1. Schweine im Labor und in der Gerichtsmedizin

Viele Schweinerassen sind stressanfällig und können auch ähnliche Herz- und Kreislaufkrankheiten entwickeln wie der Mensch. Schweine werden deshalb auch als Labor- und Versuchstiere gehalten.

Sie werden für die Erforschung der Verdauungs- und Hormonphysiologie eingesetzt, für Medikamententests oder auch in der Hirnforschung.

Für Herzklappen-Transplantationen wird bereits Gewebe von Schweinen oder von Rindern verwendet. An Organ- und Knorpel-Transplantationen wird geforscht. Sie sind zurzeit noch nicht möglich.

Auch in der Struktur und Beschaffenheit von Fleisch und Fettgewebe haben Schweine Ähnlichkeiten mit dem Mensch. Deshalb werden in der Gerichtsmedizin unklare Stich- und Schussverletzungen an frisch geschlachteten Schweinen nachgestellt.

Quellen:

  • Marianne Wondrak (Messerli-Forschungsinstitut) und Raphael Helfenstein (Suisseporcs) in Schweizer Familie 21/2019

 

2. Der innere Schweinehund

Diesen Hund gab es tatsächlich! Als man im Mittelalter auf Wildschwein-Jagd ging, setzte man sogenannte Sauhunde oder Schweinehunde ein. Ihre Aufgabe war es, Wildschweine zu hetzen, bis sie müde waren und die Wildschweine dann festzuhalten. Diese Schweinehunde waren sehr ausdauernd und hartnäckig.

Die Charakter-Eigenschaften der Schweinehunde wurde später auf bissige Menschen übertragen. Deshalb benutzte man ab Anfang des 19. Jahrhunderts den Ausdruck «Schweinehund» als Schimpfwort. Man verband damit Menschen mit niedrigsten Motiven.

Später wurde der «innere Schweinehund» von Trainern und Sportlehrern verwendet, wenn es um die Überwindung von Faulheit und mangelnder Disziplin ging.

Heute ist der «innere Schweinehund» auch ausserhalb des Sportbereichs hartnäckig. Nämlich dann, wenn wir uns vor unangenehmen Aufgaben drücken, uns etwas nicht leicht fällt oder viel Überwindung kostet.

Quelle: 

 

3. Das kann kein Schwein lesen

Diese Redewendung hat rein gar nichts mit Schweinen zu tun, sondern mit einer gebildeten Familie namens Swyn. Diese lebte vor etwa 500 Jahren in Norddeutschland und erledigte für die Bauern der Umgebung die Schreibarbeit. Wenn Herr oder Frau Swyn etwas nicht lesen konnten, hiess es, dass könne selbst ein Swyn nicht lesen. Daraus wurde mit der Zeit: «Das kann kein Schwein lesen». 

Quelle:

  • Marianne Wondrak (Messerli-Forschungsinstitut) und Raphael Helfenstein (Suisseporcs) in Schweizer Familie 21/2019 

 

4. Immer weniger Schweine

In der Schweiz leben rund 1,4 Milo Schweine. Das sind 170'000 Mastschweine, 550'000 Ferkel und 110'000 Mutterschweine.

Damit hat es in der Schweiz beinahe so viele Schweine wie Rinder (1,5 Mio). Der Bio-Anteil ist aber sehr unterschiedlich: 13% beim Rindfleisch vs. 2,7%  beim Schweinefleisch.

Der Schweinebestand in der Schweiz nimmt seit Jahren ab. Trotzdem ist Schweinefleisch immer noch das meistverkaufte Fleisch. Der Anteil Schweinefleisch betrug 2018 knapp 42% am gesamten Fleischkonsum, das sind 21,6 kg/Kopf. Es folgt Geflügelfleisch (14,2 kg) und Rindfleisch (13,9 kg).

2018 betrug der Inland-Anteil beim Schweinefleisch 95,5%.

Quellen:

 

5. Riechen, graben, wühlen

Die Rüsselscheibe ist hoch sensibel. Schweine besitzen auf einem Quadratmillimeter Nasenschleimhaut etwa 1000 Mal mehr Riechzellen als Menschen.

Der Geruchssinn ist der wichtigste Sinn von Schweinen und mit demjenigen von Hunden vergleichbar. Allerdings setzen Schweine ihre Nase anders ein: Sie wittern Feinde und Futter, aber sie verfolgen keine Fährten.

Schweine riechen nicht nur sehr gut. Sie können auch feinste Dinge ertasten, so wie wir es mit den Fingerspitzen tun. Die Oberfläche der Rüsselscheibe ist mit etwa 8000 Tastsensoren je Quadratzentimeter besetzt.

Zu guter Letzt dient die Rüsselscheibe auch als Schaufel, denn die Oberkante ist hart und knorpelig. Errochene Leckerbissen im Boden graben Schweine mit dem Rüssel auch gleich aus.

