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Sensationelle Getreideerträge: Anbaustrategien von drei Schweizer Landwirten

Von sensationellen Getreideerträgen berichten drei Schweizer Landwirte – und geben Einblick in ihre Anbaustrategien. Dabei zeigen sie auf, wie sie mit Wintergerste, Futterweizen und Bio-Brotweizen hohe Erträge erzielt haben.


Sehr hohe Getreideerträge im Jahr 2020

  • Im Jahr 2020 waren in der Schweiz sehr hohe Getreideerträge möglich.
  • Drei Landwirte aus Gasel BE, Kesswil TG und Schenkon LU verraten, welche Verfahren bei ihnen zum Erfolg führten.
  • Alle drei Landwirte setzten den Pflug ein.
  • Die Saatdichten waren jeweils tiefer als empfohlen.

Marco und Christian Burren, Gasel BE ernten 126 dt/ha Wintergerste

Es war ein schöner Moment, als Marco Burren aus Gasel bei Köniz BE den Waagschein seiner Wintergerste bekommen hat. «Zuerst habe ich gedacht, das kann doch nicht stimmen», lacht der gelernte Landwirt und angehende Agro-Techniker.

Seine Berechnung ergab in der Tat einen sensationellen Ertrag: Auf einer 3,4 ha grossen Parzelle konnten er und sein Vater Christian 126 dt/ha Wintergerste ernten, und das bei 13,8 Prozent Feuchtigkeit und einem Hektoliter-Gewicht von 66,7 kg. Doch wie kam diese Erntemenge zustande?

Marco Burren hat Gründüngung nach Winterweizen angebaut

In der Fruchtfolge stand die Wintergerste bei Burrens nach Winterweizen. Dieser konnte im vergangenen Jahr für die Region früh – bereits am 20. Juli 2019 – geerntet werden. Das Stroh wurde sofort geborgen, und umgehend güllte Marco Burren die Parzelle mit 25 m3 Rindvieh-Vollgülle, grubberte und säte mit der Säkombination die UFA-Lepha-Gründüngung ein. Diese hat er anschliessend noch gewalzt für einen guten Bodenschluss.

Eine Zwischenkultur für so kurze Zeit, lohnt sich das? «Wir wollen mit der Gründüngung etwas für die Bodenstruktur tun und Stickstoff in den Boden bringen», erklärt Marco Burren. Er räumt aber ein, dass die Gründüngung mindestens zwei Monate Zeit haben muss, um wachsen zu können.

Im Sommer 2019 gelang das optimal. «Die Gründüngung wurde fast einen Meter hoch», erinnert er sich. Zudem gab es auf der Parzelle keine Problemunkräuter, welche eine Stoppelbehandlung erfordert hätten.
Die Gründüngung hat Burren nicht mit dem Mulchgerät, sondern mit dem Kreiselheuer vernichtet. «Das geht schneller und braucht weniger Energie. Am besten geht es, wenn noch etwas Tau im Bestand ist», sagt Burren.

Mit dem Pflug hat Marco Burren die Basis für den Top-Ertrag gelegt

Anschliessend, am 20. September 2019, kam der Pflug zum Einsatz. 18 Zentimeter tief und bei guten Bedingungen konnte Burren die Parzelle so für die Gerstensaat vorbereiten. Bereits tags darauf, am 21. September, konnte er seine Gerste säen. Bei der Sorte setzte Burren auf KWS Tonic.

Speziell bei der Saat ist, dass Burrens Säkombination nur 2,5 m breit ist. «Wir haben keine sehr grossen Flächen und machen auch keine Lohnarbeiten für andere Landwirte. Zudem misst unsere Feldspritze 12,5 m. Die 2,5 m Säkombination passt gut zu unseren Traktoren, deshalb stimmt dieses Verfahren für uns», erklärt der angehende Agro-Techniker. Zur Saat erfolgt bei Burrens jeweils auch gleich die Grunddüngung mit Phosphor und Kalium.

Die tiefe Saatmenge hat sich bei Marco Burren bewährt

Die Saatdichte lag mit 960 g oder rund 250 Körnern pro Quadratmeter eher tief. Marco Burren hat damit gute Erfahrungen gemacht. «Nach der Güllegabe und der Gründüngung ist genügend Stickstoff im Boden, damit die Gerste relativ stark bestocken kann. Wenn wir eher dünn säen, müssen wir uns bei der Düngung im Frühjahr nicht zurückhalten aus Angst, die Frucht könnte zu dick stehen und umfallen.»

