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Luzerne heuen und emden


Kurz vor dem Pressen: Dank den schonenden Verfahren sind die Luzerne-Blätter noch intakt. Bei grobem Umgang zerbröseln sie. Bild: Martina Rüegger

Kurz vor dem Pressen: Dank den schonenden Verfahren sind die Luzerne-Blätter noch intakt. Bei grobem Umgang zerbröseln sie. Bild: Martina Rüegger

die grüne 07 / 2020

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Landwirt Oliver Bürgi erntet Luzerne als Dürrfutter. Die Luzerne wächst auch in äusserst trockenen Jahren sehr gut. Beim Mähen, Heuen und Emden muss Bürgi auf speziell schonende Verfahren achten. Die Bröckelverluste wären sonst zu hoch.

 

Publikationsdatum: 26.06.2020 / 06:00 Uhr
Autor
Martina Rüegger

Kurz & bündig

  • Landwirt Oliver Bürgi mäht die Luzerne viermal pro Jahr mit der Haybine.
  • Zwei Profilwalzen quetschen die groben Stängel der Luzerne.
  • Wenn das Wetter mitspielt, heut resp. emdet Bürgi die ersten drei Schnitte.
  • Kaum jemand macht das, denn mit herkömmlichen Heuerntemaschinen sind die Bröckelverluste sehr hoch.
  • Anstatt eines Kreiselheuers und eines Schwaders setzt Bürgi einen Schwadwender ein.
  • Eine N-Gabe ist nicht nötig. Einzig 30 kg Schwefel setzt Bürgi ein.

Hitzesommer 2018. Kaum Regen, extreme Trockenheit. Die Futtergräser sind gestresst und stellen ihr Wachstum ein. In der Folge werden die Futterflächen braun. So sah es im Jahr 2018 vielerorts in der Schweiz aus. Und auch im Jahr davor. Und auch schon im Hitzesommer 2013.

Landwirt Oliver Bürgi erinnert sich genau. Er ist einer der wenigen, der Luzerne anbaut. Trotz Trockenheit stach die Luzerne in diesen trockenen Jahren mit ihrer satten blau-grün schimmernden Farbe hervor. Sie gedieh unermüdlich weiter, als das Wachstum der Futtergräser, wie das der Raigräser oder Wiesenrispe, zum Erliegen kam.

Die Wurzeln der Luzerne finden Wasser in bis zu drei Metern Tiefe. Luzerne ist sehr tolerant gegenüber Trockenheit und Hitze. Der dicke Stängel schützt sie. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Luzerne auch «die Königin der Futterpflanzen» genannt wird. (siehe Interview).

Die Luzerne liefert hohe Rohprotein-Erträge. Wie andere Leguminosen kann sie mit Hilfe der Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft aufnehmen und so unabhängig vom vorhandenen Stickstoff im Boden Protein bilden.

Die Blätter zerbröseln bei zu grobem Umgang

Wenn die Bedingungen stimmen – also mindestens vier Tage schönes Heuwetter – nutzt Bürgi die Luzerne als Dürrfutter. Doch die Konservierung der Luzerne als Dürrfutter ist anspruchsvoll. Es muss sehr schonend gearbeitet werden. «Mit dem herkömmlichen Kreiselheuer und Schwader kann man Luzerne nicht emden», weiss Bürgi. Sonst bleibt an den dicken Stängeln kaum ein Blatt übrig. «Die Blätter zerbröseln bei zu grobem Umgang sofort», sagt der Landwirt. Das ist mit ein Grund, weshalb hierzulande kaum jemand Luzerne als Dürrfutter anbaut.

Luzerne mit Timothe und Rohrschwingel kombinieren

25 kg Luzerne, 2,5 kg Rohrschwingel, 2,5 kg Timothe: Diese Mischung setzt Bürgi seit acht Jahren ein. In der Regel gibt es vier Schnitte: Wo beim Heuschnitt die Gräser noch gut vertreten sind, dominiert die Luzerne beim Emden. «Bei Trockenheit ist die Luzerne die Pflanze, die nach dem Heuen wiederkommt», weiss Bürgi.

Schon Bürgis Vater baute Luzerne an – aber in einer Mischung mit Raigras. «Als ich auf pfluglos umstellte, bereitete mir das Raigras Probleme», erzählt Bürgi. Beim Umbruch auf Mais verschwand erwartungsgemäss die Luzerne, doch die Horste des Raigrases wuchsen jeweils wieder an. Doch jetzt mit der neuen Mischung hat er das im Griff. Rohrschwingel ist kein Horstgras, Timothe schon. Ein Durchgang mit der Howard-Fräse (Rotovator) und einmal Eggen reiche aus, damit die Gräser in der Folgekultur nicht als Unkraut auftreten.

