Wenn in 7 Tagen, am 25. September 2022, über die Massentierhaltungs-Initiative MTI abgestimmt wird, dürfte die MTI voraussichtlich mit rund 60 Prozent Nein-Stimmen versenkt werden. Also mit dem Prozentanteil Nein-Stimmen, den «die grüne» schon in ihrer 1. Abstimmungs-Prognose vom 22. Juni 2022 ermittelt hatte.

Unsere Abstimmungs-Prognose basiert auf insgesamt neun Indikatoren, mit denen das Abstimmungs-Resultat relativ genau prognostiziert werden kann (in chronologischer Reihenfolge):

  1. Nur eine von sechs Volksinitiativen wird von den Stimmbürgern angenommen
  2. Resultat der Fair-Food-Initiative 2018 (61 Prozent Nein)
    Resultat der Trinkwasser-Initiativen 2021 (60,6 resp. 60,7 Prozent Nein)
  3. Nationalrats-Abstimmung zur Massentierhaltungs-Initiative MTI (111 Nein zu 60 Ja bei 19 Enthaltungen = 59 Prozent Nein)
  4. Parolen-Spiegel von relevanten Parteien, Verbänden etc. (59 Prozent Nein-Parolen)
  5. Wettbörse «50plus1»
  6. stellus.ch
  7. SRG-Trendumfragen
  8. Tamedia-Abstimmungsumfragen
  9. FÖG Abstimmungsmonitor zur Medienberichterstattung

Klares Muster bei der SRG-Trendumfrage und der Tamedia-Abstimmungsumfrage

DossierZwei Muttersauen mit ihren Ferkeln in einem Gruppensäugestall.Massentierhaltungs-Initiative MTIDonnerstag, 28. Oktober 2021 Im Auftrag von SRG (Schweizer Radio und Fernsehen) und Tamedia («Tagesanzeiger», «Berner Zeitung», «Bund», «20Minuten») befragen zwei verschiedene Institute jeweils mehrere Tausend Stimmbürger zu den Abstimmungsvorlagen. Diese SRG-Trendumfragen und die Tamedia-Abstimmungsumfragen werden in sogenannten «Wellen» jeweils in den Wochen vor einer Abstimmung publiziert.

SRG-Trendumfrage

  1. Welle: 46 Prozent Nein (5 Wochen vor Abstimmung)
  2. Welle: 52 Prozent Nein (10 Tage)

Tamedia-Abstimmungsumfrage

  1. Welle: 43 Prozent Nein (7 Wochen vor Abstimmung)
  2. Welle: 49 Prozent Nein (4 Wochen)
  3. Welle: 60 Prozent Nein (10 Tage)

[IMG 2]Die Massentierhaltungs-Initiative wurde also in der ersten «Welle» der SRG-Trendumfrage und der Tamedia-Abstimmungsumfrage noch von einer Mehrheit der Befragten unterstützt.

In der zweiten (respektive bei Tamedia dritten) «Welle» kippte die Stimmung gegen die Massentierhaltungs-Initiative. Ein Verhalten, das bei Volks-Initiativen so häufig ist, dass es bei Prognosen als klares Muster angenommen werden kann.

Die Ergebnisse der SRG-Trendumfrage und der Tamedia-Abstimmungsumfrage liegen in der zweiten/dritten «Welle» um 8 Prozent auseinander. Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Erhebungs-Methoden:

  • Die SRG-Trendumfrage vom Forschungsinstitut GFS Bern ist ein Mix von drei verschiedenen Erhebungs-Verfahren und damit auch unterschiedlichen Zielgruppen, nämlich per Fixnet-Telefon, Mobiltelefon und Online. Das mindert «Schlagseiten» aufgrund einer Erhebungs-Art vor allem zu einem frühen Zeitpunkt.
  • Die Tamedia-Abstimmungsumfrage vom Forschungsinstitut Leewas GmbH ist dagegen eine reine Online-Erhebung, die von LeeWas noch modelliert wird. Weil die tendenziell konservativeren Nutzer von Fixnet-Telefonen wegfallen, liefert sie eher oppositionelle Einschätzungen.

Die Wettbörse «50plus1», das «Stellus»-Modell und der FÖG-Abstimmungsmonitor

Eine ganz andere Methodik als SRG und Tamedia, die je mehrere Tausend Stimmbürger befragen, verfolgen die Wettbörse «50plus1» und das «Stellus»-Modell.

  • In der Wettbörse «50plus1» schliessen die TeilnehmerInnen Wetten über den Ausgang der Abstimmung ab. Dieser sogenannte Prognosemarkt hat in den vergangenen Jahren in den meisten Fällen die richtige Mehrheit vorausgesagt.

    Die Wettbörse «50plus1» prognostiziert für die Abstimmung über die Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz» ein Nein («50plus1» ermittelt die Wahrscheinlichkeit der Annahme einer Initiative und nicht die Prozent-Punkte).
     
  • Das «Stellus»-Modell analysiert mit Machine Learning die Abstimmungsbüchlein rückwirkend seit 1979 und prognostiziert aufgrund der Ausgangslage, Argumenten von Befürwortern und Gegnern sowie des Gesetzestextes das Abstimmungsresultat. Seit 2017 hat das Stellus-Modell damit fast alle Abstimmungen richtig prognostiziert.

    Das «Stellus»-Modell prognostiziert für die Abstimmung über die Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz» ein klares Nein mit 60,3 Prozent Nein vom Volk und 23 Ständen, welche die MTI ablehnen. Neben der Mehrheit der gültig abstimmenden Bürger (Volksmehr) lehnt auch die Mehrheit der Kantone (Ständemehr) die MTI ab. Interessant dabei: Immerhin 6,5 Kantone würden gemäss «Stellus» die Initiative befürworten.

Als letztes Tool (auch zeitlich gesehen) kommt der FÖG-Abstimmungsmonitor dazu. Die Forschungsstelle Öffentlichkeit & Gesellschaft FÖG der Universität Zürich analysiert damit die Medienberichterstattung: Wie positiv oder negativ berichten die Medien über die Massentierhaltungs-Initiative:

  • 50 Prozent positiv (für die MTI)
  • 32 Prozent ambivalent
  • 18 Prozent negativ (gegen die MTI)

Besonders aktive Akteure waren die Tierschutz-Organisationen und der Schweizer Bauernverband. Landwirtschafts-Minister Parmelin – notabene ein Bauernsohn und ausgebildeter Landwirt – glänzte durch Abwesenheit.

Detaillierte Auswertung des foeg-Abstimmungsmonitors über die Massentierhaltungs-Initiative

Die AHV-Kontroverse wird die Willensbildung zur Massentierhaltungs-Initiative beeinflussen

Ein zusätzlicher Faktor, der gegen eine Annahme der Massentierhaltungs-Initiative spricht: Am 25. September 2022 wird neben der MTI auch noch über drei andere Vorlagen abgestimmt:

  • Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer
  • AHV-Gesetz
  • Verrechnungssteuergesetz

Diese drei Vorlagen – vor allem die AHV-Kontroverse – sind für die Stimmbürger im wörtlichen Sinne existentiell wichtig. Tierschutz und damit die MTI zählt dabei zu den nachgelagerten Sorgen.