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Hecken schneiden und pflegen: Tipps von Thomas Baumann (Suhr AG) und Hans Ramseier (HAFL)

Hecken sind wertvolle Rückzugsgebiete für Vögel, Insekten und Amphibien. Landwirt Thomas Baumann aus Suhr AG und Hans Ramseier von der HAFL geben Tipps fürs Pflanzen und Pflegen von Hecken.


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Kurz & bündig

  • Heckenlandschaften sind ökologisch wertvoll.
  • Beim Pflanzen braucht es einen Plan und einen «Blick in die Zukunft».
  • Hecken geben Direktzahlungen von rund 60 Fr./Are/Jahr, wenn sie QII erreichen und Teil einer Vernetzung sind.
  • Die Arbeiten der Heckenpflege fallen im Winterhalbjahr an.

 

Eine winterliche Ackerlandschaft zeigt sich im aargauischen Suhr. Wir stehen auf einem Acker, auf dem eine neue Kunstwiese angesät worden ist. Eine Niederhecke zieht sich dem Acker entlang, Schwarz- und Weissdorn sowie Rosengehölze wachsen. Einige Schneeballsträucher verströmen einen Duft von frisch geschnittenem Holz. Thomas Baumann, Pächter auf dem Betrieb «Galegge» in Suhr AG, hat vor 30 Jahren begonnen, Hecken zu pflanzen. Mittlerweile hegt und pflegt er sie regelmässig, denn ohne Pflege verlieren diese Gehölze ihren ökologischen Wert.

Hecken sind ökologisch wertvoll und Teil der Kulturlandschaft

Hecken seien vor 30 Jahren in dieser Landschaft praktisch nicht mehr vorhanden gewesen, erklärt Thomas Baumann. Damals habe man Hecken sogar als Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion angesehen. Sie wurden gerodet und das Land stattdessen ackerbaulich genutzt.

Dies hat sich im Verlauf der vergangenen Jahre geändert. Heckenlandschaften sind ökologisch wertvolle Rückzugsorte für Amphibien, Vögel und Insekten und tragen zu einer intakten Kulturlandschaft bei. «Es ist mein Ziel, nicht nur Nahrungsmittel zu produzieren, sondern auch den Dorfbewohnern der Umgebung einen Erholungsraum zu bieten», erklärt der Agronom Thomas Baumann.

Entlang der Niederhecke ist ein Trampelpfad entstanden, der von der örtlichen Bevölkerung für Spaziergänge genutzt wird. Die Leute würden wieder neugierig und es gefiele ihnen, entlang des Weizenfeldes, abseits der Wege durch die «Natur» zu streifen, erzählt Thomas Baumann weiter.

Je dichter eine Hecke ist, desto wertvoller ist sie für viele Vögel

Um eine Heckenlandschaft intakt zu halten, gibt es einige Tipps und Tricks, die Thomas Baumann und Hans Ramseier kennen. Hans Ramseier ist Dozent für Pflanzenschutz und Ökoausgleich an der HAFL.

Eine Hecke ist dann richtig gepflanzt, wenn sie einen hohen Anteil an Dornensträuchern enthält. Die Bestockung auf der Heckenfläche und das Verwachsen der Zweige ineinander, sollte einem Betrachtenden nicht ermöglichen, auf die andere Seite der Hecke zu schauen.

Das heisst: Je dichter die Hecke, desto höher ist ihr ökologischer Wert. Dornensträucher tragen zum Schutz seltener Vogelarten bei, da Katzen und Füchse nicht so leicht an ihre Beute kommen. Die in den Hecken brütenden Vögel verankern ihre Nester gerne in Astquirlen, die sich durch das Schneiden der Hecke und das Ausschlagen der Blütenknospen ergeben.

