Kurz & bündig

  • Parasiten haben Resistenzen gegenüber Medikamenten entwickelt.
  • Es ist wichtig, dass das Immunsystem von Jungrindern trainiert wird.
  • Weidemanagement ist ein wichtiger Bestandteil der Parasitenbekämpfung.
  • Weiderotation statt Standweide verhindert, dass Rinder gegen Ende des Sommers erkranken.
  • Eine reduzierte Besatzdichte vermindert das Infektionsrisiko.

In der Schweiz erfüllen sehr viele Betriebe die RAUS-Anforderungen. Folglich haben diese Tiere regelmässig Zugang zu einer Weide. Untersuchungen in der Schweiz haben gezeigt, dass dies dazu führt, dass die Tiere einem höheren Risiko ausgesetzt sind, sich mit Weideparasiten zu infizieren.

Ein parasitärer Befall kann zu erheblichen wirtschaftlichen wie auch tiergesundheitlichen Problemen führen. Um die daraus resultierenden Verluste zu verhindern, wurde in den letzten Jahrzehnten systematisch entwurmt.

Bei den kleinen Wiederkäuern und Pferden hat der systematische Einsatz von Anthelminthika (Medikamenten gegen Wurminfektionen) zu einem grossen Resistenzproblem insbesondere bei den Magen-Darm-Strongyliden (MDS) geführt. Dies bedeutet, dass mittlerweile grosse Populationen von Endoparasiten bei Schafen, Pferden und insbesondere bei Ziegen nicht mehr oder nur unzureichend auf Wurmmittel reagieren.

Die Resistenzlage bei den MDS der Rinder ist momentan noch nicht so dramatisch. Die Resistenzen nehmen jedoch weltweit zu. Daher ist zwingend ein Strategiewechsel erforderlich, damit die gute Wirksamkeit gegenüber den MDS der Rinder in der Schweiz erhalten werden kann.

Denn: Eine Anthelminthika-Resistenz bedroht die Produktionssicherheit und lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Rinder haben gegenüber den kleinen Wiederkäuern den Vorteil, dass sie eine bessere körpereigene Abwehr gegen MDS entwickeln können. Dies muss zwingend ausgenutzt werden.

  • Das wirtschaftliche Ziel einer Parasitenkontrolle auf dem Betrieb ist klar definiert:
  • Es dürfen keine Leistungseinbussen aufgrund von Weideparasiten auftreten.
  • Gleichzeitig müssen die Ausgaben für Tierarzneimittel möglichst gering gehalten werden können.

Damit diese Ziele erreicht werden, muss der Infektionsdruck so hoch sein, dass eine Infektion und dadurch der Aufbau einer Immunität ermöglicht wird. Gleichzeitig muss der Druck so tief sein, dass die Infektion nicht zur Erkrankung mit klinischen Symptomen des Tieres führt. Somit muss ein tolerierbares Niveau an Parasiten und nicht eine vollständige Wurmfreiheit die neue Strategie sein.

Jungrinder sind in der ersten Weidesaison einem hohen Parasiten-Risiko

Weidemanagement ist ein wichtiger Bestandteil einer Parasiten-Bekämpfungsstrategie. Es wird davon ausgegangen, dass 95 Prozent der Parasiten auf der Weide und nur 5 Prozent im Tier vorkommen.

Besonders Jungrinder in der ersten Weidesaison sind einem hohen Risiko ausgesetzt. Denn das Immunsystem dieser Tiere hatte noch nie Kontakt mit MDS. Das Tier konnte folglich noch keine körpereigene Abwehr aufbauen. Damit diese Rinder aber eine Immunität aufbauen können, müssen sie in Kontakt mit den Parasiten kommen. Dabei ist es wichtig, dass der Kontakt mindestens vier bis fünf Monate dauert. Gleichzeitig stellt die lange Weidesaison ein Risiko dar, weil die Anzahl Parasiteneier auf Jungtierweiden im Laufe des Sommers stark ansteigt.

Ältere Rinder und Kühe können dank der körpereigenen Abwehr die Entwicklung der infektiösen Larven im Körper verlangsamen, so dass weniger Parasiten-Eier im Kot ausgeschieden werden (Staubsaugereffekt). Um den Infektionsdruck auf den Jungtierweiden auf das gewünschte tolerierbare Niveau zu bringen, gibt es mehrere Möglichkeiten.

Besser sonnige, trockene Weiden als schattige und feuchte Weiden

Die Weiden müssen hinsichtlich des Risikos für Parasiten analysiert werden. Feuchte Weiden fördern das Überleben der Parasiten und stellen gleichzeitig ideale Bedingungen für die Entwicklung vom Ei zur infektiösen Larve dar. Solche Weiden sollten nicht oder nur kurzzeitig nur mit Jungrindern bestossen werden. Besser wäre ein gemeinsames Abweiden mit Kühen oder anderen Tierarten.

