Kurz & bündig

  • Auf dem Lindenhof in Dottikon AGwerden Frühkartoffeln undKarotten unter Vlies angebaut.
  • Beim Vliesen muss sorgfältig gearbeitet werden, damit die Bedeckung auch bei Wind und Wetter hält.
  • Die Investitionskosten betragen gut 1000 Franken pro Hektare.
  • Zum Abrollen hat Beat Meyer eine Heckschaufel zweckmässig umgebaut.

Bei Frühkartoffeln gibt es nur eine Devise: Richtig oder gar nicht», erklärt Landwirt Beat Meyer vom Lindenhof in Dottikon seine Strategie. Richtig, das heisst in seinem Fall: Das Saatgut wird professionell vorgekeimt.

Nach der Pflanzung Anfang März wird die Kultur sofort mit Vlies bedeckt. Sollte es zu trocken und eine Bewässerung nötig sein, wird das Vlies streifenweise entfernt, damit der Regner durch das Feld gezogen werden kann. Natürlich wird anschliessend wieder alles mit Vlies bedeckt.

Frühkartoffeln bergen auch ein Risiko

Bei den Frühkartoffeln ist es entscheidend, so früh wie möglich auf dem Markt zu sein. Insbesondere, wenn man wie Beat Meyer nicht an allerfrühester Lage in Dottikon produziert. Seit über 30 Jahren baut Beat Meyer Frühkartoffeln an. Ein Geschäft nicht ohne Risiko: «Es gibt Jahre, in denen wir froh sein müssen, wenn die Kosten gedeckt sind. Andererseits ist auch ein ansprechender Gewinn möglich, wenn es voll aufgeht», erklärt der Betriebsleiter.

Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass alles Menschenmögliche unternommen wird, damit er so früh wie möglich Frühkartoffeln bester Qualität auf den Markt bringen kann. Ein wichtiger Bestandteil ist das Decken der Kultur mit Vlies.

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Das Vlies wird mit der Eigenkonstruktion abgerollt

Nach dem Pflanzen der Kartoffeln erfolgt die Vorauflauf-Behandlung mit Herbizid. Danach decken Meyers Leute den Kartoffelacker mit Vlies. Die Vliesrollen umfassen jeweils ein Vlies von 200 m Länge und 13,5 m Breite. Zum Abrollen kommt eine Eigenkonstruktion zum Einsatz: Auf einer Heckschaufel hat Meyer zwei hydraulisch klappbare Stangen aufgebaut, so dass jeweils links und rechts der Fahrspur ein Vlies abgerollt werden kann.

Meyer ist es wichtig, dass der Traktor zum Abrollen der Vliesrollen nur zwischen den Reihen fährt, wo der Acker auch zum Spritzen befahren wird. Fahrgassen legt Meyer keine an.

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Vliesen bedeutet viel Handarbeit

Zwei Personen ziehen hinterher das Vlies in die Breite. Das Vlies deckt dann 16 Reihen ab. Richtig streng wird es erst nachher: Dort, wo die Vliese zusammenkommen, schaufeln die Angestellten Erde zur Befestigung auf das Vlies.

«Wir haben früher auch mit Sandsäcken gearbeitet. Diese litten aber unter der UV-Strahlung und wurden schnell spröde. Zudem war es logistisch ein ziemlicher Aufwand, die Sacksäcke über das ganze Feld zu verteilen», erinnert sich Meyer. So nimmt er in Kauf, dass das Vlies unter der Erde etwas leidet. Dennoch kann er ein Vlies durchschnittlich zwischen zwei und drei Saisons lang brauchen.

 

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«Bei Frühkartoffeln erträgt es keine Kompromisse»

Beat Meyer, Betriebsleiter Lindenhof

 

Vliesen ist grösstenteils Handarbeit und aufwändig. Beat Meyer rechnet damit, dass 150 Aren von sechs Personen in rund fünf Stunden fertig gedeckt werden können. «Wichtig ist aber auch, dass die Arbeit gut gemacht wird. Das Vlies muss sehr oft mit Erde beschwert werden. Sonst ist die Gefahr gross, dass Wind unter das Vlies gelangt und das Material entweder zerreisst oder einzelnen Bahnen abgedeckt werden», so Meyer.

Ein löchriges Vlies verursacht Mehraufwand

Abgedeckt wird die Kultur üblicherweise Anfangs Mai, wenn die erste Behandlung gegen die Kraut- und Knollenfäule ansteht. Auch das Abdecken will richtig gemacht sein. Wichtig ist insbesondere, dass das Vlies richtig trocken ist, wenn es aufgerollt wird. «Wenn ein Vlies beim Aufrollen noch feucht ist, klebt es richtig zusammen und verklumpt.» Dann wird das Vlies entweder für die nächste Saison eingelagert oder – wenn es schon älter ist und zahlreiche Löcher hat, beispielsweise von Wildtieren – entsorgt.

 

 

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Die wichtigste Lehre,die Beat Meyer im Umgang mit Vlies gemacht hat, ist folgende: «Ein Vlies muss gleich im ersten Anlauf richtig gut befestig werden. Sonst ist man den ganzen Frühling hindurch immer wieder am Flicken», sagt Meyer.

Früher hat er ein neues Vlies jeweils etwas länger gebraucht – drei bis vier Saisons. Heute entsorgt er die Rollen früher. «Lädierte oder löchrige Vliese sind anfälliger und verursachen Mehraufwand. Da fahren wir besser, wenn wir intaktes Vlies einsetzen und dadurch weniger Arbeit haben», so Meyer.

 

Auch die Karotten wachsen unter dem Vlies

Nebst den Frühkartoffeln kommt auf Meyers Betrieb das Vlies auch bei den Karotten zum Einsatz. Beat Meyer rechnet fest damit, auch in Zukunft Karotten und Frühkartoffeln unter Vlies anzubauen. «Wir werden weiterhin produzieren, was am Markt gefragt ist. Sollte sich das ändern, wäre ein Verzicht auf Vlies für uns kein Problem. Die Investitionskosten sind mit gut 1000 Franken Materialaufwand pro Hektare nicht wahnsinnig hoch», erklärt Beat Meyer.

 

Betriebsspiegel Lindenhof

Betriebsleiter Beat und Isabelle Meyer, Dottikon (Aargau)

Fläche: 60 ha

Kulturen: Zwiebeln, Karotten, Randen, Kartoffeln

Tierbestand: 10 Mutterkühe (Simmentaler)

Mitarbeiter: Rund 10 Personen

www.lindenhofgemuese.ch