwölf Tieren wurden Sohlenblutungen festgestellt. Vier Tiere wiesen ein Sohlengeschwür auf. Infektiöse Klauenerkrankungen wie Ballenhornfäule und Klauenerdbeerkrankheit wurden auch diagnostiziert. Sie werden aber in diesem Artikel nicht näher behandelt.

Den Weisse-Linie-Defekt fachgerecht ausschneiden

Als Weisse-Linie-Defekt bezeichnet man eine Zusammenhangs-Trennung im Bereich der Weissen Linie. Diese stellt die Verbindungszone zwischen Wand- und Sohlen- bzw. Ballenhorn dar und besteht vor allem aus relativ weichem Blättchen- und Kitthorn.

Ein Aufweichen und Mürbewerden findet daher unter feuchten Haltungsbedingungen vorwiegend an dieser Struktur statt. In das mürbe Horn können sehr leicht Schmutz, kleine Steine und Bakterien eindringen.

Wird der Weisse-Linie-Defekt nicht rechtzeitig fachgerecht ausgeschnitten, kann es zu einer Infektion und Entzündung der Lederhaut kommen. Diese breitet sich typischerweise nach oben Richtung Kronsaum aus. Aufgrund des eitrigen Charakters wird sie als Weisse-Linie-Abszess bezeichnet.

Bei Sohlenblutungen handelt es sich um gelblich-rötliche bis dunkelrote Verfärbungen des Sohlenhorns. Das Sohlengeschwür ist ein Defekt des Sohlenhorns mit freiliegender entzündeter oder abgestorbener Lederhaut.

Neben biomechanischen und traumatischen Faktoren können auch Durchblutungsstörungen durch eine Lederhautentzündung eine Rolle bei der Entstehung der beiden Klauenpathologien spielen.

Horndefekte und Sohlengeschwüre sind die häufigsten Lahmheitsursachen beim Rind

Horndefekte im Bereich der Weissen Linie sowie Sohlengeschwüre gehören zu den häufigsten Lahmheitsursachen beim Rind. Sie sind meist schmerzhaft und führen zu massiven wirtschaftlichen Verlusten. Daher ist es wichtig, Klauenleiden vorzubeugen, frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Risikofaktoren für Klauenerkrankungen früh erkennen

Durch ein systematisches Vorgehen während des Betriebsbesuches konnten zahlreiche Risikofaktoren eruiert werden. Sie erklärten das Vorkommen der oben genannten Klauenerkrankungen.

Daraus ergaben sich Empfehlungen und Massnahmen, die zusammen mit dem Landwirt, dem Projekt-Klauenpfleger und dem Bestandestierarzt, die zum Beratungsbesuch eingeladen waren, abschliessend besprochen und in Form eines Betriebsberichtes an alle Beteiligten übermittelt wurden:

  • Hindernisse, die eine Höhe von weniger als 5 cm aufweisen, werden von Kühen im Stall- bzw. Bodenbereich schlecht gesehen. Sie stellen zum einen ein Verletzungsrisiko dar. Zum anderen können sie durch den hohen Druck, welcher punktuell auf die Klaue ausgeübt wird, zu Weisse-Linie-Erkrankungen und Sohlenblutungen führen.
  • Im Stall wurden zahlreiche Unebenheiten von 1 bis 5 cm Höhe vorgefunden. Zum Beispiel lag ein Metallrost vor einem Tränkebecken tiefer als das Niveau des Betonbodens, sodass sich Betonkanten von ca. 1 cm Höhe bildeten. Auch beim Übergang des Wartebereichs in den Melkstand wies der Betonboden scharfkantige Rillen und eine ungünstige Kante von 2 cm auf.
  • Ausserdem fand sich im Spaltenboden des Laufhofes eine herausgebrochene Spalte von 6 cm Breite. Bei Milchkühen ist eine maximale Spaltenbreite von 3,5 cm angemessen.

Um den oben genannten Klauenerkrankungen und Verletzungen vorzubeugen, wurde dem Landwirt zum einen ein Ausbessern der ausgebrochenen Spalte und zum anderen ein Abschleifen der Kanten und Anheben des Metallrosts auf die Ebene des Betonbodens empfohlen.

Häufigere Klauenpflege beugt Erkrankungen vor

Die routinemässige Klauenpflege der ganzen Herde fand bis anhin nur einmal pro Jahr statt. Diese sollte auf zwei Mal jährlich erhöht werden.

