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Vielseitiger Schweizer Flachs (Leinen): Naturfaser mit viel Potenzial

200 ha Flachs (Leinen) wurden bis in die 1940er-Jahre in der Schweiz angebaut, heute nur noch 6 ha. Dabei hat die Naturfaser Potenzial für Textilien, als Tier-Einstreu und Dämm-Material, erklärt Landwirt Fritz Studer, der für Swissflax produziert.


von Laila Grillo
Publiziert: 03.11.2019 / 08:00

Flachs (Gemeiner Lein) in der Schweiz? Fritz Studer aus Oberösch BE ist einer der wenigen Schweizer Landwirte, die Flachs anbauen. Auf seinem 26,8 Hektaren grossen Betrieb im hügeligen Emmental baut Studer auf 1 bis 2,5 Hektaren Flachs an. Sein Ertrag:

  • 800 kg/ha Leinsamen
  • 5 bis 7 t Stroh/ha, davon sind:
  • 20 bis 25 % Langfasern (Textil)
  • 15 bis 25 % Kurzfasern (Komposit oder Bindfaden)

Pauschal 4000 Franken erzielt Studer pro Hektare. Ein neues Modell nach Qualität und Ertrag wird 2020 eingeführt. Bundesbeiträge gibt es für Faserkulturen wie Hanf, Flachs, Nesseln und Chinaschilf keine, immerhin erhalten die Emmentaler Flachs-Bauern vom Kanton Bern etwas für die Absatzförderung.

Noch während dem Zweiten Weltkrieg bedeckte der Faser-Lein (Flachs) in der Schweiz 200 Hektaren Anbaufläche. Heute sind es nur noch 6 Hektaren. Auch in Österreich (129 Hektaren) und Deutschland (30 Hektaren) ist der Anbau heute bedeutungslos.

Denn der Flachs-Anbau geriet in den deutschsprachigen Ländern nach den 1940er-Jahren immer mehr in Vergessenheit. Der letzte Schweizer Leinen-Kongress fand zum Beispiel 1968 statt.

Video des Schweizer Fernsehens vom Internationalen Leinenkongress in Interlaken

Erst 2010 fand in der Schweiz wieder ein Symposium zu Naturfaser-Pflanzen statt, zu denen der Flachs gehört.

Die neuen Schweizer Flachs-Pioniere lernten den Flachs-Anbau aus Youtube-Videos

Landwirt Adrian Brügger aus Willadingen BE leistete Pionierarbeit für den Flachs. Dazu kamen später Fritz Studer und Peter Steffen. Zusammen gründeten sie die Hanf-Flachs-Anbaugemeinschaft HFAG und koordinieren seither den Anbau und die Ernte des Flachses für die Swissflax GmbH. Neben den drei Bauern im Emmental bauen nur noch zwei weitere Schweizer Landwirte Flachs an.

«Anfangs haben wir uns mit Youtube-Videos informiert», erzählt Fritz Studer. Denn Flachs sei eine genügsame Pflanze, aber in der Pflege teilweise herausfordernd. Nasse Standorte verträgt er zum Beispiel nicht, umgekehrt verringern Trockenperioden die Faserbündel-Anzahl deutlich. Wichtig ist eine gute Wasserversorgung in der Haupt-Wachstumsphase im Mai und Juni.

«Du musst eine Leidenschaft für die Pflanze entwickeln», erklärt Fritz Studer. Denn der Flachs sei keine Kultur, die man nach dem Lehrbuch säen, düngen und ernten könne.

«Der Flachs ist immer wieder für Überraschungen gut», betont auch Dominik Füglistaller, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Pflanzenbau an der HAFL. In seiner Bachelorarbeit forschte er nach Wachstums-Regulatoren, welche die Lagerung des Flachses verhindern. Seine Masterarbeit umfasste eine Sortenprüfung von zwölf Flachs-Sorten.

Bei Swissflax ist Füglistaller als Mitglied der Geschäftsleitung verantwortlich für den Wertschöpfungsketten-Aufbau und die Anbau-Beratung.

Beim Schweizer Flachs bleibt die Wertschöpfung in der Schweiz

Füglistaller kennt die Sorgen der Landwirte, wenn der Flachs zu hoch wird und lagert. Dann würde die Ernte schwierig und es entstünden Qualitätseinbussen.

