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Hatzenbichler-Anbaugeräte für bodenschonende Landtechnik sind aus einem Guss

Hatzenbichler produziert Anbaugeräte für bodenschonende Landtechnik, namentlich Striegel und Hacken. Thomas Hatzenbichler erklärt im Interview (mit VIDEO), weshalb Hatzenbichler-Striegel einen Boom erleben.


Publiziert: 20.11.2019 / 15:00

Grossvater Thomas Hatzenbichler fertigte 1952 Kultivatoren (heute als Grubber bezeichnet) zur Saatbeet-Bereitung für sich selbst und später für seine Nachbarn an. Da diese Geräte grossen Anklang fanden, entschloss er sich, die Grubber in Serie zu produzieren.

Sieben Jahrzehnte später leitet sein Enkel, der 50-jährige Maschinenbauer Thomas Hatzenbichler, das Unternehmen im Lavanttal im österreichischen Bundesland Kärnten in der dritten Generation.

Rund 100 Hatzenbichler-Mitarbeiter produzieren hier bodenschonende Anbaugeräte für die konventionelle und biologische Landwirtschaft: Von Bodenbearbeitungs-Geräten vor der Saat und nach der Ernte über diverse Säh-Geräte und Hackgeräte bis zu den legendären Hatzenbichler-Striegeln.

Hatzenbichler-Anbaugeräte sind komplett «Made in Lavanttal»

Hatzenbichler macht damit 15 Mio Euro Umsatz pro Jahr. Die Hälfte davon mit der Striegeltechnik und Hacktechnik. Thomas Hatzenbichler betont die hohe Fertigungstiefe seines Unternehmens: «Vom Stahl bis zur fertigen Maschine behalten wir alle Arbeitsschritte in eigener Hand.»

Bis zu 4000 Striegelfelder – sie sind als Modul für alle Striegel-Arbeitsbreiten gleich – produziert Hatzenbichler pro Monat. Nur die Oberflächenbeschichtung kommt aus einer Lohn-Pulverei, 2,5 Kilometer vom Werk entfernt.

Durch moderne Maschinen und aufwendige Lasertechnik in der Produktion ist es Hatzenbichler möglich, ein qualitativ hochwertiges Produkt zu einem akzeptablen Preis herzustellen.

Über 80 Prozent der im Lavanttal gefertigten Maschinen gehen in den Export, und zwar auf folgende Märkte:

  • 40 % Frankreich und England
  • 20 % Osteuropa
  • 20 % Österreich
  • 10 % Deutschland
  • 10 % Schweiz

Die zweite Hälfte des Umsatzes erzielt Hatzenbichler mit Grossflächen-Kombinationen, Kurzscheiben-Eggen, Tiefen-Lockerern und Sä-Geräten für landwirtschaftliche Grossbetriebe in Osteuropa. Dafür führt Hatzenbichler seit zehn Jahren im russischen Wolgograd eine eigene Vertretung.

Hatzenbichler-Striegel für die mechanische Unkrautbekämpfung

Den ersten Striegel hat der Grossvater von Thomas Hatzenbichler Anfang der 1950er-Jahre entwickelt. Nicht etwa für Bio-Bauern, damals war von Bio noch keine Rede. Und wenn man von Pflanzenschutzmitteln sprach, meinte man DDT.

Die Landwirte hatten gar keine andere Möglichkeit zur Unkrautbekämpfung als den mechanischen Striegel. Nach DDT folgten andere Pflanzenschutzmittel, deren Folgen man auch oft erst nach Jahrzehnten erkannte.

Angesichts der ökologischen Folgen der chemisch-technischen Intensivierung der Landwirtschaft gewann der ökologische Landbau (wieder) an Bedeutung. «Ende der 1980er-Jahre und Anfang der 1990er-Jahre kauften deshalb viele Schweizer Landwirte einen unserer Striegel», erinnert sich Thomas Hatzenbichler.

Danach sind die Striegel wieder in Vergessenheit geraten und Hatzenbichler-Anbaugeräte wurden oft als veraltete Agro-Technik bezeichnet.

«Denn von der Technik her ist der Striegel im Prinzip bis heute gleich geblieben», erklärt Hatzenbichler. Die Wirkung des Striegels beruht vor allem auf dem Verschütten und Ausreissen der Unkräuter und dem Krümeln der Bodenoberfläche. Beim Getreide wird zusätzlich die Bestockung angeregt.