Als Folge ist die Korrektur der Klauenstellung der Kühe einfacher und Klauenerkrankungen wird vorgebeugt. Die Trachten werden durch die häufigere Kürzung der Klauenspitzen bei gleichzeitiger Schonung des Ballenhorns höher.

Ausserdem ermöglicht eine regelmässige Klauenpflege eine bessere Gewichtsverteilung auf beide Klauen, was der Entstehung von Druckstellen entgegenwirkt. Das regelmässige Ausschneiden der Hohlkehlung trägt ebenso zur Entlastung von Druckstellen bei und ermöglicht zusätzlich die Reinigung des Zwischenklauenspaltes, wenn die Tiere gehen.

Ausserdem bewirkt der grössere Abstand der Ballenhaut zum Boden eine bessere Trocknung und Sauberkeit der Klauen und der Haut in diesem Bereich. So kann das Risiko für infektiöse Klauenerkrankungen, wie zum Beispiel Ballenhornfäule, gesenkt werden.

Bei zu langen Klauen bzw. zu wenig Abrieb kommt es zu Veränderungen der Druckverteilung an den Klauen. Punktuell hohe Belastungen führen zu Sohlenblutungen, Sohlengeschwüren, Weisse-Linie-Defekten usw.

Eine häufigere Pflege erlaubt einerseits die frühere Erkennung von Klauenleiden, die sofort behandelt werden können. Dies führt zu einer schnelleren Heilungsphase. Andererseits können Erkrankungen weniger schnell entstehen, da eine ständige Korrektur der Klauenstellung die Entstehung von einigen Klauenerkrankungen verhindern kann.

Neun Monate im Jahr werden die Tiere geweidet. Der Weg zur Weide war unbefestigt und mit Steinen durchsetzt. Eine Befestigung des Weideaustriebes mit Kunststoffgitter, -matten oder anderen Materialen würde den punktuellen Druck auf die Klauen senken. Kleine Steine können leicht eingetreten werden, grössere können Druck auf Bereiche der Klaue ausüben und traumatisch-mechanisch bedingte Klauenerkrankungen verursachen. Es wurde daher eine Befestigung des Weideaustriebes empfohlen.

Klauenrehe vorbeugen: Kraftfutter gezielt einsetzen

Zu viel Kraftfutter auf einmal kann eine Pansenübersäuerung und dadurch Klauenerkrankungen begünstigen. Vor allem kann es zu einer Entstehung von Klauenrehe kommen.

Die Klauenrehe bezeichnet eine nicht eitrige Entzündung der Lederhaut, die eine Schädigung des Aufhängeapparates des Klauenbeins bewirkt. Sie äussert sich unter anderem im Vorkommen von Sohlenblutungen, Geschwüren und Weisse-Linien-Defekten.

Das Verteilen des Kraftfutters auf mehrere Portionen, die Reduktion der Menge bei einer Gabe und das Vermeiden einer Kraftfuttergabe ohne vorherige Strukturfuttervorlage sowie die ausreichende Versorgung mit Strukturfutter kann dies verhindern. Die Maximalmenge an Kraftfutter pro Gabe sollte nicht mehr als 1,5 kg betragen. Bislang wurde das Kraftfutter zwei Mal täglich in Portionen von bis zu 2,5 kg von Hand verteilt. Die vom Landwirt geplante Installation eines Kraftfutterautomaten sollte eine ausbalancierte Kraftfuttergabe vereinfachen und wurde daher vom Projektteam unterstützt.

Unterstützung durch Klauenpfleger und Bestandestierarzt

Der Landwirt zeigte sich motiviert, die Massnahmen umzusetzen, zumal ihm der Klauenpfleger und der Bestandestierarzt ihre Unterstützung bei der Umsetzung zusicherten. Die Nachverfolgung des Betriebes wird einerseits durch einen vom Projekt finanzierten Folgebesuch des betreuenden Tierarztes ein Jahr nach dem ersten Beratungsbesuch erfolgen.

Andererseits werden die Daten der weiteren Routinepflegen vom Klauenpfleger und die Umsetzung der Massnahmen vom Betrieb übermittelt. So wird sich zeigen, wie sich der Betrieb in Zukunft verbessert.