Die Gerste lief schön gleichmässig auf. Am 10. Oktober 2019 erfolgte die Herbizidspritzung mit Tarak. Dann folgte die Winterpause – diese war auf dem Betrieb Burren jedoch relativ kurz.

Biogas-Gülle im Januar auf die Gerstenparzelle gegeben

Kurz nach Neujahr –  am 6. Januar 2020 – waren die Bedingungen in Gasel bei Köniz BE gut für eine Güllegabe. «Es war ziemlich trocken, die Böden somit gut befahrbar und auf der Gerstenparzelle bestand kein Risiko für Abschwemmung», erklärt Marco Burren diesen Schritt, der in die rechtliche Grauzone führte. «Wir haben das Wetter gut beachtet und das Risiko abgewogen», sagt Burren dazu. Es sei wichtig, dass Getreide früh gegüllt werde, denn sonst wirke die Gülle erst zu spät, ist Burren überzeugt.

Angedüngt wurde der Bestand am 23. Februar 2020 mit 2 kg Mg-Ammonsalpeter. «Auch die Andüngung muss früh erfolgen. Die Gerste braucht den Stickstoff rechtzeitig. Wenn die Kultur keinen guten Start ins Jahr erwischt, lässt sich das nachher nicht mehr kompensieren» erklärt Marco Burren seine Strategie.

Als Schossergabe gab Burren am 20. März 2020 wiederum 2 kg Mg-Ammonsalpeter, womit die Düngung abgeschlossen war. «Wenn wir ohne Gülle im Getreide arbeiten, streuen wir jeweils auch eine Ährengabe. Das war dieses Jahr nicht nötig, weil die Biogas-Gülle noch nachgewirkt hat. Es hatte noch immer Spuren der Gülle am Boden.» Zudem präsentierte sich der Bestand ziemlich «lauchig», also dunkelgrün bis bläulich. Da bekamen Burrens auch etwas Angst, dass die Gerste umfallen könnte.

Nur Ende April 2020 gab es leichten Trockenstress für die Gerste

Der trockene Frühling 2020 war kein Nachteil für die Gerste. «Nur Ende April gab es für drei bis vier Tage leichten Trockenstress. Der Regen kam bei uns gerade noch zum richtigen Zeitpunkt», sagt der Junglandwirt.

126 dt Wintergerste pro Hektare – da muss auch der Pflanzenschutz stimmen. Diesen erledigen Burrens in Eigenregie mit einer 12,5 m Spritze von Hardy:

  • Im Frühling erfolgte die erste Spritzung am 6. April mit Meddax (1 l) und Capalo. «In anderen Jahren spritzen wir nur 0,8 l Meddax. Heuer war die Gerste allerdings sehr dick, weshalb wir die Dosis auf 1 l erhöhten», so Burren.
  • Die zweite Spritzung erfolgte bereits zwei Wochen später, am 20. April. Elatus Era plus Etephon waren die Mittel der Wahl.
  • Am 11. Mai wurde mit Osiris ein letztes Fungizid in die Gerstenblüte gespritzt.

Am 5. Juli dann kam der Tag der Wahrheit: Die Gerste wurde vom Lohnunternehmer gedroschen. Der Top-Ertrag hat sich abgezeichnet: «Wir mussten einen zusätzlichen Wagen hinstellen», lacht Marco Burren. Da vermutete er bereits einen sehr guten Ertrag. Wenig später konnte er die Gerste in der Landi Niederscherli abgeben, und da hatte er Gewissheit:

126 dt/ha, 13,8 Prozent und ein Hektolitergewicht von 66,7 kg.

Marco Burren ist alle zwei Tage in der Kultur und beobachtet

Burrens verkaufen ihre Gerste an einen benachbarten Schweinemäster oder brauchen sie selber als Kraftfutter die Kühe. Daher bekommen sie einen leicht besseren Preis. Extenso-Anbau ist für Marco Burren keine Option, nicht nur aufgrund der hohen erzielten Erträge im ÖLN. Auch das Stroh habe beim intensiven Anbau Vorteile.

Burren hat festgestellt, dass die Euter-Gesundheit seiner Milchkühe besser sei, wenn in den Liegeboxen Stroh ohne Pilzsporen liege. «Die Kosten für die Bodenbearbeitung, die Saat und die Ernte sind immer gleich hoch. Da verteile ich die Kosten lieber auf einen hohen Ertrag», erklärt Burren.

Ein wichtiger Punkt ist zudem, dass Burren grosse Freude an schönen, gesunden Kulturen hat. «Ich will mein Wissen aus der Schule anwenden und nicht möglichst viel dem Zufall oder den Direktzahlungen überlassen», ist er überzeugt.

