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Dank Nmin-Proben gezielter düngen

Mit Hilfe der Bestimmung des pflanzenverfügbaren Stickstoffes im Boden lässt sich bedarfsgerechter düngen und die Auswaschung von Nitrat vermindern. Der Nmin-Gehalt wird mit Bodenproben aus drei Horizonten bestimmt.


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Kurz & bündig

  • Nmin ist der Stickstoff im Boden, der den Pflanzen verfügbar ist.
  • Nmin hängt stark von der Vorfrucht, dem Bodentyp und dem Wetter ab.
  • Der Zeitraum zwischen Probenentnahme und Düngung muss möglichst kurz sein.
  • Das «A und O» der Nmin-Methode ist die korrekte Probeentnahme.
  • Bei Braugerste geht es nicht ohne Nmin-Probe.
  • In Deutschland schreibt die Düngerverordnung vor, den Nmin-Wert bei der Düngerplanung zu berücksichtigen.

Nmin steht für mineralisierten Stickstoff, der den Pflanzen im Boden direkt zur Verfügung steht. Er stammt vor allem aus mikrobiellem Abbau organischer Substanz und der Düngung der Vorfrucht. Wer bedarfsgerecht düngen will, muss wissen, wie viel Nmin schon im Boden vorhanden ist.

Ist viel Nmin im Boden vorhanden, besteht die Gefahr, dass der Stickstoff ausgewaschen wird und Grundwasser sowie Gewässer belastet. Zu wenig mineralisierter Stickstoff beeinträchtigt das Wachstum der Pflanzen.

Während in Deutschland die Landwirte den Nmin-Gehalt des Bodens aus Gewässerschutz-Gründen berücksichtigen müssen, scheint die sogenannte Nmin-Methode in der Schweiz eher an Bedeutung zu verlieren.

Den mineralisierten Stickstoff mit Bodenproben bestimmen

Zur Bestimmung des Nmin-Gehaltes dienen Bodenproben, die der Landwirt an ein regionales Bodenlabor einschickt. Zur Entnahme der Probe dient ein Bohrstock, den der Landwirt oder der Probennehmer bis zu 90 cm Tiefe in den Boden schlägt. Die Bodenprobe wird in verschiedene Tiefenniveaus oder Horizonte unterteilt, in die Niveaus 0 bis 30 cm, 30 bis 60 cm und 60 bis 90 cm.

«Für jede Bodenprobe soll ein separater Eimer verwendet und pro Parzelle sollen je nach Feldgrösse 12 bis 20 Einstiche gemacht werden», empfiehlt Joe Santo, Geschäftsführer von bodenproben.ch.

Professionelle Probennehmer verwenden maschinelle, hydraulische Entnahmeverfahren. Wichtig ist, dass die Proben sofort nach der Entnahme in das Labor gebracht oder auf 2 bis 4 Grad gekühlt werden, da sonst die Mikroorganismen aktiv sind und der Nmin-Wert ansteigt.

Der Nmin-Gehalt ändert je nach Wetter und Bodenart rasch

Früher hätten die Landwirte viel häufiger Bodenproben auf Nmin untersuchen lassen als heute, ist von verschiedenen schweizerischen Bodenlabors zu erfahren. Der Grund für das abnehmende Interesse liege darin, dass der Nmin-Gehalt ein momentaner Wert sei, der sich je nach Bodenart und Wetter schnell ändern könne.

Der Zeitraum zwischen Probeentnahme und Düngung muss deswegen möglichst kurz sein. In moorigen Böden kann bei warmem Wetter selbst in kurzer Zeit viel Stickstoff mineralisieren.

Die Landwirte, welche die Methode verwenden, möchten sie allerdings nicht missen. «Es ist gespartes Geld», hält Landwirt Hans Engeli aus Friltschen TG fest.

