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Hirsche liefern in Neuseeland mehr als Fleisch

Neuseeland hat über 2000 Hirschfarmen, die 900'000 Hirsche halten. Diese liefern nicht nur Fleisch, sondern unter anderem auch Bastgeweih für die traditionelle chinesische Medizin. Dieses Bastgeweih ist so wertvoll, dass die Farmer damit bis ein Drittel des Umsatzes erzielen.


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Kurz & bündig

  • Lyndon Matthews führt in Neuseeland erfolgreich eine Hirschfarm.
  • Der Sommertrockenheit begegnet er mit Weidemanagement und Futterbau.
  • Rund ein Drittel des Umsatzes aus der Hirschhaltung stammt aus dem Verkauf von Bastgeweihen.
  • Auch andere Nebenprodukte tragen zur Wirtschaftlichkeit der Hirschhaltung bei.

Der Sommer 2018 bleibt vielen Schweizer Landwirten als trockener Sommer in Erinnerung. Für Lyndon Matthews (54) ist Sommer-Trockenheit dagegen normal. Seine Puketira-Farm liegt in Waikari, Neuseeland, rund 70 km von Christchurch entfernt.

Dort regnet es meistens nicht mehr als 600 Millimeter im Jahr. «Als ich den Betrieb übernahm, sagte man mir, es sei hier zu trocken, um Rothirsche zu halten», sagt Matthews, lacht und winkt ab. Er hat gelernt, mit der Trockenheit umzugehen und seine Hirschherde Jahr für Jahr vergrössert. Heute hält er 750 Muttertiere, 50 Stiere und 500 Jungtiere.

Im Gegensatz zu anderen Farmern kauft er auch in sehr trockenen Jahren praktisch kein Futter zu. Sein Rezept gegen die Trockenheit ist eine Kombination von Anbauplanung und Weidemanagement.

Der Name «Puketira» stammt aus der Sprache der Maori und bedeutet frei übersetzt «Hügel mit hervorragender Aussicht». Das trifft zu: Die Gegend um Waikari ist hügelig und die Aussicht von Matthews Land ist toll. Im Hintergrund sieht man einen Ring aus schneebedeckten Bergen.

Der Boden ist teilweise sehr kalkhaltig und wasserdurchlässig, die Humusauflage ist oft dünn. Es regnet eher selten, dafür windet es viel. Im Sommer ist es sehr trocken, im Winter sehr kalt.

«Ideal für die Tierhaltung und Fleischproduktion», findet Matthews. Schon sein Vater und sein Grossvater haben auf Puketira Fleisch produziert. Nur setzten sie dabei auf Schafe. Doch die Lammfleisch-Preise schwanken stark, in manchen Jahren war die Schafhaltung wenig attraktiv.

Matthews hat die Schafherde in den letzten Jahren zu Gunsten der Hirsche verkleinert. Heute hält er noch rund 400 Mutterschafe mit der entsprechenden Anzahl Lämmer.

Weideplanung ist das A und O der Tierhaltung in Neuseeland

Mehr gibt das Land in Waikari nicht her. Limitierende Faktoren sind auf den 267 Hektaren Land, die Lyndon Matthews bewirtschaftet, die Niederschläge und der Wind.

Um Erosionsschäden zu vermeiden, hat Matthews teilweise Windschutz-Hecken angelegt. Er legt Wert darauf, dass die Koppeln nicht zu lange beweidet werden.

Seine Hirschherde teilt er in Gruppen mit je 150 bis 200 Tieren auf. Eine Koppel kann von einer Gruppe normalerweise eine Woche lang beweidet werden. Während der Abkalbe-Zeit, die sich über rund sechs Wochen hinzieht, werden die Koppeln vergrössert. Damit es nicht zu Trittschäden kommt, werden die Gruppen nie in zwei aneinander angrenzenden Koppeln gehalten. «Sonst laufen alle Tiere immer am Zaun entlang.»

Aus dem gleichen Grund achtet er darauf, die Koppeln immer zu wechseln, bevor das Futter auf der Nachbarkoppel attraktiver erscheint und sich alle Tiere auf derselben Seite aufhalten.

Eine weitere wichtige Massnahme, um die jährliche Trockenheit zu meistern, ist der Anbau und die Zufütterung von Luzerne. Aus dem ersten Schnitt macht Matthews Silage, den zweiten Schnitt presst er zu Ballen und mit dem dritten Schnitt macht er Emd.

«Im frühen Frühling brauchen die Hirsche das beste Futter.» Auch im Herbst sollten sie intensiv gefüttert werden. Im Winter hält Matthews seine Tiere dagegen kurz. Dann müssen sie sich an einer Art Fahr-Silo mit Fressgitter selbst versorgen.

Geschlachtet wird von September bis Februar. In dieser Zeit bringt Matthews alle zwei Wochen rund 50 Tiere in den Schlachthof. Zuerst sind das vor allem männliche Tiere oder Kühe, die nicht aufgenommen haben. Später kommen die jüngeren, etwa zweijährigen, Tiere dran.

Matthews produziert unter anderem für die Marke Cervena. Für diese Marke dürfen die Tiere maximal drei Jahre alt sein. Es gibt Abnahmeverträge, die Fleischpreise sind übers Jahr verteilt relativ konstant.

 

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Seit ein paar Jahren lässt Matthews einen kleinen Teil der Hirschkühe künstlich befruchten. Das ist sehr aufwändig und lohnt sich nur für Tiere, deren Nachkommen als Zuchttiere verkauft oder als Nachzucht verwendet werden. Aktuell ist das bei rund 75 Kühen der Fall.

