Kurz & bündig
- Liliane Bader hat die Ausbildung zur Bäuerin mit Fachausweis absolviert und würde sich wieder für diese Ausbildung entscheiden.
- In der Ausbildung schrieb sie eine umfassende Projektarbeit rund um die betriebseigene Hofübergabe.
- Dank der Projektarbeit wurde die Hofübergabe frühzeitig und konkret in der Familie diskutiert.
- Der Schwerpunkt in der Bäuerinnenschule wird grundsätzlich eher auf den Haushalt gesetzt und weniger auf die praktische Arbeit auf dem Hof. Die Praxis lernt Liliane Bader von ihren Eltern.
«In die Fussstapfen der Eltern treten», das war der Titel der Projektarbeit von Liliane Bader. Damit sie das Rüstzeug für die bevorstehende Hofübernahme per Ende 2028 erlangen konnte, hat sie die Berufsprüfung zur Bäuerin mit Fachausweis gemacht. Für die Berufsprüfung musste Liliane Bader eine umfassende Projektarbeit schreiben, welche die drei Fachbereiche «Familie und Gesellschaft», «Haushaltsführung» und «Landwirtschaftliche Betriebslehre» vereint. Deshalb hat sie sich entschieden, über die bevorstehende Hofübernahme zu schreiben.
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«Mit dieser Projektarbeit ist der ganze Prozess in Gang gekommen. Sonst hätten wir sicherlich nicht schon so früh über die Hofübergabe gesprochen», betont Sibylle Bader. Die Eltern Sibylle und Josef Bader planen, ihren Hof bereits per Anfang 2029 an ihre Tochter Liliane zu übergeben. Der Zeitpunkt liegt fünf Jahre vor der Pensionierung von Josef Bader. Liliane Bader wird dann 31 Jahre alt sein. «Ein gutes Alter, um Verantwortung übernehmen zu können», findet Josef Bader.
Nebenbei die Ausbildung zur Bäuerin absolviert
«Ich habe mir schon immer gewünscht, hier auf dem Hof Bereten weiterzuleben. Da war für mich auch immer klar, dass ich den Landwirtschaftsbetrieb weiterführen werde», erinnert sich Liliane Bader. Die Erstausbildung von Liliane Bader ist Kauffrau EFZ, welche sie in einer Brandschutzfirma in Balsthal SO absolvierte. Seit 2017 arbeitet sie nun auf dem Handelsregisteramt des Kantons Solothurn, wo sie auch noch eine juristische Weiterbildung machte.
«Meine Eltern führen nicht nur seit 30 Jahren erfolgreich einen Betrieb, sondern auch eine Ehe.»
Liliane Bader
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Im Moment arbeitet sie dort zu 100 Prozent als Sachbearbeiterin. Das Weiterführen dieser Arbeit war für Liliane Bader ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der landwirtschaftlichen Ausbildung. «So einfach wie jetzt kann ich nicht mehr Geld verdienen und für die Hofübernahme sparen. Deshalb wollte ich mein Auswärtspensum möglichst beibehalten», erklärt Liliane Bader.
Ausserdem interessiert sie sich sowohl für die Arbeiten auf dem Hof als auch für den Haushalt. Die Ausbildung zur Bäuerin vereint diese beiden Praktiken. Aus diesem Grund entschied sich Liliane Bader für die Ausbildung zur Bäuerin mit Fachausweis am Wallierhof im Kanton Solothurn.
Während zwei Jahren ging sie immer einen Tag pro Woche in die Schule und konnte nebenbei 80 Prozent beim Handelsregisteramt weiterarbeiten. 2024 hat sie die Berufsprüfung zur Bäuerin mit Fachausweis absolviert und arbeitet seither wieder 100 Prozent bis zur Hofübernahme.
Die Projektarbeit hat die Hofübergabe vorangetrieben
Innerhalb der Projektarbeit konnte Familie Bader bereits einige wichtige Abklärungen rund um die Hofübergabe tätigen. So fand während der Ausbildung von Liliane Bader bereits eine Ertragswertschätzung sowie die Schätzung des Inventars statt. Kurz vor der Hofübergabe wird die Inventarschätzung aktualisiert.
Auch die Tragbarkeitsrechnung wurde bereits erstellt. Das sind alles Berechnungen und Schätzungen, die bereits einige Jahre vor der Hofübergabe gemacht werden sollten, um die Übergabe sauber und langfristig planen zu können (siehe «die grüne»-Ausgabe 2/2026).
«Dank der Projektarbeit ist der Hofübergabeprozess bereits früh in Gang gekommen und wurde in der Familie besprochen.»
Sibylle Bader
Nach der Hofübernahme durch Liliane Bader werden ihre Eltern weiterhin auf dem Betrieb wohnen und mitarbeiten. Die Eltern planen, einen Teil des Kaufpreises als Darlehen «stehen zu lassen» und mit der Wohnungsmiete abzugelten. Deshalb hat Liliane Bader für ihre Projektarbeit mit ihren Eltern bereits einen provisorischen Darlehensvertrag und einen Arbeitsvertrag erstellt.
