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Schwarzes Alpenschwein – Schweinerasse der Alpen

Schwarzes Alpenschwein: «Pro Patrimonio Montano» hat letzte Exemplare dieser alten Schweinerasse aufgespürt und weitergezüchtet. Manuela und Marcel Schmid halten im St. Galler Rheintal zwei Zuchtsauen.


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Kurz & bündig

  • «Pro Patrimonio Montano» hat letzte Exemplare von alten Schweinerassen der Alpenregionen aufgespürt und daraus das «Schwarze Alpenschwein» gezüchtet.
  • Das Schwarze Alpenschwein wächst zwar langsamer als die Leistungsrassen, aber es ist besonders robust, berggängig und umgänglich.
  • Nicht die Zunahmen stehen im Vordergrund, sondern die ökologischen Leistungen.
  • Fleisch vom Schwarzen Alpenschwein ist ein Nischenprodukt. Es findet Anklang bei Konsumenten, denen eine besonders naturnahe Landwirtschaft am Herzen liegt.

Raritäten muss man suchen. Der Hof «Morgarot» der Familie Marcel und Manuela Schmid liegt abgelegen über dem St.Galler Rheintal und ist selbst mit handgezeichneter Karte nicht leicht zu finden. Doch die Suche lohnt sich, nicht nur wegen der drei Schwarzen Alpenschweine, sondern auch wegen der Landwirte und ihrer unkonventionellen Art, einen Bergbetrieb zu bewirtschaften.

Das junge Paar hat aus dem Hof von Marcels Eltern oberhalb von Altstätten ein Kleinod geschaffen, einen vielfältigen, naturnah wirtschaftenden Betrieb mit Gemüsebau, Wildkräutern, Obst- und Wildobstbäumen, mit Amphibienweiher, Natursteinmauern und einem Schulungszentrum.

Permakultur nennt sich diese landwirtschaftliche Produktion. Sie baut auf Ökologie, Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von Pflanzen und Tieren. Die Alpenschweine bilden einen Teil dieser sich gegenseitig fördernden Hofgemeinschaft, zu der auch Schafe, Ziegen, Pferde, Esel, Yaks, Gänse und Hühner gehören.

Die Schwarzen Alpschweine regulieren das Unkraut

Black und Beauty heissen die beiden Muttersauen, die seit nicht ganz einem Jahr auf dem Hof leben und ihrem Namen Ehre machen. Seit ein paar Wochen ist Ferdinand bei ihnen, den die Bauern von einem Züchter ausgeliehen haben und der inzwischen nicht untätig war, um für Nachwuchs zu sorgen.

«Es ist eine rechte Freud mit ihnen», sagt Manuela Schmid in ihrem oberösterreichischen Dialekt. Sie hat den Dreien gerade ein paar grosse Zucchetti auf die Weide geworfen, die sie genussvoll schmatzend verspeisen. Danach suchen die zwei Damen den Schatten in einem Kälberiglu auf. «Am liebsten kuscheln sie», kommentiert die Bäuerin. «Wir haben sie aber nicht zur Gaudi», wird sie ernster. Die Sauen haben Aufgaben im Ökosystem. Vor allem regulieren sie das Unkraut. Sie fressen zum Beispiel gerne die Wurzeln des Hahnenfusses, vertilgen Engerlinge sowie Schneckeneier und zerstören Mausgänge.

Durch das Wühlen mit dem Rüssel lockern sie den Boden auf, damit wieder neue Pflanzenarten wachsen können. Doch kann man als Bergbauer Freude daran haben, wenn die Grasnarbe zerstört wird und die Erde umgepflügt wird? Marcel Schmid zeigt mit der Hand auf die Flächen, die er mit der Wiesenegge eingeebnet und mit Heublumen eingestreut hat. Es sind keine Löcher mehr sichtbar. Mittels Weidewechsel bringt Schmid Aufwühlen und Zuwachsen ins Gleichgewicht.

Anspruchslos, robust und berggängig

Im Sommer sind die Sauen während 24 Stunden auf der Weide und sorgen quasi für sich selbst. Sie ernähren sich von Gräsern, Wurzeln, Gemüse-Rüstabfällen und Bodenlebewesen. «Sie sind richtig arbeitsextensiv», freut sich Marcel Schmid, denn auf dem Hof gibt es sonst schon genug zu tun. Als Unterschlupf dient den Schweinen der erwähnte Kälberiglu. Im Winter sind sie in einem Stall mit ständigem Auslauf und werden mit Weizen- und Roggenkleie, Apfeltrester und Graswürfel gefüttert.

«Mit Abfällen der Lebensmittel-Industrie, aber nicht mit ganzem Getreide», betont Marcel Schmid, denn die Schweine sollen nicht zum Nahrungsmittelkonkurrenten des Menschen werden. Dass ihre Nahrung reich an Rohfaser ist, lässt sich an den Kotballen ablesen, die teilweise fast Pferdeäpfeln gleichen.

