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Tritordeum – die neue Getreidekreuzung hat weniger Gluten als Weizen

Die neue Getreidekreuzung Tritordeum vereinigt die positiven Eigenschaften von Hartweizen und Wildgerste. In ersten HAFL-Versuchen erweist sich Tritordeum als unproblematisch im Anbau. Mühlen und die Migros produzieren schon mit dem neuen Getreide.


Tritordeum ist eine neue Getreidezüchtung, welche die positiven Eigenschaften von Hartweizen und Wildgerste vereinigt:

  • Geringer Nährstoffbedarf
  • hohe Krankheitstoleranz
  • gute Anpassungsfähigkeit an die vermehrte Trockenheit

Dies erklärt Dominik Füglistaller von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL in Zollikofen BE.

Als Tritordeum im Herbst 2019 an der HAFL erstmals auf einigen kleinen Versuchsflächen ausgesät wurde, zeigten sich positive Eigenschaften, obwohl das Getreide zu Beginn «gewöhnungsbedürftig» aussah.

Das Tritordeum habe zu Anfang wie eine Quecke ausgesehen, berichtet Dominik Füglistaller. Die Blätter seien sehr verzweigt und die Ären sehen wie jene des Weizens aus, seien jedoch begrannt.

Tritordeum verträgt Trockenheit und hat hohe Krankheitstoleranz

Auch die Krankheiten könnten nicht genau zugeordnet werden, erklärt Dominik Füglistaller. Es seien weder die typischen Blattflecken-Krankheiten der Gerste noch Krankheiten des Weizens gewesen. Dafür hat die neue Getreidezüchtung aus Spanien die Frühjahrs-Trockenheit 2020 gut vertragen.

Fest steht aber, dass sich Tritordeum im ersten Versuchsjahr an der HAFL als ein im Anbau sehr gesundes Getreide herausgestellt hat. In den nächsten Versuchsjahren wird sich zeigen, ob das Getreide weiterhin eine hohe Krankheits-Toleranz aufweist.

Im Versuch an der HAFL wurde mit zwei Düngeverfahren gearbeitet. Verwendet wurden die um 50 Prozent erhöhten Düngungs-Normen des Weizens. Auch die Unkrautbekämpfung benötigt nur eine Herbizid-Behandlung im Nachauflauf. Eine Fungizid-Behandlung ist nicht durchgeführt worden.

Das Resultat lässt sich sehen, die Pflanzen sehen sehr gesund aus, stellt Dominik Füglistaller fest. In die Fruchtfolge passe Tritordeum eher wie Triticale, einer Kreuzung aus Weizen (Triticum aestivum L.) und Roggen (Secale cereale L.). Der Saat-Zeitpunkt ist gleich wie jener von Winterweizen.

Tritordeum eignet sich für Brot, Kekse – und zum Bier brauen

Auch bei der Verarbeitung von Tritordeum gibt es wenig Einschränkungen. Die Mühle der Groupe Minoteries SA (GMSA) in der Romandie experimentiert seit 2016 mit Tritordeum als Hauptbestandteil von Brot und Zopf.

Das Tritordeum-Mehl hat eine goldgelbe Farbe und die daraus produzierten Brote schmecken mild-süss mit leichten Noten nach Trockenfrüchten. Tritordeum-Brote können sich auch sehen lassen: Durch das Mehl bekommen die Brote eine goldgelbe Farbe und ihre Kruste ist anmächelig knusprig, beschreibt die Vereinigung «Schweizer Brot» das neue Getreide, das Einzug in die Schweizer Bäckereien hält und auch für Snacks, Pizzas oder Pâtisserie geeignet ist.

Die Migros hat mit Tritordeum neue Kekse ihrer Eigenmarke Blévita entwickelt, die sie als «besonders gesund und ballaststoffreich» bewirbt.

Tritordeum gedeiht gut auf mittelländischem Boden

Dominik Füglistaller berichtet, dass auch Tritordeum-Malz getestet werde, um Bier zu brauen. Ein Bier ausschliesslich aus Tritordeum sei zwar nicht möglich, da der Spelz der Malzgerste fehle. Der HAFL-Wissenschaftler freut sich aber schon auf die Verköstigung des ersten Biers.

Bis jetzt ist Tritordeum in der Schweiz nur an der HAFL im Versuch im Anbau. Doch einer Aufskalierung auf weitere Versuchsflächen steht nichts im Wege. Die Kultur gedeiht auf mittelländischem Ackerboden gut und ist im Hinblick auf das wärmer werdende Klima eine Chance.

Eine Herausforderung ist, dass Tritordeum im Pflanzenbau «die grosse Unbekannte» sei, sagt Dominik Füglistaller. In der Fachliteratur sei bisher kaum etwas über die neue Getreidezüchtung aufgeführt. Hier helfe nur der direkte Kontakt mit den Tritordeum-Forschern in Spanien, mit welchen das Pflanzenbau-Team der HAFL in regem Austausch ist. Der Rest ist «Learning by Doing».

Eine weitere Unbekannte ist zudem das Interesse der Schweizer Mühlen, Tritordeum in ihr Getreidesortiment aufzunehmen.

Doch das Potenzial steckt in der Nische, die Tritordeum derzeit als neue Getreidezüchtung besetzt. Die Nachfrage nach «gesunden» Getreide-Alternativen steigt. Und an der HAFL besteht die Möglichkeit, auf kleinen Flächen attraktive und interessante Nischenkulturen im Anbau zu erforschen.

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