Dass Burrens Herz für den Ackerbau schlägt, zeigt sich auch darin, dass er jeden zweiten Tag in die Felder geht. Dort beobachtet er, oft begleitet von einem befreundeten Berufskollegen, wie sich die Bestände entwickeln. Burren hat auch Fotos der Gerste in fast allen Stadien gemacht. «Am Wichtigsten ist doch, dass man Freude an dem hat, was man tut. Das motiviert mich jeden Tag, einen guten Job zu machen.»

Im nächsten Jahr will Burren – kein Wunder bei diesem Ertrag – das Rad nicht neu erfinden. Nebst KWS Tonic wird er auch die Sorte SY Galileoo von Syngenta auf einer Parzelle anbauen.

Zudem folgt die Gerste heuer in der Fruchtfolge nach Raps, auf das Säen einer Gründüngung wurde verzichtet. Auf dieser Parzelle wird Burren die Gerste pfluglos anbauen. Auf der anderen Parzelle folgt die Gerste auf Silomais. Hier hat Burren vor, die Bodenbearbeitung mit dem Pflug zu erledigen.

Jan Hug aus Kesswil TG erntet 125 dt/ha Futterweizen

Jan Hug bewirtschaftet in Kesswil TG oberhalb des Bodensees einen Betrieb mit Ackerbau, Spezialkulturen, Schweine- und Muni-Mast sowie einem Lohnunternehmen.

Hug baut seit längerem Futterweizen an, sein Ertragsziel liegt jeweils bei 100 dt/ha. Einen so hohen Ertrag wie im Jahr 2020 erzielte er aber noch nie. «Wir hatten zwei Parzellen mit Futterweizen. Auf der 2 ha Parzelle «Felbewies» konnten wir 125 dt/ha mit 13,5 Prozent Feuchtigkeit und einem Hektolitergewicht von 76 kg ernten», freut sich Hug. Die zweite Parzelle, bei welcher der Anbau genau gleich erfolgt ist, schlug mit 105 dt/ha zu Buche.

Hybrid-Futterweizen brachte Jan Hug den Erfolg

Der Futterweizen wurde bei Jan Hug nach Silomais angebaut. Bei der Silomais-Ernte war es trocken, die Parzelle kam bei eher feuchten Bedingungen unter den Pflug und konnte am 16. Oktober 2019 mit der Säkombination bestellt werden. Hug setzte mit Hydrock Hybrid-Winterweizen erstmals auf eine von der OHS empfohlene Hybrid-Weizensorte.

Die Saatdichte lag bei rund 160 Körnern pro Quadratmeter. «Ich wähle seit Längerem eine relativ tiefe Saatdichte. Das hat den Vorteil, dass ich die Kultur im Frühling nicht zurückhalten muss», erklärt Jan Hug seine Strategie.

  • Am 16. März 2020 hat Hug den Weizen mit einer Gabe von 1 kg Mg-Ammonsalpeter mit Schwefel angedüngt. «Sonst sind wir deutlich früher mit dem Andüngen, aber in diesem Frühjahr war es lange Zeit zu nass, um ins Feld zu fahren», erinnert sich der Landwirt.
  • Am 20. März hat Hug 30 m3/ha Schweinegülle verschlaucht. Zur Gülle meint er: «Im Getreide ist Schweinegülle besser als die Gülle von den Muni. Diese wirkt tendenziell zu spät.» Bei jeglicher Gülle sei aber der Wirkungszeitpunkt ungewiss. Daher kommt bei Hug vor jeder Düngergabe ein N-Tester des Düngerberaters zum Einsatz. Damit wird ermittelt, wie gut versorgt die Kultur bereits ist und wie hoch die Düngung angesetzt werden soll.
  • Die Schossergabe betrug 2 kg MgS-Ammonsalpeter und erfolgte am 8. April 2020. Dabei hatte Jan Hug auch etwas Glück: «Es war nur ganz wenig Regen angesagt. Wir bekamen aber dennoch sechs Liter, womit der Dünger sofort aufgelöst und für den Weizen verfügbar wurde», sagt Hug.
  • Auch eine Ährengabe von 2 kg MgS-Ammonsalpeter hat Hug gegeben. «Total kommen wir auf rund 180 kg Stickstoff. Unsere Böden sind aber generell gut im Schuss, weil sie regelmässig mit Hofdünger versorgt werden. Zudem haben wir einen relativ hohen Humusanteil», so Hug, der in einer viehstarken Region zu Hause ist.

