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Auf dem «Archehof» grast Grauvieh unter bunten Hochstamm-Obstbäumen

Auf dem «Archehof» von Urs und Barbara Amrein im luzernischen Hildisrieden stehen Birnbäume, Apfel-, Zwetschgen- und Kirschbäume von vielerlei Sorten und Farben. Zu den roten Kirschen gesellen sich weisse, gelbe und gestreifte Früchte.


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Kurz & bündig

  • Auf dem «Archehof» von Urs und Barbara Amrein im luzernischen Hildisrieden wachsen rund 600 Hochstamm-Obstbäume.
  • 500 Bäume sind Patenbäume, deren Früchte den Paten gehören.
  • Urs Amrein nutzt den Obstgarten auch als Weide für Rätisches Grauvieh.

«Vor mim Fenschter schtoht en alte Birebaum. Inre Wiese, wo's no bunti Blueme git.» Wer den «Archehof» von Urs und Barbara Amrein besucht, denkt sofort an das alte Volkslied.

Auch wenn dicker Nebel die hügelige Landschaft einhüllt, als «die grüne» den Betrieb besucht. Wo sonst der Blick auf den Sempacher See schweifen würde, ist nur Grau zu sehen – doch die Stimmung ist mystisch.

Urs Amrein hat den kleinen Hof mit rund sieben Hektaren von seinen Eltern übernommen. Als kleinstrukturierten Betrieb hat die Familie bereits Obstbau betrieben. «Dies ist typisch für die hiesige Landwirtschaft gewesen», sagt Amrein. Neben Milchwirtschaft habe man Ackerbau, Schweinehaltung und etwas Obstbau betrieben. Als er 1997 als Jüngstes von sieben Kindern den Betrieb übernommen hat, war auch die Frage, ob sich der Betrieb am nahe gelegenen Golfplatz flächenmässig beteiligen wolle.

Urs Amrein hat sich dagegen entschieden und stattdessen auf Hochstammobst gesetzt. «Ich wollte daneben auch noch etwas anderes machen», erzählt er. Deshalb hat er neben der landwirtschaftlichen Ausbildung eine kaufmännische Ausbildung absolviert und dann Buchhalter gelernt. Er arbeitet Vollzeit auf dem «Archehof», mittlerweile haben Urs und Barbara Amrein mehrere Teilzeitangestellte, die sich ein Pensum von rund 150 Prozent teilen.

Seit 17 Jahren wächst und gedeiht der Hochstamm-Obstgarten in Hildisrieden

In Zusammenarbeit mit Pro Specie Rara ist vor 17 Jahre das Projekt «Hochstamm-Obstgarten» entstanden. Doch Obstgarten ist nicht gleich Obstgarten. Obstbäume an Paten abzugeben, sei als Idee bereits bekannt gewesen, vor allem bei Weinreben.

«Was unsere Patenschaften allerdings von den anderen unterscheidet, ist, dass der Pate die Früchte selbst ernten und verarbeiten kann», erklärt Urs Amrein. Bei anderen Projekten hingegen seien die Paten für die Anschub-Finanzierung zuständig gewesen, hätten aber ihre Früchte nicht selbst ernten und verarbeiten können.

Einen kleinen Teil des Obstes, welches nicht von den Paten geerntet wird, vermarktet die Familie Amrein selbst. Zudem sei ein Obstbaum etwas «Schönes» und «ökologisch Wertvolles», erklärt der Landwirt. Dieses Empfinden hätten auch Leute, die nicht aus der Landwirtschaft kommen.

Und das Bewusstsein sei da, dass die Bäume immer stärker aus dem Landschaftsbild verschwinden. Diese Gedanken haben Urs Amrein zusätzlich motiviert, sich mit dem Aufbau eines Obstgartens zu befassen.

Vom Produzent zum Dienstleister mit Baum-Paten

Als Tafelobst würden sich die Früchte seines Obstgartens nicht unbedingt eignen. Die Paten, denen die Bäume gehören, würden das Obst deshalb verarbeiten oder weiter verschenken, berichtet Urs Amrein weiter. «So sind wir vom Produzenten zum Dienstleister geworden», fügt er hinzu.

Die Familie stellt den Paten für einen jährlichen Beitrag von 90 Franken den Platz und die Bäume zur Verfügung und kümmert sich um den Schnitt und die Pflege, um die Beweidung und den Schutz der Bäume vor den weidenden Kühen. Im Gegenzug dürfen die Paten die Früchte ohne Anmeldung ernten.

Was übrig bleibt oder niemandem gehört, wird zu Spirituosen verarbeitet. Ein ganz kleiner Teil wird als Dörrobst im Hofladen verkauft.

«Wir sorgen auch dafür, dass die Bäume mit einem minimalen Pflanzenschutz vor Krankheiten und Schädlingen bewahrt werden», sagt Urs Amrein. Die Anwendungen finden nur zwei bis drei Mal im Jahr und vorwiegend vorbeugend statt. Dies sei sehr viel schonender als der konventionelle Obstanbau.

Ein gut gepflegter Baum wird so bis zu 150 Jahre alt. Amrein zeigt auf einen grossen Obstbaum im Garten. «Hochstamm-Obstbau ist eine Investition in die Zukunft», so der Betriebsleiter. Erst nach 20 Jahren sei der Baum voll ertragsfähig.

