Kurz & bündig

  • Das Zusammenspiel der Dreschwerk-Organe ist komplex.
  • Die App «feiffer combine» verfeinert das Einstellen gegenüber Richtwerten von Herstellern.
  • Rund 400 Mähdrescher-Typen sind verfügbar.
  • Die App enthält auch eine Verlustabhilfe.

Andrea Feiffer, Sie erforschen den Mähdrusch seit vielen Jahren. Wo haben die Fahrer die grössten Schwierigkeiten bei der Dreschwerkeinstellung?

Andrea Feiffer: Der Einstellprozess an sich ist schon schwierig. Man muss mehrere Arbeitsorgane in der Einstellung so kombinieren, dass am Ende das Dreschwerk, die Reinigung und der Durchsatz gut harmonieren. Ansonsten gibt es Verluste oder andere Probleme.

Da kommen dann die ersten Fragen: Mit welcher Einstellung beginne ich? In welche Richtung soll ich gehen: Korb eher auf oder enger? Drehzahlen rauf oder runter?

Unter besten Erntebedingungen ist der Mähdrescher recht fehlertolerant. Aber sobald sie abweichen, wird es schwieriger. Da hat man plötzlich mit zu viel Kurzstroh zu kämpfen, mit unausgedroschenen Ährenspitzen, mit Besatz im Bunker, die Leistung kommt nicht oder die Verluste sind zu hoch.

Sie bieten die App «feiffer combine» an, mit Einstellwerten für die verschiedene Erntebedingungen. Wie viele Mähdrescher-Typen sind dort verfügbar?

Das aktualisieren wir laufend mit den neusten Modellen. Mittlerweile sind es fast 400 Typen für die zehn gängigsten Hersteller, auf die man zugreifen kann.

Die Hersteller liefern die Einstellwerte mit der Maschine mit. Warum sollten diese Angaben nicht ausreichen?

Die Hersteller geben nur allgemeine Richtwerte für die Einstellung der verschiedenen Kulturen heraus. Wir erarbeiten dagegen die optimalen Einstellwerte für eine grosse Bandbreite der unterschiedlichen Erntebedingungen.

Ausserdem passen wir sie dem Durchsatz an. Wer ein höheres Verlustniveau zulässt und schneller fährt, braucht eine andere Einstellung als ein Mähdrescher, der langsamer fährt.

Welches Verlustniveau ist eigentlich das wirtschaftlichste? Je schneller man fährt, desto mehr Körner liegen am Boden und das haben Landwirte gar nicht gern.

Meine Faustzahl heisst ein Prozent Verlustniveau bei den Dreschwerks- und Reinigungsverlusten. Das ist den meisten jedoch zu hoch, wenn nicht ein Gewitter im Nacken sitzt. Bei einem Prozent liegen etwa 450 Körner pro Quadratmeter im Schwad, wenn man den Spreuverteiler eingeschaltet hat (7 t/ha Ertrag und Schneidwerksbreite um 6m). Das fällt schon ins Auge und später wird der Streifen grün.

Für einen Lohnunternehmer ist die Ein-Prozent-Regel jedoch fair, er kann seinen Mähdrescher gut auslasten. Dabei darf der Landwirt nicht nur die Verlustkörner sehen, denn mit dieser Einstellung gibt es weniger Bruchkorn. Bruchkorn wird oft nicht erkannt und die Verluste sind rasch höher als die im Schwad.

Schnellere Fahrt gibt mehr Strohpolster im Dreschwerk. Dies senkt den Körnerbruch im Bunker und zugleich auch den hinausgewehten Kleinkornanteil im Schwad. Bei drei Prozent Bruchkorn im Bunker landet mindestens ein Prozent im Schwad.

Wenn man dann den Mähdrescher so einstellen will und Ihre App «feiffer combine» benutzt, fragt man sich, wie Sie eigentlich zu diesen Werten kommen.

Wir arbeiten auf diesem Gebiet schon sehr lange. Angefangen hat es vor 60 Jahren mit ostdeutschen Mähdreschern. Heute machen wir das für zehn Hersteller.

Dazu haben wir im Laufe der Jahre ein System entwickelt, dass aus drei Komponenten besteht:

  1. Wir schauen uns die Arbeit des Mähdreschers in der Praxis an. Das heisst: Wie stellen die Fahrer ein?
  2. Dann haben wir ein Simulationsprogramm geschaffen, in welches wir die technischen Spezifikationen jeder einzelnen Maschine eingeben und das uns die Werte berechnet.
  3. Und natürlich schauen wir auch, welche Werte der Hersteller empfiehlt.

So entsteht erst einmal eine Datenflut. Daraus «stricken» wir dann, mit unserer Erfahrung, die Einstellwerte per Hand. Dabei muss man alle Daten und die Spezifikationen im Blick haben, damit am Ende vom Dreschwerk bis zur Reinigung alles in sich stimmt.

Für einen Mähdrescher-Fahrer gibt es Situationen zum Verzweifeln, wenn man mit der Einstellung nicht mehr weiterkommt. Finden Sie immer eine Lösung?

In der App hat es noch eine zweite App mit einer Verlustabhilfe. Man kann das Verlustproblem anklicken und bekommt dann für den entsprechenden Mähdrescher eine Anleitung, die Schritt für Schritt zur Verlustsenkung führt.

Kann man den Werten vertrauen? Gab es auch schon Reinfälle?

Ja, man kann den Werten vertrauen, sie sind praxiserprobt und weichen zum Teil auch deutlich ab vom Hersteller. Die App wird ja nicht nur in Europa genutzt, sondern weltweit und so bekommen wir auch viel Feedback.

Und ja, es gab auch schon einmal eine Typenserie, die uns nicht so gut gelungen ist. So etwas korrigieren wir dann über ein Update. Falls ein Fahrer trotzdem nicht mehr weiterkommt, hilft unser Unternehmen am Telefon persönlich weiter. Der Austausch mit Fahrern ist ein wichtiger Bestandteil, wenn man Einstellhilfen erstellt.

Der Druschvorgang wird immer besser erforscht und verschiedene Erntesituationen können simuliert werden. Kann so der Auslastungsgrad von Mähdreschern verbessert werden?

Ja, da tut sich sehr viel. Jahrelang lag der Auslastungsgrad um 50 Prozent. Mähdrescher wurden immer grösser, aber die Auslastung blieb stecken. Nun wird viel investiert in Assistenzsysteme, die den Fahrer entlasten.

Auch bei der Einstellung gibt es heute Systeme, welche die Einstellung dem Durchsatz, der Feuchte, den Verlusten oder der Qualität anpassen. Das ist ein sehr guter Weg, um den Auslastungsgrad zu steigern. Und es ist uns bekannt, dass zwischen guten und schlechteren Fahrer bis zu 25 Prozent Leistungsunterschiede liegen.

 

 

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App zur Mähdreschereinstellung

Die App «feiffer combine» kommt bei den Mähdrescherfahrern gut an und wird mit mehr als 4 Sternen als sehr hilfreich bewertet. Sie ist mit allen aktuellen Mähdreschern auf dem neusten Stand und man kann aus fast 400 Typen auswählen. Für jeden einzelnen Typ werden die optimalen Einstellwerte unter verschiedenen Erntebedingungen erarbeitet und in der Praxis erprobt. Als Zusatz gibt es eine Verlustabhilfe, mit einer Schritt-für-Schritt-Handlungsanleitung für jedes Verlustproblem wird das Einstellen leicht gemacht. Die App kostet 35 Franken pro Mähdrescher (Android und IOS).

www.feiffer-consult.de