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Herbstgras-Silage jetzt füttern

Herbstgras-Silage unterscheidet sich deutlich von normaler Silage. Andreas Scheurer von der HAFL erklärt, worauf man bei der Fütterung achten muss, damit die Tiergesundheit keinen Schaden nimmt.


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Kurz & bündig

  • Herbstgras-Silage hat einen tieferen Zucker- und einen höheren Proteingehalt.
  • Dadurch säuert die Silage schlechter an und die Gefahr einer Nacherwärmung der Silage steigt.
  • Deshalb sollte Herbstgras-Silage an kalten Tagen gefüttert werden.
  • Herbstgras-Silage hat weniger Struktur und einen tieferen TS-Gehalt.
  • Herbstgras-Silage sollte mit einem strukturreichen Futter gemischt werden, um die Passagerate zu bremsen (Dürrfutter, Maissilage, Grünschnittmais, strukturreiche Silage aus dem Frühling).
  • Eingrasen von Herbstgras ist eine gute Alternative zur Herbstgras-Silage.

Herbstgras-Silage ist schwierig zu konservieren

Im Moment sieht man sie in grosser Zahl: Aufgetürmte Siloballen. Nicht etwa schön in Reih und Glied aufgestapelt, wie die formstabilen Ballen aus dem Frühling und Sommer. Sondern Siloballen-Türme aus unförmigen Ballen, aus denen zum Teil Flüssigkeit austritt. Die Rede ist von der Herbstgras-Silage.

Laut Fütterungsexperte und Landwirt Andreas Scheurer lässt sich Herbstgras deutlich schlechter konservieren als anderes Gras. «Herbstgras hat weniger Zucker, damit haben die Bakterien, welche Milchsäure produzieren sollten, weniger Futter», sagt Scheurer. «Zum anderen hat der oft höhere Proteingehalt eine puffernde Wirkung.» Das sind schon zwei Faktoren, die bewirken, dass die Silage nicht so schnell ansäuert.

Wenn die Silage zu wenig angesäuert wird, kann das eine Nacherwärmung geben. Scheurer erklärt: «Bei einer Nacherwärmung werden die Mikroorganismen wieder aktiv, vor allem Hefen.» Durch die Erwärmung gehen Nährstoffe verloren. «Solche Ballen sollte man jetzt im Winter an kalten Tagen füttern», rät Scheurer, «dann kommt es zu weniger Problemen bei der Nacherwärmung.» Ausserdem sollte man die Ballen nicht zu lange geöffnet stehen lassen und rasch verfüttern.

Herbstgras-Silage hat wenig Struktur und tiefe TS-Gehalte

Neben dem tieferen Zucker- und dem höheren Proteingehalt unterscheidet sich Herbstgras auch im Rohfasergehalt und in der Struktur. Meistens seien die Bedingungen für das Graswachstum im Herbst ideal: Der Boden ist noch warm, damit funktioniere die Stickstoff-Nachlieferung sehr gut. Und in der Regel hat es im Herbst auch wieder genug Wasser. «Die Boden-Mikroben sind im Herbst aktiv, die Prozesse laufen sehr gut ab», sagt Scheurer.

In der Folge wächst Herbstgras schneller und verholzt weniger, damit hat das Gras weniger Struktur. «Die TS-Gehalte bei normaler Silage liegen bei etwa 35 Prozent. Bei der Herbstsilage sind es dagegen 20 bis 25 Prozent.» Die Bandbreite könne auch grösser sein, je nach Zusammensetzung des Bestandes. Bei einer Mischung mit Luzerne wird der TS-Gehalt der Herbstsilage höher ausfallen als bei Mischungen mit vorwiegend Italienischem Raigras. «Aber die Wetterbedingungen beim Silieren sind vor allem relevant.»

Mit strukturreichem Futter die Passage-Rate bremsen

Bei tiefen Fasergehalten wird die Wiederkautätigkeit zum Thema. «Wobei diese auch bei Sommersilage ein Thema sein kann.» Herbstgras mit wenig Struktur muss weniger wiedergekaut werden und gehe sehr schnell durch das Tier hindurch, die Passagerate ist erhöht. «Das ohnehin schon weniger gehaltvolle Futter wird so schlechter ausgenützt, weil die Mikroorganismen nicht genug Zeit für die Fermentation des Futters haben.»

Doch wie setzt man die Herbstgras-Silage in der Fütterung richtig ein? «Am besten mischt man sie mit strukturreichem Futter, welches die Passagerate etwas bremst», sagt Scheurer. «Also mit Dürrfutter, Maissilage, Grünschnittmais oder mit stukturreicherer Silage aus dem Frühling.»

Maissilage sei nicht nur wegen der Fasern eine gute Mischkomponente, sondern auch wegen des hohen Energiegehaltes (Stärke). Mit Maissilage könne man die schlechteren Zuckergehalte der Herbstgras-Silage ergänzen.

Die Herbstgras-Silage sei aber nicht grundsätzlich schlecht. Andreas Scheurer erklärt: «Der Futterwert ist einfach geringer wegen der tieferen Gehalte, der höheren Passagerate und des Gärsaftverlusts.»

