Kurz & bündig
- Zwischen Sonnendach und Unterdach erwärmt die Sonne die Luft.
- Oft ist allerdings eine zusätzliche, künstliche Erwärmung der Luft von Vorteil.
- Die Luft sollte um mindestens 5 bis 7 Grad vorgewärmt werden.
- Luftentfeuchter arbeiten bei hohen Luftfeuchtigkeiten und hohen Temperaturen gut.
- Der richtigen Dimensionierung der Kanalhöhen wird oft zu wenig Wert beigemessen.

«Die Bodentrocknung hat keine Zukunft», sagt Matthias Kittl, Berater der Landwirtschaftskammer Salzburg an einem Webinar des Inforama über Heubelüftung. Bis zu einem Drittel der Nährstoffe gehe dabei verloren. Schuld daran ist, dass man seltener zum idealen Schnittzeitpunkt mähen kann und dass es mehr Bröckel- und Lagerverluste gibt.

Die Sonne erwärmt die Luft beim Unterdach

Eine Heubelüftung ermöglicht, das noch nicht lagerfähige Heu nachzutrocknen. Sie sollte mit einer Erwärmung oder Entfeuchtung der angesaugten Luft verbunden sein.

Am besten verwende man ein Sonnen- oder Unterdach. Damit ist eine zweite Dachhaut meistens über dem bestehenden Dach gemeint, empfiehlt der Spezialist für Heutrocknung. Die Sonne erwärmt die Luft im Zwischenraum und der Lüfter bläst sie von unten durch den Heustock. Diese Dachabsaugung sollte heute Standard sein. Die Betriebskosten sind geringer als bei einer Kaltbelüftung, bei welcher der Lüfter länger laufen muss.

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Holzöfen als Alternative zu Ölheizungen

Oft, wenn man das Heu schnell einbringen muss, ist das Wetter am anderen Tag bewölkt und die Luft ist feucht. Für solche Tage ist eine künstliche Erwärmung der Luft oder eine Entfeuchtung von grossem Vorteil. Sinnvoll sei es, die Luft um mindestens 5 bis 7 Grad zu wärmen.

Besonders dafür geeignet sind Hackschnitzelöfen, da sie zu einer automatischen und gleichmässigen Verbrennung des Holzes führen. Allerdings sind die Anschaffungskosten des Ofens höher als beim Stückgutofen. Dieser hat dafür den Nachteil, dass man immer wieder Holz nachlegen muss.

Luftentfeuchter sieht Kittl als gute Variante für die Heutrocknung. Sie benötigen bedeutend weniger Energie zum Trocknen als Öfen. Die Investitionskosten liegen im Bereich eines Hackschnitzelofens.

«Sie sind aber wie die Öfen nur bei richtiger Dimensionierung und einer guten Steuerung effizient», betont der Trocknungsspezialist. Bei geringer Luftfeuchtigkeit und niedriger Temperatur arbeiten Luftentfeuchter schlecht.

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Bei einer Luftfeuchtigkeit unter 40 % sollte man sie abschalten, bei Aussenlufttemperaturen unterhalb 20 bis 25 Grad sollte man im Umluftbetrieb fahren, also keine kühle Aussenluft verwenden. «Ölöfen kann ich heute nicht mehr empfehlen», sagt Belüftungsexperte Kittl. Zwar sind sie einfach im Betrieb, aber Heizöl als fossiler Energieträger ist klimaschädlich, während Holz ein nachwachsender Rohstoff ist, der den CO2-Kreislauf schliesst. Heizöl wird ausserdem immer teurer.

Die Wärmeleistung hängt von der Grundfläche ab

Die erforderliche Wärmeleistung des Ofens richtet sich nach der Grundfläche und der Höhe des Heustocks. Als Faustzahl gilt mindestens 1 kW je Quadratmeter Grundfläche. Das heisst, ein Heustock mit einer Grundfläche von 100 m2 benötigt eine Wärmeleistung von mindestens 100 kW in der Trocknung (also abzüglich aller Verluste vom Ofen bis zur Trocknung).

