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Rotwild überträgt Rindertuberkulose

In Vorarlberg traten wiederholt mit Tuberkulose infizierte Rinder auf. Eigentlich ist die Krankheit in der Schweiz ausgerottet. Doch nun droht sie wieder auszubrechen. Die An-steckung geschieht vor allem durch Kontakt mit Rotwild während der Sömmerung, aber auch im Winter.


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Kurz & bündig

  • Die Schweiz ist aktuell frei von Rindertuberkulose TB.
  • Tuberkulose wird heute vor allem von Wildtieren auf Rinder, Schafe und Ziegen übertragen.
  • Mittels Tuberkulin-Test lassen sich verdächtige Tiere erkennen.
  • TB lässt sich sicher und definitiv nur am geschlachteten Tier mittels Laboruntersuchung veränderter Lymphknoten diagnostizieren.
  • TB ist auf den Menschen übertragbar.
  • Befindet sich Rotwild in der Nähe, sind Heu- und Silage-Futterplätze wildsicher einzuzäunen.

Die Rindertuberkulose TB ist eine hochansteckende Tierseuche, die in der Schweiz seit den 1950er Jahren als ausgerottet gilt. Es besteht aber die Gefahr, dass die Krankheit aus dem Ausland eingeschleppt wird. Besonders betroffen sind die Gebiete im St. Galler Rheintal, Graubünden und Liechtenstein, die an das österreichische Bundesland Vorarlberg grenzen. Dort tritt in der Rotwildpopulation die Seuche immer wieder auf.

Im Dezember 2019 wurde im österreichischen Bezirk Bludenz in einem Landwirtschaftsbetrieb Rindertuberkulose festgestellt. In der Folge mussten alle auf dem Betrieb befindlichen 50 Kühe und Rinder getötet werden.

Wildtiere stecken Rinder in Österreich mit Tuberkulose an

Ende 2019 waren in Vorarlberg neun Betriebe wegen TB-Verdachtes gesperrt. Hauptsächlich stecken sich die Rinder bei der Sömmerung durch den Kontakt mit Rotwild an. Um infizierte Tiere zu finden, werden in Vorarlberg jährlich etwa 9000 Rinder von rund 800 Betrieben getestet, deren Vieh in gefährdeten Gebieten gesömmert wird.

Die vorarlbergische Landwirtschaftskammer und die Jägerschaft erarbeiteten Ende 2019 einen Aktionsplan TB 2020+, um unter anderem die Rotwildbestände noch stärker als bisher zu reduzieren. «Die Schweiz ist frei von TB», sagt Lukas Perler, Leiter Tierseuchen beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Seuche im Grenzgebiet zu Vorarlberg wieder eingeschleppt wird. Als Risiko-Gebiete gelten die Bündner Herrschaft um Maienfeld, das Prättigau hinauf nach Klosters und das Unterengadin.

Bei der Schweizer Prävention ändere sich mit dem Auftreten der TB auf einem Vorarlberger Bauernbetrieb grundsätzlich nichts, beruhigt Perler.

Im Herbst 2019 musste ein Ziegenbestand im Puschlav wegen Paratuberkulose gekeult werden. Doch Paratuberkulose ist im Gegensatz zur TB keine hochansteckende Tierseuche. Im Fall Puschlav war der Infektionsdruck im Stall allerdings so hoch, dass man es als notwendig erachtete, den ganzen Bestand zu keulen.

In Graubünden ist die private Wildtier-Fütterung verboten

Seitdem im Jahre 2013 bei einem Rind aus der Schweiz, das in Vorarlberg gesömmert wurde, TB auftrat, müssen alle Rinder aus der Schweiz bei ihrer Rückkehr von österreichischen Alpen auf TB getestet werden. Zudem gibt es an der Grenze zu Österreich ein spezielles Wild-Überwachungsprogramm sowie seit dem Jahr 2016 ein Verbot privater Wildfütterungen, hält Giochen Bearth, Kantonstierarzt Graubünden, fest. Zum Schutz vor Ansteckungen ist nämlich das Ansammeln von Rotwild möglichst zu vermeiden.

Das Fütterungsverbot wurde inzwischen sogar auf den ganzen Kanton ausgedehnt. Auch die vor Wild ungeschützte Lagerung von Futter und Futterresten aus der Landwirtschaft fällt unter das Verbot der privaten Wildfütterung, da sich das Vieh nicht nur durch direkten Kontakt mit Rotwild anstecken kann, sondern auch über das Futter.

«Feuchtfutter ist das grösste Risiko der TB-Übertragung auf Rinder, Ziegen und Schafe», betont das Merkblatt «Fütterungsverbot für Schalenwild» des Amtes für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit ALT des Kantons Graubünden . Besonders wichtig ist, dass die Wildtiere keinen Zugang zu Nutztier-Fütterungen haben. Ein vom Kanton Graubünden, von Liechtenstein und vom Bund finanziertes Projekt erarbeitet weitere Massnahmen zur Prävention von TB bei Rothirschen und Nutztieren.

Bis Rindertuberkulose erkannt wird, können Jahre vergehen

TB ist sowohl in der Schweiz als auch in den Nachbarländern eine auszurottende und somit meldepflichtige Tierseuche. Wer Tiere hält oder betreut, muss Verdachtsfälle dem Bestandestierarzt melden.