«Heikel wird es aber, wenn man verschmutztes Futter hat», sagt Scheurer. Bei neuangelegten Kunstwiesen gelange zum Beispiel häufig Erde in das Mähgut, weil der Boden noch nicht so rückverfestigt sei, wie bei älteren Kunstwiesen.

Zusätzlich hat man im Herbst auch mehr Wurmerde an der Oberfläche. «Und oft klebt die Erde gut am Gras, weil es im Herbst grundsätzlich feuchter ist als im Sommer und der Nebel auch noch seinen Teil dazu beiträgt.»

Erde in der Silage kann zu Buttersäure-Gärung führen

Doch wie wirkt sich die Erde im Futter auf die Tiergesundheit aus? «Für die Kuh ist das unverdaulich», sagt Scheurer. Erde in der Silage verdünne die Silage noch mehr. Man sehe das im Roh-Asche-Gehalt. «Bei mehr als 11 Prozent Roh-Asche pro Kilogramm Trockensubstanz hat man wahrscheinlich Erde im Futter.»

Mit der Erde nimmt man auch Buttersäure-Bakterien auf. Diese Bakterien können sich, wegen des hohen pH-Werts, gut vermehren und produzieren stinkende Buttersäure.

Erschwerte Produktionsbedingungen im Herbst

Die Herausforderungen bei der Fütterung des Herbstgrases im Winter folgen auf eine meistens erschwerte Futterernte im Herbst. Wer kennt es nicht: Es ist Herbst, wüchsiges Wetter, das Gras wächst und wächst. Man stellt sich die Frage: Nochmals Mähen und Silieren? Weiden? Gras zu hoch stehen lassen und Mäuse in Kauf nehmen?

«In Beständen wie Neusansaaten, wo die Verschmutzung ein Thema sein könnte, sollte man die Schnitthöhe hoch einstellen und in Kauf nehmen, dass es einen weniger grossen Schnitt gibt», empfiehlt Scheurer. «Die Regel besagt, dass man einen Bestand fausthoch einwintern soll», sagt Scheurer, «aber im Zweifelsfall geht man besser auf 10 cm oder noch höher.» Das Mähgut bleibe dann auf den Stoppeln liegen und werde so etwas besser unterlüftet und weniger verschmutzt.

Es lohne sich auch, einen Mähaufbereiter einzusetzen, der das Gras breit ablegt. «Das Mähgut welkt besser an und man muss weniger zetten.» Generell: «Das Gras sollte nach dem Mähen möglichst wenig bewegt werden, denn bei jeder Durchfahrt mit dem Kreiselheuer nimmt man wieder Erde mit.»

Die Pflanzen welken im Herbst viel weniger schnell an und veratmen dadurch Zucker. «Das Mähgut sollte man deshalb nicht zu lange liegen lassen», sagt Scheurer.

Kombinierte Silierzusätze sindhilfreich bei TS-Gehalten über 25 %

Silierzusätze seien eine Möglichkeit dem geringeren Zuckergehalt und der schlechteren Silierfähigkeit entgegenzuwirken: «Aber Silierzusätze mit ausschliesslich Bakterien bringen nicht viel, weil wegen des tieferen Zuckergehaltes die Nahrung für die Bakterien so schon knapp ist.»

Scheurer empfiehlt, bei Herbstgras kombinierte Zusätze einzusetzen. Das seien Bakterien mit Nährsubstrat. Das bringt aber nur etwas, wenn der TS-Gehalt über 25 Prozent liegt. Ansonsten fliesst der Zucker des Nährsubstrates mit dem Gärsaft ab und bringt den Milchsäurebakterien nichts. Eine weitere Möglichkeit wären rein chemische Zusätze, wie Säuren oder Siliersalze. Diese Variante hat den Vorteil, dass sich die unerwünschten Keime (Buttersäurebakterien) nicht vermehren können.

Eingrasen ist sinnvoll, um das Herbstgras zu nutzen

Bei der Ernte, wie auch der Konservierung und Fütterung von Herbstsilage muss man vieles beachten und so einiges kann schief gehen. Gibt es eine Möglichkeit, Herbstgras zu vermeiden? «Je nach Wetter und Pflanzenbestand kann man die Grünflächen mit Rindern oder Schafen überweiden», sagt Scheurer. Bei Neuansaaten gehe dies oft nicht, die Grasnarbe ist zu wenig tragfähig.

Was man noch häufig sehe, ist das Eingrasen von Herbstgras. «Das ist eine hervorragende Möglichkeit, Herbstgras sinnvoll zu nutzen», sagt Scheurer. Das Gras sei frisch und es brauche keine Konservierung.

Aber auch dort gilt: «Nicht allzu tief mähen, nur so viel mähen, dass das Gras noch am gleichen Tag gefressen wird und ergänzen mit Dürrfutter, Maissilage oder Grünschnittmais.»

Zur Person

Andreas Scheurer arbeitet an der Hochschule für Agrar- Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gruppe Tierernährung.

Scheurer bewirtschaftet einen Bio-Betrieb mit Mutterkühen und Ackerbau (Weizen, Mais, Speisesoja und Karotten) im Berner Seeland in Kallnach. Er ist 42 Jahre alt und Vater von zwei Kindern.

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