Die Nachkommen von Black und Beauty werden etwa eineinhalb Jahre alt, bis sie ausgemästet sind, das heisst die Mast dauert drei Mal so lange wie bei unseren auf Leistung gezüchteten Schweinerassen.

Dafür sind die Schwarzen Alpenschweine, die es auch in gescheckter Färbung gibt, nicht nur anspruchslos an ihre Nahrung, sondern auch robust und berggängig. Schwarze Alpenschweine haben lange, kräftige Beine und die dunkle Färbung schützt sie vor Sonnenbrand. «Sie sind feiner und zutraulicher als das Wollschwein», beschreibt sie Manuela Schmid, die zuvor Wollschweine gehalten hat. Diese waren ihnen zu «ruppig» und ausbruchsfreudig.

Mit alten Rassen Gene und Kulturgut bewahren

Manuela und Marcel sind über «Pro Patrimonio Montano» abgekürzt «Patrimont» zu den Alpenschweinen gekommen. Dies ist ein Netzwerk zum Erhalt der genetischen Vielfalt der Bergwelt. Im Jahre 2013 machte Dr. Alessio Zanon, Veterinär der Universität Parma, fünf echte Veltliner Schweine, auch Bündner Schweine genannt, in der Gegend von Como ausfindig. «Wir sind alle Täler abgefahren, um weitere Tiere zu finden», erzählt Hans-Peter Grünenfelder, Vorsitzender von Patrimont.

Da sie keine weiteren Exemplare der Rasse finden konnten und Inzucht vermeiden wollten, entschlossen sie sich, die Veltliner und zwei weitere althergebrachte Alpen-Schweinerassen, (die in Reliktform erhaltenen Samolaco und Ultner Schecken) als Basis für das Schwarze Alpenschwein zusammenzufassen. So gelang es ihnen, die Gene der alten Berg-Rassen und zugleich altes Kulturgut zu bewahren.

Mit der Rassenkonsolidierung war allerdings die Rückkehr in die Schweiz noch nicht geschafft. Dazu mussten die Tiere zuerst während zweier Monate in Quarantäne in den Tierpark Goldau. Nach verschiedenen Bluttests und bangem Warten öffnete sich schliesslich der Weg für vier Zuchtgruppen. Inzwischen sind es schon 17 Zuchtgruppen verteilt
in den Schweizer Bergregionen.

Ihr Fleisch ist eine Spezialität

Den Züchtern der Schwarzen Alpenschweine ist klar, dass sie eine Nische innehaben. Nicht Menge und Leistung führen hier zum Erfolg, sondern die Vermarktung des Fleisches als ein Produkt aus naturnaher Haltung und als Delikatesse.

Da die Alpenschweine dauernd in Bewegung sind, bilden sie keine dicke Fettschicht, sondern das Fett durchzieht die Muskeln. Es entsteht ein feinfaseriges, marmoriertes Fleisch. Manuela und Marcel Schmid freuen sich schon auf die Bereicherung ihres vielfältigen Produktekorbes in der Direktvermarktung.

Von den Produkten leben

«Wir leben zu 100 Prozent vom Hof», sagt Manuela Schmid. Ihre Produkte vermarkten sie direkt an Privatleute, zwei kleinere Detaillisten und an ein Restaurant. Das «Hof Morgarot Kistli» enthält saisonales Gemüse, Obst, Beeren, Walnüsse und Wildkräuterspezialitäten und wird direkt ausgeliefert. Das Fleisch verkaufen Schmids separat nach Mail-Anfrage an ihre Kundschaft.

Obwohl der Hof biologisch wirtschaftet, ist er nicht mehr Mitglied bei Bio Suisse. «Wir sind mehr als Bio», begründet es die Landwirtin: «Unsere Kunden spüren, dass wir im Einklang mit der Natur wirtschaften.»

Betriebsspiegel

Manuela und Marcel Schmid, Lüchingen SG

LN: 21 ha

Bewirtschaftung: Bio

Tierbestand: 38 Mutterschafe (Jakobsschafe und Mischlinge) mit Bock und Lämmer, 11 Toggenburger- und Appenzeller Ziegen mit Bock und Gitzi, 4 Pferde, 4 Yaks, 2 Esel, 4 Landgänse, 20 Zweinutzungs-Hühner und Pommernenten

Kulturen: Gemüse, Beeren, Wildkräuter, Wildbäume, Obstbäume

Arbeitskräfte: Betriebsleiter-Ehepaar, verschiedene Mitarbeiter mit total 200 Stellenprozent.

www.hof-morgarot.ch

www.patrimont.org

 

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