Es ist allerdings nicht einfach, TB festzustellen. Beim Rind kann die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Anzeichen der Krankheit Monate bis Jahre dauern, schreibt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. In einer späten Phase der Erkrankung zeige sich die Tuberkulose bei Rindern als chronisch-auszehrende Krankheit mit vergrösserten Lymphknoten, Fieberschüben, Milchleistungsrückgang und Abmagerung.

Diese Symptome können aber auch bei anderen Krankheiten auftreten. Der Nachweis der Krankheit am lebenden Tier geschieht durch den Tuberkulin-Test (Kasten oben rechts) sowie unterstützend durch zusätzliche Labor-Analysen.

Bei der Überwachung von TB spielen die Fleischkontrollen in den Schlachthöfen eine wichtige Rolle: TB lässt sich sicher und definitiv nur am geschlachteten Tier mittels Laboruntersuchung veränderter Lymphknoten diagnostizieren.

TB kann durch direkten Tierkontakt, durch verseuchtes Wasser oder Futter übertragen werden, schreibt das BLV. Neben Rotwild seien auch Dachse gefürchtete Überträger der Seuche.

Impfen ist in der Schweiz aktuell nicht zweckmässig

In Europa liess sich TB bei landwirtschaftlichen Nutztieren durch intensive Bekämpfungsprogramme eindämmen. Zeugen der erfolgreichen Bekämpfung waren während langer Zeit die Schilder an den Ställen «TB freier Tierbestand». In den letzten Jahren ist gemäss BLV die Seuche in Europa bei Rindern und auch bei Wildtieren wieder vermehrt festgestellt worden. Die Forschung arbeite an der Entwicklung einer Impfung, erklärt Norbert Greber, Veterinärdirektor des Landes Vorarlberg, aber bis jetzt gebe es noch keine wirkungsvolle Impfung: Denn TB werde in erster Linie vom zellulären und nicht vom humoralen Immunsystem bekämpft.

In der Schweiz ist kein Impfstoff zugelassen. Lukas Perler begründet dies damit, dass es zum Erhalt der Seuchenfreiheit in der Schweiz zweckmässiger sei, einzelne, erkrankte Tiere gezielt herauszufinden als alle Tiere zu impfen. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Indien, in denen TB stark verbreitet ist, mag eine Impfung angebracht sein.

Die Ausrottung der Rindertuberkulose in der Schweiz in den 1950-er Jahren diente nicht nur dem Schutz der Tiere, sondern auch der Menschen. Denn TB ist eine Zoonose, sie lässt sich vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragen.

Tuberkulose ist unbehandelt für den Menschen tödlich

Die Übertragung auf den Menschen geschieht durch nicht pasteurisierte Milch, offene Wunden und durch intensiven Kontakt zwischen Menschen und Tier in fortgeschrittenem Krankheitsstadium. Es kommt eher selten vor, dass Menschen Tiere anstecken. Die Erreger der Tuberkulose sind verschiedene Arten von Mykobakterien. Diese befallen vor allem die Lunge, daher der Ausdruck Lungentuberkulose. Ohne Behandlung verläuft die Erkrankung oft tödlich.

Weltweit soll TB die häufigste tödliche Infektionskrankheit sein; es erkranken jährlich etwa 9 Millionen Menschen an ihr. In der Schweiz erkranken pro Jahr etwa 550 Menschen, schreibt das Bundesamt für Gesundheit. Betroffen seien vor allem Menschen aus Ländern, in denen die TB noch verbreitet ist (Afrika und Asien). Die Krankheit wird durch bakterienhaltige Tröpfchen in der Atemluft übertragen. Typische Symptome sind Husten, Fieber und Gewichtsabnahme. Mit speziellen Antibiotika lässt sich TB meist gut behandeln.

Präventionsmassnahmen des Kantons Graubünden

Der Kanton Graubünden führt zum Schutz seiner Wild- und Nutztierbestände jährliche Überwachungsuntersuchungen durch. Seit 2016 gilt ein Verbot privater Wildfütterungen im Grenzgebiet zu Österreich. Dazu gibt es eine Aufklärungs-Kampagne.

Das Fütterungs-Verbot ist bis 2021 verlängert. Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit ALT Graubünden hat dazu eine Verfügung und ein Merkblatt erstellt. In diesen Bestimmungen ist unter anderem Folgendes festgelegt:

  • Siloballen sind spätestens ab dem 1. November bei einem Betriebsgebäude konzentriert zu lagern.
  • Treten Wildspuren auf, sind Siloballen unverzüglich wildsicher einzuzäunen.
  • Es darf kein Futter vor dem Stall liegen, insbesondere keine offenen Siloballen.
  • Krippreste oder verdorbenes Futter sind für das Wild unzugänglich zu entsorgen.
  • Wild- und Haustiere dürfen sich nicht im Winterauslauf treffen.
  • Wird im Auslauf zugefüttert, muss er wildsicher eingezäunt sein.
  • Auf Alpen sind Salzlecken und Tränkestellen zu überwachen.
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