Kurz & bündig
-Viel Werkstatt-Einrichtung und Vorratslager sind teuer und lohnen sich nicht.
-Praktische Werkzeuge wie Akku-Geräte erleichtern dagegen die Arbeit.
-Regelmässige Wartungs- und Pflegearbeiten an Landmaschinen können mit wenig   Werkstatt-Einrichtung gemacht werden.
-Mit guter Pflege können Reparaturen vermieden werden.

Eine tolle Werkstatt freut die meisten Landwirte. Gross, hell, beheizt – und viele Gerätschaften lassen das Herz höher schlagen. Und man ist nie fertig eingerichtet, immer wieder findet sich praktisches Werkzeug, auf das man nicht verzichten möchte. Man könnte täglich viel Geld in eine Hofwerkstatt stecken.

Aber es geht auch einfacher: «Ein heutiger, moderner Landwirt braucht keine grosse Werkstatt-Einrichtung», sagt Michael Häfeli. Er ist am Schluechthof in Cham ZG Lehrer und Berater für die Mechanisierung.

Mit Wartung und Pflege Reparaturen vermeiden

Wer bei der Mechanisierung Geld sparen will, kann dies in vielen Bereichen tun, wozu keine grosse Einrichtung notwendig ist. Beispielsweise Fahrzeugbeleuchtungen Instand halten, Lager schmieren, den Kühler ausblasen oder weitere regelmässige Kontroll- und Wartungsarbeiten gemäss Betriebshandbuch durchführen. Macht man dies seriös, können spätere Reparaturen verhindert werden.

Michael Häfeli empfiehlt auch, keine grossen Fässer mit Motoren-, Getriebe- und Hydrauliköl zu horten, deren Inhalt verfällt, noch bevor das halbe Fass aufgebraucht ist. Das gleiche gilt für überbordende Eisen- und Schraubenlager: «Hier wird viel Geld investiert, ohne dass man dabei einen Nutzen hat.»

Michael Häfeli sagt dies in der Hofwerkstatt von Landwirt Ruedi Schelbert in Islikon bei Hagendorn ZG. Auf dem Pachtbetrieb wurde die Werkstatt im Jahr 2016 neu aufgebaut und eingerichtet. Eine grosse stabile Werkbank steht zur Verfügung und in massiven Schubladen sind Maschinen, Werkzeug und Verschleissmaterial wie Trennscheiben ordentlich aufbewahrt. An der Wand sind Schraubenschlüssel, Zangen, Feilen und weitere Werkzeuge deponiert. «So habe ich einen guten Überblick und sehe sofort, wenn etwas fehlt», so Ruedi Schelbert. Gegenüber der Werkbank hat es ein grosses Lager mit Schrauben. Stahl und Schweissanlagen für Reparaturen sind ebenfalls vorhanden. In dieser Werkstatt würde sich noch mancher Maschinen-Freak wohl fühlen.

Viel Material, das nicht mehr benötigt wird

Ruedi Schelbert will seine Werkstatt jedoch reduzieren: «Eigentlich habe ich zu viel Ware, die rumsteht und die ich zu wenig benötige.» Ein Kessel mit Schmierstoff, welcher mit Druckluft betätigt wird, steht auch noch rum. «Den brauche ich nicht mehr. Mit der Akku-Fettpresse geht das Schmieren leichter und dank Patronen sauberer. Der Vorteil überwiegt, auch wenn der Schmierstoff im Kessel günstiger ist als in Patronen», sagt Schelbert. Die Ölfässer will er nicht mehr ersetzen und bloss noch wenige Liter an Lager haben. So kann er bei einer Niveaukontrolle bei Bedarf nachfüllen.

Hier hat Michael Häfeli vom Schluechthof einen Tipp. Er empfiehlt, einige Liter Öl in einem Kleingebinde beim Landmaschinenhändler zu besorgen. Da habe man die grösste Sicherheit, dass das Öl nicht bereits gealtert sei und auch den hohen Qualitätsanforderungen der modernen Landmaschinen entspreche.

«Viele Landwirte nehmen sich zu viel vor, was sie in der eigenen Werkstatt selbst erledigen möchten und das nur, um Kosten bei der Landmaschinenwerkstatt zu sparen», sagt Landtechnikberater Michael Häfeli. Wenn man sich aus diesem Grund viel Werkzeug und Gerätschaften kauft, geht die Rechnung meistens jedoch nicht auf. Vor allem dann nicht, wenn man noch die für das Kerngeschäft verloren gegangene Arbeitszeit auf dem Hof und die verkürzte Freizeit dazurechnet.

Der Service eines heutigen Traktors muss ohnehin in der Landtechnikwerkstatt durchgeführt werden. Dies ist schon allein aus Garantiegründen notwendig. Die Servicekosten beim Händler lassen sich also nicht mit eigener Arbeit in der Hofwerkstatt vermeiden.

Praktische Helfer in der Werkstatt braucht man regelmässig

In der Runde in Ruedi Schelberts Werkstatt ist auch Ueli Rolli zugegen. Er ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Berweger GmbH in Uerzlikon ZH. Das Unternehmen hat ein grosses Produktangebot für Landwirte von der Werkstatt bis zur Tierhaltung.