Ihm nützt die Bodenprobe vor allem für die erste Düngung im Frühling und gibt ihm einen Anhaltspunkt, wenn er nicht weiss, wie viel Stickstoff aus der Vorfrucht im Boden vorhanden ist. Obwohl Engeli seine Böden gut kennt, wendet er die Methode an. Nicht zuletzt auch, um seinem Lehrling zu zeigen, wie sich der Nährstoffgehalt des Bodens ändert.

«Wir lassen im Frühling von unseren Aussendienstmitarbeitern Proben in ihren Regionen stechen», heisst es beim Landor-Infoservice Düngung in Birsfelden BL. Die Proben sollen den Landwirten Anhaltspunkte geben, wo der Nmin-Gehalt in etwa liegt. Dies ist aber nur eine sehr grobe Einschätzung der allgemeinen Situation.

Die Bemessung der Stickstoffgaben basiert auf der Agroline-Düngerplanung, die auf dem Nährstoffbedarf der Kulturen sowie auf den Nährstoff-Rückständen der Vorfrucht gemäss der Grundlagen für die Düngung GRUD-2017 von Agroscope aufbaut, erklärt Hans Hirschi vom Landor-Beratungsdienst.

Frank Liebisch, Leiter der Forschungsgruppe Gewässerschutz und Stoffflüsse bei der Agroscope in Reckenholz, sieht die Nmin-Methode als ein sinnvolles Tool der Düngeplanung. Allerdings seien die Bodenproben mit einigem Aufwand verbunden, sie kosten Zeit und Geld. «Man macht sie immer seltener, aber sie wären gute fachliche Praxis», stellt er fest.

Für Christian Ramseier von der IG Mittellandmalz ist die Nmin-Methode ein zentrales Werkzeug zur Sicherung der Qualität der Braugerste. Bei zu hohen Stickstoffgaben überschreitet der Eiweissgehalt der Gerste den erlaubten Höchstwert und diese eignet sich nicht mehr zum Vermälzen. Aus diesem Grund nimmt die IG bei allen Produzenten Nmin-Proben.

Es lässt sich damit aber auch Dünger sparen. «Die Landwirte sind oft erstaunt, wie viel Stickstoff im Boden vorhanden ist», sagt Ramseier. Der Preis für die Analyse der Bodenprobe von 45 Franken lässt sich schon dadurch kompensieren, dass man 100 kg weniger Ammonsalpeter/ha ausbringt. Ist der Herbst warm und der Winter trocken, dann werde kaum Stickstoff aus dem Boden ausgewaschen und es sei manchmal sogar kein N-Dünger notwendig, so Ramseier.

Die Nährstoffbilanz ersetzt Nmin-Methode nicht

In der Schweiz gibt es kein Obligatorium für die Nmin-Methode, ist von Samuel Vogel vom Bundesamt für Landwirtschaft zu erfahren. Als Kontrollinstrument einer ausgeglichenen Düngung gilt die gesamtbetriebliche Nährstoffbilanz, die sogenannte FlüssigkeitSuisse-Bilanz.

Allerdings gibt diese keine Gewähr dafür, dass nicht einzelne Parzellen mit Stickstoff über- bzw. unterversorgt werden. Zwar schreibe der ökologische Leistungsnachweis ÖLN vor, mindestens alle zehn Jahre Bodenproben zu ziehen. Aber diese dienten dazu, den Phosphor- und Kalium-Gehalt zu kontrollieren, nicht aber den Stickstoffgehalt, erklärt Vogel.

Der Nitratgehalt im Trinkwasser werde von den kantonalen Behörden überprüft. Es müssen die Vorgaben gemäss Gewässerschutz-Verordnung eingehalten werden. Sind die Werte zu hoch, ergreifen die Kantone Massnahmen. Gemäss «Gewässerschutzprogramm Landwirtschaft» nach Artikel 62a des Gewässerschutzgesetzes entschädigt der Bund erforderliche Massnahmen der Landwirtschaft finanziell.

