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Kalzium-Mobilisation beugt Festliegen bei Milchkühen vor

Vor allem Milchkühe mit hoher Leistung können nach dem 
Abkalben nicht schnell genug Kalzium für die Milchproduktion zur Verfügung stellen. Die richtige Fütterung während der Galtzeit erleichtert ihnen, den Stoffwechsel umzustellen und beugt so Festliegen vor.


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Kurz & bündig

  • Beim Einsetzen der Laktation kann der Kalziumspiegel im Blut stark abfallen.
  • Ein Kalzium-Mangel in den Muskeln führt zum Festliegen.
  • Eine Kalzium-arme Futterration in der Galtzeit erleichtert der Kuh, beim Abkalben Kalzium zu mobilisieren.
  • Es gibt ein Rückfall-Risiko. Auch bei älteren Kühen ist das Risiko einer Erkrankung grösser.
  • Bei Risiko-Tieren wirken eine Vitamin-D3-Spritze 3 bis 7 Tage vor dem Abkalbetermin sowie Kalzium-Boli zur Abkalbezeit präventiv.

Der häufigste Grund dafür, dass Kühe festliegen, das heisst, nicht mehr selbst aufstehen können, liegt im Milchfieber, auch Gebärparese genannt. Dabei handelt es sich um die sichtbare oder klinische Form der Hypokalzämie. Der medizinische Name leitet sich von der Ursache ab, dem Mangel an Kalzium.

Die Muskeln lassen sich 
bei Festliegen nicht mehr steuern

Die Krankheit tritt in den ersten 
48 Stunden nach dem Abkalben, manchmal auch schon kurz davor auf. Dann, wenn die Kuh plötzlich viel Kalzium für die Milchproduktion, insbesondere für die kalziumreiche Kolostralmilch benötigt.

Die Mechanismen der Kalzium-Mobilisation reagieren zum Zeitpunkt der Kalbung häufig zu langsam. Der Kalzium-Gehalt im Blut nimmt ab. Fällt er zu stark ab, dann lassen sich die Muskeln nicht mehr richtig steuern, erklärt Rupert Bruckmaier, Professor an der VetSuisse Fakultät der Universität Bern.

Gemäss einer Agroscope-Präsentation in Posieux sind die Zeichen, die dem Festliegen vorausgehen, unauffällig und werden oft kaum beachtet. Anzeichen sind Muskelzittern, steifer Gang, Unruhe und Appetitlosigkeit bis hin zum Herzflattern. Zuerst liegen die Kühe auf dem Bauch fest, die Pupillen sind erweitert. Später liegt die Kuh in der Seitenlage. Die Kuh kann im fortgeschrittenen Stadium das Bewusstsein verlieren, sich blähen und ohne Behandlung sterben.

Kalzium-Infusion 
als Sofort-Massnahme bei Festliegen

Zu 80 Prozent liegen Kühe in den ersten 24 Stunden nach dem Abkalben fest, stellt Dr. Markus Rösch von der Tierarztpraxis Celsius AG in Hefenhofen TG fest. Der Tierarzt setzt dann als Sofort-Massnahme eine Kalzium-Infusion, während derer er die Herztätigkeit gut überwacht. Die meisten zugelassenen Infusions-Präparate enthalten neben Kalzium auch Phosphor und Magnesium.

Manche Kühe stehen schon nach einer halben Stunde oder früher wieder auf, bei anderen dauert es länger. Bei anhaltendem Festliegen aufgrund eines nachgewiesenen oder vermuteten Kalzium-Mangels sind weitere Kalzium-Infusionen notwendig. Diese sind in ausreichend grossen Abständen über den Tag zu verteilen, denn bei zu hohen Kalzium-Gaben besteht die Gefahr eines Herzstillstandes.

Reagiert die Kuh nicht, prüft der Tierarzt zur Sicherheit den Kalziumspiegel im Blut mittels Laboranalyse. Auch traumatische Einflüsse zum Beispiel Muskel- und/oder Nervenverletzungen wegen einer Schwergeburt können dazu führen, dass die Kuh nicht aufsteht.

Zur Nachbehandlung empfiehlt Rösch die Eingabe von Kalzium-Boli im Abstand von zwölf Stunden. Er empfiehlt den Landwirten, Kühe, die nicht gleich aufstehen, weich zu betten und mehrmals pro Tag auf die andere Seite zu wenden, um die Durchblutung der belasteten Hintergliedmasse zu verbessern und um Liegeschäden vorzubeugen.

Wenn die Tiere unsicher stehen, sollte man ihnen die Hinterbeine zusammenbinden, um ein Grätschen und daraus entstehende Muskelverletzungen zu verhindern. Von Vorteil ist ein Seilzug an einer Schiene über der Abkalbe-Bucht, um die Kuh beim Aufstehen zu unterstützen.

