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Mit Kurmann schonend auf Achse

Die «Kurmann-Achse» wurde vor über40 Jahren erstmals gebaut und seither zu einer komplexen Fahrwerks-Baureihe erweitert. Die Kurmann Technik AG entwickelt und baut viele weitere Produkte, teilweise auf Kundenwunsch.


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Kurz & bündig

  • Die Kurmann Technik AG baut in Ruswil LU vor allem Geräte für die Schweizer Landwirtschaft, aber auch für den Export.
  • Urs Kurmann führt das Unternehmen in dritter Generation.
  • Jährlich werden weit über 100 Maschinen und Fahrwerke gefertigt.
  • In der Zwischensaison werden auch Sonderanfertigungen realisiert.

Man kann jede Maschine immer noch etwas besser machen», ist Urs Kurmann überzeugt. Der Beweis dafür findet man im Planungsbüro oberhalb der Maschinen-Montagehalle in Ruswil LU. Drei Mitarbeiter sind daran, neue Maschinen zu konstruieren, bestehende weiterzuentwickeln oder Sonderanfertigungen nach Kundenwünschen am 3D-CAD zu planen.

Noch ohne Computer brachte Urs Kurmanns Vater Otto seine Erfindungen in den 70er-Jahren zunächst auf Papier, bevor sie gebaut, getestet und erfolgreich verkauft wurden. Die Doppelpendel-Achse ist eine solche Erfindung und als «Kurmann-Achse» bestens bekannt. Seit dem wurde dieses System zu einer Fahrwerks-Baureihe mit bis zu acht Rädern weiterentwickelt.

Die Doppelpendel-Achse ist ein grosser Wurf

Der Maschinenbau bei der Firma Kurmann Technik AG in Ruswil LU stand stets unter den Aspekten der Nachhaltigkeit und der wirtschaftlichen Optimierung. Die Geräte sollen immer den Schweizer Bedürfnissen entsprechen.

Bei den Lade- und Häckselwagen wurde der Bodendruck bereits vor über 40 Jahren zum Thema. Eine normale Tandemachse, um das Gewicht auf zwei Achsen zu verteilen, hatte sich im Grünland nicht bewährt. Die starren Achsen verletzten bei der Kurvenfahrt die Grasnarbe.

Gelenkte Achsen waren noch kein Thema. Otto Kurmann gelang mit der Doppelpendel-Achse der grosse Wurf. Er platzierte vier Räder in einer Reihe nebeneinander. Immer zwei an je einer Kurz-Achse, die pendelnd am Achs-Träger angebracht waren. Unzählige Ladewagen, Häckselwagen, Mistzetter und auch Güllefässer wurden damit aus- und nachgerüstet.

«Heute produzieren wir jährlich rund 30 Fahrwerke. Dabei hat sich der Einsatzbereich erweitert. Nebst dem Grünland und Ackerbau bieten wir auch Lösungen für den Gemüsebau. Dort wird zum Teil bei schwierigsten Wetter- und Bodenbedingungen Gemüse vom Feld abtransportiert, das direkt auf grosse Erntewagen verladen wird. Mit einem Kurmann-Fahrwerk wird die Schad-Verdichtung reduziert.»

Gelenkte Räder an der hinteren Doppel-Doppel-Pendel-Achse

Vergleicht man die einfache Doppelpendel-Achse von früher mit den heutigen Fahrwerken, besteht ein riesiger Unterschied. Aufgrund immer höherer Lasten werden heute in einem Aggregat mehr als vier Räder montiert. Mit einer Doppel-Doppel-Pendel-Achse sind es sogar acht Räder.

Damit noch nicht genug: Die Räder an der hinteren Achse sind gelenkt und teilweise als Liftachse ausgeführt. Hier wurde viel entwickelt und es wird immer noch komplexer.