Dass es Matthews‘ Tieren gut geht, erkennt man daran, dass sie alt werden. Einige Hirschkühe hat er schon, seit er den Betrieb von seinem Vater übernahm – das war im Jahr 2004.

Das Hirschgeweih ist ein Nebenprodukt mit grossem Wert

Wie alle Hirschhalter in Neuseeland produziert Lyndon Matthews nicht nur Fleisch, sondern auch Bastgeweih. Und das sogar zweimal im Jahr: Am Anfang der Saison ist das Geweih zwar klein, dafür sind die Preise hoch. 2019 bekam er gegen 150 Dollar pro Kilogramm.

Das Geweih von acht Tieren bringt ihm rund 4000 Dollar ein, das entspricht ungefähr 2500 Schweizer Franken. Das Bastgeweih wird unter örtlicher Betäubung im Behandlungsstand abgenommen, «geerntet», wie die Farmer in Neuseeland sagen. Die Schnittstelle wird anschliessend mit einem blutstillenden Mittel behandelt. «Die Blutung stoppt innerhalb von zwei Minuten», sagt Matthews. In den 25 Jahren, in denen er Bastgeweihe erntet, habe er noch nie Probleme mit Infektionen gehabt.

Fürs Ernten des Bastgeweihs braucht man eine Bewilligung und erhält dann eine Produzenten-Nummer. Die ist wichtig wegen der Rückverfolgbarkeit. Jedes einzelne Geweihteil wird mit dem Produzenten-Code versehen und sofort tiefgekühlt.

Der Verkauf erfolgt an drei Händler, die in ganz Neuseeland aktiv sind. Bezahlt wird üblicherweise in Tranchen: Die ersten 20 Prozent gibt es sofort, der Rest wird in 20-Prozent-Tranchen übers Jahr verteilt ausbezahlt.

In der traditionellen chinesischen Medizin wird Bastgeweih schon seit tausenden Jahren für allerlei Gebrechen eingesetzt. Es soll speziell bei Wundheilung und Gelenkbeschwerden helfen, aber auch bei Potenzproblemen.

In jüngerer Zeit finden Bastgeweihprodukte vermehrt in Sportlerkreisen Anklang. Die Produkte sollen die Leistungsfähigkeit steigern und Verletzungen vorbeugen.

Und neuseeländische Hirsche müssen auch für die Hunde in Europa und den USA den Kopf hinhalten: Bastgeweih wird immer öfter in hochpreisigem Hundefutter verwendet.

Es gibt Hirschfarmer, die sich auf grosse Geweihe, auf Trophäen, spezialisieren und sechs bis siebenmal so viele Stiere wie Kühe halten. Andere Hirschhalter züchten bei Hirschen auf breite Schwänze, denn auch diese sind in Asien begehrt. Lyndon Matthews fokussiert sich jedoch auf die Fleischproduktion. Er will lieber das Schlachtgewicht erhöhen, als das Geweih vergrössern. «Wer Trophäen produziert, liefert zu tiefen Kilopreisen ab.»

Kleinere, aber bei besseren Preisen geerntete Geweihe sind wirtschaftlicher. Dass Matthews seinen Betrieb nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten optimiert, ist kein Zufall: Er ist schliesslich nicht nur Farmer, sondern auch Banker.

An drei Tagen pro Woche arbeitet Matthews für eine Bank. Solange seine Kinder noch in der Ausbildung sind, wird das auch so bleiben. Sein Beruf macht ihm Spass, da er dabei viel mit Farmern zu tun hat. Deshalb weiss er auch, dass manche Farmer in Phasen mit grosser Trockenheit bis zu tausend Dollar für Futterzukäufe ausgeben. Pro Tag!

Auch wenn der Staat in sehr trockenen Jahren den Farmern mit Dürrehilfen unter die Arme greift, brachte das schon mehr als einen Betrieb in wirtschaftliche Notlage. Lyndon Matthews achtete darauf, dass ihm das nicht passiert. Während er für die Bank arbeitet, schaut seine Farm-Managerin Melanie Ruck nach den Tieren. Sie ist genau wie Matthews eine begeisterte Hirschhalterin. 

Das Hirschgeweih wächst nach

Im Gegensatz zu Hörnern beim Rindvieh bildet sich das Geweih der männlichen Hirsche jedes Jahr neu. Es wächst dabei aus den beiden zapfenförmigen Knochengebilden, die man «Rosenstöcke» nennt.

Man unterscheidet zwei Stadien: Das Bastgeweih und das harte Geweih. Beim Bastgeweih ist die Haut vollständig von feinen Haaren bedeckt, es hat ein samtartiges Aussehen und enthält reichlich Blut und Nerven.

Mit bis zwei Zentimeter Wachstum pro Tag gilt es als das am schnellsten wachsende Organ des Tierreichs. Das Wachstum wird von Testosteron gesteuert, weshalb Bastgeweihe in China als Heil- und Potenzmittel gelten.

Gegen Ende des Wachstums verkalkt das Geweih. Die Nerven- und Blutversorgung wird eingestellt.

Am Ende der Brunftzeit entsteht zwischen Geweih und Rosenstöcken eine Trennfuge und das Geweih wird auf natürliche Weise abgeworfen. Die abgeworfenen Stangen werden auch vermarktet, sind aber nur einen Bruchteil vom Bastgeweih wert.

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