Jan Hug macht keine Experimente beim Pflanzenschutz

Um den Pflanzenschutz kümmert sich Jan Hug selbst – auf seinem Betrieb, aber auch im Lohn für andere Landwirte. Im Frühling applizierte er zunächst ein Herbizid plus CCC. Anschliessend machte Hug zwei
Fungizid-Behandlungen. Die erste erfolgte in Mischung mit Moddus und Etephon zur Halmverstärkung, bei der zweiten Fungizid-Behandlung bekämpfte Hug zugleich auch die Getreidehähnchen.

Der Bestand präsentierte sich sehr ausgeglichen und üppig. Aufgefallen sind Hug insbesondere die grossen Ähren und grossen Weizenkörner. Ein kleines Nest in der Ecke der Parzelle wies Lagergetreide auf – für Jan Hug ein Zeichen, dass das Maximum ausgereizt worden ist.

Die Abreife des Futterweizens zögerte sich lange hinaus

Die definitive Abreife und somit die Ernte zögerten sich relativ lange hinaus, obwohl der Weizen bald einmal gelb wurde. «Ich hatte schon bald das Gefühl, der Weizen müsste jetzt reif sein, aber die Körner blieben sehr lange weich», erinnert sich der Ostschweizer.

Schlussendlich passte dieses Jahr vor allem auch das Wetter bestens für den Futterweizen. Aufgrund des trockenen Frühlings und den Fungiziden blieb die Frucht von Blattkrankheiten verschont.

Jan Hug hat seinen Futterweizen nämlich nicht anders als sonst angebaut. Einzige Änderung: Die Sorte. So wird er auch im Herbst 2020 wieder Hydrock aussäen, im Wissen, dass im Ackerbau «ein Jahr kein Jahr ist». Heuer wird sich bei ihm der Saatzeitpunkt leicht verzögern, weil der Weizen nach Zuckerrüben angebaut wird.

In der Buchhaltung von Jan Hug fällt der Rekordertrag nicht gross ins Gewicht. Zu tief ist der Preis für Futterweizen, zu klein die angebaute Fläche und zu vielseitig die weiteren Standbeine. «Getreidebau ist eher ein Hobby», lacht der Junglandwirt. Das Ziel von Hug ist es, aus seinem Land möglichst viel herauszuholen. Konkret heisst das: 100 dt Futterweizen und auch Wintergerste pro Hektare werden anvisiert. Brotgetreide ist für Hug als Muni- und Schweine-Mäster keine Option mehr.

Beat und Yannik Arnold aus Schenkon LU ernten 75 dt/ha Bio-Brotweizen

In Dezitonnen ausgedrückt klingt es nicht nach sehr viel: 75 dt/ha Brotweizen konnte Landwirt Beat Arnold aus Schenkon LU dreschen. Das grosse Aber: Seit 2002 bewirtschaftet Arnold seinen Betrieb biologisch, bekommt also für seinen Weizen fast das doppelte wie ein ÖLN-Produzent. Entsprechend gross war bei Arnold die Freude nach der Weizenernte, als er feststellen konnte:

75 dt/ha, 15 Prozent Feuchtigkeit und ein Hektolitergewicht von 81,6 kg.

Vor dem Winterweizen wurde auf der Parzelle Bahmatt Silomais geerntet. Dieser konnte Mitte Oktober geerntet werden. Anschliessend hat Arnold den Acker mit dem Gänseschar-Grubber bearbeitet und ganzflächig geschnitten. «Mein Motto ist: Ich plage die Blacken, nicht die Blacken mich», sagt Arnold mit einem Schmunzeln.

Sein Credo für die Saat ist klar: Der Weizen darf nicht zu früh in den Boden. «Sonst habe ich bereits im Herbst Probleme mit dem Unkraut», so Arnold. Im Herbst sei ein Durchgang mit dem Striegel meist nicht möglich, weil es zu nass ist, erklärt der Meisterlandwirt.

  • So hatte er genug Zeit, am 10. November 2019 rund 35 m3 Milchvieh-Gülle mit eingemischtem Hühnermist auszubringen. «Als Bio-Bauer kann ich im Frühling keine wirksame Startgabe geben», sagt Arnold. Daher güllt er seinen Weizen bereits spät im Herbst. «Es ist wichtig, dass die Böden bereits kalt sind. So wird das Ammonium nicht mehr nitrifiziert und steht im Frühling der Kultur zur Verfügung», so seine Theorie.
  • Nach dem Güllen pflügte Arnold seine Parzelle. Einen Tag später, am 14. November 2019, kam Lohnunternehmer Markus Ryser aus Richenthal LU mit seiner selbstfahrenden Sämaschine «Megadryll 6000», um 1,6 kg Nara pro Hektare zu säen. Das ergibt eine Saatdichte von rund 360 Körnern pro Quadratmeter. Diese liegt deutlich tiefer als die üblicherweise empfohlene Saatstärke.