Hatzenbichler für konventionelle und Bio-Landwirtschaft

Nachdem die Striegel- und Hacktechnik von Hatzenbichler zwei Jahrzehnte lang oft belächelt wurde, erlebt sie heute einen regelrechten Boom. Für Thomas Hatzenbichler eine Genugtuung: «Wir haben jahrzehntelange Erfahrung mit der mechanischen Bodenbearbeitung, davon können wir jetzt profitieren.»

Denn, auch wenn der Striegel vom Grundprinzip her gleich geblieben ist, es ist einiges an Technik dazu gekommen: «Die hydraulische Zinkenverstellung vom Traktoren-Sitz aus und die Bodendruck-Verstellung zum Beispiel.»

Und an der Agritechnica 2019 präsentierte Hatzenbichler den weltweit ersten Air-Flow Original-Striegel, bei dem der Zinken-Druck von jedem einzelnen Zinken mit einem eigenen Pneumatik-Zylinder stufenlos angepasst wird.

Neben dem Air-Flow Original-Striegel stand eine weitere Hatzenbichler-Neuentwicklung: Ein Striegel mit einer Kamera-basierten automatischen Striegel-Steuerung im Getreide. Man werde überrascht sein, welche technischen Möglichkeiten in der Striegel-Technik und generell in der mechanischen Unkrautbekämpfung noch stecken. Nicht im Maschinenbau, sondern in der Elektronik. «Der perfekte Striegel ist noch nicht erfunden», erzählt Thomas Hatzenbichler mit einem Schmunzeln.

Hatzenbichler-Striegel haben heute bis 27 Meter Arbeitsbreite

Deshalb entwickelt Hatzenbichler den vermeintlich simplen Striegel ständig weiter: «Wir wollen einen immer noch besseren, noch einfacheren Striegel mit noch mehr Wirkungsgrad entwickeln.»

Zusätzlich werden die Anbaugeräte – nicht nur der Striegel – immer breiter. In der Schweiz werden üblicherweise 6 Meter breite Geräte eingesetzt. Im Ausland sind auf den flachen Parzellen mit leichteren Böden 12 bis 24 Meter breite Geräte im Einsatz.

«Heute stehen wir bei 27 Metern Arbeitsbreite beim Striegel in der aufgesattelten Version», erklärt Thomas Hatzenbichler. Technisch seien noch grössere und breitere Striegel kein Problem. Grenzen setzt das Strassenverkehrsgesetz mit der Transportbreite. Schliesslich muss auch ein 32 Meter breiter Striegel auf maximal 3 Meter Strassen-Transportbreite zusammengeklappt werden.

Hatzenbichler mit elektronischen Kamera-Sensor-Systemen

Geräte für die mechanische Bodenbearbeitung werden immer grösser – und damit nicht billiger. Vor allem die neue elektronische Kamera-Sensor-Technik in den Geräten, die Hatzenbichler an der Agritechnica 2019 vorstellte, macht die mechanische Bodenbearbeitung teurer. Hatzenbichler glaubt aber, dass der Landwirte die Mehr-Investition amortisieren kann.

«Bisher sitzen die Landwirte oft zwölf Stunden auf dem Traktor, müssen dabei immer geradeaus fahren und die Spur halten, ohne hinter sich eine Zerstörung anzurichten.»

Mit der heutigen Technik mit GPS, RTK und elektronischen Kamera-Sensor-Systemen an der Hackmaschine «könnte man einen Bub draufsetzen und der könnte ohne die Kulturen ohne Zerstörung durchhacken. Nicht nur einmal, sondern auch mehrmals, ohne Ermüdungserscheinungen.»

Thomas Hatzenbichler weiss, wovon er redet. Neben dem Unternehmen führt er den Betrieb des Grossvaters im Lavanttal weiter und sitzt oft stundenlang «auf dem Bock». Auf 25 Hektaren testet er seine eigenen Anbaugeräte. Und weil seine Mitarbeiter oft Nebenerwerbs-Landwirte sind, fliesst zusätzlich deren Erfahrung in die Produktentwicklung ein.

Mechanische Bodenbearbeitung statt Pflanzenschutzmittel?

