Die Parlamentarische Initiative (Pa.Iv.19.475) verlangt, die Stickstoff (N)- und Phosphor (P)-Verluste der Landwirtschaft bis 2030 zu reduzieren. Konkret wird ein Minus von 20 % bei N und P gefordert. Die Branche hat in der Vernehmlassung realisierbare 10 % eingegeben.

Um eine ausreichende Wirkung zu erzielen, müssen nun Massnahmen entlang der gesamten Produktionskette getroffen werden.

Stickstoff-Reduktion im Futter als wichtige Stellschraube

Stickstoffverluste sind relevant, da sie zum einen durch Ammoniak-Emissionen die Luft und zum anderen durch Nitrat-Auswaschungen das Grundwasser belasten.

Stickstoff kommt über das Futter in Form von Protein in das System. Eine Reduktion des Proteineinsatzes bei gleicher Leistung ist eine effiziente Stellschraube, da Stickstoff, der nie ins System gebracht wird, gar nicht verloren gehen kann. Ein reduzierter Proteineinsatz verringert ebenfalls den Einsatz von Soja, was aus Umwelt- und Image-Sicht positiv ist.

Zu sehen sind nur die Rücken der Mastschweine, die sich in zwei Reihen über den Futtertrog beugen und fressen.SchweineErfolgreiche Phasenfütterung: Benno Fleischlis Mastschweine erhalten 3 verschiedene FutterDienstag, 3. Mai 2022 Die Rohprotein-Gehalte im Futter werden seit den 1980er-Jahren reduziert. Dies wurde unter anderem möglich durch Verfügbarkeit und Einsatz von reinen Aminosäuren und genaueren Angaben über den Bedarf der Tiere und die Futterzusammensetzung. Aminosäuren sind Protein-Bausteine. Oft ist der Baustein Lysin knapp vorhanden. Mit reinem Lysin kann man das Manko gezielt ergänzen und dabei den Rohprotein-Gehalt tief halten.

Der Bund unterstützt und fördert seit 2018 die Anstrengungen der Betriebe mit dem Ressourceneffizienz-Programm «Stickstoffreduzierte Phasenfütterung bei Schweinen».

Die Phasenfütterung stand bei diesem Programm nur im Namen. Solange man unter der vorgegebenen Rohprotein-Grenze blieb, konnte man die Vorgaben auch mit einem Durchmastfutter erfüllen.

Jede Tierkategorie erhält spezifische Rohprotein-Werte

Im Nachfolgeprogramm werden sich zwei Hauptpunkte ändern. Der Pauschalwert von 11 g Rohprotein (RP)/MJ verdauliche Energie Schwein (VES), der einem Durchmastfutter von 154 g RP bei 14 MJ VES entspricht, wird geändert. Dieser Wert war in der Mast relativ leicht zu erreichen, aber für Ferkel oder säugende Sauen kaum umsetzbar. Daher haben vorwiegend Mastbetriebe im Programm mitgemacht.

Das neue Programm wird spezifische Werte je Tierkategorie vorgeben. Diese Grenzwerte sind vorgesehen:

  • Säugende Sauen: 12,0 g RP/MJ VES
  • Ferkel: 11,8 g RP/MJ VES
  • Galtsauen: 10,8 g RP/MJ VES
  • Mast: 10,5 g RP/MJ VES

Die neuen Werte ermöglichen allen Betrieben, im Programm mitzumachen. Das ist wichtig, da die Vorgaben 2027 als obligatorische Vorgabe in den ökologischen Leistungsnachweis ÖLN aufgenommen werden sollen.

Phasenfütterung in der Mast wird obligatorisch

Die zweite Neuerung wird in der Mast die Phasenfütterung zwingend vorschreiben. Dies macht Sinn, da die 10,5 g RP für ein Durchmastfutter nur 145 g Rohprotein/kg Futter hergeben würden. Tiere in der Vormast können damit ihr Leistungspotenzial nicht ausschöpfen.

Daher gilt es, das Protein über die Mast zu verteilen: Junge Tiere werden in einer Phasenfütterung via Vormastfutter ausreichend und ältere Tiere via Ausmastfutter knapp versorgt.

Phasenfütterung muss in einem Produktionsumfeld, wo Ressourceneffizienz, Umweltverträglichkeit und Image zentral sind, zur Norm werden.

 

Peter Spring ist Leiter Fachbereich Agronomie an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL.