Kurz & bündig
- René Messer hat sich auf Gülletransporte und die Gülleverschlauchung vom Feldrand aus mit Transportfässern spezialisiert.
- Alle Transportfässer haben eine Zentrifugalpumpe und eine Vakuumpumpe als Ansaughilfe.
- Messer ist auch Entwickler für Gülletechniken.

René Messer kennt den Gülletransport und die Gülleverteilung wie kein Zweiter. Mit seinem Lohnunternehmen Agromesser pumpt und befördert er seit 30 Jahren jährlich viele Tausend Kubikmeter Gülle. Die Gülle wird entweder direkt von der Güllegrube auf das Feld gepumpt oder mit Transportfässern der Marke Bossini an den Feldrand gefahren. Dabei liegt die Transportdistanz meistens zwischen zwei und drei Kilometern.

Für einen effizienten Ablauf braucht es auf einem Verteiltraktor zwei Gülletransportfässer mit 25 Kubikmeter Inhalt: Dann läuft es rund. Damit sind Tagesleistungen von 1000 Kubikmetern möglich. Das Lohnunternehmen verfügt über vier solche Equipen.

Jedes Fass ist mit einer Zentrifugalpumpe ausgerüstet

Alle Fässer sind mit einer eigenen Zentrifugalpumpe ausgerüstet. Damit wird die Gülle sowohl geladen als auch auf den Feldverteiler gepumpt.

Dieses Ausbringsystem hat sich im Einsatzgebiet von René Messer bewährt. Traktorengespanne setzt er ein, weil diese wendiger sind als die Alternative mit Lastwagen. Auf dem Hofareal kann beispielsweise nur auf der dritten Achse gefahren werden, welche dann auch noch manuell hydraulisch gelenkt werden kann. Das ermöglicht enge Wendemanöver.

Ob Traktorgespann oder Lastwagen: Die Frage ist, welches Pumpensystem sich am besten eignet, um sowohl den Tank bei der Güllegrube zu laden als auch mit genügend Druck den Feldverteiler zu versorgen.

Vakuumpumpe ergänzt die Zentrifugalpumpe

René Messer hat seine Fässer mit einer eigenen Pumpenkombination ausgestattet. Nebst der Zentrifugalpumpe wird das System mit einer Vakuumpumpe ergänzt. Diese sorgt dafür, dass im Stahltank des Fasses ein Vakuum entsteht. So wird die Gülle von der Grube in das Gehäuse der Zentrifugalpumpe gedrückt. Das ist deshalb notwendig, weil die Zentrifugalpumpe die Gülle nicht selber aus der Grube ansaugen kann.

Die Zentrifugalpumpe wird mit der Zapfwelle angetrieben. Die Pumpendrehzahl beträgt rund 2500 Umdrehungen pro Minute. Dabei sind Drücke bis 17 bar möglich. Der Druck und die Menge verändern sich mit der Drehzahl. Wird die Drehzahl noch mehr gesteigert, sind Drücke bis 20 bar möglich. Allerdings nimmt der Kraftbedarf massiv zu. Je nach Zapfwellendrehzahlen des Traktors kommen Übersetzungsgetriebe zum Einsatz, damit der Traktor die Pumpe in seinem optimalen Motor-Drehzahlbereich betreibt. Die Vakuumpumpe wird hydraulisch direkt vom Traktor angetrieben.

Die Pumpen werden auch beim Transport zugeschaltet

Das Pumpensystem auf den Fässern beschäftigt die Fahrer auch während der Fahrt. Dabei geht es nicht nur um das Pumpen allein. Die Zentrifugalpumpen sind mit einem Schneidwerk ausgerüstet, womit die Gülle vor dem Austrag «optimiert» werden kann.

«Die Gülle kann im Fass während der Fahrt durch die Pumpe gefördert werden. Dabei wird sie verflüssigt und lässt sich leichter verschlauchen. Eine eher dicke Gülle verändert sich dabei wie ein stichfestes Joghurt, in dem man mit dem Löffel rührt, bis es immer flüssiger wird», erklärt René Messer.