Eine andere Möglichkeit ist, die feuchten Weiden für die Heu-/Silageproduktion zu nutzen. Feuchte Weiden, welche aufgrund topographischer Gegebenheiten nicht für die Schnittnutzung geeignet sind, sollten mit älteren Tieren bestossen werden. Die bereits aufgebaute Immunität verhindert bei diesen Tieren eine Erkrankung wie auch ein massives Ausscheiden von Parasiten-Eiern.

Standweiden und Weiden, welche ausschliesslich mit Rindern bestossen werden, sind für Jungrinder ungeeignet. Durch die kurze Entwicklungszeit der Parasiten kommt es im Verlauf des Sommers zu einer Ansammlung von infektiösen Larven auf der Weide. Als Folge können schwerwiegende Erkrankungen auftreten.

Pferde als alternierende Weidepartner für Rinder einsetzen

Um das Risiko zu senken, empfiehlt es sich, eine Weiderotation einzuführen. Im besten Fall werden die Weiden alternierend mit anderen Tierarten oder älteren Tieren bestossen.

Pferde eignen sich hier besonders gut, denn sie sind für die MDS der Rinder unempfänglich und stellen somit für infektiöse Larven eine Sackgasse dar.

Grundsätzlich gilt: Je seltener die Jungtiere auf einer bereits mit Jungrindern bestossenen Fläche weiden, desto geringer ist das Infektionsrisiko.

Eine zusätzliche Schnittnutzung von Stand- oder Jungtierweiden ist ein zusätzliches Instrument zur Reduktion der Zahl der infektiösen Larven auf der Weide. Die Konservierung tötet die Larven ab. Das Heu oder die Silage können anschliessend unbedenklich verfüttert werden.

Ein weiterer Punkt ist die Besatzdichte. Hohe Besatzdichten führen dazu, dass die Rinder auch in der Nähe des Kotes fressen müssen und dadurch die Aufnahme von infektiösen Larven provoziert wird.

Bei starkem Parasitenbefall der Rinder den Tierarzt hinzuziehen

Falls trotz dieser Massnahmen eine starke Verwurmung auftritt, darf und soll auf Anthelminthika zurückgegriffen werden. Klinische Zeichen für eine starke Parasiteninfektion sind neben Fressunlust und reduzierten Gewichtszunahmen auch ein mattes Fell und/oder Durchfall.

Grundsätzlich soll der Einsatz von Wurmmitteln nur nach Kotproben-Untersuchungen oder nach Untersuchung der Tiere durch einen Tierarzt durchgeführt werden. Wenn Medikamente eingesetzt werden, empfiehlt es sich, zwischen den Wirkstoffklassen zu wechseln. Zudem muss darauf geachtet werden, dass eine ausreichende Dosierung erreicht wird. So kann der Entstehung von Resistenzen entgegengewirkt werden.

Bei der Behandlung mit Anthelminthika muss aber darauf geachtet werden, dass die Tiere trotzdem in Kontakt mit den Parasiten kommen. Nur so können sie eine anhaltende Immunität aufbauen und sind in der nächsten Weidesaison geschützt.

 

Der Magen-Darm-Stronglyden-Zyklus

Erwachsene Würmer im Labmagen oder Darm des Rindes scheiden mit dem Kot Parasiten-Eier aus. Diese Eier entwickeln sich im Kot und auf der Weide zu infektionsfähigen Larven (L3). Unter idealen Bedingungen dauert diese Entwicklung 7 bis 10 Tage. Nach Abschluss der Entwicklung zu L3 kann der Parasit über das Weidegras aufgenommen werden. Im Körper des Tieres entwickeln sich die Larven weiter zu geschlechtsreifen Würmern. 14 bis 21 Tage nach der Aufnahme von Larven (L3) sind die Würmer geschlechtsreif und scheiden neue Eier aus.

Analysen zu MDS haben gezeigt, dass diese Parasiten in der ganzen Schweiz vorkommen, im Mittelland und Jura jedoch gehäuft.

 

 

Anthelminthika-Einsatz

Der RGD empfiehlt bei starkem Wurmbefall dieses Vorgehen:

  • Anthelminthika-Einsatz nach Kotproben-Untersuchungen oder Anordnung des Tierarztes.
  • Häufige Wirkstoffklassenwechsel, ausreichende Dosierung.
  • Kühe zu behandeln ist aus klinischer Sicht meist nicht nötig.
  • Wichtig: Resistenzen der Parasiten können nicht rückgängig gemacht werden.