Kurz & bündig

  • Interview mit Jörg Studer, Pius Buchmann und Thomas Teuscher vom Berufsverband Agrotec Suisse.
  • Obschon Lehrstellen gut besetzt sind, ist es schwer, ausgebildete Fachkräfte zu rekrutieren.
  • Wie viele Stellen unbesetzt sind, ist nicht erhoben.
  • Landmaschinenmechaniker sind sehr gut ausgebildet und in berufsnahen Branchen heiss begehrt.

www.agrotecsuisse.ch

Man hört es oft, dass es in der Landtechnik-Branche an Fachkräften mangelt, stimmt das?

Jörg Studer: Ja, das stimmt, die Rekrutierung neuer Fachkräfte ist anspruchsvoller geworden. Dies hat vor allem auch damit zu tun, dass die Komplexität der Ausbildung und auch der Fahrzeuge und Maschinen stetig grösser wird und damit der Bedarf an sehr gut ausgebildeten Mechanikern steigt.

Wie viele Fachkräfte fehlen, gibt es Zahlen?

Pius Buchmann: Detaillierte Zahlen gibt es leider keine. Es gibt aber auch grosse regionale Unterschiede. In den ländlicheren Gegenden ist es deutlich einfacher Fachkräfte zu finden, als in urbanen Gebieten.

In welchen Bereichen fehlen diese besonders?

Thomas Teuscher:In sämtlichen Bereichen, in denen eine fundierte Ausbildung zwingend notwendig ist. Es ist einfacher einen Allrounder zu finden, als einen gut ausgebildeten Landmaschinenmechaniker EFZ, Baumaschinenmechaniker EFZ oder Motorgerätemechaniker EFZ.

Jörg Studer: Auch Führungskräfte wie Landmaschinenmechaniker-Meister sind ein rares Gut und werden oft nur sehr schwer gefunden, dies, obwohl die beruflichen Möglichkeiten in unserer Branche sehr gross sind und innovative Mitarbeiter sehr geschätzt werden.

Man hört auch, dass Landtechnik-Ausgebildete von der Industrie abgeworben werden?

Thomas Teuscher: Ja, das ist korrekt. Unsere Fachkräfte geniessen in der Branche und in branchennahen Betrieben einen hervorragenden Ruf und sind aus diesem Grund sehr gefragt.

Was können Landtechnik-Fachkräfte besonders gut, warum sind sie so gefragt?

Pius Buchmann: Dies hat damit zu tun, dass die Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker sehr vielseitig, abwechslungsreich und anspruchsvoll ist. Den Lernenden wird ein sehr breites Wissen in den Bereichen Mechanik, Elektrik, Hydraulik, Motoren oder auch Elektronik vermittelt. Mit einer entsprechenden Weiterbildung wie zum Beispiel Diagnosetechniker mit Eidgenössischem Fachausweis, erhalten unsere Fachleute zusätzlich die nötige Tiefe. Generell kann man sagen, dass Landmaschinenmechaniker vielseitige Generalisten mit einem vernetzten Denken sind, sie können anspruchsvolle Aufgaben lösen und sind somit sehr gefragt.

Werden zu wenig Nachwuchskräfte ausgebildet oder interessieren sich die Jungen zu wenig?

Thomas Teuscher: Die Anzahl der Lernenden ist seit Jahren stabil. In der Schweiz werden jährlich über 400 Lernende ausgebildet. Das bedeutet, dass im Schnitt jeder Landtechnikbetrieb jährlich mehr als einen Lehrling ausbildet. Hier sind wir bereits nahe am Limit, es ist den Betrieben oft nur schwer möglich, mehr Lernende auszubilden. Ein weiteres Problem ist, dass die Lernenden nach der Ausbildung abwandern. Sie gehen zu Lohnunternehmen, auf Landwirtschaftsbetriebe oder zu branchennahen Unternehmen, da die erworbenen Fähigkeiten in diesen Branchen sehr gefragt sind.

Landwirte sind auf Fachkräfte in der Landtechnik für Support, rasche Reparaturen und so weiter angewiesen. Sind sich dies die Landwirte bewusst?

