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Hochstamm-Obstbäume brauchen einen guten Start

2,3 Mio Hochstamm-Obstbäume gibt es in der Schweiz. Sie prägen die Landschaft, sind ökologisch wertvoll, liefern Früchte und sind politisch gewollt. Baumschulist Toni Suter aus Birmenstorf im Kanton Aargau kennt den Weg zu schönen Hochstämmern.


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Kurz & bündig

  • Hochstamm-Obstbäume produzieren Holz, Früchte und und sind gut für die Biodiversität.
  • Die Bäume bedürfen richtiger Pflege bereits ab der Pflanzung.
  • Nussbäume, Feldahornbäume oder Linden sind pflegeleichter.
  • Alte Sorten sind nicht unbedingt robuster.

Winterzeit ist Pflanzzeit – zumindest, wenn es um Hochstamm-Obstbäume geht. «Von November bis April ist die beste Zeit, um Bäume erfolgreich zu setzen», sagt Toni Suter. Er, gelernter Baumschulist und Unternehmer, muss es wissen: Auf 12,5 Hektaren Fläche betreibt er eine Baumschule in Birmenstorf AG. «Es sollte bei der Pflanzung aber nicht kälter als 1 bis 2 Grad Minus sein», weiss Toni Suter.

Der Zeitpunkt ist aber nur ein kleiner Teil, der auf dem Weg zu schönen Hochstamm-Obstbäumen beachtet werden muss. Eigentlich beginnt alles mit der Frage: Was will der Landwirt oder die Landwirtin eigentlich genau? Etwas für die Biodiversität tun, bestimmte Äpfel und Birnen ernten oder schlicht und einfach Beiträge optimieren? Letzteres hält Toni Suter für eine schlechte Idee.

Ihm ist es wichtig, dass die Kunden verstehen, was sie auf ihre Felder pflanzen. «Einen Baum setzt man für zwei oder drei Generationen. Wenn man nicht bereit ist, die Bäume zu pflegen, ist es schade um das Geld», meint Suter.

Er erinnert sich an einen Fall, als ein Landwirt bei ihm 150 Bäume bestellen wollte. Die gewünschte Sorte? Egal. Schlussendlich hat Suter diesem Kunden keine Bäume verkauft.

«Man muss ein Ziel haben», so Suter. Der Baumschulist ist sich aber bewusst: «Wir haben von der Agrarpolitik profitiert und eine grössere Nachfrage seitens der Landwirte nach Hochstamm-Obstbäumen festgestellt.» Rund 50 Prozent seiner Kunden sind Landwirte, die restlichen Bäume gehen an Baumschulen, Gartenbauer oder Landschaftsgärtner.

Die Alternativen zu Hochstamm-Obstbäumen geben weniger Aufwand

Wenn ein Landwirt aber Bäume setzen will, ohne viel Aufwand damit zu haben, gibt es sinnvolle Alternativen zu Hochstamm-Obstbäumen. «Feldahornbäume, Nussbäume oder beispielsweise eine Lindenallee sind im Vergleich zu Obstbäumen deutlich pflegeleichter», so Suter.

Auch Kastanien wurden in jüngster Zeit vermehrt gepflanzt, wobei hier zu beachten ist, dass diese saure Böden brauchen. Ein Vorteil von Eichen und Nussbäumen ist zudem, dass diese kaum anfällig gegenüber Mäusen sind, da sie Gerbstoffe ausscheiden.

Am stärksten ist die Nachfrage derzeit nach Apfelbäumen, aber auch jene nach Zwetschgen und Kirschen ist steigend. Vor allem Sorten, welche gegen Krankheiten tolerant sind und stabile Erträge bringen, werden gerne gepflanzt.

Es gibt aber auch jene Kunden, die ProSpecieRara-Sorten möchten. Kein Problem für Toni Suter, der 500 Apfelsorten im Angebot hat (siehe Kästchen). «Wichtig ist einfach, dass die Leute wissen, was sie kaufen und worauf sie bei der Pflege dieser Sorten achten müssen.»