Für den zukünftigen Lohn, den sie ihren Eltern zahlen wird, orientiert sich Liliane Bader an den aktuellen Richtlöhnen für landwirtschaftliche Angestellte. Die Projektarbeit innerhalb der Ausbildung zur Bäuerin mit Fachausweis hat die Hofübergabe bei Baders also massgeblich beeinflusst und vorangetrieben.
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Über die Zweitausbildung in die Landwirtschaft gekommen
Auch Liliane Baders Vater Josef hat nicht gleich von Anfang an Land-wirt gelernt. Er erzählt, dass er am Ende der Schulzeit als Zimmermann schnuppern gegangen sei. «Das hat mir sehr gut gefallen», erinnert sich Josef Bader. Danach sei er nach Hause gegangen und habe seinen Vater gefragt, was er dazu meine, wenn er zuerst Zimmermann und nachher Landwirt lernen würde. «Mein Vater sagte darauf, ich solle das unbedingt machen. Er selbst müsse ja sowieso noch 15 Jahre arbeiten, bis er mir den Hof übergeben könnte», erzählt Josef Bader.
Auf diesem Weg gelangte er in die Baubranche, was ihm später auch auf dem Hof nützlich war für diverse Um- und Neubauten. Zuerst wollte sich Josef Bader dann sogar als Zimmermann selbstständig machen mit einer eigenen Zimmerei auf dem Hof. Aber das ging nicht wegen der Landwirtschaftszone.
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Liliane Baders Partner Thomas Ackermann ist ebenfalls in der Baubranche tätig. Er ist gelernter Maurer, was auf einem Hof durchaus auch vorteilhaft sein kann.
Sibylle Bader hat ebenfalls eine andere Ausbildung. Sie hat ursprünglich Drogistin gelernt und später noch den hauswirtschaftlichen Winterkurs am Wallierhof besucht. Aktuell arbeitet sie in einem 20-Prozent-Pensum in einer Tierarztpraxis.
Als Bäuerin bereit für die bevorstehende Hofübernahme
Diese Ausbildungen helfen Sibylle und Josef Bader, damit sie auch nach der Hofübergabe bis zur Pensionierung noch ein Einkommen ausserhalb des Betriebes haben. So kann Liliane Bader bereits in die neue Rolle als Betriebsleiterin schlüpfen und gewisse Arbeiten übernehmen, aber weiterhin auf die Unterstützung ihrer Eltern zählen. Gleichzeitig können die Eltern auf dem Betrieb weiterleben, ohne ständig auf dem Hof zu sein. Somit haben die junge und die alte Generation gewisse Freiheiten und trotzdem noch den vertrauten Alltag.
«Ich würde wieder die Bäuerinnenschule machen, für mich war das die richtige Ausbildung», sagt Liliane Bader. Mit dieser Ausbildung ist sie direktzahlungsberechtigt und kann Starthilfe beantragen. Ausbildungstechnisch gesehen hat Liliane Bader alles dabei, was sie für die Hofübernahme braucht.
Von der fachlichen Seite her hätte Liliane Bader die Ausbildung zur Landwirtin EFZ auch sehr gereizt. «Besonders die Themen rund um Tiergesundheit und bäuerliches Bodenrecht hätte ich gerne noch tiefer behandelt.» Jedoch hätte sie für diese Ausbildung das Arbeitspensum ausserhalb des Betriebes auf 50 Prozent reduzieren müssen.
In der Bäuerinnenschule werden Themen rund um die Buchhaltung und die Hofübergabe ebenfalls thematisiert, so wie in der Ausbildung zum Landwirt EFZ. «In der Schule habe ich viel gelernt rund um die Hofübergabe», sagt Liliane Bader. Sie fühlt sich gut vorbereitet.
Der Schwerpunkt in der Bäuerinnenschule wird grundsätzlich aber eher auf den Haushalt gesetzt und etwas weniger auf die praktische Arbeit auf dem Hof. «Für die praktische Arbeit auf dem Hof und das Familienleben profitiere ich noch ganz lange von meinen Eltern. Denn sie führen nicht nur seit 30 Jahren erfolgreich einen Betrieb, sondern auch eine Ehe. Das sind Dinge, die man nicht in der Schule lernen kann. Meine Eltern sind ein Vorbild für mich.»
Betriebsspiegel der Familie Bader
Josef (57) und Sibylle (54) Bader, Mümliswil-Ramiswil SO
LN: 36 ha
Kulturen: Grünland, 8 ha Wald
Tierbestand: 55 bis 60 Aufzuchtrinder, 2 Pferde
Weitere Betriebszweige: Transportunternehmen für gewerbliche Transporte und Kranarbeiten, 30-kW-Solaranlage mit Stromspeicher, Verkauf von Holzschnitzeln
Arbeitskräfte: Josef und Sibylle Bader