Deutsche Landwirte haben andere Verpflichtungen

In Deutschland verpflichtet die Düngerverordnung seit 2017 die Landwirte dazu, entweder eigene Nmin-Proben zu ziehen und analysieren zu lassen oder ihre Düngung auf Durchschnittswerte der Region abzustellen.

Letzte werden in Baden-Württemberg vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe zur Verfügung gestellt. Dieses berechnet die Werte auf Grund von jährlich etwa 25'000 Proben, die zwar anonymisiert sind, aber sich den verschiedenen klimatisch unterschiedlichen Regionen zuordnen lassen.

Die Probe liefert auch eine N-Dünger-Empfehlung

Tobias und Thomas Dreher, beide studierte Agraringenieure, bewirtschaften bei Bad Saulgau in Süddeutschland einen Betrieb mit 150 ha Ackerland und 100 ha Grünland. Sie lassen die Bodenproben von einem benachbarten Landwirt ziehen, der sie an ein Bodenlabor einschickt.

Dieses Labor liefert ihnen nicht nur den Nmin-Gehalt, sondern berechnet zusätzlich aufgrund des dreijährigen Ertragsdurchschnittes, der Bodenart, der Vorfrucht und deren Düngung eine N-Dünger-Empfehlung.

«Wir halten uns an die Dünger-Empfehlung», sagt Thomas Dreher, der für den Feldbau zuständig ist. Indem die Düngerberechnung den Nmin-Gehalt berücksichtigt, lässt sich einerseits Dünger sparen, andererseits berechtigt dies zu Ausgleichszahlungen aufgrund der baden-württembergischen Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung SchALVO. Denn die Felder befinden sich alle in der Schutzzone 3 eines grossen Wasserschutzgebietes.

Selbst wenn die Landwirte nicht von Gesetzes wegen verpflichtet wären, auf den Nmin-Gehalt ihrer Böden abzustellen, würden sie Nmin-Proben nehmen, erklärt Thomas Dreher. Die Erträge zeigten, dass es nicht nötig ist, mehr als nach der Nmin-Dünger-Empfehlung zu düngen. Drehers halten Einsparungen von 50 bis 80 kg N/ha und Jahr für möglich, das entspricht 200 bis 300 kg Ammonsalpeter, den sie für 22 Euro/100 kg einkaufen. Sie sparen also etwa 44 bis 66 Euro je Hektare.

Die Kosten der Probeentnahme und Analyse sind sehr tief, sie liegen bei 22 Euro je Probe. Vermutlich wegen staatlicher Förderungen und der Bereitstellung von Sammelstellen durch die BayWa – diese entspricht der schweizerischen Landi.

«Wir haben praktisch keine Brache», sagt Thomas Dreher weiter. Die Nmin-Proben zeigen ihm, dass er mit konsequenter Gründüngung den Stickstoff über den Winter binden kann. Im Frühling arbeitet er die Gründüngung mit der Scheibenegge ein und füttert damit die Mikroorganismen, die ihrerseits der neuen Saat mineralisierten Stickstoff zur Verfügung stellen.

Die Proben mit dem Labor zu organisieren, spart Geld

Joe Santo von bodenproben.ch empfiehlt den Landwirten, die Bodenprobe-Entnahme gemeinsam mit dem Bodenlabor zu organisieren, um die Anfahrtswege zu reduzieren. Hier lasse sich Geld sparen.

Proben von allen drei Horizonten kosten 150 Franken und beinhalten sowohl das Stechen an mehreren Stellen als auch die Analyse der Proben. Oftmals übernähmen bei einer organisierten Nmin-Tour ebenfalls daran interessierte Firmen oder Beratungszentren die Kosten für Anfahrt und Transport der Proben.

Professionelle Probenehmer können dank GPS den Nmin-Gehalt immer an genau derselben Stelle messen und sie müssen die Proben nicht «manipulieren». Die schmale Stechnadel entnimmt nur so viel Erde, wie eingeschickt werden kann.

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