Der zusätzliche Pumpenbetrieb für das Verflüssigen kostet zwar Energie. Aber das kann auch ein Vorteil sein, den das Lohnunternehmen Agromesser wie folgt nutzt: Geht die Transportstrecke talwärts, schalten die Fahrer die Zapfwelle ein. Die Zentrifugalpumpe beginnt, die Gülle im Kreis zu pumpen. Die Pumpe kann sehr viel Energie aufnehmen und gegen 200 PS vernichten. Der Motor des Traktors wird dabei gebremst. Die Wirkung ist wie eine Motorbremse, welche die Geschwindigkeit ohne Betriebsbremse reduziert.

Bei einer Bergaufstrecke ist der Nutzen natürlich nicht da. Aber auch da wird die Gülle vorgängig meistens noch etwas umgepumpt – dann halt mit zusätzlichem Energieinput.

Die Vakuumpumpe wird bereits während der Leerfahrt zur Güllegrube zugeschaltet. So beginnt dann die Zentrifugalpumpe rasch zu fördern und das 25-Kubikmeter-Fass ist in sieben Minuten gefüllt.

Bei der Gülletechnik lässt sich immer etwas optimieren

René Messer optimiert das Güllesystem fortlaufend. Zuletzt entwickelte er ein Verteilergestänge, dessen Eigenschaften nur von einem Praktiker mit viel Anwendungserfahrung stammen können. So optimierte er die Verteilgenauigkeit am Hang und konstruierte das Gestänge für den Strassentransport schmal und dennoch übersichtlich.

«Ich verbringe jährlich rund 1000 Stunden auf dem Verteiltraktor. Wenn ich irgendwo Verbesserungspotenzial sehe, mache ich mich in der Werkstatt ans Werk», sagt Messer. Ist die Serienreife erreicht, lässt Messer die Produkte bei einer Partnerfirma in der Schweiz herstellen.

Mit der Agromesser Technik AG ist René Messer auch im Handel mit Gülletechnik aktiv. Er ist Importeur der Fässer von Bossini. Der italienische Hersteller produziert die Fässer nach den Vorgaben von René Messer und liefert diese in die Schweiz. «Gülletechnik muss robust sein. Wer darin investiert, braucht zuverlässige Lösungen für sichere Transporte und sicheres Befüllen des Tanks. Hier hat sich die Zentrifugalpumpe besonders gut bewährt.» Nebst Fässern verkauft Messer auch selbst entwickelte Verteilergestänge und Schlauchrollen.

Die Zentrifugalpumpe hat einen geringen Verschleiss

René Messer ist von der Zentrifugalpumpe für sein Ausbringverfahren überzeugt: «Das Gewicht, die Betriebskosten und der Verschleiss sind ein Vorteil gegenüber anderen Pumpensystemen. Die Pumpe hat keine Bauteile, die ineinander greifen, wie beispielsweise eine Schneckenpumpe oder Drehkolbenpumpe. Das reduziert den Verschleiss. Und dank des Stahltanks kann der Nachteil beim Ansaugen mit einer einfachen Vakuumpumpe kompensiert werden.»

René Messer baut für die Verschlauchung ab Loch auch eine Pumpstation, die an den Dreipunkt des Traktors passt. Diese Station ist zapfwellenbetrieben und ebenfalls mit einer Zentrifugalpumpe ausgestattet.

Hier besteht die Möglichkeit eines Vakuums im Fass für den Ansaugvorgang nicht. Deshalb hat Messer eine zusätzliche Drehkolbenpumpe montiert. Diese kann die Gülle aus der Grube ansaugen, und wenn die Gülle fliesst, übernimmt die Zentrifugalpumpe.

Agromesser baut eigene Produkte für die Gülletechnik
Nebst dem Import und Vertrieb der Bossini-Güllefässer entwickelt René Messer diverse Geräte und Systeme im Bereich der Gülletechnik. Bereits die Schweizer Standardausrüstung der Bossini-Fässer basiert auf seinen Entwicklungen.
Neue Ideen werden zunächst mit einem selbst entwickelten Prototyp getestet. Danach erfolgt die Serienprodukte bei einem Maschinenbauer. Zuletzt wurde ein neuer Schleppschlauchverteiler auf den Markt gebracht, welcher besondere Bedürfnisse der Einsatzbedingungen in der Schweiz wie Hangsteuerung oder V-Funktion erfüllt. Weitere Eigenprodukte sind eine Dreipunktpumpe oder das Ausblassystem für Gülleschläuche, welche als Bausatz erhältlich sind.