Kühe nach dem Abkalben 
nicht ganz ausmelken

In den ersten Tagen nach dem Abkalben sollte man festliegende Kühe nicht ganz ausmelken, damit sie weniger Kalzium mobilisieren müssen. Früher, als es noch keine Kalzium-Infusionen gab, habe man Luft in das Euter gepumpt, um den Druck im Euter zu erhöhen und die Milchproduktion zu senken. Bei einer Kuh, die festliegt, darf man nicht lange warten. Die Stoffwechsel-Erkrankung kann tödlich enden.

Neben einer milden Milchleistungs-Depression wirken sich mögliche Folgen wie Verletzungen von Muskeln, Zitzen oder Nerven weitaus schlimmer aus. Das Festliegen kann das 
Auftreten von Nachgeburtsverhalten, Labmagenverdrehungen, Fruchtbarkeitsstörungen und Ketosen begünstigen. Die Tierarztkosten für die Behandlung selbst im Bereich von 100 bis 150 Franken sind im Vergleich dazu gering.

Die richtige Fütterungsstrategie in der Galtphase beugt Festliegen vor

Tierarzt Rösch trifft das Festliegen «relativ häufig» an, wie er sagt. Die wichtigste Massnahme bei der Prävention sieht der Tierarzt in der Kalzium-armen Fütterung der Galtkuh und darin, dass diese nicht zu viele Körperreserven aufbaut. Der Body Condition Score BCS einer Skala von 1 bis 5 sollte zwischen 3,5 und 4 liegen.

Im Agroscope ALP-Merkblatt Nr. 20 steht die richtige Fütterungsstrategie in der Galtphase ganz oben bei der Prävention des Festliegens. Optimal sei eine Reduktion des Kalziums im Futter auf 3,5 g/kg Trockensubstanz TS in den letzten vier Wochen vor dem Abkalben.

Kalziumreiche Futter wie Luzerne und Klee, aber auch Zuckerrübenschnitzel sind restriktiv zu füttern und es sollte ein Mineralsalz ohne Kalzium gewählt werden. Das erleichtert es der Kuh, Kalzium aus den Knochen zu mobilisieren.

Es ist allerdings in den Wochen vor dem Abkalben auch darauf zu achten, den Magnesium-Gehalt der Ration zwischen 2,5 und 3,0 g/kg TS zu halten. «Den Kalzium-Gehalt so tief wie möglich und den Magnesium-Gehalt genügend hochhalten», fasst Patrick Schlegel, Fütterungsexperte bei der Agroscope in Posieux, zusammen.

Als Prävention gegen Festliegen Extenso-Heu füttern

Eine andere Massnahme der Prävention ist, nicht nur das Kalzium, sondern auch das Kalium im Futter so gut wie möglich zu beschränken. Dies sei allerdings bei der in der Schweiz vorwiegenden Gras- und Heufütterung sehr schwierig umzusetzen, da die 
Kalium-Gehalte von Raufutter hoch sind, erklärt Agroscope-Fütterungsexperte Schlegel.

Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Säure-Basen-Gleichgewicht der Futterration. Die saure oder basische Wirkung eines Futters wird mit dem DCAB-Wert (dietary cation anion balance) beschrieben. Dieser ist die Differenz aus Kationen (positiv) und Anionen (negativ) im Futter, erste sind vor allem Salze mit Kalium und Natrium, zweite mit Chlor und Schwefel. Ein hoher DCAB-Wert führt zu einer basischen Stoffwechsel-Lage und verringert die Kalzium-Mobilisation aus den Knochen.

Futtermühlen bieten deswegen sogenannte saure oder anionische Salze als Futterzusätze an. Allerdings funktionieren diese nur, wenn der Kationen-Überschuss, das heisst das Kalium im Futter, nicht zu hoch ist. Tiefe Kalium-Gehalte lassen sich durch die Verfütterung von Extenso-Heu erreichen. Das Verfüttern von Mais-Silage senkt ebenfalls den Kalium-Gehalt der Ration, erhöht aber den Energie-Gehalt.

