DossierZwei Muttersauen mit ihren Ferkeln in einem Gruppensäugestall.Massentierhaltungs-Initiative MTIDonnerstag, 28. Oktober 2021 Das Schweizer Volk hat am 25. September 2022 über die Massentierhaltungs-Initiative MTI entschieden. Wie erwartet, scheitert die MTI am Volksmehr und am Ständemehr.

«die grüne» berichtet mit einem Liveticker aus dem Lager der MTI-Gegner in einem Legehennen-Betrieb in Neuenegg BE mit Resultaten, Fotos und Reaktionen.

Liveticker  am Abstimmungs-Sonntag zur Massentierhaltungs-Initiative MTI

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12:00 Uhr

Im Lager der Gegner warten (v.l.) SBV-Direktor Martin Rufer, SBV-Kampagnenleiter Urs Schneider und SBV-Präsident Markus Ritter vom Schweizer Bauernverband gespannt auf die ersten Resultate zur Massentierhaltungs-Initiative.


12:30 Uhr

Die ersten Resultate zur Massentierhaltungsinitiative kommen rein: 67% Nein. Diese Prozentzahl wird sicher noch sinken, weil die grossen Städte erst später kommen. Aber das Nein ist damit praktisch sicher.


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13:00 Uhr

Die Massentierhaltungs-Initiative liegt immer noch bei 67% Nein – und schon 14 Stände (von 26) haben Nein gestimmt, damit ist alles klar. TV-Korrespondentin Catherine Thommen führt das erste Interview mit Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbandes SBV.


13:30 Uhr

16 Kantone haben zur Massentierhaltungs-Initiative Nein gesagt. Am deutlichsten mit jeweils 76% bis 72% (absteigend) die Kantone Obwalden, Schwyz, Wallis, Jura, Nidwalden, Freiburg und Luzern.


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14:00 Uhr

Im Lager der Gegner der Massentierhaltungs-Initiative kommt zum ersten Mal richtig Feierlaune auf. Die Verbandsspitze des Schweizer Bauernverbandes, Vertreter der kantonalen Bauernverbände und Politiker versammeln sich vor dem Stall, in dem über 100 Besucher gespannt die weiteren Resultate erwarten.


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14:30 Uhr

Nachdem auch der Kanton Luzern mit 67,8% Nein die Massentierhaltungsinitiative ablehnt, kann die Luzerner Nationalrätin & Bäuerin Priska Wismer-Felder vor laufender Kamera des Schweizer Fernsehens «ihre» Kantonsflagge in die Strohballen der Nein-Kantone stecken.


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15:30 Uhr

Anne Challande, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes, steckt die Fahne ihres Heimatkantons Neuenburg in die Strohballen mit den Nein-Kantonen. Es fehlen nur noch die drei grossen Kantone Zürich, Bern und Waadt. Diese können die aktuellen 64% Nein gegen die Massentierhaltungsinitiative noch ein bisschen senken – aber nicht entscheidend.


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17:00 Uhr

Als letzter Kanton liefert Zürich sein Resultat in der Abstimmung zur Massentierhaltungs-Initiative. Der Präsident des Zürcher Bauernverbandes, Martin Haab, steckt die Zürcher Fahne in die Strohballen mit den Nein-Kantonen.


18:00 Uhr

Jetzt ist es definitiv: Die Schweizer StimmürgerInnen lehnen die Massentierhaltungs-Initiative mit 62,9 Prozent Nein-Stimmen klar und deutlich ab. Die MTI ist am Volksmehr und am Ständemehr gescheitert, den als einziger Kanton stimmte Basel-Stadt für die Initiative.


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Wie haben die Stimmbürger ihre Meinung zur Massentierhaltungs-Initiative MTI gebildet?

Die Massentierhaltungs-Initiative MTI startete in den ersten Umfragen zwei Monate vor der Abstimmung mit rund 55 Prozent Ja und 45 Prozent Nein, verlor aber im Laufe des Abstimmungskampfs immer mehr an Zustimmung:

SRG-Trendumfrage

  1. Welle: 46 Prozent Nein (5 Wochen vor Abstimmung)
  2. Welle: 52 Prozent Nein (10 Tage)

Tamedia-Abstimmungsumfrage

  1. Welle: 43 Prozent Nein (7 Wochen vor Abstimmung)
  2. Welle: 49 Prozent Nein (4 Wochen)
  3. Welle: 60 Prozent Nein (10 Tage)

Die aktuellste Abstimmungs-Prognose von unserem Fachmagazin «die grüne», basierend auf insgesamt neun Indikatoren

Wer ist für die Massentierhaltungs-Initiative MTI?

Zur Trägerschaft der Initiative gegen Massentierhaltung gehören die Organisationen:

  • Sentience Politics
  • Vier Pfoten
  • Fondation Franz Weber
  • Greenpeace

Die Initiative wird zudem von einer verschiedenen Tierschutz-, Tierrechts-, Landwirtschafts- und Umweltorganisationen sowie Parteien unterstützt:

  • Bio Suisse
  • Demeter
  • Kleinbauernvereinigung
  • KAG Freiland
  • Schweizer Tierschutz STS
  • Stiftung Tier im Recht
  • SP
  • Grüne Partei

Wer ist gegen die Massentierhaltungs-Initiative MTI?

Gegen die Massentierhaltungs-Initiative MTI gaben folgende Verbände, Unternehmen und Parteien die Nein-Parole bekannt:

  • Schweizer Bauernverband SBV
  • IP-Suisse
  • Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete SAB
  • SwissVeg
  • Economiesuisse
  • Gewerbeverband
  • Fenaco
  • SVP
  • FDP
  • Mitte

Wer hat im Abstimmungskampf zur Massentierhaltungs-Initiative MTI geschwiegen?

Vor der Abstimmung zur Massentierhaltungs-Initiative MTI herrschte in den Konzernzentralen von Migros und Coop ohrenbetäubende Stille (sie haben inklusive Migros-Tochter Denner im Lebensmittelhandel 80 Prozent Marktanteil). Die beiden Milliarden-Konzerne haben die Schweizer Landwirte einmal mehr im Stich gelassen.

Durch Abwesenheit glänzte im Abstimmungskampf auch Wirtschafts- und Landwirtschafts-Minister Guy Parmelin – der notabene Bauernsohn und ausgebildeter Landwirt ist.

Kommentar zur Rolle von Migros und Coop im Abstimmungskampf gegen die Massentierhaltungs-Initiative MTI

Was will die Massentierhaltungs-Initiative MTI?

Die Massentierhaltungs-Initiative MTI wurde vom Verein Sentience Politics initiiert, der das Ziel verfolgt, «die Interessen nicht-menschlicher Tiere in die Mitte der Gesellschaft zu tragen».

Kurz gefasst, will die Volksinitiative die Massentierhaltung in der Schweiz verbieten und die Würde der Tiere in der landwirtschaftlichen Nutztier-Haltung in die Verfassung aufnehmen.

Der Bund soll Kriterien für die Unterbringung, den Auslauf, die Anzahl gehaltener Tiere und die Schlachtung festlegen. Die Anforderungen sollen mindestens den Bio-Suisse-Richtlinien von 2018 entsprechen. Die neue Verfassungsbestimmung soll zudem auch für den Import von tierischen Produkten gelten.

Die Massentierhaltungs-Initiative MTI im Wortlaut