Kurz & bündig

  • Biogasanlagen produzieren Abwärme als Nebenprodukt.
  • Die Abwärme kann zur Trocknung von Körnermais genutzt werden.
  • Die technischen Herausforderungen dabei sind gross.

Die Biogasanlage von Thomas Hunkeler und Meinrad Pfister in Altishofen LU produziert mehr als nur Strom: Nebst Energie für 1000 Haushaltungen fällt quasi als Abfallprodukt die Abwärme an. Diese entsteht im Blockheizkraftwerk als Nebenproduktion der Stromerzeugung des Verbrennungsmotors. Das ist die Erklärung für die acht Containermulden, welche an gelbe Schläuche angeschlossen vor der Biogasanlage stehen.

Durch die Schläuche wird warme Luft – die Abwärme – durch den doppelten Boden der Mulden und das darin enthaltene Material geblasen. Zum einen sind die Mulden mit CBD-Hanf gefüllt, welcher einen intensiven Duft verströmt. Zum anderen befindet sich Körnermais von Landwirten aus der Region in den Containern.

Abwärmenutzung ist für Biogasanlagen vorgeschrieben

«Wir haben versucht, aus der Not eine Tugend zu machen», erinnert sich Michael Hunkeler. Er ist der Sohn von Miteigentümer Thomas Hunkeler und mitverantwortlich für den Betrieb der Biogasanlage.

Die Not war folgende: Es ist vorgeschrieben, dass die Abwärme von Biogasanlagen genutzt werden muss. Nach dem Ausbau der Anlage mussten die Betreiber nach neuen Formen der Abwärme-Nutzung suchen, um den Anforderungen weiterhin gerecht zu werden. «Bis dahin haben wir vor allem Hackschnitzel und Scheitholz getrocknet und die Abwärme zum Heizen der umliegenden Schweinestallungen und des Wohnhauses genutzt. Das reichte nun nicht mehr», erinnert sich Hunkeler.

Technisch ist die Trocknung von Körnermais anspruchsvoller als zunächst von den Initianten angenommen. Das Problem: «In den Ecken der Mulde bleibt der Mais feucht, während er innen ziemlich rasch trocknet. Oben und an den Wänden kann sich zudem Kondenswasser bilden», erklärt Michael Hunkeler.

Investitionen in die Technik sind nötig

Derzeit überlegen sich die Biogasanlage-Betreiber, in technische Lösungen für das Problem zu investieren. «Ein Schneckenrührwerk wäre eine Option», weiss Hunkeler. Dieses kann auf die Container aufgebaut werden (siehe Bild S. 77). Die vertikalen Schnecken sorgen dafür, dass der Mais umgewälzt und dadurch gleichmässig getrocknet wird.

In dieser Phase des Experimentierens ist es für Hunkeler wichtig, dass der Abnehmer am gleichen Strick zieht. In seinem Fall ist das die Egli Mühlen AG mit Sitz im benachbarten Nebikon LU.

Simon Egli, verantwortlich für die Qualitätssicherung, ist an Hunkelers Idee interessiert. «Wir nehmen jährlich mehrere hundert Tonnen Körnermais an, die wir anschliessend selber trocknen. Wenn es eine ökologischere Lösung als jene mit Erdgas gibt, helfen wir gerne mit», so Egli.

Es gibt für Egli jedoch ein grosses Aber: «Bei der Qualität können wir uns keinerlei Abstriche erlauben. Diese muss zweifelsfrei gewährleistet sein.»

Das Ziel für ihn ist klar: Die Ware muss mit maximal 14 Prozent Feuchtigkeit angeliefert werden. Sie muss gleichmässig trocken und frei von Pilzen sein. Ebenfalls wichtig: Der Mais sollte langsam getrocknet werden.

Dazu Michael Hunkeler: «Wird der Mais zu schnell getrocknet, lässt sich die Feuchte im Innern der Körner nicht ganz wegbekommen.»

