Kurz & bündig
- Rotlauf-Erreger können praktisch überall vorkommen.
- Konsequente Hygiene und Impfung des Tierbestandes senken das Risiko für Rotlauf-Symptome.
- Die Diagnosestellung und Therapie erfolgt nur sicher durch den Tierarzt.
- Stress (z.B. Wetterumschwung) fördert das Ausbrechen von Rotlauf-Symptomen.

In zwei Wochen sollten 16 seiner 60 Muttersauen abferkeln, als der Landwirt bemerkte, dass ihre Fresslust spürbar zurückgegangen war. An diesem Abend hatte ihn das Verhalten jedoch noch nicht stark beunruhigt. Denn es war ein sehr heisser Sommertag und eine kurzzeitige verminderte Futteraufnahme wäre durchaus normal gewesen.

Als der Tierhalter am nächsten Morgen den Stall betritt, muss er feststellen, dass eine hochtragende Sau verstorben ist. Es war eine ältere, schwere Sau und die Vermutung lag nahe, dass sie aufgrund des heissen Wetters einem Kreislaufkollaps erlegen war. Ohne von einem Tierarzt eine Sektion durchführen zu lassen, liess er sie entsorgen.

Kein Interesse am Futter, hohes Fieber und weitere Todesfälle

Weiterhin zeigten einige Sauen kein Interesse am Futter. Dieses Verhalten konnte der Landwirt aber nicht mehr nur den heissen Temperaturen zuschreiben. Er nahm ein Fieberthermometer und musste bei den liegenden Sauen Temperaturen von 40 Grad und höher feststellen. Daraufhin behandelte er die kranken Sauen mit Penizillin und einem Schmerz- und Entzündungshemmer. Ausser der Fressunlust und vermehrtem Liegen zeigten die Sauen keinerlei Symptome. Am nächsten Morgen musste der Tierhalter jedoch feststellen, dass zwei weitere Sauen verstorben waren. Eine hatte am Tag zuvor kein Fieber und sogar noch gefressen. Im Stroh entdeckte er, nicht weit von den zwei verstorbenen Sauen entfernt, Abortmaterial inklusive toter Ferkel.

Wegen der Aborte braucht es intensive Abklärungen

Daraufhin meldete er sich beim SGD, eine Tierärztin fuhr noch am gleichen Tag zu dem Betrieb. Da es mehr als einen Abort in diesem Bestand innerhalb von vier Monaten gab, musste die Tierärztin laut Tierseuchenrecht zur Abklärung von Abortursachen Proben nehmen (Art. 129 der Tierseuchenverordnung). Beide Sauen wurden von der Tierärztin seziert. Augenscheinlich konnte bei der Sektion keine Todesursache gefunden werden.

Von der unbehandelten Sau wurden Blut, Organe (Leber, Milz, Niere, Lymphknoten und Lunge) und auch Abortmaterial sowie Föten entnommen und zur Untersuchung eingeschickt. Ausserdem wurde Futter, Stroh und Wasser eingeschickt.

Der Betrieb hat neben 60 Muttersauen, einem Eber und ca. 200 Absetzferkeln auch Mutterkühe und Schafe. Die Remonten werden deckfähig zugekauft und nach dem ersten Abferkeln in die Grossgruppe integriert. Die Sauen werden künstlich besamt.

In den ersten Lebenstagen bekommen die Ferkel die Zähne geschliffen, eine Eiseninjektion und Toltrazuril (Kokzidiose-Prophylaxe) über das Maul verabreicht. Die männlichen Ferkel werden unter Schmerzausschaltung kastriert und alle Ferkel gegen Circoviren und Lawsonien geimpft.

Die Zuchtauswertungen waren bisher zufriedenstellend für den Landwirt. Der Tierbehandlungsindex war gering.

Was ist Rotlauf?
Erysipelothrix rhusiopathiae ist der weltweit verbreitete Erreger der Rotlauf-Erkrankung. In der Umwelt ist er äusserst widerstandsfähig und überlebt im Boden bei Kälte und hoher Feuchtigkeit und selbst in gesalzenen, gepökelten oder geräucherten Lebensmitteln während mehreren Monaten. Der Erreger wird von betroffenen Tieren u.a. über Kot und Urin ausgeschieden und gelangt so in den Boden. Tiere untereinander können sich über direkten Kontakt anstecken. Eine Ansteckung des Menschen erfolgt meist über kleine Hautverletzungen. Die Erkrankung beim Schwein kann in zwei Verlaufsformen unterteilt werden.

Akute Verlaufsform
- Aborte können in allen Trächtigkeitsstadien auftreten, meist sterben alle Föten gleichzeitig aufgrund des hohen Fiebers ab.
- (Typischer) Hautrotlauf mit charakteristischen backsteinförmigen roten 4 bis 6 cm grossen Erhebungen der Haut, meistens in Verbindung mit hohem Fieber.
- Septikämischer Verlauf: Bei diesem Verlauf entsteht eine Blutvergiftung (Septikämie). Es folgen Symptome wie Fieber/Fressunlust über Aborte bis hin zum Tod, falls keine erfolgreiche Behandlung erfolgt.

Chronische Verlaufsform
Selten können Nekrosen an Ohren oder Schwanzspitzen beobachtet werden. Bei einer Nekrose stirbt ein begrenzter Gewebeteil ab, zum Beispiel, wenn die dortigen Zellen wegen ungenügender Durchblutung nicht überleben können.

- Gelenksrotlauf: Fieber, geschwollene Gelenke, Lahmheiten und daraus resultierendes Kümmern, da der Futtertrog seltener aufgesucht wird, betroffen sind vor allem Mastschweine.
- Herzklappenrotlauf: schnelle Ermüdung, Blässe oder blaues Anlaufen der Tiere, bekommen schwer Luft, wird meist erst bei einer Sektion oder am Schlachthof bemerkt.

Wie geht es mit den Galtsauen weiter?

Am Folgetag bekamen drei weitere Sauen Fieber, zwei Sauen abortierten. Es ist keine Sau mehr gestorben, und es gab weiterhin keinerlei andere Symptome. Ausschliesslich Galtsauen in der Grossgruppe erkrankten.

In Absprache mit SGD und Bestandestierarzt wurde eine Behandlung nicht nur der erkrankten Galtsauen, sondern auch (noch) nicht erkrankter Tiere in der Grossgruppe mit Penizillin und Schmerz- und Entzündungshemmer begonnen.

In der mikroskopischen Untersuchung der Organe in der Pathologie konnte eine Sepsis (Blutvergiftung) festgestellt werden, ausgelöst durch das Rotlauf-auslösende Bakterium Erysipelothrix rhusiopathiae. Alle weiteren Untersuchungen sowie die Analyse des Futters, Strohs und Wassers ergaben keine weiteren Erkenntnisse.

Der Landwirt wurde informiert, dass auch der Mensch empfänglich für Rotlauf sei, und er sich daher während des Kontaktes mit erkrankten Tieren schützen muss.

Aufgrund der Laborbefunde wurde die begonnene Therapie mit Penizillin für fünf Tage fortgesetzt. Im weiteren Verlauf kam es zu keinen weiteren Todesfällen oder Aborten.

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Bei Symptomen (wie z.B. typischen Hautflecken)
- Tierarzt informieren.
- Der Mensch ist auch empfänglich für Rotlauf. Daher beim Umgang mit den Tieren bzw. beim Behandeln der Tiere Handschuhe tragen!
- Betroffene Tiere möglichst separieren, am Ende der Stallarbeiten behandeln
- Stall nach dem Umtrieb reinigen und auch unbedingt desinfizieren.