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Es ist beispielsweise ein verbreiteter Irrglaube, dass ProSpecieRara-Sorten besonders robust gegen Krankheiten sind. «Meistens ist das Gegenteil der Fall», weiss Toni Suter.

Er weist denn seine Kunden auch auf die Gefahren und nötigen Pflegemassnahmen hin. «Beratung gehört dazu», so Suter. Er schätzt, dass höchstens ein Prozent der von ihm verkauften Bäume eingeht. Als Ursachen vermutet Suter Mäuse, Verbiss von Wildtieren, mangelndes Giessen oder Beschädigungen durch Maschinen. Doch schön der Reihe nach.

Vor dem Setzen der Hochstamm-Obstbäume braucht es einen Wurzelschnitt

Nachdem die gewünschten Bäume abgeholt werden, sollten sie möglichst rasch in den Boden. Jungbäume, die lange herumstehen, können Schaden nehmen. Ist es zum Setzen zu nass oder zu kalt, können die Bäume ein bis zwei Tage in einen Brunnentrog gestellt werden.

Auch das Zudecken mit nassen Säcken ist für kurze Zeit möglich. Auf jeden Fall muss verhindert werden, dass die Bäume in Kontakt mir Frost kommen.

Direkt bevor der Baum in den Boden kommt, erfolgt der Wurzelschnitt. Dabei werden die dickeren Wurzeln mit einer scharfen Baumschere angeschnitten. Das fördert die Bildung von Saugwurzeln. Dabei dürfen die Feinwurzeln nicht verletzt werden.

Ein grosses Loch und ein sauber platziertes Mäusegitter

Damit die Bäume einen guten Start haben, ist bereits bei der Pflanzung einiges zu beachten. «Ich empfehle immer, die Bäume mit einem Mäusegitter zu setzen. Dabei ist es wichtig, dass das ausgehobene Loch genügend gross (mindestens 80 cm Durchmesser und 40 cm Tiefe) gemacht und das Mäusegitter sauber platziert wird», erklärt Toni Suter.

Insbesondere bei Bäumen, die in Öko-Wiesen gesetzt werden, sei ein Mäusegitter zwingend notwendig. Wichtig ist auch, dass die Bäume nicht zu tief gesetzt werden. Die Veredlungsstelle sollte über dem Boden sein. Sonst besteht die Gefahr, dass sich hier Wurzeln bilden und der Baum nur Holz anstatt Früchte produziert.

Der Stammschutz schützt den jungen Baum

Am besten wird gleich beim Setzen auch ein Stammschutz angebracht. Dieser schützt den jungen Baum gegen Wildtiere, aber auch gegen den Fadenmäher der Landwirte.

«Es ist wichtig, dass die Baumscheibe rund um den Stamm frei gehalten wird. Weder der Fadenmäher noch das Herbizid sollten aber in Kontakt mit den jungen Bäumen kommen», mahnt Suter. Er selber versucht, möglichst vom Einsatz von Pestiziden wegzukommen. Wird um den Baum herum gemulcht, sollte keine zu dicke Mulchschicht liegen bleiben. «Das wäre ein Paradies für die Mäuse», erklärt Suter.

Die jungen Bäume an einen Pfahl anbinden

Frisch gepflanzte Bäume sollten an einem Pfahl angebunden werden. Der Baum braucht dabei genügend Luft, damit Befestigungen beim Dickenwachstum nicht einwachsen.

Wo die Gefahr besteht, dass Vögel auf die Triebspitzen sitzen und Äste abbrechen, kann als Schutz ein langer Bambusstecken befestigt werden.

Das Angiessen garantiert guten Bodenkontakt

Direkt nach dem Setzen sollten die Bäume gegossen werden. So wird sichergestellt, dass die Wurzeln guten Bodenkontakt haben und bereits von Anfang an Wasser aufnehmen können.