Wer eine Hecke anlegt, braucht einen Plan. Man muss wissen, was für Ziele damit erreicht werden sollen. Dornensträucher sind besonders wertvoll für viele Vögel, wo hingegen Bienen und Insekten teilweise andere Arten bevorzugen. Aus Sicht des Landwirtes ist es vor allem zentral, dass seine Hecke die Qualitätsstufe II erreicht (siehe Kasten).

Hecken mit einem «Blick in die Zukunft» anlegen

Bei der Neuanlage einer Hecke sei darauf zu achten, dass der Krautsaum, bestehend aus diversen Pflanzenarten, genügend breit ist. Dies erleichtere auch die maschinelle Bewirtschaftung, erklärt Thomas Baumann. Die nur 1 bis 3 Meter hohen Niederhecken haben den Vorteil, dass sie nur den Krautsaum beschatten und somit die angrenzenden Kulturen nicht beeinträchtigen.

Am besten werden Hecken linear entlang der Grenze eines Ackerschlages gepflanzt. Bei «unförmigen» Parzellen ist es im Sinne einer rationellen Produktion vorteilhaft, die Ausscheidung einer Rechtecksfläche vorzunehmen. Die daraus anfallenden verwinkelten Restflächen eignen sich bestens für nicht hochwachsende Hecken.

Wichtig sei es zudem, merkt Hans Ramseier an, die neu gepflanzten Hecken mit einem «Blick in die Zukunft» anzulegen. Hecken können teils per Jagdgesetz vom ersten Jahr an rigoros geschützt werden und lassen sich später nicht mehr entfernen. Allerdings könne mit einem Vorbehalts-Eintrag ins Grundbuch erwirkt werden, dass die Hecke zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfernt werden kann.

Bei Hecken drohen keine Unkrautüberraschungen

Die Vorteile einer Hecke, meint Thomas Baumann, seien für die Biodiversität und die Landschaft die ganzjährige Struktur – und für das Betriebs-einkommen der angemessene Direktzahlungsbeitrag von ca. Fr. 60.–/Jahr/Are. Das ist der Fall, wenn QII erreicht wird und die Hecke in der Vernetzung ist.

«Zudem ist eine Hecke von der Bewirtschaftung her sehr ‹berechenbar›: Eine Hecke besteht aus Gehölzen und dem Krautsaum. Ich weiss also genau, was durch das Jahr wachsen wird.»

Es seien keine Unkrautüberraschungen wie bei Ackerbegleitstreifen oder Blühstreifen zu erwarten, merkt Baumann an. Auch von der Arbeit her sei eine Hecke attraktiv. Die Arbeiten der Heckenpflege fallen im Winterhalbjahr an, wenn keine Arbeiten auf dem Acker anstehen. Die maschinelle Pflege mit Schlegelmulcher oder Fällgreifer erleichtere zudem die Bewirtschaftung und biete eine hohe Arbeitssicherheit.

Thomas Baumann betont, dass Hecken im Ackerland aber auch Nachteile haben können. So sei bei an-grenzenden Gemüsekulturen oft mit einem Ausfall der ersten 1 bis 3 Metern ab Krautsaum zu rechnen, wenn keine Massnahmen gegen die Schädlinge wie beispielsweise Schnecken vorgenommen werden. Das müsse man unbedingt im Auge behalten.

Das Schnittgut kann nach der Pflege in der Hecke bleiben

«Mit dem Schlegelmulcher oder dem Fällgreifer ist die Heckenpflege innert kurzer Zeit erledigt», erklärt Landwirt Baumann. So könne man schnell wachsende Gehölze wie Haselsträucher oder Eschen mit der Motorsäge stutzen, während für die Biodiversität sehr wertvolle langsam wachsende Ge-hölze wie Dornensträucher verschont bleiben.

Das Schnittgut kann in der Hecke belassen werden oder als Asthaufen, der ebenfalls eine ökologische Funktion erfüllt, in der Hecke gelagert werden. Sand-, Holz- oder Steinhaufen werten eine Hecke zusätzlich auf.