Wichtig ist, dass die Abgase der Verbrennung nicht in den Heustock gelangen und dass wegen der Brandgefahr der Sicherheitsabstand zum Heustock eingehalten wird. Der Abstand soll mindestens drei Meter zum Dach betragen. Den Warmluftschlauch darf man nie direkt an den Lüfter anbauen, weil der Lüfter weit mehr Luft als aus dem Ofen benötigt.

Für die Unterdachabsaugung erstellt man das Unterdach am besten schon beim Bau der Scheune. Ein Nachrüsten ist nur sinnvoll, wenn man das ganze Dach austauscht, hält Kittl fest.

Bei einem Unterdach muss man daran denken, dass sich am Sonnendach, vor allem am Blechdach, leicht Kondenswasser bildet. Um Fäulnis im Unterdach zu vermeiden, sind Abflussmöglichkeiten notwendig.

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Die Wärmeleistung ist unter einem Blechdach oder unter eine Photovoltaikanlage am grössten. Das Sonnendach muss nicht unbedingt schwarz sein, aber von dunkler Farbe. Weiss würde die Wärmestrahlen reflektieren.

Die Kanalhöhe richtig dimensionieren

Die Höhe des Unterdaches, die Kollektorhöhe, muss richtig dimensioniert sein. Sie ist abhängig vom Ansaugquerschnitt des Kollektors. Es gibt Tabellenwerte zu jeder Boxengrösse (siehe Tabelle). Diese müssen nur noch durch die Laufmeter Lufteinlass, die Breite aller Einsaugöffnungen, dividiert werden und man erhält die Kollektorhöhe oder Lattenhöhe im Dach.

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Beispiel der Berechnung der Kanalhöhe

Annahme:

- Grundfläche des Heustockes 100 m2
- Absaugrichtung von der Traufe Richtung First
Gemäss Tabelle (oben): Querschnitt der Ansaugfläche: 2,75 m²

Annahme:
- Gebäudelänge 27 m
Kollektorhöhe: 2,75 m2/27 m = 0,10 m = 10 cm

Bei Absaugung beider Dachhälften, jeweils Traufe Richtung First
2,75 m2/2 x 27 m = 0,05 m = 5 cm

Das Ergebnis der Berechnung steht für den freien Querschnitt im Dachkollektor. Im Beispiel wäre das bei einem Ziegeldach die Höhe der Konterlatte.

AboEin Haufen Heu vor weissem Hintergrund.FutterbauAntworten des Fachmanns: «Heubetriebe brauchen ein Heizsystem»Donnerstag, 28. April 2022 Es müssen dabei alle Laufmeter Lufteinlass zusammengerechnet werden. Bei zwei Dachhälften sind das je nach Absaugrichtung, ob entlang der Traufe oder über den First abgesaugt wird, zwei Mal die Traufenlänge oder zwei Mal die Dachschrägen.

«Sich dabei nicht blind auf die Firmen verlassen», mahnt der Berater. Bei zu kleiner Kanalhöhe komme zu wenig Luft in den Heustock, bei zu grosser bleibe die warme Luft stehen.

Einer Kaltbelüftung gibt der Fachmann wenig Kredit. Sie eignet sich besonders dann nicht, wenn grosse Mengen eingebracht werden oder in Gegenden, wo es lange Regenperioden gibt. Am ehesten komme sie noch im Berggebiet in Betracht, wo später geheut wird. Die Sonnenscheindauer ist dann länger und die Luft ist trockener.

Weiterführende Links:
-Inforama-Webinar «Effiziente und ökologische Heutrocknung»
-Berechnung von Kanalhöhe und Querschnitt des Sammelkanals
-Broschüre ÖKL-LTS 236: «Heutrocknung - Technische Grundlagen für die Bauplanung»