Mastitis ist die häufigste und kostenintensivste Erkrankung in der Schweizer Milchviehhaltung. Jeder Fall stellt Betriebe vor die Frage, ob Antibiotika sofort eingesetzt oder zunächst alternative Ansätze genutzt werden. Die Ergebnisse stammen aus einer Umfrage, die im Rahmen einer Semesterarbeit am Inforama erhoben wurde. Befragt wurden 101 Landwirte und 39 Nutztierärzte. Komplementär- und alternativmedizinische Verfahren (CAM) wie Phytotherapie und Homöopathie sind verbreitet, werden aber meist nur ergänzend eingesetzt. Phytotherapeutische Mittel gehören in vielen Ställen zum Standard, homöopathische Mittel kommen vor allem bei subklinischer oder milder Mastitis zum Einsatz, häufig bis Laborbefunde eine gezielte Anti-biotikatherapie rechtfertigen. Mit zunehmendem Schweregrad dominiert die antibiotische Behandlung.

Ein zentraler Faktor ist der Vormelkbecher: 63 % der Betriebe nutzen ihn und erkennen Mastitis früher, oft vor deutlichen Entzündungszeichen. Sofortiger Antibiotikaeinsatz oder Tierarztbesuch erfolgt seltener; stattdessen beobachten die Landwirte die Kuh, entnehmen Milchproben und wenden CAM ergänzend an. Ohne Vormelkbecher wird Mastitis häufig erst im akuten Stadium festgestellt, dann dominiert die Antibiotikatherapie.

Die Therapiewahl wird stark vom Tierarzt geprägt: 74 % der Landwirte nennen ihn als wichtigsten Ansprechpartner, oft wird gemeinsam entschieden. Bildung und Wahrnehmung spielen ebenfalls eine Rolle. Wissenslücken, unsichere Evidenz und fehlende tierärztliche Empfehlung begrenzen insbesondere den Einsatz der Homöopathie.