Jörg Studer: Es gibt zwei Aspekte zu beachten, einerseits hat die Komplexität der Maschinen in den letzten 20 Jahren stetig zugenommen, ich denke viele Landwirte sind sich dies zu wenig bewusst. Andererseits nehmen wir einen starken Trend wahr, dass für die Landwirte Markentreue nicht mehr so wichtig ist. Viel wichtiger ist eine verlässliche, loyale Partnerschaft mit der Werkstatt. Dies ist natürlich eine grosse Chance für unsere Branche, der Dienstleistungsgedanke wird immer wichtiger und dies können die Betriebe selbst beeinflussen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Landwirten, beispielsweise bei den Tarifen?

Jörg Studer: Hier nehmen wir eine positive Entwicklung wahr. Unsere Kunden sehen den Wert einer qualitativ guten Arbeit und sind bereit diese auch angemessen zu entlöhnen.

Wechseln Mechaniker die Branche, weil Sie zu wenig verdienen?

Thomas Teuscher: Die Einkommensmöglichkeiten als ausgebildeter Landmaschinenmechaniker EFZ sind in anderen Branchen ähnlich und nicht besser. Es gibt verschiedene Gründe, die zur Abwanderung beitragen. Dies können die Arbeitszeiten sein, der Kundenkontakt – und natürlich auch der Lohn. Studien zeigen aber, dass die Höhe des Lohnes nicht nachhaltig zum Verbleib in einem Betrieb beiträgt.

Sind die Stundentarife zu tief? Was wäre ein anständiger Tarif?

Jörg Studer: Wir vom Fachverband Agrotec Suisse empfehlen einen Verrechnungslohn von 100 bis 140 Franken pro Stunde exklusiv Mehrwertsteuer. Wobei der untere Bereich für eine gut ausgerüstete Fachwerkstatt zu tief ist.

Was braucht es für Voraussetzungen, um Landmaschinenmechaniker zu lernen?

Pius Buchmann: Viel Motivation und ein Flair für Maschinen! Weiter sind folgende Voraussetzungen notwendig:

  • abgeschlossene Volksschule
  • Flair für Geometrie und Mathematik
  • handwerkliches Geschick
  • technisches Verständnis, Freude an Maschinen
  • gute Auffassungsgabe
  • selbstständiges Arbeiten
  • Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein
  • gute Gesundheit und kräftige Konstitution
  • Freude am Kundenkontakt

Wie hat sich der Beruf in den vergangenen 15 Jahren verändert?

Jörg Studer: Unsere Branche hat sich stark gewandelt, viele Betriebe haben sich von traditionellen Schmieden zu Hightech-Betrieben weiter entwickelt. Dies hat auch mit der Entwicklung der Systeme und Fahrzeuge zu tun. Diese sind immer komplexer geworden, wobei die Grundlagen die gleichen sind und auch weiterhin beherrscht werden müssen.

Pius Buchmann:Spannend ist auch die Entwicklung der Elektronik, diese hilft uns sehr stark bei der Diagnose und macht unseren Beruf noch spannender und abwechslungsreicher. Weiter haben auch die Bedien-Möglichkeiten der Maschinen zugenommen, eine weitere Herausforderung sowohl für die Kunden, aber auch für uns Landmaschinenmechaniker.

Wie wird sich der Beruf in den nächsten 15 Jahren verändern?

Thomas Teuscher: Die Digitalisierung schreitet rasch voran und wird uns alle fordern. Ich kann mir gut vorstellen, dass neue Berufsbilder entstehen können, wie zum Beispiel «Spezialist automatische Lenksysteme». Die Grundlagen werden aber dieselben bleiben und auch diese gilt es trotz Digitalisierung weiterhin zu beachten.

Was begeistert Sie besonders an ihrem Beruf?

Pius Buchmann: Auch nach mehreren Jahrzehnten in unserer Branche, bin ich vom Beruf Landmaschinenmechaniker begeistert. Wo sonst ist man bei der Technik so nah dran, kann mit viel Kundenkontakt Arbeiten ausführen und hat so viel Abwechslung im Arbeitsalltag?

Für mich ist es ein Beruf mit der «Nie Langweile-Garantie». Zudem ist unser Beruf nachhaltig und hilft den Landwirten bei der Produktion von Nahrungsmitteln, was allen zugute kommt.