Alle zwei bis zehn Jahre sind Pflegeeingriffe nötig

Der einzige Fehler, der bei der Heckenpflege gemacht werden kann, ist, «gar nichts» zu machen, erklärt der Landwirt. Wird die Hecke nicht gepflegt, kahlt sie aus bzw. wird innen hohl und einzelne Sträucher wie Schwarzdorn oder Hasel nehmen überhand. Die Hecke verliert somit an ökologischem Wert, erklären Hans Ramseier und Thomas Baumann.

Hecken breiten sich folglich in Äckern oder Naturwiesen aus und gehen langsam in einen waldähnlichen Zustand über. «Eine Hecke ist eine Zwischenstufe zwischen einer Naturwiese und einem jungen Wald», sagt Thomas Baumann. Sie benötigen alle zwei bis zehn Jahre Pflegeeingriffe. Es biete sich daher an, meint Hans Ramseier, einen Pflegeplan aufzustellen sowie bei der anfänglichen Pflanzung fachlich richtig vorzugehen und die Pflege in den ersten Jahren sicher nicht zu vernachlässigen.

Um das Ausbreiten von Hecken zu verhindern sind einige effektive Pflegemassnahmen bekannt. So könne man im Winter bei den Pflegeeingriffen mit dem Schlegelmulcher entlang der Hecke fahren und somit das Ausbreiten und die sogenannte Wurzelbrut zurückdrängen. Mit dem Motormäher kann nicht nur entlang von Hecken gefahren und Wiesen geschnitten werden, sondern der Heckenrand wird zusätzlich gut «unterfahren».

Schliesslich sei es auch wichtig, den Krautsaum auf die betriebliche Mechanisierung abgestimmt genügend breit anzulegen (6 m beispielsweise) um ihn gut maschinell bewirtschaften zu können, sagt Thomas Baumann.

Heckenpflege von Hand mit Fuchsschwanz und Heckenzange eigne sich bestens für Öffentlichkeitsarbeit mit der Bevölkerung, Schulklasse oder Natur- und Vogelschutzvereinen. Diese Arbeit sei allerdings nicht sehr effizient, sondern habe eher «Sensibilisierungscharakter» und sei daher sehr wichtig für das Image der Landwirtschaft.

Hecken gehören zu einer attraktiven Landschaft

Hecken könnten noch viel mehr in der Landschaft gepflanzt werden, äussert sich Landwirt Baumann. Die Landwirtschaft habe heute zwei Aufgaben. Einerseits die Nahrungsmittelproduktion, andererseits die Erhaltung einer attraktiven Landschaft für die Bevölkerung. Diese Aufgabe werde glücklicherweise in den letzten Jahren für eine zukunftsträchtige Landwirtschaft aktiver wahrgenommen, anerkennt Thomas Baumann zum Schluss.

Hof «Galegge»

Thomas Baumann bewirtschaftet als Pächter seit 30 Jahren den Galegge-Hof mit rund 38 ha Landwirtschaftsfläche in Suhr AG. Die Betriebszweige sind:

  • Direktvermarktung mit Gemüse und Brot
  • Ackerbau mit Dinkel, Weizen, Speisehirse, Öllein
  • Ziegenhaltung mit eigener Ziegenkäserei

www.stiftung-galegge.ch

So läuft korrekte Heckenpflege ab

Die Hecke muss mindestens alle acht Jahre sachgerecht gepflegt werden. Die Pflege ist während der Vegetationsruhe vorzunehmen (Nov. bis Ende März). Es stehen drei Varianten zur Auswahl:

