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Rote Zahlen für das Berner «Bio-Musterunternehmen» Bio Schwand AG

Die Bio Schwand AG in Münsingen BE startete 2006 als «Bio-Musterbetrieb». An grossen Versprechen fehlte es dem Unternehmen nie – dafür umso mehr an Geld. Jetzt steht das Projekt offenbar vor dem Konkurs.


Die 2006 als Vorzeigeprojekt gegründete Bio Schwand AG in Münsingen BE steht offenbar vor dem Konkurs.

Der schöne Teil der Geschichte begann vor über 100 Jahren «auf dem Schwand» in Münsingen BE. In der Landwirtschaftlichen Schule Schwand wurden Tausende Bauern und Bäuerinnen des Agrar-Kantons Bern ausgebildet.

Die Berner Regierung übergibt den Schwand der Bio Schwand AG

Als 2003 bekannt wurde, dass der Berner Regierungsrat die Landwirtschaftliche Schule Schwand schliesst, wollte eine Gruppe um Heinz Iseli das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) für den Standort begeistern. Doch das FiBL blieb in Frick, so dass der Schwand zum Verkauf ausgeschrieben wurde.

Die Gruppe um Heinz Iseli reichte unverfroren eine Kaufofferte ein – ohne zu wissen, woher das Geld bei einem allfälligen Zuschlag kommen sollte. Jeder andere hätte die Offerte in das runde Archiv befördert. Der damalige Berner Regierungsrat übergab den Schwand jedoch der Bio Schwand AG.

Die Bio Schwand AG schreibt im Dauerzustand rote Zahlen

Und damit beginnt der unschöne Teil der Geschichte. 2012 verkaufte der Kanton der Bio Schwand AG zehn Gebäude. Von 2,9 Mio Franken Darlehen sollten 0,9 Mio bis 2020 an den Kanton zurückbezahlt werden.

Die Bio Schwand AG schreibt stattdessen Jahr für Jahr rote Zahlen. Das Eigenkapital liegt unter Null. Damit müsste das Unternehmen seiner gesetzlichen Pflicht nachkommen und die Bilanz deponieren oder Sanierungsmassnahmen beschliessen. Während dem Lockdown beantragte und erhielt Iseli stattdessen einen Covid-19-Kredit – der nun vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) überprüft wird.

Die Bio Schwand AG hatte immer grosse Pläne – die nie realisiert wurden

Ab 2007 sollte in den 26 Gebäuden mit über 10 000 Quadratmeter Geschossfläche und auf dem Landwirtschaftsbetrieb mit 55 Hektaren Land ein Musterbetrieb für die Bio-Landwirtschaft entstehen.

An bester Lage zwischen Bern und Thun sollten sich Bio-Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ansiedeln. Bis heute sind es nur Urs Siegenthalers «Sigis Biohof Schwand» und die Inforama Bio-Schule des Kantons Bern (siehe Kästchen am Schluss des Textes).

Iseli plante eine Gläserne Manufaktur, «ein inspirierender Ort, an dem kleinere Bio-Produzenten in einer modernen Infrastruktur ihre Produkte verarbeiten können, an dem zusammengearbeitet und ein Raum für neue Ideen geschaffen wird». Es blieb bei den Plänen.

2019 nahm die Bio Schwand den X-ten Anlauf zur Gläsernen Manufaktur. Das Geld dazu sollte vom Bund kommen. Für ein Projekt zur regionalen Entwicklung (PRE) hätten sich aber Landwirte aus der Region beteiligen müssen – die fern blieben. Iseli hofft jetzt auf die Berner Bio Offensive 2020, die den Bio-Landbau fördern will.

Die Bio Schwand AG verwaltet unterdessen die meisten Gebäude. Der grösste Mieter ist ironischerweise der Kanton Bern – für die Inforama Bio-Schule, das Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat) und die Bernische Stiftung für Agrarkredite (BAK).

Der Bau einer neuen Heizung und damit doppelt so hohe Nebenkosten, die den Mietern verrechnet wurden, brachten beim Kanton Bern das Fass zum Überlaufen. Parallel dazu traten vier von sechs Verwaltungsräten und die Geschäftsführerin Sabine Vogt zurück.

Die Bio Schwand AG ist in der Bio-Landschaft nicht verwurzelt

Der heutige Berner Baudirektor bezweifelt, dass der Kanton bei einem Konkurs noch zu seinem ausstehenden Geld käme. Und auch bei finanziell beteiligten Organisationen sieht man schwarz – oder eher rot.

So gab Bio Suisse nach heftigen internen Debatten ein Darlehen von 400'000 Franken und kaufte für 100'000 Franken Aktien. Das Geld hat die Bio-Dachorganisation wohl abgeschrieben. So wie auch der Verein «Bärner Bio Bure» sein Aktienkapital abgeschrieben hat.

Die Bio Schwand AG steht nun offenbar vor dem Konkurs. Und Initiant Heinz Iseli? Der hat vor ein paar Jahren den 1790 erbauten herrschaftlichen Landsitz für etwas über 1 Mio Franken der Bio Schwand AG abgekauft.

Inforama Bio-Schule & Sigis Biohof Schwand

Die Bio Schwand AG ist nicht zu verwechseln mit Urs Siegenthalers «Sigis Biohof Schwand» und der Inforama Bio-Schule des Kantons Bern.

Diese sind auf dem Schwand eingemietet (Inforama Bio-Schule) respektive wirtschaften unabhängig («Sigis Biohof Schwand») von der Bio Schwand AG.

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