Bei Produkten für die Hofwerkstatt zeigt sich klar, dass Landwirte qualitativ gute Einrichtungen installieren. Ein typisches Beispiel ist der eingangs erwähnte Schlauchroller für den Druckluftschlauch. «Immer mehr Landwirte investieren in solche Hilfsmittel. Ein Druckluftschlauch ist so jederzeit rasch verfügbar und man kann sofort mit der Arbeit beginnen, anstatt einen Schlauch von Hand auszurollen. Dadurch kann man beispielsweise leicht einen Kühler reinigen. So macht man die Arbeit gerne. Wenn man zuvor einen Schlauch ausrollen muss, lässt man es vielleicht bleiben», so Ueli Rolli.

Auf die Frage nach seinen wichtigsten Werkzeugen, reiht Ruedi Schelbert seine Akku-Geräte auf der Werkbank auf. «Dank Akku-Geräten spare ich sehr viel Zeit. Man muss nicht vorgängig eine Kabelrolle installieren, beispielsweise bei einer kleinen Reparatur beim Siloentnahmegerät oder bei einer Halterung bei der Stalleinrichtung, fernab einer Steckdose.»

Akku-Geräte werden in der Landwirtschaft immer beliebter

Der Nutzen von Akku-Geräten ist bei den Landwirten angekommen. «Akku-Geräte sind sogar sehr beliebt. Fettpressen, Bohrmaschinen, Schlagschrauber und Winkelschleifer sind die häufigsten Funktionen. Die Akkus können innerhalb einer Marke an verschiedenen Geräten eingesetzt werden. Zudem sind die Schnittstellen verschiedener Hersteller zum Teil kompatibel», so Ueli Rolli von der Berweger GmbH.

Werkstatt ist kein rentabler «Betriebszweig»

Ein Landwirt kann mit einer Werkstatt eigentlich nichts verdienen, sie ist kein Betriebszweig. Es sei denn, man erledigt darin noch Aufträge für Dritte, aber dann hat man ein Problem wegen der Zonenkonformität. Eine Hofwerkstatt muss vor allem dazu dienen, die Maschinen zu unterhalten und so Schäden zu vermeiden.

Es ist also sinnvoll, beispielsweise eine Zapfwelle regelmässig zu kontrollieren, korrekt zu warten, zu schmieren und darauf zu achten, dass alle Schutzteile vorhanden sind. Vielmehr als eine Fettpresse, einen Schraubenzieher und einen Hochdruckreiniger braucht es dazu nicht. Kann dadurch ein Schaden vermieden werden, kommt es zu keinem Maschinenausfall und eine neue Zapfwelle mit einem Preis um 600 Franken muss auch nicht gekauft werden. Investiert man für jede Zapfwelle jährlich eine Stunde in der Werkstatt, kann man möglicherweise Kosten für eine neue Zapfwelle vermeiden.

So gesehen kann man in der Werkstatt dann doch einen Verdienst erzielen, indem man mit einfachem Werkzeug einen Schaden mit Kostenfolge vermeidet.

Keine Zeit, um in der Werkstatt zu arbeiten

Ruedi Schelbert wollte in der neuen Werkstatt ursprünglich viel selbst machen. An der Decke hängt beispielsweise ein Kran. Er könnte damit schwere Maschinenteile ausbauen, wie man dies bei Landtechnikwerkstätten sieht. Es ist nicht so, dass Schelbert dies nicht könnte. Aber es zeigt sich, dass Werkstattarbeiten zeitlich meistens gar nicht machbar sind und die übrige Arbeitsbelastung auf dem Betrieb mehr als genug ist.

Ruedi Schelbert hat seine Tätigkeit in der Werkstatt überdacht und will sich auf die erwähnten Unterhalts- und Pflegearbeiten beschränken. Natürlich wird er ab und zu auch etwas Schweissen. Den Schraubenvorrat wird er jedenfalls nicht mehr im gewohnten Umfang erhalten. Bei Bedarf wird er Schrauben gezielt kaufen und nur so viele, wie er wirklich braucht.

Kartonweise Schrauben ans Lager zu nehmen lohnt sich nicht, wenn man zwei, drei benötigt und der Rest lange liegen bleibt; und das noch in jeder denkbaren Dimension. Diesem Umstand kommt beispielsweise die Berweger GmbH entgegen und bietet deswegen qualitativ hochwertige Schrauben auch einzeln an.

Mit der Werkstatt den Betrieb am laufen halten

Auf gutes Werkzeug und seine Werkstatt kann Ruedi Schelbert dennoch nicht verzichten. Er setzt den Schwerpunkt jedoch bei den Betriebseinrichtungen, die er für seine 60 Mutterkühe und 15 Pensionspferde benötigt. «Hier gibt es immer etwas Instand zu setzen. Sei es beim Fressgitter, bei der Schieberentmistung, der Silofräse oder sonstigen Einrichtungen. Hier kann man mit handwerklichem Geschick viel selber machen und meistens muss man auch rasch handeln, da die Einrichtungen täglich funktionieren müssen.»

Jeder Betrieb hat verschiedene Maschinen und Einrichtungen. Bei der Werkstatt lohnt es sich so einzurichten, dass die wichtigsten Arbeiten und Reparaturen gemacht werden können. Wer auf zusätzliches Equipment verzichtet, kann viel Geld sparen.