Die Luzerne mit der Haybine schonend mähen

Oliver Bürgi legt eine neue Luzerne-Mischung im Mulch- oder Direktsaat-Verfahren jeweils im August an. Die Luzerne-Mischung folgt auf Getreide. Er nutzt die Luzerne während zwei bis drei voller Jahre. Nach dem Heuschnitt im dritten oder vierten Jahr bricht er sie wieder um. Als Folgekultur baut ein Berufskollege von Bürgi entweder Buschbohnen oder Erbsen an.

Beim Besuch von «die grüne» mäht Bürgi die zwei Hektar grosse Parzelle. Der Bestand steht im zweiten Jahr. Beim Mähen setzt Bürgi eine Haybine von New Holland ein. Eine einfache Maschine, die man hierzulande nicht mehr oft sieht. Die Maschinen werden vor allem noch für den kanadischen Markt produziert.

Der Haspel zieht die Luzerne rein, währenddem ein hochgestellter Messerbalken die Halme schneidet. Zwei Profil-Gummiwalzen quetschen den groben Stängel der Luzerne. Das Mähgut prallt im Anschluss an ein Blech und kommt auf den Stoppeln zu liegen. «Das Mähgut liegt locker am Schwad», erklärt Bürgi. Es falle nie so kompakt zusammen, wie das bei Grasmischungen der Fall sei.

Bürgi ergänzt: «Ich erkläre mir das durch die groben Stängel der Luzerne, welche wie eine Armierung wirken.» Bürgi lässt das Mähgut im Anschluss einen Tag liegen. Der Schwad wird auf den groben Stängeln der Mähstoppel gut unterlüftet.

Der Schwadwender: Einfach, unkompliziert und schonend

Für den Heuschnitt 2020 wendete Bürgi die Luzerne insgesamt viermal mit einem Schwadwender. Der Schwadwender von Dijon ist bodenbetrieben. «Der kleinste Traktor reicht für diese Arbeit aus», sagt Bürgi.

Nach dem Pickup folgt ein Querband. Das Erntegut wendet sich einmal, bevor es wieder auf den Stoppeln zu liegen kommt. Bei der zweiten Durchfahrt wendet Bürgi die Schwaden so, dass ein Schwad auf den anderen zu liegen kommt. Diese Doppelschwade wendet er dann, so oft es nötig ist. Im Mai 2020 musste er den Doppelschwad nur zweimal wenden.

Er wendet das Erntegut das letzte Mal am Morgen vor dem Pressen. Ein Augenschein im Feld zeigt: Die «Bröckelverlustgefährdeten» Blätter der Luzerne sind tatsächlich noch vorhanden.

Der Feuchtigkeitsgehalt ist noch ein wenig zu hoch

Aber Oliver Bürgi ist nicht ganz zufrieden. Der Feuchtigkeitsgehalt könnte noch knapp zu hoch sein. «Ideal sind 13 bis 16 Prozent Feuchtigkeit», weiss Bürgi. Durch die anhaltende Bise sei die Ernte nicht durch und durch trocken, wie das bei Westwind oder Südföhn der Fall wäre. Auf gut Berndeutsch «röschet» es zu wenig.

Mit der Haybine und mit dem Schwadwender kann Bürgi zügig fahren. «Aber die Flächenleistung ist natürlich nicht ganz vergleichbar, wie mit neueren Verfahren», sagt Bürgi. Unser Video zeigt beide Maschinen im Einsatz. Am Verfahren mit der Haybine und dem Schwadwender schätzt Bürgi besonders, dass kein Dreck ins Futter gelangt. «Durch den hochgestellten Mähbalken und durch den Pickup des Schwadwenders laufe ich nie Gefahr, Erde aufzunehmen und das Futter zu verunreinigen.»

Heuen oder Silieren? Das Pokern mit dem Wetter

Beim Pressen sei darauf zu achten, dass man genug schnell fährt. «Ein gut gefüllter Presskanal verursacht kaum Bröckelverluste», erklärt Landwirt Oliver Bürgi.

Heuer hatte Bürgi Glück: Als der Lohnunternehmer zu Pressen begann, zeigte es eine Feuchtigkeit von 15 bis 18 Prozent an. Am nächsten Morgen regnet es. Bürgi ist erleichtert: «So gut geht das nicht immer», sagt er. «Das Allerbeste wäre natürlich, wenn ich auf eine Heubelüftung zurückgreifen könnte», sagt Bürgi. Dann wäre er flexibler. Aber in eine Heubelüftung zu investieren, das kommt für ihn nicht in Frage. Dafür ist der Betrieb in Seehof BE mit über 40 km viel zu weit weg von den Feldern in Oftringen AG. Bürgi hat seine Ernte auch schon auf die Belüftung von Berufskollegen gegeben. Aber eine dauerhafte Lösung ist das auch nicht.