«Ein guter Landwirt ist heute ein Unternehmer-Landwirt», ist Thomas Hatzenbichler überzeugt. «Und der fragt sich, ob sich die mechanische Bodenbearbeitung im Vergleich zu Pflanzenschutzmitteln rechnet.»

Für Hatzenbichler ist die Rechnung einfach: Wenn man die Kosten für die Planzenschutzmittel mit der mechanischen Bodenbearbeitung vergleicht, ist die chemiefreie Methode günstiger. Für den Landwirt sind die Einnahmen aber geringer, weil die Erträge mit reiner mechanischer Bodenbearbeitung kleiner sind.

«Und am Schluss entscheidet der Konsument im Supermarkt, ob er ein Produkt kauft, das ein paar Prozent teuer ist», erklärt Thomas Hatzenbichler.

«In Zukunft», so glaubt Hatzenbichler, «wird sich aber der konventionelle Anbau so weit an den Bio-Landbau annähern, dass die Preisunterschiede für den Konsumenten kaum noch spürbar sind. Das ist die grosse Chance für die mechanische Bodenbearbeitung.»

Weltweit geht es in Richtung mechanische Bodenbearbeitung

Diese Diskussion werde nicht nur in der Schweiz, Österreich und Deutschland geführt. Auch in Staaten mit flächenmässig viel grösseren Betrieben wie den USA und Kanada. Auch dort gibt es mittlerweile Bio-Betriebe. Noch nicht die ganz grossen Farmen mit 5000 Hektaren und mehr, sondern Betriebe mit vielleicht 500 Hektaren.

«Und auf diesen Betrieben werden die Pflanzenschutzmittel durch mechanische Bodenbearbeitung ersetzt», beobachtet Hatzenbichler.

Natürlich brauche es dort breitere Maschinen, um die Flächenleistung zu gewährleisten. Und auf den Riesen-Farmen mit unterschiedlichen Bodenverhältnissen auf Tausenden von Hektaren sei es auch schwieriger, mit derselben Maschine die ganze Fläche zu bearbeiten. Aber tendenziell gehe es weltweit in Richtung mechanische Bodenbearbeitung.

Mit dem Know-how von drei Generationen könnte sich Thomas Hatzenbichler aktiv am Diskurs um Pflanzenschutzmittel gegen mechanische Bodenbearbeitung beteiligen. Er lässt aber wohlweislich die Finger davon.

«Wir als Hersteller von innovativen Produkten für bodenschonende Landtechnik unterstützen automatisch die mechanische Bodenbearbeitung. Da muss ich nicht auch noch politisieren», wehrt Thomas Hatzenbichler ab.

«Abgesehen davon bewegt sich die Landwirtschaft europaweit definitiv in die ökologische Richtung. Ich schaue deshalb für unser Unternehmen positiv in die Zukunft», betont er. «Vom Know-how und von der Kapazität her hat Hatzenbichler noch viel Potenzial.»

Robert Aebi Landtechnik vertritt Hatzenbichler in der Schweiz

Die Robert Aebi Landtechnik AG importiert seit mehreren Jahren die gesamte Hatzenbichler Produktlinie, insbesondere Striegel und Hackgeräte.

Die Firma Hatzenbichler gilt als «Erfinder» des Striegels. In den letzten Jahren hat Robert Aebi in der Schweiz einen deutlichen Anstieg im Verkauf von Striegeln verzeichnet. Der 6 Meter Original-Striegel gilt als «Topseller».
Auch im Bereich der Hackgeräte für Mais und auch Zuckerrüben hat die Robert Aebi Landtechnik AG einen markanten Anstieg verzeichnet.

In Zusammenhang mit Kamerasteuerung oder sogar GPS-Steuerung ist der Einsatz auch in engen Reihenkulturen möglich. Eine Welt-Neuheit von Hatzenbichler ist die Kamera-basierte Striegelsteuerung im Getreide.

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Die Thomas Hatzenbichler Agro-Technik GmbH produziert bodenschonende Landtechnik
20.11.2019
Thomas Hatzenbichler produziert Geräte für die mechanische Bodenbearbeitung. Die blau-roten Anbaugeräte haben unter Schweizer Landwirten einen exzellenten Ruf, insbesondere der Hackstriegel zur mechanischen Unkrautbekämpfung.
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