Quellen:

  • Marianne Wondrak (Messerli-Forschungsinstitut) und Raphael Helfenstein (Suisseporcs) in Schweizer Familie 21/2019
  • Sonderausstellung Schwein, Museum Baselland

 

6. Schwein gehabt 

 

Bei dieser Redewendung ist nicht vollständig klar, woher sie kommt. Eine der plausibelsten Erklärung ist, dass wer früher ein Schwein besass, im Winter immer genug zu essen hatte. Das Schwein sicherte damit das Überleben ganzer Familien.

Eine andere Theorie besagt, dass im Mittelalter bei Wettkämpfen dem Verlierer oft ein Schwein als Trostpreis überreicht wurde. Der Verlierer hatte also trotzdem Glück – oder eben Schwein gehabt.

Schweine machen aber auch durch ihre zufriedene, erdverbundene Ausstrahlung glücklich. Das sagten zumindest Leute, die mit artgerecht gehaltenen Schweinen arbeiteten. Wenn diese Theorie stimmt, sind Schweine im wahrsten Sinne des Wortes Glücksbringer. 

Quelle:

  • Marianne Wondrak (Messerli-Forschungsinstitut) und Raphael Helfenstein (Suisseporcs) in Schweizer Familie 21/2019 

 

7. Kunst, Kultur und Kitsch

Das Stuttgarter Schweinemuseum ist wohl das kurioseste Museum Süddeutschlands. Exponate aus der ganzen Welt sind in 27 Räumen ausgestellt. So gibt es einen Raum, der ausschliesslich mit Sparschweinen bevölkert ist. Und in jeder Ecke des Museums sitzt, thront, liegt oder faulenzt ein Tier mit Ringelschwänzchen.

Aber auch handfeste Themen werden behandelt, z.B. die Wildschweinejagd oder die Entwicklung der Schweinerassen.

 

 

8. Trüffelschwein im Trüffelrausch

Trüffeln gelten als aussergewöhnlich schmackhaft und sie sind selten. Sie sind die teuersten Speisepilze der Welt.

Die optimalen Trüffelsucher sind geschlechtsreife Sauen. Nur sie können den betörenden Duft der Trüffel auch dann noch riechen, wenn der Pilz einen halben Meter tief unter der Erdoberfläche liegt. Denn die Pilze strömen einen Duft aus, der dem Sexualhormon der männlichen Schweine stark ähnelt.

Wird eine Sau fündig, reagiert sie allerdings sehr stürmisch und frisst die aufgespürten Delikatessen am liebsten selber auf. Damit der Trüffel-Bauer die Pilze ernten kann, steckt er dem Schwein einen Maiskolben in den Mund.

Es kursiert die Geschichte, dass in vergangenen Zeiten manchem Trüffelsucher ein Finger fehlte. Ob‘s stimmt? Sicher ist es nicht leicht, mit einem 130 Kilo schweren Schwein um die unterirdische Delikatesse zu streiten.

In Italien sind Trüffelschweine seit den Achtzigerjahren verboten, weil sie in ihrem Trüffelrausch den Boden so sehr aufwühlen, dass an den Fundstellen keine Trüffel mehr nachwuchsen. Die Trüffel-Bauern setzen jetzt speziell abgerichtete Hunde ein, die Lagotto Romagnolo. Diese können Trüffel erschnüffeln, an ihrem Verzehr zeigen sie aber kein Interesse.

Quellen:

 

9. Ein Schwein, so schwer wie ein Polarbär

Die Afrikanische Schweinepest ASP hat rund die Hälfte der chinesischen Schweinepopulation ausgerottet. In China ist Schweinefleisch das bevorzugte Fleisch. Im Schnitt isst jeder Chinese rund 30 kg Schweinefleisch pro Jahr, in der Schweiz sind es knapp 22 kg.

Nun hat sich ein chinesischer Grossbauer eine besondere Idee einfallen lassen, wie er die Schweinefleisch-Krise meistern kann: Er züchtet riesige Schweine. Die Tiere wiegen bis zu 500 Kilogramm und sind damit so schwer wie ein ausgewachsener Polarbär. Man erziele Schlachteinnahmen von rund 1400 Dollar pro Tier. 

Quelle:

 

10. Diese Gemeinden haben richtig Schwein

Insgesamt gibt es in 237 Schweizer Gemeinden mehr Schweine als Einwohner. Die höchste Schweinequote erreicht Rumendingen BE. Dort gibt es 16 Schweine pro Einwohner. Doch die Gemeinden mit den meisten Schweinen liegen fast alle im Kanton Luzern. 

Hier die Top-10-Gemeinden mit Anzahl Schweinen:

1Ruswil LU 33'400
2Beromünster LU 23'700
3Grosswangen LU 19'800
4Willisau LU 14'600
5Ettiswil LU 14'200
6Waldkirch SG 13'800
7Inwil LU 12'600
8Menznau LU12'400
9Hohenrain LU 11'900
10Kirchberg SG 11'000

Quelle: Reto Fehr, watson

 

 

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