Wenn das Wetter mitspielt heut, respektive emdet Bürgi die ersten drei Schnitte. Der letzte Schnitt wird siliert. Bürgi macht Ballen, bestehend aus einem Mais/Stangenbohnen-Gemenge und der Luzerne.

Wenn die Wetterfenster sehr kurz sind, wie es im Jahr 2019 oft der Fall war, kann es sein, dass Bürgi sämtliche Schnitte silieren muss. Am Tag nach dem Mähen wendet Bürgi den Schwad und am Abend werden die Rundballen gepresst. Bürgi achtet darauf, dass die Stängel zum Zeitpunkt des Pressens noch weich und beweglich sind. «Sonst verdichtet das Siliergut zu wenig und die Gärung verläuft nicht optimal», sagt Bürgi. Im Zweifelsfall siliert er lieber leicht zu nasses Mähgut als zu trockenes.

Eine weitere Besonderheit ist die Folie: Davon braucht es einige Lagen mehr als bei herkömmlichen Gras-Klee-Mischungen. «Es ist nicht wegen den groben Stängeln, welche die Folie durchstossen», sagt Bürgi. Diese seien beim Zeitpunkt des Pressens ja weich. «Die groben Luzerne-Stoppeln können Löcher in die Folie machen», sagt Bürgi. Deshalb stellt er sie nach Möglichkeit nicht auf das Feld.

Keine N-Düngung, aber Schwefel zur Stärkung der Pflanze

Oliver Bürgi verzichtet auf eine N-Düngung. Sobald die Pflanzenwurzeln Knöllchen gebildet haben, nehmen sie die nötigen Stickstoffmengen selbst auf. Er setzt aber Schwefel zur Stärkung der Pflanze ein. Pro Hektar streut er 30 kg elementaren Schwefel.

Insgesamt vier Schnitte erträgt die Luzerne. «Wichtig ist, dass man sie hoch mäht», sagt Bürgi: also nicht tiefer als 10 cm.

Mit einer Pflanzenhöhe von 20 cm wintert Bürgi den Bestand ein. «Es muss eine kleine, gesunde Pflanze sein», sagt Bürgi. Sie werde über den Winter braun, komme aber im Frühling schnell wieder in Schuss.

Bürgi ist sehr zufrieden. Die zwei Hektaren Luzerne-Timothe-Rohrschwingel-Mischung ergeben 2020 beim Heuschnitt 31 Quaderballen à 350 kg. Die Konservierung der Luzerne ohne Heubelüftung ist für Bürgi manchmal eine Herausforderung. Die Vorteile überwiegen aber klar. «Das Luzerne-Heu und -Emd ist sehr strukturreich und reichhaltig», sagt Bürgi, «für unsere Hirsche ist das genau das richtige Futter.» Die Futterreste füttert Bürgi jeweils seinen Mutterkühen: «Sie lieben es und verschlingen es förmlich.»

Doch die Luzerne überzeugt Bürgi auch hinsichtlich der Böden. «Der Regen und die Maschinen tragen dazu bei, dass sich unsere Böden immer mehr absetzen», sagt Bürgi. Die Luzerne wirke dem entgegen. «Ihre tiefe Pfahlwurzel lockert und bringt Luft in den Boden», sagt Bürgi. Das Bodenleben werde durch den höheren Luftaustausch aktiviert. «Eigentlich ist die Luzerne eine Gesundungskultur für den Boden», sagt Bürgi. Nur schon deshalb lohnt sich der Anbau für den Landwirt, auch wenn es kein speziell trockenes Jahr ist.

Video

Oliver Bürgi erzählt im Video von seinen Erfahrungen mit der Luzerne-Ernte und zeigt den Einsatz von Haybine und Schwadwender.

Luzerne-Dürrfutter-Analyse

Die Gehalte des Luzerne-Heuschnitts 2020 lässt Oliver Bürgi analysieren. Sobald die Resultate vorliegen, werden sie online auf www.diegruene.ch publiziert.

Betriebsspiegel Probstenberg

Oliver Bürgi und Nadja Blaser aus Seehof BE

LN: 31 ha

Bewirtschaftung: Bio

Kulturen: Dinkel, Weizen, Luzerne, Kunstwiesen, Naturwiesen, Mais-Bohnen-Gemenge, Gersten, Buchweizen, Kartoffeln

Tierbestand: 60 Rothirsche, 6 Mutterkühe

Betriebszweige: Rothirsch-Haltung, Mutterkühe, Direktvermarktung von Fleisch, Mehl und Kartoffeln, Gästehaus

Arbeitskräfte: Oliver Bürgi, Nadja Blaser und ein Lernender

www.probstenberg.ch

www.silberdistel-kost.ch

 

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