Kurz & bündig
Die geeigneten und besten Bäume früh erkennen und gezielt pflegen, um wertvolles Wertholz zu sichern.
Pflege sparsam einsetzen und, wenn möglich, natürliche Wachstumsprozesse nutzen.
Wertholz entsteht über Jahrzehnte: Standort, Vielfalt und Qualität sind entscheidend.
Rund 30 % der Schweizer Waldfläche gehören Privatpersonen, darunter sind viele Landwirtinnen und Landwirte. Fast jeder Betrieb bewirtschaftet einige Hektaren Wald, der nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch wirtschaftlich nutzbar sein kann. Besonders beim Wertholz bestimmen die gezielte Auswahl und die Pflege der richtigen Bäume den späteren Ertrag.
Zukunftsbäume sind dabei das zentrale Prinzip: Kerzengerade, gleichmässig gewachsene Stämme ohne Äste liefern Holz höchster Qualität und sichern langfristige Einnahmen. «Wer die besten Bäume früh erkennt und gezielt pflegt, legt den Grundstein für wirtschaftlichen Erfolg im Wald», erklärt Forstingenieur Christoph Aeberli. Standort, Konkurrenzdruck und natürliche Wachstumsprozesse bestimmen die Überlegungen, welche Bäume gefördert werden und wann Eingriffe sinnvoll sind. Für Landwirte bedeutet das: Die Förderung von Zukunftsbäumen zum richtigen Zeitpunkt ist der Schlüssel, um aus dem eigenen Wald wertvolles Wertholz zu gewinnen – über Jahrzehnte hinweg.
Mit möglichst wenig Aufwand viel erreichen
Die Kunst guter Waldbewirtschaftung liegt darin, unnötige Eingriffe zu vermeiden. Pflege kostet Zeit und Geld – doch nur gezielte Massnahmen bringen den gewünschten Effekt. Ziel ist es, wertvolle Stämme zu fördern, ohne die natürlichen Prozesse zu stören. Christoph Aeberli nennt die Grundlagen für eine effiziente Jungwaldpflege:
- Vitale Bäume fördern: Starke, gesunde und dominante Bäume wachsen schneller und liefern bessere Stämme.
- Natürliche Prozesse ausnutzen: Konkurrenz treibt die Wertträger nach oben und sorgt für den nötigen Seitendruck (Erziehung). Schwächere Bäume sterben in der Jugend meist von selbst ohne zusätzlichen Aufwand.
- Wettbewerb ums Licht steuern: Wenn die astfreie Stammlänge erreicht ist (5 bis 8 m), die Konkurrenzbäume reduzieren, damit Zukunftsbäume ungestört wachsen.
- Stabilität sichern: Einzelne Bäume oder Gruppen werden gezielt unterstützt.
In den ersten Entwicklungsphasen vom Jungwuchs bis zum Stangenholz (zwischen 20 und 30 Jahren) werden die Weichen gestellt, welche Bäume langfristig die besten werden.
Doch nicht nur der richtige Zeitpunkt von Pflegemassnahmen ist entscheidend: Wer zu viel eingreift, kann den natürlichen Wachstumsprozess auch ungünstig beeinflussen. Deshalb lohnt es sich, typische Fehler zu vermeiden.
Zukunftsbäume pflegen, ohne zu verhätscheln
«Viele Waldbesitzende verhätscheln ihre Bäume wie Rosen im Garten», warnt Christoph Aeberli. Zu frühes oder zu starkes Freistellen oder das Perfektionieren einzelner Äste kann das optimale Wachstum der Bäume stören. Typische Folgen sind zum Beispiel starke grüne Äste in den untersten Metern des Stammes oder Schneebruch infolge fehlender stützender Nachbarn. Zudem muss ein besonderes Augenmerk auf die Standorttauglichkeit der Baumarten gelegt werden.
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«Manchmal ist weniger mehr», sagt Aeberli. Die Pflege erfolgt gezielt und geplant: Alle fünf bis zehn Jahre wird der Waldbestand kontrolliert. Einzelne Bedränger der Zukunftsbäume werden entfernt, schwache Äste verkümmern oft von selbst. Gleichzeitig setzt man auf natürliche Verjüngung: Oftmals überrascht die natürlich vorkommende Vielfalt, welche sich aus Samen entwickelt, was Kosten spart und eine regionale Herkunft garantiert.
Neben der Pflege spielt auch der Standort eine ebenso entscheidende Rolle für das gesunde Wachstum der Bäume.
Vielfalt und Vitalität im Wald sichern
Nicht jeder Baum gedeiht überall gleich gut. «Eichen brauchen viel Licht, Buchen vertragen mehr Schatten», erklärt Aeberli vereinfacht. Wird die falsche Art am falschen Standort gepflanzt, steigt der Aufwand bei der Pflege und der Ertrag ist ungewiss.
Nur etwa 10 bis 20 Prozent eines Bestandes sind wirklich potenzielle Wertträger – gesunde Stämme, gleichmässige Kronen, dominant. «Die besten Bäume erkennt man an Vitalität und gleichmässiger Krone. Wer früh hinschaut, erhöht die Chancen erheblich, wertvolle Exemplare zu behalten», so Aeberli.
Die gezielte Auswahl dieser Zukunftsbäume ist entscheidend für die Stabilität des Bestandes und die spätere wirtschaftliche Nutzung. Aeberli empfiehlt grundsätzlich Vielfalt im Wald: «Niemand weiss, welche Holzarten in 50 oder 100 Jahren gefragt sind.» Mischbestände steigern die Widerstandsfähigkeit gegen Klimaextreme, Schädlinge und Marktschwankungen.
Wertholz ist ein Generationenprojekt
Wertholz ist ein Projekt über Generationen: Es kann 60 bis 120 Jahre dauern, bis ein Baum erntereif ist. «Der Wert steigt nicht linear – ein Sturm oder Schädlinge können die Rechnung schnell durchkreuzen», erklärt Aeberli.
Im Mittelland wächst der Vorrat im Schnitt 8 bis 12 m³ pro Hektare und Jahr. Regelmässige Holzschläge alle fünf Jahre sichern den Ertrag und halten den Bestand vital. Nur wer langfristig plant und auf Qualität achtet, kann wirtschaftlichen Erfolg erzielen.
Weitsicht statt kurzfristigem Profit
Für Landwirte bedeutet Wertholzproduktion Weitsicht, Geduld und ein gutes Gespür für die Natur. «Wer heute die richtigen Entscheidungen trifft, legt den Grundstein für stabile Wälder, wertvolle Stämme und schlussendlich wirtschaftlichen Erfolg für kommende Generationen», so Aeberli.
Ein robuster Wald entsteht, wenn die besten Bäume frühzeitig erkannt, ihre Vitalität gefördert und natürliche Wachstums- und Selektionsprozesse respektiert werden. Wer diese Prinzipien beherzigt, arbeitet nicht nur effizient, sondern sichert auch die Zukunft des Waldes für kommende Generationen.
Es empfiehlt sich, jede Pflegestrategie mit dem zuständigen Förster oder der zuständigen Försterin zu besprechen. «Die Förster und Försterinnen haben viel Erfahrung und eine lange Ausbildung, sie können gezielt beraten. Zudem ist die Beratung für Privatwaldbesitzer, wie dies Landwirte und Landwirtinnen sind, gratis», betont Aeberli.
Wie wertvoll ist Wertholz?
Die Schweizer Forstwirtschaft erzielte 2022 einen Produktionswert von rund 1,2 Milliarden Franken – von Brenn- und Industrieholz bis zu hochwertigem Wertholz. Letzteres macht nur einen kleinen Teil des Holzeinschlags aus, erzielt aber die höchsten Preise.
Luxusware Holz
Wertholz wird eingesetzt, wo Qualität, Ästhetik und Haltbarkeit zählen: für edle Möbel, Parkett, Innenausbau, Instrumente, Kunsthandwerk oder Spezialbauten wie Schiffe. Durch diese vielfältigen Einsatzmöglichkeiten erreicht es deutlich höhere Preise als Industrie- und Brennholz.
Vom Alltags- zum Premiumprodukt
Während verarbeitetes Buchen-Brennholz meist 170 bis 210 Franken pro Ster kostet, erzielen Nuss- oder Eichenstämme bei Auktionen Spitzenpreise: 2023 wurden Nussbaumstämme in Colombier NE für über 1500 Fr./m³ verkauft, Eichen-Bodenstücke im Schnitt für 520 Fr./m³. In Zürich lag Eiche bei rund 880 Fr./m³, Weisstanne bei etwa 560 Fr./m³. Die Preise schwanken jedoch stark, abhängig von Auktion, Jahr und Wetterlagen. Bei solchen Auktionen kommen jedoch nur die «Filet»-Stücke unter den Hammer. Weniger als ein Prozent der Stämme werden so verkauft.
Vor dem Holzschlag empfiehlt sich daher die Rücksprache mit einem Händler über aktuelle Nachfrage und Preise.
www.waldschweiz.ch/de/holzmarkt/wertholz