Welche Arten von Vlies gibt es und wie unterscheiden sich diese?

Iso Glünkin: Ein wichtiges Merkmal ist die Grammatur, also das Gewicht pro Quadratmeter. Der Standard liegt hier bei 19 Gramm. Beeren-Produzenten und Betriebe, welche das Vlies gerne für eine längere Zeitdauer brauchen möchten, verwenden häufiger Vlies mit 22 bis 23 Gramm pro Quadratmeter. Dieses Produkt ist stabiler, was vor allem ein Vorteil ist, wenn häufig ab- und wieder zugedeckt wird.

Gibt es weitere Unterschiede?

Ja, und zwar in der Herstellung. Ausgangsmaterial ist fast immer die Acrylfaser. Je nach Herstellungsprozess unterscheidet man zwischen flockigem oder brettigem Vlies. Flockige Vliese sind relativ anfällig, wenn beispielsweise bei Feuchtigkeit daran gezogen wird. Das brettige Vlies ist etwas teurer, dafür stabiler und somit langlebiger.

Wie viel Fläche ist in der Schweiz unter Vlies?

Es sind rund 800 ha mit Vlies bedeckt.

 

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«Zu dickes Vlies kann wärmebildende Strahlung abblocken»

Iso Glünkin, GVZ Rossat

 

Wie lange ist die durchschnittliche Lebensdauer eines Vlies?

Wir gehen von rund zwei Saisons aus, wenn vorsichtig mit dem Vlies umgegangen wird.

Was heisst vorsichtig umgehen genau?

Das Vlies muss trocken sein, wenn es eingeholt wird. Je breiter ein Vlies ist, desto mehr neigt es dazu, zu reissen. Auch ist es wichtig, dass es richtig beschwert wird und kein Wind unter das Vlies kommt. Zudem wird in der Praxis das Vlies sehr oft mit Erde beschwert. Das beansprucht und verschmutzt das Material. Für eine maximale Lebensdauer wäre es besser, UV-beständige Sandsäcke für die Beschwerung zu verwenden, was aber einen Mehraufwand bedeutet.

Was genau bringt das Vlies? Gibt es exakte Zahlen?

Wie viel ein Vlies genau bringt, hängt stark vom Wetter ab. Je nach Wind, Sonne oder Regen ist der Temperaturgewinn unterschiedlich. Ein Vlies wirkt aber in jedem Fall verfrühend. Es isoliert und verhindert so die Auskühlung des Bodens. Wenn es sehr kalt wird, kann es allerdings auch unter Vlies zu einem Frost kommen.

Wieso kann man nicht dickere Vliese nehmen, damit der Boden noch besser isoliert ist?

Es gibt einen Konflikt zwischen maximaler Isolation und maximaler Lichtdurchlässigkeit. Die Kulturen brauchen auch Licht für die Photosynthese und nicht nur eine hohe Temperatur. Wäre das Vlies noch dicker als 23 g/m2, so würde auch die wärmebildende Strahlung abgeblockt. In der Nacht soll das Vlies isolieren, tagsüber aber möglichst viel Strahlung durchlassen.

Wäre es auch lohnenswert, Vlies in herkömmlichen Ackerkulturen wie etwa Mais einzusetzen?

Das ist eine Kosten-Nutzen-Frage. Das Vlies würde zwar etwa im Zuckermais einen Mehrwert bringen, jedoch sind die Kosten im Normalfall zu hoch und der generierte Mehrertrag zu klein. Zudem gibt es hier andere Lösungen wie etwa den Anbau unter biologisch abbaubarer Mulchfolie.