Vor allem ältere Kühe sind vom Kalzium-Mangel und Festliegen betroffen

Es sind vor allem Kühe ab der 3. Laktation, die an Milchfieber erkranken, haben M. Metzner und W. Klee an bayrischen Fleckviehkühen festgestellt. «Je älter die Kühe werden, desto schwieriger sei die Mobilisation aus den Knochen», sagt Schlegel. Auch steigen die Milchproduktion und damit der Kalzium-Bedarf mit dem Alter der Kühe an. Bei erstlaktierenden Kühen hat Schlegel in einer vor kurzem erschienenen Studie nicht einmal einen subklinischen Kalzium-Mangel festgestellt. Das heisst, man sollte bei der Prävention die Aufmerksamkeit vor allem auf Kühe ab der 
3. Laktation legen. Besonders gefährdet sind auch Kühe, die schon einmal an Milchfieber erkrankt sind. Das Rückfallrisiko ist gross.

Braunviehzüchter Willi Vogt in Güttingen TG beobachtet, dass nicht nur das Alter der Kühe, sondern auch die Vererbung eine grosse Rolle spielt. Zur Vorbeugung gibt er «Risiko-Tieren» zur Zeit des Abkalbens einen Kalzium-Bolus ein. Kommt zum Alter noch eine Überkonditionierung hinzu, verabreicht er ihnen drei bis sieben Tage vor dem Abkalbetermin zusätzlich eine Vitamin D3-Spritze, wie ihm Rösch, sein Bestandestierarzt, empfiehlt.

Sonnenlicht hilft, dem Festliegen von Kühen vorzubeugen

Vitamin D ist die Vorstufe des oben erwähnten 1,25-Dihydroxyvitamin D. Das Hormon erhöht zusammen mit dem Parathormon die Kalzium-Konzentration im Blut. Agroscope konnte durch die direkte Zufütterung dieses Vitamins die Absenkung des Kalzium-Blutspiegels limitieren. Eine zu frühe oder zu späte Zufuhr von Vitamin D vor dem Abkalben könne allerdings auch eine negative Wirkung auf die Kalzium-Bilanz der Kuh haben kann.

Der Vitamin-D-Gehalt im Blut lässt sich nicht nur durch Injektion oder Zufütterung, sondern auch durch Besonnung der Tiere erhöhen. Damit lasse sich der Kalzium-Mangel klar dämpfen, schreibt Bruckmaier. Forscher der VetSuisse Fakultät an der Uni Bern verglichen den 1,25-Dihydroxyvitamin D-Gehalt im Blut von Kühen, die eine Woche vor der Geburt nur im Stall gehalten wurden, mit demjenigen von Kühen, die den Tag in einem Laufhof mit Sonnenlicht verbrachten. In der zweiten Gruppe lag der untersuchte Vitamin D-Gehalt um ein Vielfaches höher als in der Stallgruppe. Die Tiere zeigten im Gegensatz zur Stallgruppe kaum einen Rückgang der Kalzium-Werte im Blut.

Die Lichtexposition stellt allerdings keine Garantie gegen das Festliegen dar, hält Bruckmaier fest. Sie scheint jedoch zu helfen. Auch Bewegung und stressfreie Haltung wirken sich positiv auf den Geburtsverlauf und damit auf den Stoffwechsel nach dem Abkalben aus, ist Landwirt Vogt überzeugt. Er hat deswegen für seine Galtkühe extra einen Wohlfühlstall mit viel Platz gebaut.

Festliegen ist nur die Spitze 
des Eisberges

«Festliegen ist nur die Spitze des Eisbergs der Hypokalzämie. Weitaus häufiger sind die subklinischen Formen der Hypokalzämie und deren Folgen», betont Dr. Markus Rösch von der Tierarztpraxis Celsius AG in Hefenhofen TG. Auch wenn die Kuh nicht festliegt, so ist bei einem subklinischen Kalziummangel die Physiologie doch eingeschränkt. Aufstehversuche und unsicherer Gang führen zu Folgeschäden 
wie Skelett- und Muskelschäden, zu Zitzenverletzungen und 
auch Euterentzündungen.

Der verminderte Tonus der Organmuskulatur kann auch Wegbereiter für viele innere Folgeerkrankungen sein. So begünstigt eine verzögerte Kontraktion der Gebärmutter Nachgeburtsver-
halten und Gebärmutterentzündungen. Durch die reduzierte Magen-Darm-Tätigkeit sinkt die Futteraufnahme, so dass eher Labmagenverlagerungen und damit auch Ketosen auftreten.

Die wichtigsten 
Massnahmen, um Festliegen vorzubeugen

  • Kühe in Spätlaktation nicht verfetten lassen
  • Kalziumarme Fütterung, 
aber genügend Magnesium
  • Saure Salze helfen nur 
bei kaliumarmen Futter
komponenten
  • Moderater Milchentzug 
nach dem Abkalben
  • Risikotiere mit Kalzium-Bolus 
und Vitamin D3 behandeln
  • Bei Vitamin D3 den Zeitpunkt beachten
  • Stressfreie Haltung während 
der Galtzeit
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