Auf dem Fussballplatz sind sie unbeliebt, im Stall dagegen gern gesehen: Die Schwalben. Während ein sich theatralisch wälzender Fussballer auch mal eine gelbe Karte kassiert, sind Landwirte voll des Lobes über Schwalben im Stall.

Denn Schwalben fressen Fliegen. Und das nicht zu knapp: Gemäss Vogelwarte Sempach bringt ein Schwalbenpaar 250 bis 350 Portionen mit 15 bis 20 Insekten pro Portion zum Nest. Das sind gut 1200 bis 7000 Insekten pro Schwalbenpaar und Tag oder etwa 600 bis 3500 Insekten pro Schwalbe. Für die Aufzucht einer ganzen Schwalben-Brut werden etwa 1,2 kg Insekten gebraucht.

Auch bei Fliegen gilt: Vorbeugen ist besser als heilen

Fliegen sind nicht nur lästig, sie beeinträchtigen das Wohlbefinden von Nutztieren und übertragen Keime. Vorbeugen ist auch bei Fliegen einfacher als heilen. Und die lästigen Viecher sind bekämpfbar, bevor sie fliegen.

Doch dazu braucht es etwas Planung: Landwirte, die Nützlinge gegen die Fliegenplage im Stall einsetzen wollen, sollen sich von den Lieferanten beraten lassen, empfiehlt Veronika Maurer, Co-Leiterin der Gruppe Tiergesundheit beim FiBL. Sie hat dazu ein praktisches Merkblatt verfasst. Schlupfwespen etwa parasitieren Fliegenlarven. Sie seien aber empfindlich gegenüber Zugluft und mögen keine Kälte, so Maurer. Raubmilben sind stark im Kampf gegen Fliegeneier und Fliegenpuppen. Güllefliegen kommen im Güllekanal zum Einsatz.

Insektizide und Larvizide gezielt und dosiert einsetzen

Insektizide, die sich gegen erwachsene Fliegen richten, zeigen sofort Wirkung. Sie wirken jedoch nicht gegen die vorangehen Entwicklungsstadien. Dafür sind Larvizide nötig, welche die Larvenentwicklung hemmen. Puppen und ausgewachsene Fliegen hingegen reagieren nicht auf Larvizide.

Veronika Maurer weist darauf hin, dass im Bio-Landbau nur gerade ein Wirkstoff zur Bekämpfung von ausgewachsenen Fliegen zugelassen ist. Pyrethrum ist zwar hoch wirksam, tötet jedoch neben den Fliegen zum Beispiel auch Bienen. Deshalb sei es als letzten Ausweg zu betrachten, sagt sie.

Wichtig sei eine gute Stallhygiene, etwa eine gründliche Reinigung im Frühling. Fliegen meiden Zugluft, deshalb sind gut belüftete Ställe weniger anfällig.

Auch Hans Ramseier, Dozent für Pflanzenschutz und Agrarökologie an der HAFL, findet es sinnvoll, möglichst alle vorbeugenden Massnahmen auszuschöpfen. Als nächster Schritt kommt die biologische Bekämpfung. Er weiss, dass vor allem in Tiefstreue und Tretmist mit Schlupfwespen gute Erfolge erzielt werden. Auch Fliegenfallen mit einem Lockstoff können eine Möglichkeit sein.

Rauchschwalben leben im Stall, Mehlschwalben am Stall

Schwalben sind also wichtige Verbündete im Kampf gegen Fliegen. Während die Mehlschwalbe am Gebäude brütet, fühlt sich die Rauschwalbe im Stall wohl.

Welche Schwalben auf dem Hof leben, spielt gemäss Hans Ramseier keine Rolle. Er sagt, dass sich Rauchschwalben in den klassischen Anbindeställen mit den Balken sehr wohl fühlen. In den Laufställen sind ideale Orte für die Nester seltener, doch auch in Laufställen können Rauchschwalben brüten.

Mehlschwalben leben ausserhalb der Ställe und können mit Nisthilfen gut gefördert werden. Sinnvoll ist, diese dort anzubringen, wo noch Resten von natürlichen Nestern vorhanden sind.

Damit sich Schwalben auf Bauernhöfen wohl fühlen und Fliegen bekämpfen, braucht es etwas Unterstützung. Die Rauchschwalben müssen in die Gebäude reinfliegen können. In unmittelbarer Nähe der Nester sollten keine Geräte oder Maschinen stehen: Denn sie können Katzen als «Kletterhilfen» dienen, um die Nester zu leeren. Sowohl Hans Ramseier wie Veronika Maurer betonen, dass klebende Fliegenbänder und -platten in der Nähe von Schwalben nicht ideal sind. Fliegenbänder und -platten sollten, wenn sie eingesetzt werden, nur ein bis zwei Zentimeter unter der Decke montiert werden.

Für den natürlichen Nestbau ist es gut, wenn schlammige, feuchte Stellen vorhanden sind. «Diese sollten aber nicht beim Weideeingang sein, sonst könnte es Probleme mit Panaritium (Grippeli) bei den Kühen geben», sagt Hans Ramseier.

Bei Mehlschwalben fehlt heute häufig gutes Material für den Nestbau. Hier kann das Aufhängen von Nisthilfen (mit Kotbrettern) einiges bringen. Sie müssen aber unbedingt katzen- und mardersicher angebracht werden. Nisthilfen für Mehl- und Rauchschwalben gibt es zum Beispiel im Online-Shop der Vogelwarte.

 

 

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Bild: Adobe Stock

Mehlschwalbe

Als Gebäudebrüterin hat die Mehlschwalbe zunehmend Probleme, geeignete Nistplätze zu finden – trotz der steten Zunahme des Siedlungsraums. Leider werden Nester oft mutwillig zerstört, da der Kot dieser Insektenvertilger Hausfassade und Boden verschmutzen kann. Eine Lösung ist, Kunstnester an problemlosen Stellen anzubringen.

Die Oberseite der Mehlschwalbe ist blauschwarz mit weissem Bürzel, die Unterseite weiss. Der Schwanz ist kürzer und weniger gegabelt als bei der Rauchschwalbe.

 

 

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Bild: Adobe Stock

Rauchschwalben

Im Sprichwort «Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer» hat sich die Beobachtung niedergeschlagen, dass einzelne Rauchschwalben bereits ab Mitte März aus den afrikanischen Winterquartieren zurückkehren. In grösserer Zahl kommen sie erst ab Mitte April an, wenn der Sommer vor der Tür steht. Die Rauchschwalbe lebt seit Jahrhunderten in engster Nachbarschaft mit dem Menschen. Sie brütet meist in Ställen und Scheunen und ist eine wahre Baumeisterin. Für ein Nest werden etwa 750 bis 1400 Erdklümpchen benötigt. Die zu ihrer Beschaffung zurückgelegte Wegstrecke wurde auf rund 220 Kilometer berechnet.

Die Oberseite der Rauschwalbe ist stahlblau, Stirn und Brust sind kastanienbraun. Der Schwanz ist gegabelt mit langen Spiessen, bei Weibchen und Jungvögeln etwas kürzer.

 

Vogeldorf Alchenstorf

Ende April 2021 eröffneten im Vogeldorf Alchenstorf BE gleich vier neue Schwalbenhotels. Das Pilotprojekt Vogeldorf Alchenstorf soll die Biodiversität in der Landwirtschaft, aber auch im Siedlungsgebiet fördern. Dazu soll die Landwirtschaft, aber auch die übrige Bevölkerung ihren Beitrag leisten. Auf dem Betrieb von Nationalratspräsident Andreas Aebi etwa brüten 150 Mehlschwalben-Paare.