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Anbindestall: Vom WG-Zimmer ins Hotel

Beraterin und Kuhsignal-Trainerin Martina Schmid empfiehlt: Wenn optimieren, dann richtig. In optimierten Anbindeställen fallen meist weniger Behandlungskosten an und die Milchleistung steigt. Die Arbeitszeit bleibt unverändert.


Was beobachten Sie in Schweizer Anbindeställen? Besteht generell ein Bedarf für Optimierungen?

Martina Schmid: Optimierungs-Potenzial haben viele Anbindeställe. Aber das gilt auch für Laufställe. Ein Hauptgrund für Optimierungen in Anbindeställen ist meistens die Tiergesundheit. Wenn wunde Sprunggelenke oder Liegeschäden auftreten, muss das Aufstallungs-System genau angeschaut werden.

Aber auch fehlende finanzielle Mittel für einen Neubau oder eine unsichere Zukunftsstrategie sind Gründe für eine Optimierung.

Ich bin der Meinung, dass die Themen Kuhsignale und Tierwohl immer mehr an Bedeutung gewinnen – egal ob im Lauf- oder Anbindestall. Das Ziel sollte sein, gesunde und langlebige Tiere zu halten. Wenn es den Tieren gut geht, steigert sich automatisch die Freude an der Arbeit.

Was sind die wichtigsten Überlegungen bei der Stalloptimierung?

Grundsätzlich empfehle ich immer: Wenn optimieren, dann richtig. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mit Teil-Optimierungen der Arbeitsaufwand stark zunimmt.

Wer zum Beispiel das Bugholz drin lässt, läuft Gefahr, dass die Kühe schräg liegen, weil sie den notwendigen Schwungraum im Brustbereich nicht haben. Die Folge: Sie stehen schräg auf, stehen schräg auf dem Liegebett und koten dann auch häufiger ins Strohbett. Folglich gibt es mehr Arbeit bei der Matratzenpflege.

Welches sind die grössten Herausforderungen?

Grosse Herausforderungen sind Stützen im Stall, welche gewisse Dimensionen vorgeben. Oder wenn Wände raus müssen und man dafür Träger einbauen muss. Sobald Stützen und Träger involviert sind, kann es teuer werden. Das ist eine zusätzliche Knacknuss.

Die andere Herausforderung: Man muss sich trauen. In manchen Regionen kennt man optimierte Ställe mit Kette und Strohbett kaum, da braucht es umso mehr Mut, um die Vorreiterrolle zu übernehmen.

Wie lange dauert der Umbau? Und wie lange dauert es, bis sich die Kühe an den neuen Stall gewöhnt haben?

Das ist ganz unterschiedlich. Manche Landwirte bauen ihren Stall in einer Woche um. Andere, vor allem Betriebe mit einer Alp, nehmen sich einen ganzen Sommer Zeit. Dann kommt es darauf an, wie viel Eigenleistung man erbringen kann und wie viel Unterstützung man aus seinem Umfeld erhält.

Auch die Angewöhnungszeit bei den Kühen ist sehr unterschiedlich. Meistens läuft es nicht von heute auf morgen perfekt. Die Kuh kommt quasi von einem WG-Zimmer in ein Hotel. Es dauert einige Zeit, bis sie sich an ihre neuen Freiheiten gewöhnt hat und vor allem auch, bis die Rangordnung neu ausgemacht wurde.

Anschliessend werden die Kühe in optimierten Anbindeställen oft viel ruhiger und liegen ein Vielfaches mehr.

Wie verändert sich die Arbeitsbelastung?

Es gibt nicht weniger Arbeit, aber sie verlagert sich von der Tier-Behandlungen zu mehr Matratzenpflege. ­Dafür gehören das Verarzten von Strichverletzungen, entzündete Sprunggelenke und wunde Stellen mehrheitlich der Vergangenheit an.

Was man oft nicht auf den ersten Blick sieht: Die Vitalität der Kühe nimmt zu, was zu einer Abnahme von Stoffwechsel-Störungen führen kann. Häufig verbessert sich auch die Fruchtbarkeit und es sind insgesamt weniger Besamungen nötig.

All diese Faktoren führen bei den Optimierungen meist zu zwei Sachen: Weniger Behandlungskosten und höhere Milchleistung.

Die Arbeitszeit als solche kann aber mit einer Optimierung nicht pauschal reduziert werden. Aber die Freude an der Arbeit wird grösser, weil es vielen mehr Freude bereitet, mit gesunden und leistungsstarken Tieren zu arbeiten. Aber Vorsicht: Die Optimierungen eignen sich nicht für jeden Betriebsleiter. Wer sich scheut, ein Strohbett zu pflegen, der wird mit einem optimierten Anbindestall nicht zurechtkommen.

Was kosten die baulichen Massnahmen?

Die Bandbreite ist extrem gross. Wie auf dem Betrieb Käslin können das nur 500 Franken pro GVE sein. Sobald man Stützpläne berechnen und in Träger investieren muss, können die Optimierungen 3000 Franken pro GVE kosten, wie auf dem Betrieb von Atzigen. (siehe Reportage)

Andere bauen bei der Gelegenheit beispielsweise auch einen Wasserkreislauf ein. Das fällt dann finanziell ins Gewicht. Weiter kommt es auf den Anteil Eigenleistung an.

Wann ist eine Optimierung angebracht? Wann ein Neubau?

Optimierungen eignen sich vor allem dann, wenn finanzielle Mittel knapp sind oder langfristige Betriebsaussichten noch nicht klar sind und trotzdem im Bereich Tierwohl und auch Arbeitsqualität mehr erreicht werden möchte.

Manchmal sind auch die Platzverhältnisse oder Topografie ausschlaggebend, ob Anbindestall oder Laufstall. Betriebe wie jener von der Familie Käslin in Ennetmoos NW (siehe Reportage) gibt es viele. Bei Käslins hätte der Platz für einen Laufstall nicht ausgereicht – geschweige denn für einen Laufstall für ihre behornten Kühe.

Voraussetzung für eine Optimierung ist eine einigermassen gute Gebäudehülle. Ein Neubau, egal ob Anbindestall oder Laufstall, empfiehlt sich vor allem dann, wenn die bestehende Gebäudesubstanz nicht mehr hält oder eine grosse Betriebsvergrösserung oder -veränderung ansteht.

Zur Person

Die 28-jährige Landwirtin und Agronomin Martina Schmid hat sich während der Bachelor-Arbeit an der HAFL mit Anbindeställen und deren Optimierung auseinandergesetzt. Anschliessend bildete sich zur Kuh-Signal-Trainerin weiter und bietet seit einem Jahr selbstständig Beratungen und Weiterbildungen für Stall-Optimierungen und Neubauten an.

Mail: martina-schmid92@gmx.ch

Die wichtigsten Änderungen bei der Optimierung

  • Futtertisch erstellen. Dieser muss 10 cm höher sein als das Liegebett.
  • Bugholz durch Gummilappen ersetzen.
  • Wassertränken mit hohem Wasserdurchfluss montieren.
  • Oben-Anbindung an einer Kette.
  • Zwischen-Abtrennungen entfernen.
  • Weicher Liegebereich durch eine (Kalk)-Stroh-Matratze.

Ist man gegenüber der Optimierung etwas kritisch, empfiehlt es sich, das System bei einem Teil der Kühe zu testen. Bei beispielsweise drei Läger-Reihen à 6 Kuhplätzen bietet es sich an, erst eine Reihe zu optimieren – wie bei den Betrieben von Atzigen und Businger (siehe Reportage).

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