Kurz & bündig

  • Das Pseudogetreide Quinoa wächst in der Schweiz gut.
  • Die grösste Herausforderung im Quinoa-Anbau ist die Unkrautbekämpfung.
  • 2021 bauen 23 Produzenten IP-Suisse Quinoa an.
  • Die Fläche ist auf 1 ha pro Produzent beschränkt.
  • IP-Suisse hat Mühe, Marktanteile zu gewinnen.

Quinoa liegt bei den Konsumenten hierzulande eigentlich im Trend. Die Importe aus Südamerika, wo das Pseudogetreide seit 5000 Jahren traditionellerweise angebaut wird, nehmen stetig zu und belaufen sich auf über 1300 Tonnen pro Jahr. Seit einigen Jahren wird Quinoa auch in der Schweiz angebaut. IP-Suisse hat am Markt Fuss gefasst. Jedoch bereitet es dem Label Mühe, Anteile zu gewinnen. Darum mussten die Produzenten im Jahr 2020 eine Anbaupause einlegen.

Die Quinoa-Lagerbestände waren hoch

Mitverantwortlich für die Pause waren die Quinoa-Produzenten selber: Sie erzielten vor zwei Jahren teilweise sehr gute Erträge. Gleichzeitig hat man bei IP-Suisse eher optimistisch bezüglich Absatz kalkuliert. Das Ergebnis: Gefüllte Lager.

Der Absatz über den Detailhandel (Migros, Coop, Denner, Manor) und die SV-Group beläuft sich auf rund 10 bis 15 Tonnen pro Jahr. Diese Zahl stagniert. Daher müssen sich rund 300 interessierte Produzenten auf der Warteliste weiter gedulden, bis sie dereinst vielleicht einmal Quinoa anbauen können.

«Es macht keinen Sinn, am Markt vorbei zu produzieren», begründet Mirjam Lüthi die lange Warteliste. Sie ist bei IP-Suisse für die Anbauplanung- und Beratung von Quinoa zuständig und selber Produzentin der ersten Stunde.

Um die Fläche auszudehnen, braucht es mehr Absatz

Bevor über eine Ausdehnung der Fläche geredet werden kann, brauche es mehr Absatz. Die Nachfrage bei Hofläden habe zuletzt zwar deutlich zugenommen. Schön wäre es gemäss Lüthi aber vor allem auch, wenn Schweizer Quinoa in der Lebensmittelindustrie Fuss fassen könnte. So könnte man grössere Mengen für die Weiterverarbeitung zu Müesli oder Biscuits absetzen. «Die Lebensmittelindustrie ist aber sehr preissensibel», hat Mirjam Lüthi festgestellt.

Glücklicherweise lässt sich trockenes Quinoa gut über eine längere Zeit lagern. Im Jahr 2020 konnte das Quinoa kontinuierlich verkauft werden, so dass für die Saison 2021 wieder 25 Produzenten jeweils maximal eine Hektare anbauen können.

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Daniel Stüdi baut seit drei Jahren Quinoa an

Einer dieser Produzenten ist Daniel Stüdi aus Deitingen im Kanton Solothurn. Er hat sich gefreut, als er erfahren hat, dass er heuer wieder eine Hektare dieser Nischenkultur anbauen kann. Bereits drei Jahre lang hat er Quinoa angebaut und konnte zufriedenstellende Erträge von bis zu 1200 kg /ha erzielen. Generell probiert er gerne etwas Neues auf seinen Feldern. Beim Quinoa hat er seine Lehren gezogen: «Wichtig ist, dass man eine Parzelle mit tiefem Unkrautdruck auswählt», so Stüdi.

Auf der Parzelle, auf welcher der Landwirt ab Mitte April sein Quinoa aussäen will, stand über den Winter hindurch eine Gründüngung. Er bearbeitet das Feld vor der Saat mehrmals mit dem Grubber, um möglichst viele Unkrautsamen zum Keimen zu bringen. «Das grösste Problem mit dem Unkraut kommt aber nicht nach der Saat, sondern vor der Ernte», weiss Stüdi.

Spätverunkrautung lässt sich fast nicht vermeiden

 

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Weil zu diesem Zeitpunkt die Blätter der Quinoa-Pflanzen absterben, kommt Licht auf den Boden. So kann neuerlich Unkraut keimen. Dennoch würde sich Daniel Stüdi freuen, weiterhin Quinoa anbauen zu können. «Es wäre auch schön, wenn der Absatz steigt und weitere Landwirte ihre Fruchtfolge mit Quinoa auflockern können», sagt Stüdi.

Wieso aber ist es schwierig, ein trendiges Produkt wie Quinoa am Markt mit dem Gütesiegel Schweizer Herkunft zu positionieren? «Das wichtigste Hindernis dürfte wohl der Preis sein», vermutet Mirjam Lüthi. IP-Suisse Quinoa kostet im Detailhandel Fr. 6.90 pro Portion à 350 Gramm.

Importiertes Quinoa gibt es hingegen für rund Fr. 4.90 bei einer Menge von 400 Gramm. Auch gäbe es wohl einige Konsumenten, die gezielt Quinoa aus der Ursprungsregion wünschen, vermutet Lüthi. Was sie jedoch nicht gelten lässt, ist das Argument Qualität. «Schweizer Quinoa ist qualitativ mindestens genauso hochwertig wie dasjenige aus Übersee.»

 

Jeder Produzent hat für den perfekten Anbau andere Ansätze

Punkto Anbau und Produktequalität habe man die Hausaufgaben gemacht, gibt Mirjam Lüthi Auskunft. «Beim Anbau gibt es aber keine einzelne Strategie, die sich flächendeckend durchgesetzt hat. Jeder Produzent hat eigene Erfahrungen gemacht und getüftelt», so Lüthi.

Es gibt weder einen festen Platz in der Fruchtfolge, noch ein einheitliches Verfahren bei der Bodenbearbeitung. «Wir haben als IP-Suisse die Produzenten zu Beginn eng begleitet und Flurbegehungen durchgeführt. Mittlerweile tauschen sich die Bauern selber untereinander aus», sagt Lüthi.

Produzentenpreis hängt von der Qualität ab

 

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Die Produzenten bekommen pro 100 kg gereinigtes Quinoa einen Preis zwischen 450 und 480 Franken. Entscheidend ist es, dass das Feld weitgehend frei von Unkraut bleibt. Sonst besteht die Gefahr, dass beim Dreschen auch viele Unkrautsamen im Tank landen.

Die Aufreinigung des Quinoa ist anspruchsvoll und verursacht Kosten. «Wer einen sauberen Bestand haben will, kommt kaum ganz ohne Handarbeit durch», weiss Mirjam Lüthi aus Erfahrung. Sie rechnet damit, dass man durchschnittlich rund 30 Stunden pro Hektare für die Unkrautbekämpfung aufwenden müsse. Das einzig zugelassene Herbizid – Dual Gold – zeige keine hundertprozentige Wirkung.