Die Achsen sind heute zusätzlich gefedert. Das verbessert nicht nur den Fahrkomfort, sondern ist auch eine Voraussetzung für die Funktion der automatischen Bremslast-Regelung ALB. Diese ist mit den neuen Bremsvorschriften vorgeschrieben und setzt eine gefederte Achse voraus.

 

Der Erfindergeist liegt der Familie Kurmann im Blut

Urs Kurmann führt das Traditionsunternehmen in dritter Generation. Nach der Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker bildete er sich zum Maschinenbau-Ingenieur weiter.

Seit 2003 lenkt er die Geschicke des Familienbetriebs erfolgreich weiter. In dieser Zeit wurde das Unternehmen neu strukturiert in die Bereiche

  • Landtechnik
  • Maschinentechnik
  • Haustechnik
  • Hoftechnik

Das Unternehmen ist also breit aufgestellt und mit der Haustechnik auch ausserhalb landwirtschaftlicher oder kommunaler Bereiche tätig.

Im Rahmen der Maschinentechnik werden Eigenprodukte geplant, entwickelt und auch selber produziert. Kurmann ist auch eine bekannte Anlaufstelle für Spezial- und Sonder-anfertigungen.

Der Familie Kurmann liegt das Tüfteln und Entwickeln im Blut. Der Grossvater von Urs, Siegfried Kurmann, erfand als Hufschmied beispielsweise eine Ausklink-Vorrichtung zur Zugkraft-Begrenzung zwischen Selbsthaltepflug und Traktor.

Otto Kurmann legte in den 1970er- und 1980er-Jahren den Grundstein für den heutigen Erfolg bei der Grünland-Technik. Er baute leichte Front-Mähwerke mit Doppelmesser-Balken für Traktoren, als man Front-Hubwerke noch gar nicht kannte. Bis dahin wurden vor allem Trommelmähwerke mit bescheidenen Arbeitsbreiten eingesetzt. Die Entwicklungen in der Futterkonservierung hatten damit jedoch erst begonnen.

Man erkannte, dass mit einem Aufbereiter das Gras schneller trocknet. Otto Kurmann baute die ersten Aufbereiter. Diese werden heute noch produziert und sind im Laufe der Jahre stets weiterentwickelt worden.

«Selbst eine einfache Maschine, wie es ein Aufbereiter zu sein scheint, kann man verbessern. Es ist jedoch manchmal eine grosse Herausforderung, die Verbesserungen und Vorteile dem Kunden zu erklären, weil es oft nur kleine, aber wesentliche Details sind», erklärt Urs Kurmann.

Viel Aufwand, um die technischen Details zu vermarkten

Ein solches Detail sind beispielsweise die X-Zinken am Rotor des Aufbereiters. «Als wir diese vor einigen Jahren auf den Markt einführten, wurde diese Neuheit von vielen als Marketinggag verstanden. Klar, auf den ersten Blick erkennt man die Vorteile nicht, weshalb unsere Zinken besser arbeiten. Erklärt man die Gründe, wird es vielen klar.»

Am Beispiel des Aufbereiters sind die Zinken an einer Welle nach links und an der nächsten Welle nach rechts abgekröpft, was im Rundlauf eine X-Form ergibt und dafür sorgt, dass das Futter besser mitgenommen wird. Kurmann weiss aus Erfahrung, dass gerade Zinken durch das Futter streifen und dieses weniger mitnehmen als mit der X-förmigen Anordnung. Diese reduzieren den «Schlupf» des Rotors im Futterstrom.

«Dadurch konnten wir die Drehzahl bei einer gleichen Auswurfgeschwindigkeit und trotzdem intensiverer Aufbereitung um über 20 Prozent reduzieren. Dies schont die feinen, wertvollen Futterbestandteile und reduziert die Bröckelverluste.»

Die Bauteile werden vorgefertigt und später montiert

Eine Maschine besteht aus unzähligen Bauteilen, wie beispielsweise die erwähnten Aufbereiter. Solche Teile werden bei Kurmann während dem ganzen Jahr produziert und für die spätere Montage eingelagert oder während der Hauptproduktionszeit ab Herbst bis Frühling auch direkt verbaut.