Beim Pflanzschnitt der Hochstamm-Obstbäume entscheidet sich der langfristige Aufbau

Gleich bei der Pflanzung oder zeitig im Frühjahr nach dem Setzen sollten die Obstbäume einen Pflanzschnitt bekommen. Dieser ist sehr wichtig: Bereits hier entscheidet sich der langfristige Aufbau der Baumkrone. Bei Hochstamm-Obstbäumen werden drei bis vier Leitäste sowie ein Mitteltrieb angestrebt.

Idealerweise stehen die Leitäste in einem Winkel von 45 Grad zum Mitteltrieb und sind gleichmässig um den ganzen Baum verteilt. Nachhelfen kann man beispielsweise, indem einzelne Äste nach unten gebunden werden. Angeschnitten wird immer auf eine aussenstehende Knospe, die nachfolgenden Konkurrenz-Knospen kann man entfernen. Der Mitteltrieb sollte immer am längsten sein, jedoch die Leitäste nicht um mehr als 20 cm überragen.

Die Hochstamm-Obstbäume im Lohn setzen lassen

Bäume setzen ist eine anstrengende Arbeit, insbesondere wenn man nicht gut eingerichtet ist. Die Löcher ausheben ist schweisstreibend und die Bäume präzise zu setzen, die Mäusegitter anzubringen und die Bäume an einen Pfahl anzubinden, braucht Zeit.

Man kann die Bäume auch von Profis setzen lassen. Das kostet – je nach Menge der Bäume, Anfahrtsweg und Ausstattung (zum Beispiel Pfähle, Baumschütze, Mäusegitter) rund 100 Franken pro Baum.

Wohin die Bäume aber genau kommen, muss immer der Landwirt entscheiden. Die Standorte sind sorgfältig zu wählen. Genügend Platz zwischen den Bäumen ist ebenso wichtig, wie dass berücksichtigt wird, dass mit den Maschinen weiterhin effizient gearbeitet werden kann.

Mit der Pflanzung eines Hochstamm-Obstbaumes ist der Grundstein für einen schönen, ertragreichen Baum gelegt. Aber auch nachher müssen viele Dinge beachtet werden, damit der Baum gut gedeiht. Kommt es in den ersten Jahren nach der Pflanzung etwa zu grosser Trockenheit, müssen die jungen Bäume bewässert werden.

Hochstamm-Obstbäume mögen keine kalten Böden

Selbstverständlich spielt auch der Boden eine grosse Rolle. In schweren, lehmigen Böden empfiehlt Baumschulist Toni Suter, Kompost oder gar Kies beizumischen.

Generell gilt, dass kalte, lehmige Böden, die zu Staunässe neigen, für Bäume ungeeignet sind. Auch überernährte Böden behagen den Bäumen nicht sonderlich: Suter hat festgestellt, dass dort gehäuft Schorf und Blattläuse auftreten.

Oft werden Hochstamm-Obstbäume aus Gründen der Biodiversität in Ökoflächen gepflanzt. Hier empfiehlt Suter ab dem Spätwinter leichte Mistgaben. «Eine zu dicke Mistschicht ist aber wiederum eine Einladung für die Mäuse», warnt Suter. Natürlich begleitet den Landwirt auch das Schneiden der Hochstamm-Obstbäume weiterhin. Was dabei genau zu beachten ist, erfahren Sie im nächsten Heft von «die grüne».

Weitere Infos: Inforama Fachstelle für Obst und Beeren

Toni Suter Baumschule Gartenbau AG

Toni Suter ist Geschäftsführer und Inhaber der Toni Suter Baumschule Gartenbau AG.

Auf 12,5 ha in der Region Birmenstorf (Kanton Aargau) zieht er seine Bäume. Die Flächen pachtet er von Landwirtschaftsbetrieben in der Region.

Toni Suter hat sich auf ein breites Obstsortiment spezialisiert. In seinem Sortengarten gedeihen derzeit rund 500 Apfelsorten, 200 Birnensorten, 100 Kirschensorten und 70 Pflaumen- und Zwetschgensorten. Darunter klingende Namen wie etwa die Kirsche «Schneider’s späte Knorpel» oder die «Schweizer Hosenbirne».

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