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Agrotourismus bietet echte Erlebnisse vom Bauernhof

Rund 330'000 Logiernächte im Jahr 2018: Übernachten auf dem Bauernhof ist ein Bedürfnis. Der Betriebszweig «Agrotourismus» kann sich lohnen. Eine Herausforderung sind aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen.


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In der Schweiz sind zwei Vereine Ansprechpartner für Betriebe, die Agrotourismus anbieten möchten.

Der kleinere Partner ist der Verein «Ferien auf dem Bauernhof Schweiz», der sich 2018 aus dem Zusammenschluss «Agrotourismus Schweiz» gelöst hat und auf rund 100 Höfen Übernachtungen anbietet. Rita Barth, Präsidentin des Vereins, ist mit den Umsätzen sehr zufrieden. Die Übernachtungsangebote seien gefragt, sowohl Zimmer wie Ferienwohnungen. Seit der Vereinsgründung zählt man jährlich rund 100'000 Logiernächte.

Der Verein «Agrotourismus Schweiz» bietet rund 450 Übernachtungsangebote an, 2018 konnten so rund 230'000 Logiernächte verbucht werden. Der Umsatz beträgt rund 7 Millionen Franken.

Andreas Allenspach, Geschäftsführer von «Agrotourismus Schweiz» ist überzeugt, dass Urlaub auf dem Bauernhof im Trend liegt. Er führt das auf ein klimabewussteres Reiseverhalten zurück, das Menschen dazu bringt, Ferien im eigenen Land zu verbringen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. «Agrotourismus Schweiz» erhält vom Bundesamt für Landwirtschaft Fördergelder für die Kommunikation und das Marketing.

In der EU wird der Agrotourismus stärker und direkter gefördert: Ferienwohnungen auf dem Betrieb und Gästeprogramme wie gemeinsame Wanderungen sind daher viel stärker verbreitet und tragen zum landwirtschaftlichen Einkommen bei.

Allenspach schätzt, dass in der Schweiz rund 2000 Landwirte Agrotourismus in irgendeiner Form anbieten. Dazu zählen klassische Angebote wie Gästezimmer und «Schlafen im Stroh», aber auch Ferienwohnungen, Camping, Gruppen-Unterkünfte. Auch Hofläden, Räumlichkeiten für Veranstaltungen und «Schule auf dem Bauernhof» zählen dazu.

Wer ein Angebot aufbauen will, braucht Ausdauer und Geduld

Einige Bedingungen für all diese Angebote sind national gleich: Es muss sich um einen selbstständigen Betrieb handeln, die Fläche ist begrenzt und das Angebot muss den Anforderungen der Lebensmittelkontrolle genügen.

Wer sich für Agrotourismus interessiert, findet im Agridea-Merkblatt Grundsätze und Tipps. Neben der Bereitschaft, fremde Menschen auf dem Betrieb zu empfangen, gibt es auch eine Flut an gesetzlichen Vorgaben.

Karin Wechsler, Vizepräsidentin des Vereins «Agrotourismus Schweiz», leitet dessen Arbeitsgruppe «Raumplanung». Allgemein zu beachten gelte es feuerpolizeiliche Auflagen, aber auch Sicherheitsaspekte. «Gerade, wenn Kinder auf den Hof kommen», sagt sie. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft BUL biete dazu Kurse an.

Sinnvoll sei auch, mit der Gebäudeversicherung Kontakt aufzunehmen. Und ganz generell: «Wer ein Angebot aufbauen möchte, informiert am besten die Gemeinde und fragt nach», sagt sie. Denn gewisse Angebote seien Kurtaxe-pflichtig. Gelinde gesagt anspruchsvoll wird es, wenn eine Bauernfamilie für ihr Agrotourismus-Angebot bauen möchte: Das Raumplanungsgesetz erlaubt maximal 100 Quadratmeter Aus- oder Neubau. Ausgelegt wird das aber von Kanton zu Kanton verschieden, auch in Abhängigkeit des Projekts zu den bestehenden Bauten. Ob ein Sitzplatz vor dem Hof oder eine Grillgelegenheit in diese 100 Quadratmeter fällt, ist dann noch von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich.

Ähnliches gilt für die Bewirtung: Ein Frühstückskorb oder -buffet ist erlaubt – wenn die Anforderungen der Lebensmittel-Hygiene-Gesetzgebung erfüllt werden. Im Kanton Luzern darf zum Beispiel eine angemeldete Gruppe ohne Wirtepatent bekocht werden. Wer aber eine «Besenbeiz» führen möchte, braucht je nach Kanton ein Wirtepatent.

Professionalisierung des Agrotourismus ist schwierig

Karin Wechsler sagt, es sei schwierig, wenn eine Familie den Agrotourismus professionell anbieten wolle. Es sei keinesfalls Ziel des Vereins, dass auf den Höfen ein «Disneyland» aufgebaut werde.

Darin ist sie sich mit Rita Barth vom Verein «Ferien auf dem Bauernhof» absolut einig: «Es geht uns um echte Erlebnisse auf den Betrieben.» Gäste schätzten es, auf Höfen zu übernachten, die Tiere halten und Ackerbau betreiben. «Agrotourismus ist kein Hobby, sondern soll die Ansprüche der Gäste erfüllen.»

Wechsler führt auf ihrem Hof in Neuenkirch LU ein «Bed &Breakfast»-Baumhaus. Beim Bau sei sie zwar von der Gemeinde unterstützt worden. Dennoch hatte sie mit vielen Auflagen zu kämpfen, bis das Baumhaus für zwei Personen schliesslich fertig war. Seit acht Jahren steht es mittlerweile, Wechsler schätzt die Begegnungen mit ihren Gästen.

Der Zeitaufwand für ein Agrotourismus-Angebot ist sehr unterschiedlich. Das zeigt eine Agroscope-Studie aus dem Jahr 2013. Katja Heitkämper und ihre Mitautoren haben im Tool «ART-Arbeitsvoranschlag» Kalkulationen angestellt, wie aufwändig die Beherbergung ist. Seit 2018 heisst das Tool «LabourScope».

Klar wurde dabei, dass die Kosten für Arbeitskräfte einen wesentlichen Teil der Vollkosten der bäuerlichen Gästebeherbergung ausmachen. Das bestätigt auch die Agroscope-Studie «Wirtschaftlichkeit paralandwirtschaftlicher Betriebszweige» von 2013. Das Beispiel eines Angebots «Halbpension mit zehn Gästen pro Tag» zeigt detailliert, dass die Zubereitung von Mahlzeiten am meisten Zeit braucht. Selbst bei auf den ersten Blick einfacheren Angeboten wie «Schlafen im Stroh» ist der Arbeitsaufwand für Bereitstellen des Frühstücks, das Reinigen der Decken und das Instandhalten des Strohbettes nicht zu unterschätzen.

 

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