Deshalb sei der Erfahrungsaustausch mit den anderen Ländern, die Flachs anbauen, sehr wichtig. Namentlich mit den Flachs-Produzenten in Holland, Frankreich und Belgien pflegt er gute Kontakte.

Die Wertschöpfung bleibt aber wenn immer möglich in der Schweiz. Wenn möglich heisst: Die Fasern müssen zum Aufschliessen nach Holland verfrachtet und in Litauen versponnen werden. In der Schweiz gibt es zurzeit nämlich keine Spinnereien, die Flachsgarn (Leinengarn) verspinnen.

Aus Schweizer Flachs werden Küchentücher produziert – und Schwingerhosen

Füglistaller legt aber Wert darauf, dass die Schweizer Ware nicht den Umweg über China macht, was bei den meisten europäischen Flachs-Produkten der Fall ist. Mit der Zeit sollen auch diese Verarbeitungsschritte in die Schweiz zurückgeführt werden, um die Wertschöpfung zu 100 Prozent im Inland zu behalten.

Mit diesem Ansatz – dem Vorzug der einheimischen Wertschöpfung – werden Schweizer Küchentücher aus Halb-Leinen produziert. Aber auch Schwingerhosen aus Flachs sowie weitere Produkte wie Pullover und Rucksäcke. Dem Ideen-Reichtum sind keinerlei Grenzen gesetzt. Dies fördert auch die einheimische Leinenweberei.

Der Flachs ist eine schöne Pflanze, die den Landwirt fordert

Auch im Flachs-Anbau stellen sich Herausforderungen. In die Fruchtfolge passt der Flachs sehr gut, da er mit keiner anderen Pflanze verwandt ist, die hierzulande angebaut wird. Und die Pflanze ist, was Nährstoffe anbelangt, auch genügsam.

Der Flachs erfordert aber ein sehr präzises Arbeiten, von der Aussaat bis zur Ernte. «Es ist eine schöne Pflanze, weil sie dich als Landwirt fordert», erklären Füglistaller und Studer übereinstimmend. Dies sei das Faszinierende dran. Umso grösser die Freude, wenn alles klappt.

Imposante Maschinen für die Flachs-Ernte: Zupfer und Drescher

Auch der für die Ernte notwendige Maschinenpark ist in der Schweiz einzigartig: Imposant sehen der Wender, der Zupfer und der Drescher aus. Denn der Flachs wird nicht abgeschnitten, sondern mitsamt den Wurzeln gezupft.

In einem separaten Arbeitsgang werden die Samenkapseln gewonnen und zu einem späteren Zeitpunkt ausgedroschen.
Der Wender wendet die gezupften Schwaden, damit der Flachs gleichmässig trocknen kann. Erst danach werden die Samen gedroschen.

«Unsere Vision ist es, in der Schweiz wieder die 200 Hektaren Flachs-Anbau der 1940er-Jahre zu erreichen, um die hiesige Verarbeitungs-Kette wieder aufbauen zu können», erklärt Dominik Füglistaller.

Bis dahin ist noch viel Aufbauarbeit nötig. Wenn der Absatz im heimischen Markt weiter steigt, sind aber innovative und neugierige Schweizer Landwirte gefragt.

Der Bedarf nach Flachs-Produkten steigt auf jeden Fall. Zum Beispiel der Bedarf nach den Kurz-Fasern oder Schäben, also nach den holzähnlichen Teilen aus der Faser-Erzeugung, die sich als Isoliermaterial eignen. Isofloc, der Schweizer Marktführer für Dämmungen, ist konkret interessiert an alternativen Materialien, welche das immer rarer werdende Altpapier ersetzen können. Die in der Schweiz produzierten Volumen sind dafür aber zu klein.

Auch die Nachfrage nach nachhaltigen und einheimischen Textilien wächst. Schweizer Designer und Textilwebereien setzen deshalb auf Flachs.

«Als sich die Designerin der renommierten Création Baumann zum ersten Mal mit den Landwirten und
Produktmanagern der Swissflax GmbH traf, bekam ich eine Gänsehaut», erzählt Dominik Füglistaller stolz.

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