Für Arnold geht die Taktik aber auf, nicht nur in diesem Jahr. «Wenn ich dicker säe, wird der Bestand anfälliger auf Krankheiten und auch das Hektoliter-Gewicht ist tiefer. Mit dieser Saatstärke habe ich nie Probleme mit der Lagerung, zumal die Sorte Nara diesbezüglich bessere Eigenschaften hat als die im Bio-Landbau stark verbreitete Sorte Wiwa», gibt Arnold Auskunft.

Ein Vorteil bei der Saat durch Lohnunternehmer Ryser sieht Arnold darin, dass die ganze Fläche nach dem Eggen von den grossen Ballonrädern rückverfestigt wird. «Das ist wichtig, sonst habe ich Auswinterungsprobleme», hat Arnold beobachtet. Früher hat er die Weizenfelder selber bestellt: Mit der Egge, einer Sämaschine und anschliessend einer Cambridge-Walze.

  • Im Frühling stand am 13. März 2020 zuerst das Striegeln auf dem Programm. Arnold dazu: «Beim Striegeln muss es Staub geben.» Diese Bedingung war erfüllt, das Unkraut konnte gut bekämpft werden.
  • Am 31. März 2020 gab Arnold die zweite Gabe Mistgülle, wiederum 35 m3 pro Hektare. Die Gülle bringt er jeweils selber aus, mit einem 8000 Liter Schleppschlauchfass. «Das ist mit ein Grund, weshalb ich die erste Gabe im Herbst gebe. Früh im Jahr ist es häufig zu feucht, als dass ich die Frucht mit dem Fass güllen könnte, ohne Schäden zu verursachen», erklärt Arnold.
  • Am 6. April 2020 kam zum zweiten Mal der Striegel zum Einsatz. «Da habe ich festgestellt, dass der Weizen wunderschön gleichmässig und auch gut in der Farbe war», erinnert sich der Meisterlandwirt. Mit der zweiten Striegeldurchfahrt waren die Pflegearbeiten abgeschlossen. Arnolds Weizen litt nicht unter der Trockenheit. Die Parzelle sei sehr tiefgründig, begründet Reto Arnold.
    Sein Ertragsziel liegt üblicherweise bei 50 dt/ha.

Als der Drescher am 24. Juli 2020 auf die Bahnmatt fuhr, zeichnete sich der Super-Ertrag bald ab. «Ich bekam einen Anruf, dass der hingestellte Wagen nicht ausreicht. Ich konnte beim Nachbarn noch einen Wagen ausleihen». Als das Resultat – 75 dt/ha bei 15 Prozent und 81,6 Hektolitergewicht – feststand, war die Freude bei Arnolds gross.

«Auf dieses schöne Ergebnis gab es sogar einen Schnaps», lacht Ehefrau Claudia, die auf dem Betrieb überall mithilft, wo es nötig ist. Auf einer zweiten Parzelle konnte Arnold 65 dt/ha ernten.

Arnold hat Freude an schönen Ackerkulturen – verstärkt natürlich dadurch, dass diese bei ihm als Bio-Landwirt auch finanziell ins Gewicht fallen. «Die Basis für den Erfolg ist natürlich der Boden», weiss Arnold. Er versorgt seine Parzellen regelmässig mit Kalk.

«Man muss dem Boden auch etwas zurückgeben und darf nicht nur nehmen», führt er aus. In diesem Jahr habe nebst dem Boden aber natürlich auch die trockene Witterung in die Hände gespielt. Auf dem Feld habe es kaum Unkraut gegeben. Ein wichtiger Punkt für den Bio-Landwirt, denn Unkraut sei immer auch ein Konkurrent um Licht, Wasser und Nährstoffe. Zudem sei der Druck für Blattkrankheiten aufgrund der Trockenheit tief gewesen.

Trotz diesem Erfolg wird Arnold nächstes Jahr das eine oder andere anpassen. «Nach Mais werde ich wenn möglich nur noch den Grubber einsetzen anstatt den Pflug. Nach zwei Durchfahrten sollten die Maisstoppeln gut genug eingearbeitet sein für die Saat», plant Arnold.

Wichtig ist für ihn, im Herbst mit der Saat lange warten zu können. Sei es dann für eine gute Saat zu nass, hat er einen Plan B: «Dann würde ich notfalls auf Sommerweizen ausweichen.»

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