Ökologische Trocknung ist kein Marketing-Argument

Die Egli Mühlen AG ist auf Herstellung von Mischfutter spezialisiert. In praktisch sämtlichen Mischfuttern ist Mais eine wichtige Komponente. In der aktuellen Experimentierphase wird der angelieferte Mais, der keine homogene Feuchtigkeit aufweist, nachbearbeitet. Im Futtermarkt lasse sich das Argument der ökologischen Trocknung von Körnermais leider nicht ausschlachten, weiss Simon Egli. Im Jahr 2019 rechnet Michael Hunkeler damit, dass rund 100 Tonnen Körnermais mit der Abwärme der Biogasanlage in Altishofen getrocknet werden.

Die Anforderungen für die Körnermais-Produzenten sind einfach: Es braucht einen Lochcontainer, den der Lohnunternehmer zur Verfügung stellt. Die Kosten betragen 200 Franken pro Mulde. Wichtig dabei ist, dass die Mulde niemals ganz gefüllt werden darf. «Gemäss unseren Erfahrungen liegt das Maximum etwa bei 12 Tonnen. Generell gilt, dass sich der Mais besser trocknen lässt, je weniger voll die Mulde ist», bedauert Hunkeler.

Administrative Fragen noch klären

Noch ist unklar, ob die Biogas-Abwärme der Anlage in Altishofen auch in Zukunft für die Trocknung von Körnermais verwendet wird. «Wenn wir weitermachen, müssen wir in eine technische Lösung investieren. Diese muss dabei helfen, die Qualität zuverlässig sicherzustellen», so Hunkeler.

Nebst den technischen Herausforderungen gibt es noch andere Dinge zu beachten: Wie wird zwischen Körnermais-Produzent, Biogasanlage und Egli Mühlen AG abgerechnet? Wer haftet, falls bei einem Posten die Qualität nicht stimmt?

Die Abwärme sinnvoll nutzen, ist für Biogasanlagen-Betreiber eine generelle Herausforderung. «Im Sommer braucht es praktisch keine Abwärme, ausser für die Trocknung von Holzschnitzeln», so Hunkeler.

Aus wirtschaftlicher Sicht macht die Abwärmenutzung nur einen kleinen Teil aus: «Es gibt einem Bonus, wenn man nachweisen kann, dass die Abwärme genutzt ist. Dazu kommt ein Beitrag der Kunden, welche ihr Produkt trocknen wollen. Und natürlich ist es aus ökologischer Sicht eine sinnvolle Sache.»

Wie die Abwärme künftig genutzt wird, ist noch unklar. Nur für die Trocknung von Mais dürfte die Investition in ein Schneckenrührwerk kaum rentabel sein.

 

Betriebsspiegel Betrieb Hunkeler

Thomas und Irmgard Hunkeler, Altishofen LU

LN: 9 ha

Kulturen:Raps, Körnermais, Silomais, Winterweizen, Wintergerste, Kunstwiese

Tierbestand: 140 Muttersauen

Weitere Betriebszweige:Biogasanlage, Mostproduktion

Arbeitskräfte: Thomas und Irmgard Hunkeler, Michael Hunkeler, ein Angestellter

www.solevia.ch 

 

 

Die Biogas-Anlage Wiggerhof

Seit 2017 wird auf dem Wiggerhof Strom für 1000 Haushalte produziert. Das entspricht einer installierten Leistung von 650 Kilowatt. Das Biogas wird aus der Gülle und dem Mist von zwölf umliegenden Landwirtschaftsbetrieben gewonnen. Hinzu kommen sogenannte Co-Substrate wie Grünabfälle der Gemeinden Dagmersellen und Altishofen, Speisereste, Gemüseabfälle oder Futterstaub.

Mit der Abwärme werden sämtliche Schweineställe und Wohnhäuser auf dem Wiggerhof beheizt. Die Abwärme kann auch zur Trocknung von Körnermais oder CBD-Hanf eingesetzt werden. Es können bis zu acht Mulden gleichzeitig an die Trocknung angehängt werden.