Deshalb lohne sich Hochstammobst vor allem auch für junge Landwirte oder Landwirtinnen: «Es braucht Zeit, Hochstammobst als Spezialität anzubauen und zu vermarkten.» Amrein ist sicher, dass der Baumbestand in den nächsten zwanzig Jahren weiter abnimmt. «Dann können diejenigen, die früh daran gedacht haben aus dem Vollen schöpfen.»

Vermarktung und Verarbeitung der Hochstamm-Obstbaum-Produkte sind herausfordernd

Es ist für Urs Amrein eine Herausforderung, Hochstammobst zu diversen Spezialitäten wie Spirituosen, Essig oder auch sortenreinen Säfte zu verarbeiten und an die Kunden zu bringen.

«Der Kunde kauft nichts, was er nicht kennt», so seine Erfahrung. Im Hofladen der Familie Amrein findet man beispielsweise Gin aus Hochstammobst wie Kirschen-Gin oder Zwetschgen-Gin. Auch Cidre-Ale ist im Zuge von innovativen Ideen entstanden.

Doch es brauche Zeit und Überzeugungsarbeit, bis der Kunde sich auf ein neues Produkt einlässt, sagt Amrein.

Anspruchsvoll ist die Arbeit mit Kleinmengen – nur schon die hohen Produktionskosten und die Beschaffung der passenden Glasflaschen und Gestaltung von ansprechenden Etiketten sind eine Herausforderung.

Urs Amrein wünscht sich mehr Engagement der Jungen

Doch Urs Amrein ist optimistisch. Zusammen mit einem Geschäftspartner hat er die «Hochstammprodukte GmbH» gegründet. Diese hat die «Hochstamm Seetal AG» übernommen.

Die innovativen Gin-Produkte werden auch in den regionalen Coop-Filialen verkauft. So erhofft sich Urs Amrein überregionale Bekanntheit für seinen Gin aus Hochstammobst.

Urs Amrein würde es begrüssen, wenn sich junge Landwirtinnen und Landwirte stärker für den Hochstamm-Obstanbau interessieren würden. «Die Fläche ist neben der Pflege der Obstbäume auch für das Vieh nutzbar», sagt er. Friedlich grasen bei ihm im Sommer Grauviehkühe unter den Obstbäumen, das ergebe ein schönes Landschaftsbild.

Das System mit den Obstbaum-Paten ist eine Win-Win-Situation

Zudem wird die Anlegung eines Obstgartens zur Ökoqualitätsstufe I und II dazugerechnet und schafft so auch einen finanziellen Anreiz. Obstbäume in Ackerkulturen wären auch eine denkbare Option. Obstgärten fördern zudem die Biodiversität.

Die finanziellen Anreize sind das eine. Das andere, so Urs Amreins Fazit: «Ein Obstgarten oder auch ein Obstbaum ist einfach etwas Schönes, das den Leuten Freude bereitet.»

Und wenn der Obstbaum einem Paten gehört, der sich an alten Obstsorten erfreut und mit dem der Landwirt einen guten und langfristigen Vertragspartner hat, entsteht eine Win-Win-Situation.

Betriebsspiegel «Archehof»

Urs und Barbara Amrein, Hildisrieden LU

LN: 6,5 ha Eigenland, 6 ha Pacht plus Nutzungsflächen (Ökoflächen)

Bewirtschaftung: IP-Suisse

Kulturen: 600 Hochstamm-Obstbäume

Tierbestand: Rätisches Grauvieh, 24 Mutterkühe mit Jungvieh, Bündner Strahlenziegen und Appenzeller Spitzhaubenhühner

Weitere Betriebszweige: Verschiedene Miet-Lokalitäten (Baumhaus, Tipizelt, Wiesenwagen, Seminarhof), Lebensturm (verdichtete Artenförderung), Hofladen, Schule auf dem Bauernhof und diverse Aktivitäten auf dem Bauernhof.

Arbeitskräfte: Urs und Barbara Amrein, mehrere Teilzeit-Angestellte mit Pensum von zirka 150 Prozent.

Der Obstgarten

Die Familie Amrein hat 600 Hochstamm-Obstbäume gepflanzt, wovon mittlerweile 500 Bäume den Paten gehören. Im Obstgarten sind 30 Birnensorten, 80 Zwetschgensorten, 110 Kirschensorten und 150 Apfelsorten zu finden.

Pflege der Hochstammbäume

Die Apfelbäume werden jährlich geschnitten, bis sie rund 15 Jahre alt sind, danach alle drei Jahre im Februar/März.

Die Kirschen werden jedes zweite Jahr gleich bei der Ernte geschnitten.

Bei den Zwetschgen kennt man das sogenannte «Zwetschgensterben». Dies passiert teilweise nach dem Schnitt im April, wenn die Zwetschgen «in den Saft» kommen. Das Zwetschgensterben drückt sich durch das Austrocknen des Baumes aus, die Ursache ist unklar.

Geschnitten werden alle Bäume mittels einer selbstfahrenden Hebebühne und einer Hydraulikschere.

Baumschutz mit Strom

Für den Schutz der Bäume haben Urs und Barbara Amrein ein innovatives System entwickelt: Links und rechts des Baumes befindet sich je ein Pfosten. Diese Posten sind mit einem Draht verbunden. Unter dem Boden verläuft eine Leitung, die den Draht mit Strom versorgt.

Ein Holzgerüst mit Stromdraht verhindert, dass die Kühe an den Baum herankommen. So können die Kühe unter dem Gerüst durchfressen und übernehmen das «Ausmähen» der Bäume.

Obstgärten werden den Ökoqualitätsflächen I und II angerechnet, sie fördern die Biodiversität.

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