Das Zuschneiden von Blechteilen lagert Kurmann aus. «Lasern und Abkanten ist heute ein eigener Markt mit modernen Bearbeitungsgeräten. Unsere Auslastung wäre zu gering, um hier eigene Maschinen professionell zu betreiben. Alles andere, vom Schweissen bis zum Lackieren, machen wir dann wieder selber.»

Zu Saisonbeginn im Frühling sind die meisten Maschinen ausgeliefert. «Jetzt treiben wir die Entwicklung unserer Neuheiten voran und widmen uns den Sonder-Anfertigungen, bis wir dann im Herbst die Fertigung der Serienprodukte wieder intensivieren.»

«Die Agrama ist für uns wichtig, um Maschinen zu präsentieren»

Die Neuheiten werden dann beispielsweise an der Agrama vorgestellt. «Für uns ist die Messe wichtig, da wir Geräte herstellen, welche dem Kunden gezeigt und erklärt werden müssen. Wie beispielsweise die bereits erwähnte X-Form der Aufbereiter-Zinken. Ansonsten bleiben bei den potenziellen Kunden solche Entwicklungsfortschritte verborgen.»

Die Produktionsplanung ist eine grosse Herausforderung, und man muss abschätzen, wie viele Maschinen von welchem Typ gebaut werden sollen. «Die Kunden bestellen leider immer seltener eine Maschine ein halbes Jahr im Voraus», so Urs Kurmann.

Bei den Aufbereitern zeigt sich dies besonders deutlich. Ist das Wetter nicht stabil sonnig und fehlt noch ein Aufbereiter, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen, wird eine solche Maschine heute kurzfristig bestellt und muss sofort verfügbar sein. Oft wird dann auch dort gekauft, wo am schnellsten geliefert werden kann. «Wir verfügen hier über viel Erfahrung und können mit dieser Situation ziemlich gut umgehen.»

Besondere Witterung im Ausland wirkt sich bis nach Ruswil aus

Ist es in Norddeutschland extrem nass, wenn das Grünfutter mit Kurzschnittladewagen eingeführt wird, steigt die Nachfrage nach 8-Rad-Fahrwerken für den Export plötzlich kurzfristig an.

«Hier ist dann oft unsere grösste Baureihe namens Big Foot gefragt, mit Reifendurchmesser bis 1360 mm. Bei einer maximalen Bereifung von acht Mal 620/55R26.5 entsteht eine riesige Auflagefläche», so Urs Kurman. In der Schweiz wird diese Variante nur selten eingesetzt. Für Schweizer Verhältnisse ist die Variante Super Large geeignet. Hier lässt sich die Spurbreite hydraulisch um 60 Zentimeter verstellen. Unter Einhaltung der Standard-Fahrzeugbreite unter 255 Zentimeter auf der Strasse wird die Hangstabilität massiv verbessert.

Die eigene Entwicklungsabteilung baut die Maschine am Computer

Jede neue Maschine und jedes neue Bauteil wird im Planungsbüro entworfen. Drei Mitarbeiter machen dort unter der Leitung von Reto Zwyer die neusten Entwicklungen von allen Seiten sichtbar. «Dreh die Maschine schnell auf die andere Seite», sagt Urs Kurmann zu Konstrukteur Hansjörg Müller und schmunzelt.

Hier entsteht also der neuste Wurf im Hause Kurmann. Man darf gespannt sein: Es hat etwas mit Energieeffizienz und elektrischen Antrieben zu tun, verrät Urs Kurmann dann doch noch.

Um Energieeffizienz geht es auch bei den Futtermischwagen des deutschen Herstellers BVL. Kurmann ist Importeur für die Schweiz. Viele Mischwagen werden heute jedoch ohne Fahrgestell nach Ruswil geliefert.