  1. Selektive Pflege: Schnell und hoch wachsende Baum- und Straucharten werden häufig und stark zurückgeschnitten bzw. auf den Stock gesetzt. Langsam wachsende und seltene Straucharten sowie Dornsträucher werden stehen gelassen und systematisch gefördert, evtl. zusätzlich durch Pflanzung eingebracht. Innerhalb der bestockten Flächen werden markante Einzel-bäume erhalten und gefördert. Bei der selektiven Pflege dürfen jährlich maximal ein Drittel des gesamten Heckenvolumens geschnitten bzw. entfernt werden.
  2. Maschinelle Pflege (schneiden, schlegeln) von Niederhecken: Die Hecke darf nicht tiefer als auf eine Höhe von 1 m zurückgeschnitten werden. Alle 50 m muss ein mindestens 10 m langes Teilstück unbehandelt stehen gelassen werden (total zirka ein Fünftel der Hecken-länge). Innerhalb der bestockten Flächen sollen markante Einzel-bäume erhalten und gefördert werden.
  3. Auf-den-Stock-Setzen: Pro Jahr darf maximal ein Drittel der Heckenlänge auf den Stock gesetzt werden.

Problempflanzen wie Blacken, Ackerkratzdisteln, Jakobskreuzkraut oder invasive Neophyten sind zu bekämpfen; insbesondere ist deren Ausbreitung durch Samenbildung zu verhindern.

Qualitätsstufe II

  • Die Hecke, das Feld- oder Ufergehölz darf nur einheimische Strauch- und Baumarten aufweisen.
  • Die Breite der mit Heckensträuchern bestockten Fläche muss mindestens 2 m betragen.
  • Der Heckensaum muss mindestens 3 m breit sein.
  • Die Hecke, das Feld- oder Ufergehölz muss durchschnittlich mindestens fünf verschiedene Strauch- und Baumarten pro 10 Laufmeter aufweisen.
  • Mindestens 20 Prozent der Strauchschicht muss aus dornentragenden Sträuchern bestehen.
  • Oder die Hecke muss mindestens einen grossen landschaftstypischen Baum pro 30 Laufmeter aufweisen.
  • Oder die Hecke weist pro 30 Lauf-meter eine Kleinstruktur auf.
  • Der Grün- und Streueflächenstreifen darf jährlich gesamthaft maximal zwei Mal genutzt werden.

 

Biodiversitätsbeiträge für Qualitätsstufe II

Laut Thomas Baumann beläuft sich der Beitrag für die Qualitätsstufe II für Hecken auf 60 Fr./Are, inkl. Vernetzungs- und Landschaftsqualitätszuschüsse. Für Biodiversität und Betriebswirtschaft ist die Erreichung der Qualitätsstufe II wichtig, d. h. dass vor allem einheimische (genügend dornentragende) Strauch- und Baumarten für die Aufwertung von bestehenden oder die Anlegung neuer Hecken berücksichtigt werden. Für die botanische Verbesserung des Krautsaumes können spezielle vielfältige Saatmischungen im Samenhandel bezogen werden.

Maschinen

Zur Pflege von gut unterhaltenen Niederhecken ist der Schlegelmulcher sehr geeignet. Da die Hecken nach dem Einsatz eines Schlegelmulchers etwas «zerzaust» aussehen, ist eine Information der Bevölkerung hilfreich.

Der Fällgreifer eignet sich, um vor allem Sträucher näher über dem Boden (z.B 10-15 cm) abzuschneiden und das Schnittgut dann gleich in die Hecke zu legen oder zu Asthaufen zusammen zu schichten. Die Methode, die Hecke, oder Teile davon, auf 10 bis 15 cm über dem Boden zu schneiden, heisst «auf den Stock setzen». Die Motorsäge leistet bei Hängen oder bei der selektiven Bewirtschaftung gute Dienste. Bei der selektiven Pflege kann sehr gezielt vorgegangen werden und die Hecke sehr gezielt in die gewünschte Richtung «gelenkt» werden. Es braucht aber für die Bearbeitung mehr Zeit.

Von den Investitionen her ist ein Schlegelmulcher mit 40'000 Fr. eine sehr teure Anschaffung. Eine Motorsäge kostet im Vergleich nur 1'000 Fr.

Informationen über die Heckenpflege und Qualitätsbeiträge:

www.blw.admin.ch

www.dgrn.ch/heckenpflege_biodivers

 

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