Kurmann hat vor 13 Jahren den ersten elektrisch selbstfahrenden Futtermischwagen entwickelt und am Markt eingeführt. Versorgt über ein Stromkabel auf einer Kabelrolle, erfolgen der Fahr- und der Misch-Antrieb rein elektrisch.

«Dies senkt die Kosten, macht weniger Lärm, hält Abgase vom Stall fern und reduziert letztlich den CO2-Ausstoss. Viele Landwirte haben den Nutzen dieser Systeme erkannt und sind sehr zufrieden damit.»

Kurmann baut die dreirädrigen Fahrgestelle und die Antriebe, der angelieferte Mischbehälter wird anschliessend aufgesetzt.

Hier werden drei verschiedene Baureihen angeboten. Beim grössten Modell mit bis zu 24 Kubikmeter Fassungsvermögen wird kein neues Fahrwerk montiert. Hier wird der Fahrkopf an das bestehende Chassis anstelle der Zugdeichsel montiert.

«Selbst die grössten Mischwagen betreiben wir mit einer 63A-Steckdose. In solchen Fällen müssen wir die betrieblichen Voraussetzungen im Detail kennen, um die Futtermischwagen betreiben zu können. Eine Fachberatung und viel Erfahrung sind entscheidend für eine optimale Lösung.»

Persönliche Beratung und Kundendienst werden immer wichtiger

Je mehr neue Systeme zum Einsatz kommen, desto wichtiger werden die persönliche Beratung und der Kundendienst. Viele Betriebe können so eigenen Strom nutzen. Dazu müssen aber viele Punkte beachtet werden.

«Der Maschinenhandel wird dadurch anspruchsvoller. Man kann nicht mehr einfach nur einen Traktor an die Maschine anhängen und das war es. Aber auch hier sehen wir für unseren Betrieb eine grosse Chance, das grosse Know-how unserer Mitarbeiter einzusetzen.» Je mehr sich ein Unternehmen bei speziellen Anwendungen bewährt, desto grösser wird die Nachfrage auch aus anderen Bereichen mit Sonderwünschen für Spezialanwendungen.

Es erstaunt daher nicht, dass im Planungsbüro auch viele Einzelanfertigungen nach besonderen Kundenwünschen entwickelt werden.

Zurzeit ist Planungsmitarbeiter Ruedi Zimmermann an einem Anhänger mit Wechselaufbauten. Das Fahrwerk wird genutzt als Trägerfahrzeug für Transporteraufbauten wie beispielsweise ein Ladegerät. Zugleich soll mit einem Plattformaufbau Holz transportiert und mit einem dritten Aufbau Kipper-Transporte gemacht werden.

«Solche Aufträge sind anspruchsvoll, allein schon nur deshalb, um alle gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Wie es jedoch schon bei meinem Grossvater der Fall war, liegt uns das Tüfteln im Blut. Und für unsere Mitarbeiter ist es immer eine grosse Freude, die Anforderungen des Kunden mit den technischen Möglichkeiten unter einen Hut zu bringen.»

Kurmann Technik AG

Die Kurmann Technik AG entwickelt und produziert in Ruswil LU verschiedene Landmaschinen

  • Aufbereiter
  • Fahrwerke
  • Elektrisch betriebene Futter-mischwagen
  • Heudosiergeräte für Quader-ballenpressen
  • Plattformanhänger
  • Hydraulische Zwangslenkungen

Die Kurmann Technik AG wird durch Urs Kurmann in der dritten Generation geführt.

Das Unternehmen ist in die Bereiche Land-, Maschinen-, Haus- und Hoftechnik gegliedert.

Nebst der Fertigung und dem Verkauf der Eigenprodukte werden im Bereich der Landtechnik auch eine Reparaturwerkstatt betrieben und Landmaschinen verkauft.

Die Kurmann Technik AG beschäftigt rund 50 Mitarbeiter, davon 10 Lehrlinge. Viele Mitarbeiter des Unternehmens sind ehemalige Lehrlinge.

Jährlich werden weit über 100 eigene Maschinen und Achssysteme gefertigt.

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